Der Zürichsee (zürichdeutsch Zürisee []) ist ein See in der Schweiz. Er liegt südöstlich von Zürich in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Schwyz.

Der Hauptzufluss des Zürichsees ist die Linth, die im Tödi-Massiv in den Glarner Alpen entspringt und durch den Kanton Glarus und seit der Linthkorrektion (1807 bis 1816) durch den Walensee und als Linthkanal bei Schmerikon in den Zürichsee fliesst. Der Hauptabfluss aus dem Zürichsee in der Stadt Zürich ist die Limmat, die durch das Limmattal zur Aare fliesst. Als zweiter Seeabfluss in Zürich dient seit 1642 der Schanzengraben, der anlässlich der Schleifung der Schanzen der Zürcher Stadtbefestigungen um 1834 der Auffüllung entging.

Geographie mini|links|Der Zürichsee 1885 auf einem Stich von Johann Jakob Hofer, mit Greifensee und Zugersee Das schmale Tal, in dem der See liegt, ist auf der Südwestseite von den Höhenzügen des Etzels und des Albis und auf der Nordostseite von der Hügellandschaft des Zürcher Oberlandes und vom Pfannenstiel flankiert. An beiden Talhängen liegen Hangterrassen, die von Seitenmoränen gebildet worden sind. Der Zürichsee zählt zur Gruppe der Alpenrandseen, die durch die Wechselwirkung der Alpenhebung, der Flusserosion und der letzten Eiszeiten entstanden sind.

Die langgestreckte, leicht gekrümmte Form des Zürichsee gleicht ungefähr einer Banane. Der See ist von Rapperswil bis Zürich rund 28 Kilometer lang, zusammen mit dem Obersee rund 42 Kilometer. An der breitesten Stelle zwischen Stäfa und Richterswil ist der See 3,85 Kilometer breit. Seine tiefste Stelle zwischen Herrliberg und Oberrieden misst 136 Meter Wassertiefe.Zürichsee auf der Website der Baudirektion des Kantons Zürich, abgerufen am 5. März 2017. Die Uferlänge beträgt 87,6 Kilometer. Damit ist der Zürichsee der fünftgrösste See der Schweiz.

Der Zürichsee weist bei Rapperswil und der Halbinsel Hurden eine enge Stelle auf, die wegen eines eiszeitlichen Moränenzuges des so genannten Hurden-Stadiums entstanden ist.René Hantke: Die spätwürmeiszeitlichen Stadien auf der schweizerischen Alpennordseite. In: Quaternary Science Journal. 21, 1970, S. 71–80, doi:10.3285/eg.21.1.06. Der durch den Seedamm von Rapperswil vom grösseren Seeteil abgegrenzte Seeteil zwischen Rapperswil und Schmerikon wird Obersee genannt. In der Linthebene zwischen Tuggen, Reichenburg und Uznach bestand bis ins Mittelalter noch der östliche Seeabschnitt, der Tuggenersee, der wegen der grossen Geschiebefracht der Linth im 16. Jahrhundert verlandet ist.Jakob Grüninger: Aus dem Werden der Linthebene. In: 23. Jahrbuch des Kantonalen Lehrervereins St. Gallen. 1939.Walter Drack, Rudolf Moosbrugger-Leu: Die frühmittelalterliche Kirche von Tuggen. In: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte. 1960, S. 176–216.

Zwischen Rapperswil und Pfäffikon liegen zwei Inseln, die bewohnte Ufenau und die unbewohnte, unter Naturschutz stehende Lützelau. Das Inselchen Schönenwirt vor Richterswil ist die drittgrösste natürliche Insel im See.

Entstanden ist der Zürichsee in seiner heutigen Form nach der letzten Eiszeit, als das Schmelzwasser der Gletscher an der Endmoräne gestaut wurde.Conrad Schindler: Zum Quartär des Linthgebiets (= Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz. Lieferung 169). Swisstopo Wabern BE, Bern 2004. Terra plana, Zeitschrift für Kultur, Geschichte, Tourismus und Wirtschaft, 3, 2005, Sarganserländer Druck AG Mels. Denkmalpflege und Archäologie im Kanton St. Gallen 1997–2003, S. 340 ff.

Einzugsgebiet und Zuflüsse Das Einzugsgebiet des Zürichsees ist 1811 km² gross und setzt sich zusammen aus 37 % landwirtschaftlicher Fläche, 29 % Wald, 19 % unproduktiven Flächen, 8 % Gewässer (v. a. Walensee) und 7 % Siedlungsflächen.

Der grösste Zufluss ist der Linthkanal, welcher den Walensee mit dem Obersee verbindet und etwa zwei Drittel des gesamten Zuflusses ausmacht. Weitere wichtige Zuflüsse sind die alte Linth, der Linth-Hintergraben, der Goldinger Aabach bei Schmerikon, die Jona bei Rapperswil und die Wägitaler Aa bei Lachen.

Für den Hochwasserschutz wird 2026 der Entlastungsstollen Sihl-Zürichsee in Betrieb genommen. Dieser leitet bei extremen Hochwassern bis zu 330 Kubikmeter pro Sekunde von Langnau am Albis nach Thalwil in den Zürichsee und entschärft so das Überschwemmungsrisiko der Sihl, insbesondere im Sihlfeld in der Stadt Zürich. Die Zuführung solcher Hochwasserspitzen werden zu Anstiegen des Seepegels von rund 5 Zentimetern führen, weshalb ebenfalls die Abflusskapazität der Limmat an der Münster- und Rathausbrücke erhöht wurde.

Geologie In geologischer Hinsicht liegt das westliche Ende des Zürichsees im Molassebecken des Schweizer Mittellandes. Das Becken wurde im Lauf des Tertiärs mit dem Abtragungsschutt der entstehenden Alpen aufgefüllt, wobei sich die Sedimente in verschiedene Schichten unterteilen lassen. Ablagerungen unter marinen Bedingungen werden als Meeresmolasse, solche unter fluviatilen Bedingungen als Süsswassermolasse bezeichnet.

Von Bedeutung für das Gebiet von Zürich ist die Obere Süsswassermolasse, die in der Zeit vor etwa 16 bis 5 Millionen Jahren abgelagert wurde. Sie setzt sich aus einer Wechsellagerung von harten Sandsteinbänken und weichen Mergelschichten zusammen und tritt insbesondere am Uetliberg sowie an den Hügeln östlich der Stadt zutage. Durch eine Tiefenbohrung würde man im Untergrund von Zürich eine mehr als 1000 m mächtige Schicht von Molasseablagerungen finden, bevor man auf die Sedimente der Jurazeit stossen würde.

Die letzte bedeutende landschaftliche Überprägung erhielt die Region durch den Vorstoss des Rhein-Linth-Gletschers während der verschiedenen Eiszeiten. Durch den Gletscher wurden bereits existierende Talmulden vertieft und erweitert sowie neue Täler geschaffen. Das Limmattal und das Glatttal sind mit Schottern des Eiszeitalters sowie mit weiteren Sedimenten der Nacheiszeit aufgefüllt. Noch am deutlichsten sichtbar sind die Spuren der Würm-Vergletscherung. Während des sogenannten Stadiums von Zürich (vor etwa 20'000 Jahren) entstand der Moränenwall, der den Zürichsee im Norden abschliesst. Er wird durch den Höhenrücken zwischen dem See und dem Sihltal, durch die Höhe beim Lindenhof in der Altstadt und durch das Burghölzli markiert, während das Sihltal den Schmelzwasserstrom am Rand des Gletschers aufnahm.

Klima mini|links|Unteres Seebecken vom Grossmünster gesehen mini|Klimadiagramm von Zürich Der Zürichsee liegt im Bereich der gemässigten Klimazone. Prägend für das Klima sind einerseits die Winde aus westlichen Richtungen, die oft Niederschlag heranführen, andererseits die Bise (Ost- oder Nordostwind), welche meist mit Hochdrucklagen verbunden ist, aber in allen Jahreszeiten kühlere Witterungsphasen bringt, als im Mittel zu erwarten wären. Der in den Alpentälern und am Alpenrand wichtige Föhn zeigt im Normalfall keine speziellen klimatischen Auswirkungen.

Die Jahresmitteltemperatur an der Messstation der MeteoSchweiz in Zürich (auf am Hang des Zürichbergs und damit 150 m über dem Niveau des Stadtzentrums gelegen) beträgt 8,5 °C, wobei im Januar mit −0,5 °C die kältesten und im Juli mit 17,6 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier 88 Frosttage und 26 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel 30, während normalerweise drei Hitzetage zu verzeichnen sind. Diese Werte sind relativ niedrig im Vergleich zu anderen Mittellandstationen, was sich aufgrund der Höhenlage der Station erklären lässt. Im Limmattal sind im Jahresmittel deutlich mehr Sommertage und Hitzetage zu erwarten. Die Messstation Zürich weist im Mittel 1482 Sonnenstunden pro Jahr auf. Die 1136 mm Niederschlag fallen über das ganze Jahr verteilt, wobei im Sommerhalbjahr und speziell während der drei Sommermonate aufgrund der konvektiven Niederschläge höhere Mengen gemessen werden als im Winter.

Das Klima ist, vor allem an der Goldküste von Zollikon über Küsnacht bis Meilen, so mild, dass in den Gärten Hanfpalmen (Tessiner Palmen) und Feigen wachsen. Das «Seeklima» begünstigt am rechten (nördlichen) Seeufer in allen Gemeinden von Stäfa bis Küsnacht ZH auch den Weinbau und macht die Gegend zu einer der wichtigsten Weinregionen der Ostschweiz. Das weniger begünstigte linke (südliche) Ufer hat scherzweise den volkstümlichen Namen Pfnüselküschte verpasst bekommen.

Limnologie Zirkulation Der Zürichsee (Untersee) ist ein gemässigter, monomiktischer See. Im Spätwinter oder Frühling durchmischt sich der Wasserkörper, wodurch sauerstoffreiches Wasser in die Tiefe und nährstoffreiches Wasser in das Oberflächenwasser gelangt. Im Sommerhalbjahr etabliert sich eine ausgeprägte Temperaturschichtung, mit durchschnittlichen Oberflächentemperaturen von etwa 21 °C. Die Sprungschicht liegt in einer Tiefe von 10–20 Metern, wobei diese im Verlauf des Sommers tendenziell sinkt. Im Spätherbst und Winter setzt mit der Abkühlung des Wassers erneut eine Zirkulation ein.

Aufgrund der zunehmend milderen Herbst- und Wintertemperaturen kühlt sich das Oberflächenwasser im Spätherbst verzögert ab. In den letzten Jahrzehnten führte dies vermehrt dazu, dass die winterliche Durchmischung des Wasserkörpers unvollständig blieb. Während der Zürichsee zwischen 1950 und 1999 in den meisten Jahren bis in Tiefen von über 100 m durchmischte, wurde diese Tiefe seit 2000 nur noch etwa jedes zweite Jahr erreicht. Eine unzureichende Zirkulation hindert den Sauerstoffeintrag ins Tiefenwasser und verhindert gleichzeitig den Aufstieg von Nährstoffen wie Phosphat in oberflächennahe Schichten, was sich insgesamt nachteilig auf die Lebensbedingungen für Fische auswirkt.

Im Gegensatz zum Untersee weist der Obersee aufgrund seiner abweichenden Morphologie und der Trennung durch den Seedamm ein anderes thermisches Verhalten auf. Eine ausgeprägte Schichtung in Epilimnion, Sprungschicht und Hypolimnion bildet sich hier nicht aus. Stattdessen zeigt sich ein annähernd linearer Temperaturgradient über die gesamte Wassertiefe. Diese Unterschiede lassen sich auf die deutlich kürzere Wassererneuerungszeit von etwa 60 Tagen – im Untersee beträgt sie rund 440 Tage – sowie auf die im Obersee fehlenden oder schwachen Windverhältnisse zurückführen, welche die Ausbildung einer stabilen Schichtung im Oberflächenwasser begünstigen würden.

Trophie Unter natürlichen Bedingungen wäre der Zürichsee ein nährstoffarmer, oligotropher See. Anzeichen für eine Eutrophierung konnten bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch Algenblüten der Burgunderblutalge festgestellt werden. Im 20. Jahrhundert führte das starke Bevölkerungswachstum im Einzugsgebiet und das Zuführen ungereinigten Abwassers – bis 1960 waren erst rund 26 % der Bevölkerung an eine Kläranlage angeschlossen – zu einer massiven Phosphorbelastung des Sees, die 1970 mit jährlich 203 Tonnen ihren Höchststand erreichte. Seit 1995 bleibt der Phosphorgehalt im See konstant knapp unter 25 µg/l und erfüllt damit Vorgaben der Gewässerschutzverordnung, bleibt insgesamt jedoch mesotroph. (PDF; 26,7 MB).. Bundesamt für Umwelt (BAFU), Abteilung Wasser, 1. Juli 2016, S. 3 f. (PDF;428 kB).

Plankton Anders als in allen anderen Seen im Kanton Zürich ist das Algenwachstum im Zürichsee seit 1980 nicht zurückgegangen. Der Rückgang an Phosphor reduzierte zwar das Wachstum in Oberflächennähe, wodurch jedoch mehr Licht in tiefere Schichten gelangt und dort Wachstum ermöglicht. Davon profitiert insbesondere die Burgunderblutalge (Planktothrix rubescens), welche fast den gesamten Anteil der Cyanobakterien ausmacht. Treten Cyanobakterien in Algenblüten auf, können ihre Cyanotoxine eine Gesundheitsgefahr darstellen – insbesondere für Hunde, die mit belastetem Wasser in Kontakt kommen. So kam es im Sommer 2021 in Schmerikon zu mehreren Todesfällen bei Hunden, nachdem diese aus dem Obersee tranken, der lokal durch Cyanobakterienblüten belastet war.

Seeregulierung und Niedrigwasser