Der Saalkreis war ein Landkreis im Süden des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Am 1. Juli 2007 wurde er im Rahmen der Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt mit dem Landkreis Merseburg-Querfurt zum neuen Saalekreis fusioniert. Nachbarkreise waren im Norden die Landkreise Bernburg, Köthen und Bitterfeld, im Osten der sächsische Landkreis Delitzsch, im Süden der Landkreis Merseburg-Querfurt und im Westen der Landkreis Mansfelder Land. Der Kreis umschloss kragenförmig die kreisfreie Stadt Halle (Saale), die Sitz des Kreises war.

Der Saalkreis bestand bereits seit der frühen Neuzeit im Herzogtum Magdeburg sowie seit 1816 in der preußischen Provinz Sachsen.

Geographie Durch das frühere Gebiet des Saalkreises fließt neben der Saale auch die Salza. Weitere kleine Flüsse sind die Laweke, Würde, Kabelske, der Strengbach und die Götsche. Während im westlichen Teil des Gebiets vorwiegend Hügel und eingeschnittene Täler vorherrschen, ist der Norden und Osten geprägt durch flache Ebenen. Der Petersberg bei Halle ist mit die höchste Erhebung des ehemaligen Saalkreises und liegt in dessen Nordosten.

Verwaltungsgeschichte Herzogtum Magdeburg

Unter der Bezeichnung „Saalkreis“ waren die Besitzungen des Erzstifts Magdeburg in der Gegend von Halle zusammengefasst, die seit 1680 mit dem nun weltlichen Herzogtum Magdeburg zu Brandenburg-Preußen gehörten. Der Saalkreis umfasste 1790 die folgenden Städte und Gemeinden: Halle (Saale) als einzige direkt dem Herzogtum Magdeburg unterstellte Immediatstadt im Saalkreis, die vier Städte Alsleben (welches ab 1816 zum Mansfelder Seekreis wechselte), Könnern, Löbejün, Wettin, die 1817 zu Halle eingemeindeten, damals aber noch selbstständigen Städte Glaucha und Neumarkt, die königlichen Ämter Giebichenstein (heute Stadtteil von Halle), Beesen (heute Stadtteil von Könnern), Brachwitz, Rothenburg, Petersberg und Wettin, das fürstlich-anhaltische Amt Alsleben sowie 174 weitere Dörfer und Ortschaften unter adliger oder geistlicher Patrimonialgerichtsbarkeit.

1807, im Frieden von Tilsit, verlor Preußen auch den Saalkreis an das französische Kaiserreich, von dem die preußischen Gebiete an der mittleren Elbe dem neu gegründeten Königreich Westphalen zugeteilt wurden. Dort gehörte das Kreisgebiet zum neugebildeten Distrikt Halle des Departement der Saale.

Preußische Provinz Sachsen Nach der Niederlage Napoleons in den Befreiungskriegen nahm der preußische König mit seinen „alten Provinzen“ auch den Saalkreis wieder in Besitz. 1815 wurde aus diesem „Altbesitz“ aus der Zeit vor 1807 und den aufgrund der Regelungen des Wiener Kongresses erworbenen sächsischen Gebieten die Provinz Sachsen gebildet und in deren Regierungsbezirk Merseburg als untere Verwaltungsbehörde der Saalkreis zum 1. Oktober 1816 mit modifizierten Grenzen wiederhergestellt:Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Merseburg 1816, S. 333 Die Städte Glaucha und Neumarkt sowie die Orte Böllberg, Diemitz und Giebichenstein sowie das Vorwerk Gimritz wechselten in den Stadtkreis Halle. Das Dorf Spröda wechselte in den Kreis Delitzsch. Mehrere Bauernhöfe wechselten in den Kreis Bitterfeld. Aus dem altsächsischen Amt Delitzsch kamen die Dörfer Beidersee, Burg, Frößnitz, Rosenfeld und Westewitz zum Saalkreis. Aus dem altsächsischen Amt Merseburg kam das Dorf Döllnitz zum Saalkreis. Das Landratsamt des Saalkreises befand sich zunächst in Wettin.

Zum 10. November 1819 wurden aus dem Saalkreis die Weinberge zwischen Gimritz und Passendorf, die Gimritzer und die Kreuzschäferei, das Rittergut Freiimfelde und das Dorf Wörmlitz in den Stadtkreis Halle umgegliedert.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Merseburg 1819, S. 474

Am 1. Juli 1828 kam der ländliche Teil des Stadtkreises Halle, darunter die Dörfer Böllberg, Diemitz, Giebichenstein und Wörmlitz wieder zum Saalkreis.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Merseburg 1828, S. 155 Zum 1. Oktober 1833 wurde das Landratsamt von Wettin nach Halle verlegt.

Ab dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis als Teil des Königreichs Preußen zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Am 10. August 1876 wurde der Gutsbezirk Freiimfelde aus dem Saalkreis nach Halle eingegliedert. Am 1. April 1900 traten die Landgemeinden Cröllwitz, Giebichenstein und Trotha und der Gutsbezirk Gimritz vom Saalkreis nach Halle über.

Gegen Ende der 1920er Jahre fand im Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der nahezu alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Die Gutsbezirke im Saalkreis wurden bis Ende 1928 aufgelöst.Amtsblatt der Regierung zu Merseburg 1928: Stück 41 (Sonderbeil.), Stück 47 und 50 Digitalisat

Die Gemeinde Ammendorf erhielt am 15. Dezember 1937 das Stadtrecht. Am 1. April 1942 wurde zur Beseitigung von Exklaven die bis dahin zum Saalkreis gehörende Gemeinde Löbnitz an der Linde in den Landkreis Dessau-Köthen des Landes Anhalt umgegliedert.

Als Teil des ehemaligen Regierungsbezirks Merseburg gehörte der Kreis seit der Auflösung der Provinz Sachsen mit Wirkung vom 1. Juli 1944 zur neuen Provinz Halle-Merseburg. Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet zunächst durch US-amerikanische Streitkräfte besetzt.

DDR Am 1. Juli 1950 kam es in der DDR zu einer ersten Gebietsreform: Aus dem Landkreis Bitterfeld wechselten die Gemeinden Kütten (mit Drobitz), Mösthinsdorf, Plötz (mit Kösseln) und Ostrau (mit Werderthau) in den Saalkreis. Aus dem Mansfelder Seekreis wechselten die Gemeinden Beesenstedt, Bennstedt, Fienstedt, Höhnstedt, Kloschwitz, Langenbogen, Salzmünde, Schochwitz, Steuden, Teutschenthal, Wansleben am See und Zappendorf in den Saalkreis. Aus dem Landkreis Merseburg wechselte die Gemeinde Angersdorf in den Saalkreis. Aus dem Landkreis Delitzsch wechselten die Stadt Landsberg sowie die Gemeinden Bageritz, Benndorf, Dölbau, Gollma, Gütz, Klepzig, Kockwitz, Lohnsdorf, Naundorf b. Reideburg, Queis, Reinsdorf, Reußen, Sietzsch, Wiedersdorf, Wiesenena und Zwebendorf in den Saalkreis. Die Stadt Ammendorf sowie die Gemeinden Bruckdorf, Büschdorf, Dautzsch, Diemitz, Dölau, Kanena, Lettin, Mötzlich, Nietleben, Reideburg, Seeben, Tornau und Wörmlitz-Böllberg schieden aus dem Saalkreis aus und wurden in die kreisfreie Stadt Halle eingegliedert. Die Stadt Könnern sowie die Gemeinden Beesenlaublingen, Edlau, Garsena, Golbitz, Kustrena, Lebendorf, Mukrena, Trebitz b. Könnern, Trebnitz und Unterpeißen wurden aus dem Saalkreis in den Landkreis Bernburg umgegliedert. Die Gemeinde Pritschöna wurde aus dem Saalkreis in den Landkreis Merseburg umgegliedert. Die Gemeinde Wieskau wurde aus dem Saalkreis in den Landkreis Köthen umgegliedert.

Bei der Bezirks- und Kreisreform in der DDR wurde 1952 die Abgrenzung noch einmal leicht geändert: Aus dem Landkreis Merseburg wechselten die Gemeinden Beuditz, Hohenweiden und Holleben in den Saalkreis. Die Gemeinde Wansleben am See wechselte aus dem Saalkreis in den Kreis Eisleben. Die Gemeinde Wiesenena wechselte aus dem Saalkreis in den Kreis Delitzsch im Bezirk Leipzig. Der Saalkreis wurde dem neuen Bezirk Halle zugeordnet.

Zum Saalkreis im Bezirk Halle der DDR siehe

Bundesrepublik Deutschland Nach der Wiedervereinigung gehörte der Saalkreis zum Regierungsbezirk Halle des Landes Sachsen-Anhalt. Bei der Kreisreform von 1994 wechselte die Gemeinde Dornstedt aus dem Landkreis Querfurt in den Saalkreis. Am 1. August 2004 schieden die drei Gemeinden Döllnitz, Hohenweiden und Lochau aus dem Saalkreis aus und wurden in die Gemeinde Schkopau im damaligen Landkreis Merseburg-Querfurt eingegliedert. Im Rahmen der Kreisreform von 2007 wurde der Saalkreis mit dem Landkreis Merseburg-Querfurt zum Saalekreis zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1816 27.149 1843 40.126 1871 61.679 1890 82.835 1900 69.921 1910 81.683 1925 88.068 1933 93.513 1939 98.633 1946 123.122 Volkszählung 1946 1955 94.600 1960 89.451 1971 80.962 1981 70.436 1990 64.400 2000 82.000 2007 75.457 Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Monatsheft 11/2007

Landräte 1680–1681 Hans von Dieskau († 1681) 1681–1711 Karl von Dieskau († 1727) 1711–1719 Karl von Dieskau 1719–1723 Vollrat Ludolf von Krosigk 1723–1741 Andreas Friedrich von Pawlowski († 1741) 1741–1754 Karl Andreas von Schomberg 1754–1770 von Taubenheim 1771–1775 Christoph Friedrich aus dem Winckel 1776–1794 Ferdinand Anton von Krosigk 1795–1806 Gottlob Heinrich Magnus von Wedell

1816–1833 Dedo von Krosigk 1833–1852 Wilhelm von Bassewitz 1852–1898 Curt von Krosigk 1892–1899 Nikolaus von Werder 1899–1919 Dietrich Anton Wilhelm von Krosigk 1919–1921 Adolf Thiele 1921–1928 Gerhard Müller 1928–1932 Otto Streicher, war 12 Jahre in Konzentrationslagern und starb in Auschwitz 1932–1933 Erich Kirschbaum 1933–1945 Hans Bielenberg 1945–? Alfred Lachmann, berufen von der US-MilitärregierungKreisarchiv Anhalt-Bitterfeld: Amtliches Nachrichtenblatt des Oberbürgermeisters der Stadt Köthen (Anhalt), des Landrates für den Landkreis Dessau-Köthen. Nummer 16/17, 29. Juni 1945.

1990–2007 Knut Bichoel

Kommunalverfassung bis 1945 Die Saalkreis gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung im Jahre 1928 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Am 15. Februar 1937 erhielt die Gemeinde Ammendorf die Bezeichnung „Stadt“ verliehen. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Wappen Das Wappen wurde am 13. März 1995 durch das Innenministerium genehmigt, dabei wurde das bereits am 31. Mai 1937 verliehene Wappen bestätigt.

Blasonierung: „Geviert; Feld 1 und 4: von Rot und Silber geteilt, Feld 2: in Gold ein schwarzer rot bewehrter Löwe, Feld 3: in Gold zwei blaue Pfähle.“

Städte und Gemeinden bis 1950 Stand 1950 Zum Saalkreis gehörten vor der Gebietsreform von 1950 vier Städte und 79 weitere Gemeinden: Ammendorf, Stadt Bebitz Beesedau Beesenlaublingen Beidersee Benndorf Brachstedt Brachwitz Braschwitz Bruckdorf Büschdorf Dalena Dammendorf Diemitz Dieskau Dobis Döblitz Dölau Döllnitz Domnitz Dornitz Dößel Eismannsdorf Friedrichsschwerz Garsena Gimritz Golbitz Gottenz Gröbers Großkugel Gutenberg Hohenedlau Hohenthurm Kaltenmark Kanena Kirchedlau Kleinkugel Könnern, Stadt Krosigk Kustrena Lebendorf Lettewitz Lettin Lieskau Löbejün, Stadt Lochau Maschwitz Merbitz Möderau Morl Mötzlich Mukrena Nauendorf Nehlitz Neutz Niemberg Nietleben Oppin Peißen Petersberg Plößnitz Priester Pritschöna Reideburg Rothenburg Schiepzig Schlettau Schwerz Seeben Sennewitz Spickendorf Teicha Tornau Trebitz b. Könnern Trebnitz Unterpeißen Wallwitz Wettin, Stadt Wieskau Wörmlitz-Böllberg Zöberitz Zscherben Zwintschöna

Vor 1950 aufgelöste oder ausgeschiedene Gemeinden Beesen, 1917 zu Ammendorf. Bennewitz, 1938 zu Benndorf Böllberg, 1928 zu Wörmlitz-Böllberg Burg bei Reideburg, in den 1920er Jahren zu Reideburg Burg in der Aue, 1920 zu Ammendorf Cröllwitz, 1900 zu Halle Dachritz, 1938 zu Wallwitz Deutleben, 1938 zu Neutz Freiheit Oppin, 1921 zu Oppin Frößnitz, 1938 zu Petersberg Giebichenstein, 1900 zu Halle Görbitz, 1938 zu Lettewitz Groitsch, 1938 zu Teicha Harsdorf, 1921 zu Oppin Hohen, 1938 zu Brachstedt Inwenden, 1921 zu Oppin Kapellenende, in den 1920er Jahren zu Reideburg Lehndorf, 1936 zu Teicha Löbnitz an der Götsche, 1936 zu Teicha Löbnitz an der Linde, 1942 zum Landkreis Dessau-Köthen Mitteledlau, 1938 zu Kirchedlau Obermaschwitz, 1938 zu Maschwitz Osendorf, 1920 zu Ammendorf Osmünde, 1938 zu Gröbers Planena, 1920 zu Ammendorf