hochkant=1.3|mini|Leer an der Mündung der Leda in die Ems mini|hochkant=1.3|Blick auf Rathaus und Freizeithafen

Leer (Ostfriesland) [] (Ostfriesisches Platt Läär, Saterfriesisch Lier) ist die Kreisstadt des Landkreises Leer in Niedersachsen und eine selbständige Gemeinde. Mit Einwohnern ist sie nach Emden und Aurich die drittgrößte Stadt Ostfrieslands.

Durch ihren Seehafen war die an Ems und Leda gelegene Stadt über Jahrhunderte vom Handel und der Schifffahrt geprägt. Sie entwickelte sich seit den 1980er Jahren zu einem der größten deutschen Reederei-Standorte.Informationen zum Reederei-Standort Leer Leer ist ein Mittelzentrum. Die Stadt bezeichnet sich als Tor Ostfrieslands und liegt an Kreuzungspunkten der Verkehrsträger Straße, Schiene und Fluss.

Die Altstadt gilt wegen des guten Erhaltungszustands ihrer historischen Häuser als die „wertvollste“ der Region.Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Verlag Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-021-3, S. 127. Vier Burgen, zahlreiche Bürgerhäuser und Kirchen aus mehreren Jahrhunderten sind in der Stadt zu finden.

Leer ist Sitz des Landeskirchenamtes der Evangelisch-reformierten Kirche, des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst der Bundeswehr und Unternehmenssitz der Bünting-Gruppe.

Durch die Hochschule Emden/Leer ist Leer seit dem Jahr 2000 Hochschulstadt. Weitere öffentliche Dienstleister haben in der Stadt ihren Sitz oder eine Niederlassung.

Im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert war Leer durch den Häuptling Focko Ukena ein politisches Zentrum Ostfrieslands. Zur Stadt erhoben wurde Leer aber erst 1823. Zuvor galt der Ort als Marktflecken, hatte aber schon lange vor der Verleihung des Stadtrechts städtische Züge angenommen.

Wahrscheinlich lässt sich der Name der Stadt Leer von dem urgermanischen Wort „hlér“ („Weideplatz“) ableiten. Die frühen Siedler in diesem Gebiet ernährten sich vermutlich neben dem Fischfang hauptsächlich von der Viehzucht.

Die Einwohner werden Leeraner genannt. Das dazugehörige Adjektiv lautet ebenfalls so.

Geographie Lage mini|Mündung der Leda (rechts) in die Ems Leer liegt im südlichen Ostfriesland an der Mündung der Leda in die Ems. Ursprünglich befand sich sein Stadtkern an einer Schleife der Leda in unmittelbarer Nähe der Mündung des Flusses; durch die Erweiterung ihres Gebiets und Eingemeindungen breitete sich die Stadt in Richtung Ems aus. Seit der Eingemeindung der Stadtteile Bingum und Nettelburg 1972 erstreckt sich das Stadtgebiet auch auf Bereiche westlich der Ems und südlich der Leda. Den Seehafen Leer erreichen Seeschiffe über die Ems und die Leda sowie eine Seeschleuse, die den Hafen schützt. Die Stadt befindet sich ungefähr auf halber Strecke zwischen Groningen und Oldenburg.

Stadtgliederung mini|Leeraner Stadtteile Leer gliedert sich in die Kernstadt und acht weitere Stadtteile. Dies sind Bingum, Heisfelde, Hohegaste, Leerort, Loga, Logabirum, Nettelburg und Nüttermoor. Zwei Stadtteile sind durch Flüsse vom Rest des Stadtgebietes getrennt: Nettelburg liegt südlich der Leda im Overledingerland, Bingum westlich der Ems im Rheiderland. Hinzu kommen kleinere Ortschaften, die jedoch nicht als formelle Stadtteile gezählt werden, beispielsweise Siebenbergen, Logaerfeld und Eisinghausen.

Da sich die zirka 35.000 Einwohner auf rund 70,3 Quadratkilometern verteilen, hat Leer – nach Marienhafe – in Ostfriesland die zweithöchste Einwohnerdichte. Sie liegt mit 497 Einwohnern pro Quadratkilometer nicht nur über dem ostfriesischen Durchschnitt, sondern auch über jenem des Landes Niedersachsen (zirka 168 Einwohner pro km²) und des Bundes (etwa 233 Einwohner pro km²).

Dicht bebaut sind neben der Kernstadt die Stadtteile Leerort, Heisfelde und Teile von Loga. Die weiteren Stadtteile sind dünner besiedelt und teils deutlich von der Landwirtschaft geprägt. In hohem Maße trifft dies auf Hohegaste und Nettelburg zu, die nicht über einen Siedlungskern verfügen.

Nachbargemeinden Die Stadt Leer liegt zentral innerhalb des Festlandsgebietes des gleichnamigen Landkreises. Sie grenzt an sieben der elf weiteren Kommunen des Kreises, namentlich (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten) die Samtgemeinden Hesel (darin die Gemeinden Holtland und Brinkum) und Jümme (darin die Gemeinden Nortmoor und Detern), die Gemeinden Rhauderfehn und Westoverledingen, die Stadt Weener sowie die Gemeinden Jemgum und Moormerland.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete

Das Stadtgebiet von Leer liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems. Die Ems, der Hauptfluss der Region, bildet in weiten Teilen die westliche Stadtgrenze von Leer.

Das Gebiet der Stadt Leer liegt im Übergangsbereich zwischen Marsch-, Geest- und Moorlandschaften Ostfrieslands. Ursprünglich waren weite Teile des Umlandes von Hoch- und Niedermooren sowie ausgedehnten Feuchtwiesen geprägt. Durch Entwässerung, Kultivierung und Torfabbau wurden diese Landschaften seit dem 18. und 19. Jahrhundert stark verändert. Reste der historischen Moor- und Feuchtgebiete sind jedoch im Landkreis Leer und den angrenzenden Niederungslandschaften bis heute erhalten geblieben. Von besonderer naturräumlicher Bedeutung sind die Niederungs- und Feuchtgebiete der Fehntjer-Tief-Niederung östlich von Leer. Die von Feucht- und Nasswiesen geprägte Niederungslandschaft zählt zu den letzten großräumig erhaltenen Hammrichgebieten Nordwestdeutschlands und besitzt eine hohe Bedeutung für Wiesenvögel sowie seltene Pflanzenarten.

Die ostfriesischen Hochmoore entwickelten sich infolge hoher Niederschläge und schlechter Abflussverhältnisse seit der letzten Eiszeit. Im weiteren Umfeld Leers gehören hierzu unter anderem die Moorgebiete des Stapeler Moores und des Lengener Meeres, die heute als Schutzgebiete gesichert sind.

Weitere Feuchtgebiete im Stadt- und Kreisgebiet stehen unter Natur- oder Landschaftsschutz und werden von regionalen Naturschutzinstitutionen betreut.

Untergrundverhältnisse Das Kerngebiet der Stadt befindet sich auf einem Ausläufer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Geestrückens aus eiszeitlichen Sandern. Besonders im Gebiet der Kernstadt sowie in Teilen von Loga und Logabirum sind Sande und Geschiebelehm vorherrschend. Der Geestrücken wird im Westen, Süden und Südosten von den Flussmarschen von Ems und Leda umschlossen. Das Gebiet nahe den Flüssen besteht aus überschlickten Randmooren. Im nordöstlichsten Teil des Stadtgebiets, im Norden des Stadtteils Logabirum, gibt es auch Moorböden. Ursprünglich befanden sich im Norden der Stadt Sandhügel, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts abgetragen wurden. Heute erstreckt sich das Stadtgebiet auf Höhen zwischen einem und sieben Meter über NN.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 13 (Grafik)

Die hydrogeologischen Verhältnisse im Stadtgebiet von Leer werden durch mächtige Lockersedimente des nordwestdeutschen Küstenraumes geprägt. Unter den oberflächennahen Marsch-, Moor- und Geestsedimenten folgen mehrere sandige Grundwasserleiter, die durch tonige und schluffige Schichten voneinander getrennt sind.

Der oberflächennahe beziehungsweise erste Grundwasserleiter besteht überwiegend aus quartären Sanden und weist im Raum Leer meist Tiefen bis etwa 20 bis 80 m auf. Seine Mächtigkeit beträgt regional etwa 10 bis 80 m. Darüber liegen teilweise gering durchlässige Schichten aus Geschiebelehm und Tonen.

Der zweite beziehungsweise tiefere Hauptgrundwasserleiter wird vor allem aus pliozänen Sanden gebildet. Er erstreckt sich im ostfriesischen Küstenraum in Tiefen von etwa 40–200 m und erreicht Mächtigkeiten zwischen etwa 40 und 160 m. Zwischen beiden Grundwasserleitern liegt mit dem sogenannten Tergaster Ton eine gering durchlässige Trennschicht.

Die öffentliche Trinkwasserversorgung der Stadt Leer nutzt tiefere Grundwasservorkommen. Nach Angaben der Stadtwerke wird Trinkwasser im Wasserwerk Heisfelde aus rund 70 m Tiefe gefördert.

Die Grundwasserverhältnisse im Raum Leer werden zudem durch die Nähe zur Ems und den Marschgebieten beeinflusst. In den küstennahen Bereichen bestehen örtlich Risiken der Versalzung tiefer Grundwasservorkommen.

Klima Leer liegt in der gemäßigten Klimazone, hauptsächlich im direkten Einfluss der Nordsee. Im Sommer sind die Tagestemperaturen tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Inland. Das Klima ist von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt.

Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Leer in der Einteilung Cfb.Aktualisierte Klimaweltkarte der Köppen-Geiger-Klimaklassifikation, abgerufen am 4. April 2011. (Klimazone C: warm-gemäßigtes Klima, Klimatyp f: feucht-gemäßigtes Klima, Untertyp b: warme Sommer)

Innerhalb der gemäßigten Zone wird es dem Klimabezirk Niedersächsisches Flachland Nordsee-Küste zugeordnet, der maritim geprägt ist und sich durch relativ kühle und regenreiche Sommer, verhältnismäßig milde, schneearme Winter, vorherrschende West- und Südwestwinde sowie hohe Jahresniederschlagsmengen auszeichnet.

Die Temperaturen liegen derzeit im Jahresmittel bei 9 °C mit Höchstwerten in den Monaten Juli und August um die 30 °C und mittleren Niedrigstwerten um −2 °C im Dezember und im Januar. Die durchschnittlich meisten Regentage gibt es mit jeweils 14 im November und Dezember, die wenigsten im März und Mai, wo im Schnitt an neun Tagen Niederschlag fällt. Die Zahl der durchschnittlichen Sonnenstunden pro Tag schwankt zwischen einer (Dezember/Januar) und sechs Stunden (Mai/Juni).holidaycheck.de: Klima und Wetter für Leer, abgerufen am 10. April 2010.

Die mittlere frostfreie Zeit wird mit 170 bis 187 Tagen angegeben. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei 738 mm/Jahr, die mittlere jährliche Sonnenscheindauer bei 1550 bis 1600 Stunden.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland, Isensee Verlag, Oldenburg 1998, S. 35 ff. Die Nähe zu Ems und Leda erzeugt besonders in den kühleren Monaten eine höhere Luftfeuchtigkeit und verstärkt damit die Nebelbildung.

Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich 27 Kilometer nordwestlich in Emden.Deutscher Wetterdienst: Standortkarte, abgerufen am 25. März 2018.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte (bis etwa 800) Das im Mündungsgebiet der Leda in die Ems günstig gelegene Gebiet der heutigen Stadt Leer wurde schon früh besiedelt. Im nordöstlichen Stadtgebiet befinden sich in Logabirum die Reste eines Großsteingrabes, in dem bedeutende Funde aus der Zeit von 2900 bis 2700 v. Chr. entdeckt wurden. Dabei wurden 17 Körperbestattungen der Einzelgrabkultur und 26 steinzeitliche Brandgräber der Trichterbecherkultur (TBK) aufgedeckt. Aus der späten Steinzeit, der Bronze- und der frühen Eisenzeit sind einzelne Funde wie auch Siedlungsreste in Loga und Logabirum bekannt. Im 2. und 3. Jahrhundert lag auf dem Gebiet des heutigen Westerhammrich eine relativ wohlhabende Siedlung. Bei archäologischen Untersuchungen wurden hier mehrere Werk- und Vorratsgruben, fünf Brunnenanlagen und Pfostensetzungen entdeckt, die offensichtlich zu dreischiffigen Hallenhäusern mit Vorratsspeichern gehörten. Funde von überkuppelten Ofenanlagen sowie von Bronzeschmelzen lassen eine Buntmetallverarbeitung im größeren Umfang vermuten. Weitere Artefakte deuten auf eine frühe Eisenverhüttung hin, wofür aus dieser Zeit bis dato nur in Holtland Funde vorliegen. Die Siedlung wird als Handels- und Handwerksstandort gedeutet. Offenbar wurden dort Agrarprodukte aus dem Hinterland und Luxusgüter aus dem Römischen Reich gehandelt und römische Ziffern genutzt.Rolf Bärenfänger: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland Bd. 35 Ostfriesland, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1415-8. S. 79 f. Dafür dient eine Ritzung auf einer einheimischen Keramikscherbe als Beleg. Sie gilt als das älteste erhaltene Schriftstück der Region.Norbert Fiks: Die Römer in Ostfriesland, E-Book zum Download (PDF-Datei; 376 kB). S. 57 Diese Siedlung wurde offenbar im 4. Jahrhundert wieder aufgegeben.

Entwicklung der Handelssiedlung (ab etwa 800 bis 1430)