Die Hauskatze (Felis catus, Synonym: Felis domestica) ist die Haustierform der Falbkatze. Sie zählt zu den beliebtesten Heimtieren. In der Rassekatzenzucht werden oft nur die Tiere als Hauskatze bezeichnet, die keiner anerkannten Rasse angehören.

In Deutschland sind Hauskatzen die am häufigsten gehaltenen Haustiere.

Aufgrund ihres Jagdverhaltens sind freilaufende Hauskatzen mancherorts eine Bedrohung der Artenvielfalt und zählen zu den problematischsten invasiven Arten der Welt.

Körpermerkmale Äußere Merkmale Die Merkmale der Hauskatze schwanken je nach Verbreitungsgebiet. Bei den gezüchteten Formen sind sie von den Rassestandards abhängig, bei den kulturfolgenden Hauskatzen unterliegen sie dem jeweiligen Selektionsdruck, der von den natürlichen Umweltbedingungen abhängt.

Hauskatzen sind im Durchschnitt etwa 50 Zentimeter lang (Kopf-Rumpf-Länge) und 4 Kilogramm schwer mit einer großen Variationsbreite von ca. 2,5 kg bis ca. 8 kg. Männliche Tiere sind etwas größer als weibliche. Die Länge des Schwanzes beträgt etwa 25 bis 30 cm. Eine Ausnahme ist die schwanzlose Manx-Katze von der Insel Man. Die Schulterhöhe beträgt 30 bis 35 cm. In Verbreitungsgebieten mit kälterem Klima sind die Katzen allgemein schwerer und größer, in wärmeren Gebieten sind sie leichter.

Die National Geographic Society (1981) gibt die durchschnittliche Kopf-Rumpf-Länge mehrerer beliebter Katzenrassen mit 46 cm und die Schwanzlänge mit 30 cm an. Der bisher schwerste dokumentierte Hauskater war der stark adipöse „Himmy“ aus Australien mit 21,2 kg.

mini|hochkant=1.1|Verschiedene Hauskatzen-Züchtungen Die Hauskatze im Wildtyp besitzt eine M-förmige Zeichnung auf der Stirn, von den Augen zur Seite gehende „Kajal“-Striche, einen dunklen Aalstrich und dunkle Querstreifen (oder auch Tupfen) an den Körperseiten. Beine und Schwanz sind ebenfalls dunkel gebändert. Ihre Farbe variiert von grau-schwarz bis zu warmen Brauntönen. Die für die Hauskatze typischen Fellzeichnungen werden als Tabby bezeichnet. Neben dem oben beschriebenen Wildtyp, mackerel (= Englisch für Makrele) genannt, haben sich weitere Zeichnungen und eine Vielzahl an Fellfarben herausgebildet. In Europa, Nordamerika und Australien überwiegt die gestromte Zeichnung, die oft mit einer teilweisen Weißfärbung verbunden ist.

Die Ohren der Hauskatze stehen aufrecht, sind breit am Ansatz, dreieckförmig und an den Spitzen leicht gerundet. Sie können unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen gedreht sowie gänzlich flach an den Hinterkopf angelegt werden. Die Augen sind nach vorne gerichtet und ermöglichen so räumliches Sehen.

Stütz- und Bewegungsapparat mini|Das Skelett Das Skelett der Hauskatze besteht aus über 230 Knochen. Der Schädel der Katze ist kurz und robust gebaut. Die Augenhöhle ist nicht vollständig knöchern geschlossen, der hintere Teil wird durch ein bindegewebiges Band verschlossen. Die Wirbelsäule besteht aus sieben Hals-, 13 Brust-, sieben Lenden-, drei zum Kreuzbein verwachsenen Kreuz- und 20 bis 23 Schwanzwirbeln. Das Schlüsselbein ist lediglich ein in den Musculus brachiocephalicus eingelagerter Knochen, der mit dem übrigen Skelett nicht in Verbindung steht. Am unteren Ende der Schulterblattgräte (Spina scapulae), dem sogenannten Acromion, besitzen Katzen einen nach unten gerichteten Processus hamatus und einen für Katzen typischen nach hinten gerichteten Processus suprahamatus. Der Oberarmknochen besitzt an seinem unteren Ende ein an der Innenseite gelegenes Loch (Foramen supracondylare) zum Durchtritt der Arteria brachialis und des Nervus medianus. Die kräftigen Hinterbeine sind eher auf Springen als auf schnelles Laufen spezialisiert. Die Katze kann dank ihrer kräftigen Muskulatur sehr gut springen und sprinten. Als typischer Lauerjäger ist sie jedoch kein ausdauernder Läufer.

Die Hauskatze ist wie alle Kleinkatzen ein Zehengänger. An den Vorderbeinen hat sie fünf Zehen, wovon eine keinen Bodenkontakt hat, und an den Hinterbeinen vier. Die scharfen gebogenen Krallen dienen unter anderem zum Fangen und Halten der Beute. Sie liegen in Ruheposition durch elastische Bänder zurückgezogen in einer Hauttasche. Sie können zum Beutefang, zum Klettern, zum Markieren des Reviers durch Kratzmarken oder zur Verteidigung „ausgefahren“ werden.

Verdauungsapparat mini|Gebiss der Katze

Das bleibende Gebiss der Katzen hat 30 Zähne. Es hat in jeder Kieferhälfte drei Schneidezähne (Incisivi, I) und einen Eck- oder Hakenzahn (Caninus, C). Im Oberkiefer sind drei, im Unterkiefer nur zwei vordere Backenzähne (Prämolaren, P) ausgebildet. In jeder Kieferhälfte ist nur ein hinterer Backenzahn (Molar, M) vorhanden.

Es ergibt sich diese Zahnformel:

Oberkiefer I1 I2 I3 C1 P1 P2 P3 M1 I1 I2 I3 C1 P1 P2 — M1 Unterkiefer

mini|Schematische Anatomie der Hauskatze (männlich)

Das Milchgebiss der Katzen hat 26 Zähne. Mit etwa sechs Monaten findet der Zahnwechsel statt. In dieser Zeit kann es zu „Doppelzähnen“ kommen, wenn die Milchzähne nicht ausfallen. Die hinteren Mahlzähne haben keine Milchzahnvorgänger und die Zahnformel lässt sich folgendermaßen darstellen:

Oberkiefer i1 i2 i3 c1 p1 p2 p3 i1 i2 i3 c1 p1 p2 — Unterkiefer

Typisch für fleischfressende Raubtiere sind ihre kräftigen Kiefermuskeln und die scharfen Zähne. Mit den stark ausgebildeten Reißzähnen, im Oberkiefer der letzte Prämolar, im Unterkiefer der erste Molar, also P3|M1, auch als Brechschere bezeichnet, (und deren an der Basis befindlichen Drucksensoren) können Fleisch und kleine Knochen zerkleinert werden. Die Eckzähne, besser als Fangzähne bezeichnet, dienen vornehmlich dem Fangen, Festhalten und Tragen der Beute; sie werden auch bei Revierkämpfen und zur Fellpflege eingesetzt. Die fadenförmigen mechanischen Zungenpapillen sind stark verhornt und rachenwärts gerichtet, was bei der Aufnahme von Flüssigkeiten wie auch bei der Fellpflege hilft, da sich lose Haare in den Haken verfangen.

Der Verdauungstrakt ist säugertypisch. Der Magen ist einhöhlig-zusammengesetzt. Der Blinddarm ist 2 bis 4 cm lang. Ein Wurmfortsatz ist hingegen nicht ausgebildet. Der Grimmdarm ist, wie beim Menschen, in Form eines einfachen, nach hinten offenen U gestaltet, hat hingegen keine Bandstreifen. Raubtiertypisch ist der gesamte Verdauungstrakt kurz.

Stoffwechsel Die Katze benötigt, wie die meisten Säugetiere (einschließlich Mensch), Retinol (oder Vitamin A1), nimmt aber eine Sonderstellung ein, da sie im Gegensatz zu fast allen anderen Tieren nicht β-Carotin in Retinol umwandeln kann. Sie ist daher natürlicherweise auf den ausreichenden Genuss von Leber angewiesen, um sich mit Vitamin A versorgen zu können. Weiterhin kann die Katze – im Gegensatz zu fast allen anderen Tieren – Arachidonsäure nicht aus der Omega-6-Fettsäure Linolsäure synthetisieren und muss diese daher über die Nahrung aufnehmen.Michael S. Hand (Hrsg.), Hans Joachim Oslage (Red.): Klinische Diätetik für Kleintiere. 4. Auflage, Band 1, Schlütersche 2004, ISBN 978-3-87706-893-9, S. 376.

Lebenserwartung Im Haus lebende Katzen erreichen bei Pflege durch den Menschen in der Regel ein Alter von 15 bis 20 Jahren.Hauskatze – Wie alt wird eine Katze? | Lebenserwartung der Hauskatze, naanoo.de. Nach Desmond Morris sind aber auch Lebensalter von mehr als 20 Jahren belegt. Als Ausnahme nennt er den Fall einer Tabbykatze namens „Puss“, die von 1903 bis 1939, also 36 Jahre, gelebt habe.Desmond Morris: Warum machen Katzen einen Buckel? Heyne, München, ISBN 3-453-05213-7, S. 141.

Die älteste bekannte Hauskatze war die Katze Creme Puff aus Austin, Texas. Sie wurde am 3. August 1967 geboren und verstarb im Alter von 38 Jahren und drei Tagen am 6. August 2005. Der Besitzer Jake Perry war bereits Halter des vorhergehenden Rekordhalters, eines Katers namens Grandpa Rex Allen.

In freilaufenden Katzenpopulationen ohne menschliche Zuwendung und medizinische Betreuung liegt die Lebenserwartung einer Katze zwischen 1,4 und 3,2 Jahren (männliche Tiere) bzw. 3,3 und 4,2 Jahren (weibliche Tiere). Diese Zahlen gehen aus Untersuchungen hervor, die von Liberg (1980) in einem ländlichen Gebiet Schwedens und Legay und Pontier (1983) in der französischen Stadt Lyon durchgeführt wurden.

Verbreitung mini|Kind mit Hauskatze in Deutschland

Als Heim- oder Haustier kommt die Hauskatze weltweit in nahezu allen vom Menschen besiedelten Gebieten vor. Sie kann als wild oder verwildert lebendes Tier aber nur in klimatisch warmen oder gemäßigten Zonen unabhängig von subsidiären menschlichen Einflüssen leben. Sie gilt als Kulturfolger.

Auch in den biogeographisch lange isolierten Lebensräumen Australiens und Neuseelands, in die sie durch den Menschen eingebracht wurde, konnte sie sich verhältnismäßig schnell anpassen, beeinflusst dort jedoch zusammen mit einer Vielzahl anderer Neozoen die vorhandenen einzigartigen Ökosysteme.

Man ging 2023 von 15,7 Millionen Hauskatzen in Deutschland aus, 27,4 Millionen in ganz Mittel- und Westeuropa (2014) und weltweit von mehr als einer Milliarde Tieren (einschließlich verwilderter und halbwilder Populationen).Luke Hunter, Priscilla Barret: Raubtiere der Welt. Ein Feldführer. 1. Auflage, Haupt-Verlag, Wien u. a. 2012, ISBN 978-3-258-07727-7, S. 7.

Genetik Karyotyp und Genom Die Hauskatze besitzt wie die Wildkatze 2n=38 Chromosomen.Sajiro Makino: An atlas of the chromosome numbers in animals. Second edition: Iowa State College Press, Ames (Iowa) 1951. Seite 281 zitiert Originalarbeiten von 1911 bis 1949. Im Chromosomensatz sind etwa 20.000 Gene verortet. Die erste, 2007 publizierte Skizze des Katzengenoms war von einer Abessinierkatze mit einer Länge von etwa 2.700.000.000 bp.J. U. Pontius, J. C. Mullikin, D. R. Smith, K. Lindblad-Toh, S. Gnerre, M. Clamp, J. Chang, R. Stephens, B. Neelam, N. Volfovsky, A. A. Schäffer, R. Agarwala, K. Narfström, W. J. Murphy, U. Giger, A. L. Roca, A. Antunes, M. Menotti-Raymond, N. Yuhki, J. Pecon-Slattery, W. E. Johnson, G. Bourque, G. Tesler, S. J. O'B: Initial sequence and comparative analysis of the cat genome. In: Genome Research. Band 17, Nummer 11, November 2007, S. 1675–1689, . doi:10.1101/gr.6380007. PMID 17975172. . Von Hauskatzen kann ein genetischer Fingerabdruck genommen werden, beispielsweise für die Forensik.M. Menotti-Raymond, V. A. David, J. C. Stephens, L. A. Lyons, S. J. O’Brien: Genetic individualization of domestic cats using feline STR loci for forensic applications. In: Journal of Forensic Sciences. Band 42, Nummer 6, November 1997, S. 1039–1051, . PMID 9397545.

Im Unterschied zu nahe verwandten Raubtieren (beispielsweise Hunden) kann die Hauskatze, so wie Geparden und Tiger, die Geschmacksrichtung süß nicht wahrnehmen. Der Grund ist eine Mutation im Tas1r2-Gen, genauer eine 247 bp lange Deletion.X. Li, W. Li, H. Wang, J. Cao, K. Maehashi, L. Huang, A. A. Bachmanov, D. R. Reed, V. Legrand-Defretin, G. K. Beauchamp, J. G. Brand: Pseudogenization of a sweet-receptor gene accounts for cats' indifference toward sugar. In: PLoS genetics Band 1, Nummer 1, Juli 2005, S. 27–35, . doi:10.1371/journal.pgen.0010003. PMID 16103917. .

Genetik der Fellfarben mini|Europäisch Kurzhaar mit einem der häufigsten Fellschemata Alle Fellfarben der Katze beruhen auf zwei Farbstoffen: Eumelanin (Schwarz) und Phäomelanin (Rot). In der Streifenzeichnung der wilden Vorfahren kamen beide Farbstoffe vor.

Das Fellmuster der Katzen wird durch das Tabby-Gen bestimmt. Jede Katze hat die Veranlagung zu einer der typischen Fellmusterungen: getigert, gestromt, getupft oder getickt. Auch die einfarbige Katze wie die blaue Kartäuser hat eine solche Veranlagung, die aber das Non-Agouti-Gen (Abk. aa) maskiert.Carolyn M. Vella, Lorraine M. Shelton, John J. McGonagle, Terry W. Stanglein: Robinson's genetics for cat breeders and veterinarians. Fourth edition, reprinted 2003, ISBN 0-7506-4069-3, S. 134–154: Chapter 9: Color inheritance.