Der Landkreis Wittenberg ist eine Gebietskörperschaft im Osten des deutschen Landes Sachsen-Anhalt. Er liegt an den Flüssen Elbe und Schwarze Elster. Kreisstadt und zugleich mit rund 45.000 Einwohnern größte Gemeinde ist Lutherstadt Wittenberg.
Nachbarkreise sind im Norden die brandenburgischen Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming, im Osten der ebenfalls brandenburgische Landkreis Elbe-Elster, im Süden der sächsische Landkreis Nordsachsen und im Westen der Landkreis Anhalt-Bitterfeld und die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau.
Der Landkreis Wittenberg gehört zur Metropolregion Mitteldeutschland und grenzt an die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg.
Geographie Die Elbe durchfließt auf einer Länge von 52 km in einer über große Abschnitte naturnahen Auenlandschaft den Landkreis. Im Norden erstrecken sich von Ost nach West die waldreichen Höhenzüge des Fläming und seiner Ausläufer. Im Süden liegt das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteldeutschlands, die Dübener Heide.
Der Waldanteil ist mit 39,8 Prozent der Gesamtfläche der größte aller Landkreise in Sachsen-Anhalt.Statistik. Fast 40 Prozent Kreisfläche sind Wald. In: Mitteldeutsche Zeitung, 23. Januar 2017
Geschichte Der Landkreis besteht in der heutigen Ausdehnung seit 2007.
Verwaltungsgeschichte 1816–1947: Aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses vom 21. Mai 1815 gelangte der einstige Kurkreis, der aus dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg entstanden war, in die Hand von Preußen. Kurzzeitig erhielten die neu gewonnenen Landschaftsteile wieder die Bezeichnung „Herzogtum Sachsen“, jedoch wurde die Bezeichnung in „Provinz Sachsen“ geändert. Der Kreis Wittenberg gehörte zum neu gebildeten preußischen Regierungsbezirk Merseburg. Am 1. Oktober 1816 entstand der (alte) Kreis Wittenberg, der aus den alten sächsischen Ämtern Wittenberg und Pretzsch gebildet wurde. 1947–1952: Auf Befehl der SMAD entstand 1947 nach der Auflösung des preußischen Staates aus der preußischen Provinz Sachsen und aus dem Land Anhalt das Land Sachsen-Anhalt. 1952–1990: Durch das „Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der Deutschen Demokratischen Republik“ von 1952 wurden die bisherigen Länder aufgelöst und stattdessen Bezirke gebildet. Der Kreis Wittenberg wurde dem Bezirk Halle zugeordnet. Gleichzeitig wurde er stark verkleinert, da er zahlreiche Gemeinden an die Kreise Jüterbog (Bezirk Potsdam), Jessen (Bezirk Cottbus), Torgau (Bezirk Leipzig) und an den neu gebildeten Kreis Gräfenhainichen (Bezirk Halle) abgeben musste. 1990–1994: Seit der Neugründung der Länder in der DDR gehört der Kreis Wittenberg wieder zum Land Sachsen-Anhalt. mini|Verwaltungsgebäude Landkreis Wittenberg 1994–2007: Am 3. Juni 1993 beschloss der Landtag von Sachsen-Anhalt die erste Kreisgebietsreform. In der Folge entstand 1994 der Landkreis Wittenberg aus dem bisherigen Kreis Wittenberg und dem Kreis Jessen sowie einem Teil des Kreises Gräfenhainichen. seit 2007: Im Zuge der zweiten Kreisgebietsreform endete am 1. Juli 2007 formal die Existenz des bisherigen Landkreises Wittenberg. Rechtsnachfolger ist der (gleichnamige) Landkreis Wittenberg, dem die zwei Verwaltungsgemeinschaften Coswig (Anhalt) und Wörlitzer Winkel mit 27 Gemeinden des bisherigen Landkreises Anhalt-Zerbst zugeordnet wurden. Alle Verwaltungsgemeinschaften des Landkreises wurden zwischen 2009 und 2011 aufgelöst.
Bevölkerung Jahr Einwohner 2007 142.906 2010 137.070 2015 128.447 2020 124.185 Jahr Einwohner 2021 123.341 2022 122.808 2023 122.230 2024 121.694
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres
Politik
Kreistag Aus dem rechts dargestellten Ergebnis der Kreistagswahl vom 9. Juni 2024 ergab sich folgende Sitzverteilung:
+Ergebnisse der Kreistagswahlen zwischen 1994 und 2019 Parteien und Wählergemeinschaften 2019 2014 2007 2004 1999 1994 Prozent Sitze Prozent Sitze Prozent Sitze Prozent Sitze Prozent Sitze Prozent Sitze CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 25,7 12 33,2 16 36,1 18 37,9 18 42,9 21 32,8 16 FREIE WÄHLER FREIE WÄHLER 20,0 10 14,7 7 - - - - - - - - AfD Alternative für Deutschland 16,4 8 2,6 1 - - - - - - - - SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 13,8 7 16,9 8 19,3 9 19,5 10 24,0 12 28,7 14 DIE LINKE. DIE LINKE. 12,8 6 21,5 10 21,0 10 25,7 12 19,1 9 16,5 8 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 4,6 2 2,6 1 2,7 1 2,5 1 1,9 1 6,0 3 AdB Allianz der Bürger 2,8 1 4,5 2 - - - - - - - - FDP Freie Demokratische Partei 2,5 1 1,6 1 4,8 2 7,0 3 5,2 3 6,7 3 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 1,0 1 0,9 1 - - - - - - - - BBP Bürgerbewegung Landkreis Wittenberg - - 1,4 1 1,2 1 3,9 2 3,5 2 8,7 4 FWW Freie Wähler für Wittenberg - - - - 9,9 5 - - - - - - Offensive D Offensive D - - - - 2,7 1 2,9 2 - - - - DP Deutsche Partei - - - - 1,5 1 - - - - - - Tierschutz-partei Die Tierschutzpartei - - - - - - 0,7 - - - - - WG LUN Landwirtschaft, Umwelt und Natur - - - - - - - - 1,0 - - - DVU Deutsche Volksunion - - - - - - - - 0,8 - - - STATT Partei Statt Partei - - - - - - - - 0,4 - - - WG BDM Bürgerverein für Dorfentwicklung „Mühlengrund“ - - - - - - - - 0,4 - - - WG SCM Sozial Christliche Mitte - - - - - - - - 0,4 - - - WG VBI/LSA Verband der Bürgerinitiativen für Kommunalabgaben des Landes Sachsen-Anhalt - - - - - - - - 0,4 - - - EB Einzelbewerber 0,4 - - - 0,7 - - - - - 0,5 - Sonst. Sonstige - - - - - - - - - - 0,1 - Gesamt 100 48 100 48 100 48 100 48 100 48 100 48 Wahlbeteiligung 56,7 % 47,0 % 36,6 % 46,6 % 55,3 % 67,6 % Ergebnis der Kreistagswahl 2014 Ergebnis der Kreistagswahl 2007Ergebnis der Kreistagswahl 2004 Ergebnisse der Kreistagswahlen 1994 und 1999
Landrat 1994–2001: Wulf Littke (CDU) 2001–2007: Hartmut Dammer (parteilos) 2007–2021: Jürgen Dannenberg (Die Linke) seit 2021: Christian Tylsch (CDU)
Tylsch wurde bei der Landratsstichwahl am 20. Juni 2021 mit 81,4 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Landratsstichwahl am 20. Juni 2021 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Dem Landkreis Wittenberg wurde das Wappen erstmals durch Erlass des preußischen Staatsministeriums vom 28. Februar 1939 verliehen. Seit 1990 fand das Wappen erneute Anwendung für den Landkreis Wittenberg. Im Zuge der Kreis- und Gebietsreformen 1994 und 2007 entschied sich der Kreistag jeweils für die Weiterführung des Wappens.
Flagge rand|120px|rechts Die Flagge des Landkreises zeigt die Farben Schwarz-Rot mit geführtem Wappen längs und quer gehisst.
Wirtschaft Die Branchen chemische Industrie (SKW Piesteritz, PCI, PTE), Maschinenbau (Krafotec, MMW), Spezialfahrzeugbau (Feldbinder, Empl, Annaburger), Verpackungsmittelindustrie (SIG Combibloc) und die Nahrungs- und Genussmittelproduktion (Lieken, Upfield, Wikana, Ditsch, Jütro, Himmelsberger) sind im verarbeitenden Gewerbe strukturbestimmend.
Lutherstadt Wittenberg ist mit 187.750 Übernachtungen (2019) auch eine bedeutende Tourismusdestination, Tagungs- und Kongressstadt.
Oranienbaum-Wörlitz zieht mit dem Wörlitzer Park – als Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs – Tagestouristen an.
In der Kurstadt Bad Schmiedeberg (Eisenmoorbad, Reha-Zentrum) stellt die Gesundheitswirtschaft einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar.
Gräfenhainichen generiert unter anderem Einnahmen aus dem Freilichtmuseum Ferropolis, der „Stadt aus Eisen“, die zudem als Veranstaltungsort für mehrere überregional bekannte Musikfestivals (Melt!, splash!) dient. In Jessen (Elster) gibt es produzierendes Gewerbes (Industrie und Handwerk) mit Branchenschwerpunkten in der Lebensmittelverarbeitung und dem Metall- und Maschinenbau.
Der Jessener Ortsteil Holzdorf ist mit dem Fliegerhorst Schönewalde/Holzdorf ein 400 Bedienstete umfassender Standort der Luftwaffe der Bundeswehr.
Etwa 50 % der Fläche des Kreises werden ferner landwirtschaftlich genutzt.
Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Wittenberg noch Platz 395 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählte damit zu den Regionen mit „sehr hohen Zukunftsrisiken“.
Im Zukunftsatlas 2019 belegte der Landkreis Wittenberg bereits Platz 385 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählte damit zu den Regionen mit „hohen Zukunftsrisiken“, gehörte gleichzeitig allerdings zu den kontinuierlichen Aufsteigern in diesem Ranking. Die Tendenz der letzten Jahre zeigte hier einen Aufstieg um drei Stufen, wie dies auch im Falle der nahen Metropolen Berlin und Leipzig zu konstatieren ist.
Bei der Dynamik lag der Landkreis Wittenberg in diesem Ranking auf Platz 279 und damit im gesamtdeutschen Mittelfeld.
Die Selbstständigenquote im Landkreis Wittenberg lag in den Jahren 2015 bis 2019 zwischen 10,7 % und 9,5 % und damit regelmäßig über dem Landesdurchschnitt (9,1 % bis 8,2 %) und positionierte den Kreis durchgehend in der Spitzengruppe unter den sachsen-anhaltischen Landkreisen.
Seit dem Bestehen des Landkreises Wittenberg in seiner aktuellen Form und Ausdehnung hat sich die Arbeitslosenquote von 14,2 % (Juli 2007) auf 7,1 % (April 2021) halbiert, wobei diese vor der Corona-Pandemie mit 5,7 % im September und Oktober 2019 einen Tiefpunkt erreichte, als damit nahezu Vollbeschäftigung bestand.
Sowohl die Zahl der Berufsausbildungsstellen als auch – nicht ganz so stark – die Zahl der Bewerber sind im Landkreis Wittenberg in den Jahren 2019 bis 2022 weiterhin kontinuierlich gestiegen. Die Stellenauswahl für die Bewerber nahm dabei weiter zu, so dass 2021/2022 auf jeden Bewerber rund zwei freie Berufsausbildungsstellen kamen. Die Ausbildungsplatzversorgung im Landkreis Wittenberg lag im Mai 2022 mit 47 Bewerbern auf 100 Stellen – genau gleichauf etwa mit dem südbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen – im vorderen Sechstel aller Landkreise in Deutschland.
Verkehr Autoverkehr Die Autobahn A 9 Berlin–München führt im Nordwesten und Westen durch das Gebiet des Landkreises. Die Anschlussstellen Köselitz, Coswig und Vockerode liegen im Kreisgebiet.
Durch das Kreisgebiet führen die Bundesstraßen B 2 und B 187, die sich in der Kreisstadt kreuzen. Südlich der Elbe enden die B 100 und B 182 an der B 2 im Ortsteil Eutzsch der Stadt Kemberg. Die B 107 führt von der brandenburgischen Landesgrenze nördlich des Coswiger Ortsteils Göritz bis zur Einmündung in die B 187 in Coswig.
Am 1. Januar 2025 waren im Landkreis Wittenberg 7.864 Krafträder, 75.900 PKW, 8.227 LKW sowie 3.937 Zugmaschinen zugelassen.
Schienenverkehr mini|Lutherstadt Wittenberg Hauptbahnhof, täglich von über 5.000 Reisenden genutzt und zum „Grünen Bahnhof“ umgebaut Durch den Landkreis Wittenberg führen zwei überregionale Eisenbahnstrecken, die sich im Wittenberger Hauptbahnhof kreuzen.
In Nord-Süd-Richtung gibt es an der Bahnstrecke Berlin–Halle/Leipzig–München alle zwei Stunden eine ICE-Verbindung nach Berlin bzw. nach Leipzig. Es verkehren darüber hinaus Regionalexpress-Züge nach Berlin sowie die Linien S2 und S8 der S-Bahn Mitteldeutschland nach Leipzig bzw. Halle (Saale).
In West-Ost-Richtung wird der Landkreis durch die Strecke Dessau–Falkenberg (Elster) mit stündlich verkehrenden Regionalbahnen erschlossen. Fast alle Nahverkehrsleistungen werden von DB Regio erbracht, in deren Zügen der Tarif des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV) gilt.
Der Landkreis wird im Osten von der Bahnstrecke Jüterbog–Riesa tangiert. Auf dem Kreisgebiet liegen die Bahnhöfe Linda (Elster) und Holzdorf (Elster). Auf der eingleisigen Bahnstrecke Pratau–Torgau mit ihrer Zweigstrecke nach Eilenburg über Bad Schmiedeberg findet nur noch in geringem Umfang saisonaler Verkehr statt. Die Bahnhöfe Wörlitz und Oranienbaum der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn werden nur in der Sommersaison bedient.
Historisch erwähnenswert sind weitere Bahnstrecken: Die Bahnstrecke Bergwitz–Kemberg wurde 1951 stillgelegt und dann abgebaut. Ein Abschnitt der eingleisigen Bahnstrecke Lutherstadt Wittenberg–Straach wird bedarfsweise noch für Gütertransporte genutzt, der Personenverkehr wurde 1959 eingestellt.