Köthen (Anhalt) (1885–1927 amtlich Cöthen) ist die Kreisstadt des sachsen-anhaltischen Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, wirkte hier viele Jahre, und der homöopathische Weltärzteverband hat in Köthen seinen Sitz. Deswegen wird die Stadt gelegentlich als Welthauptstadt der Homöopathie bezeichnet. Weiterhin wurde in Köthen die Fruchtbringende Gesellschaft gegründet, und Johann Sebastian Bach schrieb hier unter anderem Teile des Wohltemperierten Klaviers und der Brandenburgischen Konzerte.
Geografie Lage und Klima Köthen liegt südlich von Magdeburg, nördlich von Halle (Saale), westlich von Dessau-Roßlau und östlich von Bernburg (Saale). Nördlich des Landkreises Anhalt-Bitterfeld beginnt das Biosphärenreservat Flusslandschaft Mittlere Elbe. Das nördliche Stadtgebiet wird von der Ziethe durchflossen, einem Gewässer mit sehr geringem Gefälle. Mitten im Schwarzerdegebiet der Magdeburger Börde gelegen, verfügt die Köthener Umgebung über beste landwirtschaftliche Böden. Durch den Regenschatten des Harzes ist die jährliche Niederschlagsmenge geringer als im restlichen Deutschland. Köthen liegt im Zentrum der fruchtbaren Köthener Ebene.
Die niedrigste für Köthen dokumentierte Temperatur wurde am 21. Februar 1929 mit −27,9 °C gemessen.Mitteldeutsche Zeitung – Köthener Zeitung, Meteorologie – So kalt wie seit Jahren nicht mehr, 8. Jan. 2009, S. 7.
Stadtgliederung Folgende Ortschaften gehören zur Stadt Köthen: Köthen (Kernstadt) Arensdorf (mit Gahrendorf) Baasdorf Dohndorf Löbnitz an der Linde (mit Wenndorf) Merzien (mit Zehringen und Hohsdorf) Porst Wülknitz
Zu den Ortsteilen zählen außerdem Porst und Elsdorf (seit 1961). Die aus Orten hervorgegangenen Stadtteile (seit 1923) sind Geuz und Klepzig. Die Ortschaften Merzien mit Zehringen und Hohsdorf wurden 1994, die anderen Ortschaften 2004 eingemeindet.
Die Ortschaften von Köthen (anklickbare Karte)
Geschichte Vorgeschichte Ältestes Zeugnis menschlicher Anwesenheit in der Köthener Gegend ist ein in der Prähistorischen Sammlung im Schloss Köthen aufbewahrter, etwa 250.000 Jahre alter Faustkeil eines altsteinzeitlichen Jägers. Aus der Mittelsteinzeit von vor etwa 10.000 Jahren zeugen Stielspitzen von Rentierjägern. Hier finden sich die Siedlungsplätze verschiedener Kulturen, die schon vor 5000 Jahren Ackerbau und Viehhaltung betrieben. Die ungewöhnlich große Zahl archäologischer Fundorte in der unmittelbaren Umgebung Köthens deutet auf eine relativ dichte Besiedlung schon Jahrtausende vor der Völkerwanderung. Zwischen 180 und 450 siedelten die germanischen Stämme der Hermunduren und Semnonen in der Köthener Gegend, deren eigene Keramik neben römischer Importware von festen Wohnstätten zeugt.
Etwa im 6. Jahrhundert drangen erstmals slawische Stämme bis in die Köthener Gegend und erbauten, oft auf der Basis vorhandener Anlagen, ihre Wallburgen. Nach 800 begann die karolingische Landnahme, und im Jahr 839 wurde die slawische Königsburg Cösitz südlich vom heutigen Köthen erobert. Der Gau Serimunt im Viereck zwischen Saale, Mulde, Elbe und Fuhne entwickelte sich im 11. Jahrhundert zum Herrschaftszentrum der Askanier. In den folgenden Jahrhunderten lebten hier slawische und deutsche Bevölkerungsteile nebeneinander – eine Wüstung Strösitz wird erwähnt – und noch bis zum Jahre 1293 war die sorbische Sprache an den anhaltischen Gerichten zugelassen. Zur Etymologie des Namens „Köthen“ vgl. den Artikel Kötter.
mini|hochkant=0.7|Hallescher Turm von 1462
Mittelalter Die erste Erwähnung Köthens findet sich in mehreren Chroniken, die zum Jahre 1115 berichten, dass der Askanier Otto von Ballenstedt plündernde Slawen „bei dem Orte, der Cothen heißt“, bekämpfte.Fritz Curschmann: Die Diözese Brandenburg. Untersuchungen zur historischen Geographie und Verfassungsgeschichte eines ostdeutschen Kolonialbistums. Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg, Leipzig 1906, S. 67 f., Anm. 2. Um 1150 bestand hier ein Archidiakonat unter der Dompropstei Magdeburg. 1156 wurden die „Herren von Köthen“ als Ministeriale erwähnt. 1160 wurde eine fürstliche Münzstätte in Köthen errichtet, in der zwischen 1170 und 1180 die Köthener Bernhards-Brakteaten und Denare (Pfennige) geprägt wurden.Gerald Heise: Die Entwicklung der Stadt Köthen – ein chronologischer Abriß – 1. Teil. 1984, S. 7.
1194 hatte der Ort bereits eigene Getreidemaße (Köthener Malter und Scheffel). 1244 wurde für Köthen erstmals ein Vogt erwähnt.Gerald Heise, 1984, S. 9. Im Jahre 1290 erhielt das Kloster Gottesgnaden bei Calbe das Patronat über die Köthener Pfarrgemeinde St. Jakob, deren erste Kirche 1330 nochmals erwähnt wurde. 1295 begann die Köthener Herrschaft der Askanier mit Graf Albrecht I., der seine Residenz auf der alten Burg nahm. 1313 wurde Köthen erstmals als „civitas“ bezeichnet, d. h. eine ummauerte Stadt mit eigenen Rechten. 1323 wurde erstmals ein aus zwölf Personen bestehender Rat urkundlich erwähnt, der sich um verschiedene Dinge der Finanz-, Wirtschafts- und Wehrpolitik kümmerte. Die Namen der ersten Ratsmitglieder sind nicht überliefert, erst von 1391 sind Namen bekannt. In dem Jahr waren es der Bürgermeister Hans Menwitz, der Kämmerer Simen Schroder und der Vorwerksverwalter Klaus Dunnewert.Gerald Heise, 1984, S. 14–15.
Als Ost-Kotene wurde das spätere Osterköthen 1339 erstmals urkundlich erwähnt.Gerald Heise, 1984, S. 17. Die erste urkundlich benannte Innung Köthens war die der Bäcker, deren Innungsbrief, ausgestellt vom Fürsten Johann I. von Anhalt, vom 29. April 1373 stammt.Gerald Heise: Die Entwicklung der Stadt Köthen – ein chronologischer Abriß – 1. Teil. 1984, S. 18. 1377 wurde erstmals die Neustadt Köthens erwähnt, die sich vor den eigentlichen Stadtmauern entwickelt hatte, aber auch über eigene, wenn auch weniger starke Verteidigungsanlagen verfügte.Gerald Heise: Die Entwicklung der Stadt Köthen – ein chronologischer Abriß – 1. Teil. 1984, S. 19–20. 1391 wurden eine Reihe von Einrichtungen erstmals urkundlich erfasst. Dazu gehörte die Erwähnung einer Schule auf dem Gelände der heutigen Naumann-Schule, des einzigen Innungshauses Köthens, das der Schuster, des Stadtteils Neumarkt sowie des Halleschen, Magdeburger und Schalaunischen Viertels.Gerald Heise: Die Entwicklung der Stadt Köthen – ein chronologischer Abriß – 1. Teil. 1984, S. 21–22. 1396 wurde erstmals eine Burg in Köthen urkundlich erwähnt. Auf Grund von archäologischen Funden geht man davon aus, dass bereits vor den Askaniern eine slawische Burg bestand.Gerald Heise: Die Entwicklung der Stadt Köthen – ein chronologischer Abriß – 1. Teil. 1984, S. 25.
Im Jahr 1400 begann der Bau der neuen St.-Jakobs-Kirche auf den Grundmauern der früheren Kirche. 1406 wurde Köthen durch den Magdeburger Erzbischof Günther II., Graf von Schwarzburg belagert. Eine Kanonenkugel aus dieser Zeit wurde an der Nordseite der damals noch im Bau befindlichen Kirche zur Erinnerung mit eingemauert.Günther Hoppe: Die Entwicklung der Stadt Köthen – ein chronologischer Abriß – 2. Teil. 1985, S. 7. 1445 wurde die gesamte Stadt Köthen unter Reichsacht gestellt. Kaiser Friedrich III. hatte diese auf Grund eines nicht näher bekannten Verbrechens eines Conrad aus Radegast ausgesprochen. Die Reichsacht währte 20 Jahre.Günther Hoppe, 1985, S. 8. 1450 wurde die Stadt von einer Pestepidemie heimgesucht; weitere folgten 1598, 1636 und 1681–1683. 1457 wurde das zweite Köthener Rathaus an der Stelle des vorigen errichtet.Günther Hoppe, 1985, S. 9. 1462 folgte der noch heute existierende Hallesche Turm, während der jetzige Magdeburger Turm erst 1562 auf Basis eines früheren Turms neu errichtet wurde. 1484 erhielt die Neustadt Fischereirecht für die Köthen umgebenden Gräben. 1494 wurde erstmals die 1785 abgebrochene Marienkapelle erwähnt.Günther Hoppe, 1985, S. 11.
Frühe Neuzeit mini|In der Altstadt sind viele Bauten aus der frühen Neuzeit erhalten
Um 1500 wurde erstmals die Schenke Schackenthal, der heutige Schwarze Bär und Sitz der Commerzbank, urkundlich erwähnt.Günther Hoppe 1997, S. 17. 1502 bekam die Neustadt das Stadtrecht verliehen, die Autonomie vom Fürsten scheint aber geringer gewesen zu sein als die der Altstadt. Da 19 der insgesamt 60 Punkte der Neustädter Willkür sich mit dem Bierbrauen beschäftigten, war dies vermutlich einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Ortes. Im Jahre 1525 wurde Anhalt-Köthen unter Fürst Wolfgang nach dem Vorgang von Kursachsen das zweite Land der Welt, das durch die Reformation die lutherische Lehre als Landesreligion einführte. 1527 wurde die erste Köthener Feuerordnung erlassen, die Bestimmungen für den Feuerschutz enthielt. Von Feuersbrünsten, die eine ganze Stadt vernichteten, wie sie häufig zu dieser Zeit vorkamen, blieb Köthen verschont,Günther Hoppe, 1985, S. 14. aber 1547 brannte die alte Askanierburg ab.Günther Hoppe, 1985, S. 15. Der auf der alten Köthener Burg lebende Reformator Fürst Wolfgang unternahm trotz Protest des Magdeburger Erzbischofs Albrecht 1533 die erste Kirchenvisitation, eines der frühesten Beispiele in Deutschland für die Aufnahme der landesfürstlichen Aufsicht über die Kirche. Im selben Jahr wurde erneut die einzige Schule der Stadt vermerkt, die einen Schulmeister hat. Ab 1534 begann, bedingt durch die Reformation, die Übertragung von Pfarrgrundstücken an den Rat der Stadt. So erhielt dieser 1534 3,5 Hufen des Klepziger Pfarrackers, 1535 vier Hufen „Wulfen’sches Lehen“ und 1553 erhielt die Stadt das Patronat über St. Jakob und damit über deren 15 Hufen. Zuvor hatte Fürst Wolfgang 1538 die Kalandsbrüderschaft mit Sitz in der Stiftstraße 2 enteignet und ihren Besitz an St. Jakob übertragen. Nachdem Wolfgang vom Kaiser unter Reichsacht gefallen war, besetzten spanische und ungarische Truppen unter dem Kommando des Reichsgrafen von Lodron zu Himmelfahrt 1547 die Stadt. Lodron verkaufte Köthen an den Burggrafen von Meißen. Die Askanier boten 32.000 Taler, um Köthen zurückzuerhalten, erhielten die Stadt aber erst zurück, nachdem sie sich 1551 an der Belagerung Magdeburgs beteiligt hatten und der deutsche Kaiser den Passauer Vertrag unterzeichnet hatte. 1562/1564 verzichtete Wolfgang auf seinen Anteil und Köthen fiel an Joachim Ernst.Günther Hoppe, 1985, S. 16. 1551 wird erstmals ein Stadtschreiber urkundlich erwähnt. 1562 erfolgte der Neubau des Magdeburger Turms. Im folgenden Jahr wurden erstmals drei Windmühlen erwähnt, die vor den Schalaunischen Toren gestanden haben.Günther Hoppe, 1985, S. 17.
1575 wurde nahe der Stadtmauer eine Mägdeleinschule gebaut. 1576 gab es in Köthen zwölf Innungen, die größte war die Schuster und Gewerbezunft mit 23 Meistern, die kleinste die Glaserzunft mit zwei Meistern.Günther Hoppe, 1985, S. 19. 1577 verbot der Rat der Stadt das Neujahrssingen; diese Form des Bettelns konnte aber nicht unterbunden werden, wie sich an regelmäßigen Erneuerungen des Verbots zeigte.So wurde es 1582, 1615, 1672, 1692, 1697, 1704, 1717 und zuletzt 1747 erneut verboten. Nach Günther Hoppe, 1985, S. 20. 1591 wurde ein Bettelvogt eingestellt, und zur Verhinderung der Raubfischerei folgte 1592 ein Teichmeister.Günther Hoppe, 1985, S. 21. Am 10. Juli 1599 stürzte der ursprüngliche Kirchturm der St. Jakobskirche ein und beschädigte die gegenüberliegende Stadtschule, jedoch kam kein Mensch zu Schaden. Erst 1895 erhielt St. Jakob wieder zwei neue Türme, die höchsten in Anhalt.
mini|Schloss Köthen