Japanisch (, Nihongo, IPA , ; selten auch Nippongo) ist die Amtssprache Japans. Es ist die Muttersprache von rund 99 % der Bevölkerung Japans. Die großen japanischen Sprechergruppen in Brasilien und den USA sind Nachfahren japanischer Emigranten. Eine Besonderheit der Sprache ist ihr komplexes Schriftsystem, das eine Mischung aus chinesischen Schriftzeichen (genauer Kanji) und den Silbenschriften (genauer Morenschrift) Hiragana und Katakana ist.

Verbreitung Mit etwa 127 Mio. Sprechern und einem Sprecheranteil von 2,4 % an der Weltbevölkerung steht Japanisch in der Liste der meistgesprochenen Sprachen auf Rang 13. Außerhalb Japans wird es hauptsächlich im Einwanderungsland USA (ca. 200.000 Sprecher auf dem nordamerikanischen Festland, ca. 220.000 Sprecher auf Hawaii) und in Südamerika (ca. 380.000 Sprecher, vor allem in Brasilien) gesprochen. Dies ist vor allem auf die drei großen Auswanderungswellen am Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen.

Nach einer Berechnung sind 5,1 % aller Websites auf Japanisch verfasst (Stand 2025). Trotz dieses hohen Anteils an Sprechern gilt Japanisch nicht als eine Weltsprache, da deren 127 Mio. Sprecher nahezu ausnahmslos Muttersprachler sind (Vergleich: Deutsche Muttersprachler 105 Millionen, Zweitsprachler aber bis zu 80 Millionen), die japanische Sprache also relativ zu den Weltsprachen nur wenige Zweitsprachler hat und damit lokal auf Japan und die Japaner begrenzt bleibt. Die japanische Minderheit in Mikronesien stammt von Einwanderern während der Kolonialzeit ab, welche allerdings auch nur noch teilweise das Japanische ihrer Vorfahren beherrscht.

Dialekte mini|hochkant=1.9|Karte der japanischen Dialekte und Akzentschemata (blau: Tokio-Akzent (Standardakzentmuster), orange: Kyōto-Ōsaka-Akzent, weiß: akzentlos)

Das Japanische besteht auch aus einer Vielzahl von Dialekten, die aufgrund der Besiedelung abgelegener Landstriche in der gebirgigen Landschaft des Archipels, der politischen Zersplitterung und damit des begrenzten sprachlichen Austausches der Menschen aus verschiedenen Regionen entstanden sind. Die lange Geschichte der inneren und äußeren Abschottung Japans trug ebenfalls zur Entstehung dieser sprachlichen Diversität bei. Dialekte unterscheiden sich in ihrem Akzent, ihrer Flexion, im Vokabular und auch im Gebrauch von Partikeln. In einigen wenigen Dialekten weicht auch das Inventar an Vokalen und Konsonanten von der Standardsprache ab.

Bei japanischen Dialekten wird grob zwischen den östlichen Dialekten des Tokio-Typs () und den westlichen Dialekten des Kyōto-Osaka-Typs () unterschieden. Letztere werden hauptsächlich in der Zentralregion gesprochen, die sich grob aus der Region Kansai, der Insel Shikoku und dem Westen Hokurikus zusammensetzt. In jeder dieser beiden Hauptgruppen gibt es zahlreiche Untergruppierungen.

Die Dialekte aus den Randgebieten, beispielsweise aus Tōhoku oder Kagoshima, können für Sprecher aus anderen Landesteilen unverständlich sein. Darüber hinaus existieren in Bergdörfern und auf isolierten Inseln auch Sprachinseln wie auf der Insel Hachijō-jima, deren Dialekt sich auf die östliche Variante des Altjapanischen zurückführen lässt. Hingegen werden die Dialekte der Kansai-Region von vielen Japanern gesprochen oder verstanden, und speziell der Dialekt aus Ōsaka wird mit Unterhaltung assoziiert (siehe Kansai-Dialekt). Im Gegensatz dazu werden die Dialekte aus Tōhoku und der nördlichen Kantō-Region als typische Bauerndialekte angesehen.

Die Ryūkyū-Sprachen, die in der Präfektur Okinawa und auf den Amami-Inseln der Präfektur Kagoshima gesprochen werden, sind derart verschieden, dass sie als eigener Zweig der japonischen Sprachen betrachtet werden: Sie sind nicht nur für Muttersprachler des Japanischen, sondern auch untereinander unverständlich. Aus politischen Gründen werden sie aber entgegen der linguistischen Meinung oft als Dialekte des Japanischen betrachtet.

Historisch wurde auch auf der Koreanischen Halbinsel eine japonische Sprache gesprochen, die ebenfalls als eigene Sprache und nicht als Dialekt des heutigen Japanisch gilt.

Die japanische Hochsprache, welche sich aus dem in Tokio gesprochenen Dialekt ableitet, ist aufgrund der Verbreitung durch das Bildungssystem, des Gebrauchs in den Massenmedien, einer zunehmenden Durchmischung der japanischen Bevölkerung und der wirtschaftlichen Eingliederung im ganzen Land verbreitet.

Herkunft und Einordnung Die Sprachen der Japanisch-Ryūkyū-Familie werden auf ein hypothetisches Proto-Japonisch zurückgeführt, auf dem die heutigen Sprachen (oder Dialekte) basieren. Das Proto-Japonische soll seinen linguistischen Ursprung im südöstlichen China beziehungsweise östlichen China haben. Spätestens seit 1500 v. Chr. soll das Japonische in der heutigen Koreanischen Halbinsel präsent gewesen sein, wo es von den Menschen der Mumun-Kultur gesprochen wurde. Ab 300 v. Chr. wanderten Proto-Koreaner von der Mandschurei aus in die Halbinsel ein und lösten die Yayoi-Migration nach Japan aus. Die verbliebenen Proto-Japaner lebten parallel zu den neu angekommenen Proto-Koreanern und wurden langsam assimiliert.RECONSTRUCTING THE LANGUAGE MAP OF PREHISTORICAL NORTHEAST ASIA - Juha Janhunen Studia Orientalia 108 (2010)Alexander Vovin: From Koguryo to Tamna: Slowly riding to the South with speakers of Proto-Korean Korean Linguistics. 15 (2), 2013, S. 222–240.J. Marshall Unger: The role of contact in the origins of the Japanese and Korean languages. University of Hawaii, Honolulu 2009

Mögliche weitere Verwandtschaft Die japonischen Sprachen werden allgemein als eigene Sprachfamilie ohne weitere Verwandte angesehen. Dennoch gibt es einige Hypothesen bezüglich einer weiteren Verwandtschaft. Keine davon wird von heutigen Experten anerkannt.

Altaisch und Koreanisch Durch ihren agglutinierenden Sprachbau weist die japanische Sprache Parallelen zu den altaischen Sprachen, den austronesischen Sprachen, den dravidischen Sprachen sowie dem Koreanischen auf, Herkunft und Einordnung der Sprache sind jedoch umstritten. Eine Rekonstruktion der Morphologie des Proto-Japonischen zeigt große Ähnlichkeiten mit südostasiatischen Sprachen auf. Bis auf eine Ausnahme gehören die 20 phonologisch ähnlichsten Sprachen zur Sino-Tibetischen Sprachfamilie. Die japanische Phonologie weist nicht viel Ähnlichkeit mit seinen Nachbarn auf, und seine phonotaktischen Muster sind stark tibeto-burmanisch geprägt.

Das erste Problem ist, dass das älteste erhaltene japanische Schriftzeugnis, das Kojiki, erst aus dem 8. Jahrhundert nach Christus stammt, d. h. etwa aus der Zeit der frühesten altaischen Schriftzeugnisse (Orchon-Runen, Kitan-Schrift). Alle Erkenntnisse über die japanische Sprachgeschichte vor diesem Zeitpunkt sind daher linguistische Rekonstruktionen oder Übertragungen aus archäologischen oder genetischen Untersuchungen.

Das zweite Problem ist, dass das Japanische zwar morphologisch und syntaktisch auffallende Ähnlichkeiten mit dem Koreanischen und den altaischen Sprachen besitzt (einzig die nordtungusischen Sprachen verhalten sich syntaktisch anders), aber keine lexikalen Übereinstimmungen existieren. Dies lässt viele Linguisten grundsätzlich an der genetischen Verwandtschaft zweifeln, allerdings werden von den meisten Altaizisten die koreanische und japanische Sprache als frühere Abspaltungen von einer gemeinsamen Protosprache (Makro-Altaisch) aufgefasst als die spätere Aufspaltung des Altaischen in die türkischen, mongolischen und tungusischen Sprachen. Alle diese Sprachen haben als wichtigstes gemeinsames Merkmal, dass sie agglutinierende Sprachen sind.

Austronesisch Einige Forscher unterstützen die Verwandtschaft zu den austronesischen Sprachen, mit denen das Japanische starke Ähnlichkeiten im Lautsystem (der Phonologie) aufweist. Dabei weist Altjapanisch aber auf dem Gebiet der Morphologie und Phonetik auch Ähnlichkeiten mit anderen südostasiatischen Sprachen auf.

Neuere Erkenntnisse unterstützen den Ursprung des Japanischen im südlichen China, jedoch werden Ähnlichkeiten mit den Austronesischen oder Tai-Kadai-Sprachen auf Sprachkontakt zurückgeführt.

Sprachstufen Die japanische Sprache kann in fünf Sprachstufen eingeteilt werden: Altjapanisch, auch Früh-Altjapanisch, (, jōko nihongo) spätestens seit der Nara-Zeit (bis 8. Jahrhundert) Klassischjapanisch, auch Spät-Altjapanisch, (, chūko nihongo) in der Heian-Zeit (ohne Insei-Periode) (9.–11. Jahrhundert) Mitteljapanisch (, chūsei nihongo) in der Insei-Periode, Kamakura- und Muromachi-Zeit (12.–16. Jahrhundert) Frühneujapanisch (, kinsei nihongo) in der Edo-Zeit (17.–19. Jahrhundert) moderne Standardsprache, auch Neujapanisch, (, gendai hyōjungo) seit der Meiji-Zeit (seit 19. Jahrhundert)

Sprachbau Die japanische Sprache ist weitgehend eigenständig entstanden. Zwar entspricht ihre grammatische Struktur typologisch dem Altaischen und dem Dravidischen (Agglutination, Wortstellung), die Lautstruktur ist jedoch eher mit typischen austronesischen Sprachen zu vergleichen (wenige Konsonantenverdoppelungen, nur ein stimmhafter Endkonsonant „-n“). Eine Besonderheit stellen die zahlreichen strukturellen Gemeinsamkeiten zwischen dem Koreanischen und dem Japanischen dar. Diese beiden Sprachen haben oft bis ins Detail Übereinstimmungen in der Bildung einer grammatischen Struktur oder Folge von Partikeln etc., jedoch so gut wie keine Gemeinsamkeiten im Wortschatz, von einigen landwirtschaftlichen Begriffen oder chinesischen Lehnwörtern abgesehen. Gerade dies verdeutlicht noch einmal die Schwierigkeit, das Japanische einer größeren Sprachfamilie zuzuordnen.

Das japanische Schriftsystem verwendet die chinesischen Schriftzeichen (Kanji) sowie zwei davon abgeleitete Silbenschriften (Kana), Hiragana (für den indigenen Wortschatz) und Katakana (für neuere Lehnwörter). Mit der Schrift wurden auch viele chinesische Begriffe ins Japanische übernommen. Doch in Aussprache und Grammatik unterscheiden sich Japanisch und Chinesisch grundlegend: Anders als die chinesischen Sprachen ist das Japanische keine Tonsprache und kennt auch weniger Konsonanten. Daher ist sein Silbenvorrat mit rund 150 Silben im Vergleich zu den (unter Berücksichtigung der Töne) rund 1600 des Chinesischen viel geringer. In der Grammatik ist Japanisch, im Gegensatz zu den isolierenden chinesischen Sprachen, eine agglutinierende Sprache, besitzt also eine Vielzahl von grammatischen Suffixen – so genannten Partikeln und Funktionalnomina –, die eine vergleichbare Funktion wie die Flexionen, Präpositionen und Konjunktionen der europäischen Sprachen haben.

Noch im heutigen Japanisch werden „altjapanische“ und chinesische Elemente voneinander abgegrenzt. Bei den Schriftzeichen wird zwischen (On-yomi) und (Kun-yomi) unterschieden. On-yomi ist die sinojapanische Lesung, eine Übertragung der chinesischen Lesung (meist aus der Song- oder Tang-Zeit) in den Lautvorrat des Japanischen, bei der Kun-yomi wurde ein „urjapanisches“ Wort mit der Bedeutung des Schriftzeichens verbunden. Einige Lautfiguren finden sich nur in jeweils einem der beiden Bereiche. Aus dem Chinesischen stammende japanische Verben und Adjektive, die wie alle chinesischen Wörter nicht flektierbar sind, funktionieren auch grammatikalisch anders als ihre flektierbaren „urjapanischen“ Gegenstücke.

Phonologie Vokale Im Japanischen werden die fünf vokalischen Phoneme /a, i, u, e, o/ unterschieden. /a/ wird als oder , /e/ als oder , /o/ als oder , /u/ als und /i/ als realisiert. Das japanische /u/, , ist die ungerundete Entsprechung des („langen“) deutschen /u/ . /e/ und /o/ werden tendenziell als kurze Vokale offen, als lange geschlossen ausgesprochen.