Munster, hauptsächlich bekannt durch den seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Kasernenkomplex Munsterlager, ist eine Kleinstadt im Heidekreis in Niedersachsen. Bezogen auf die Zahl der dort stationierten Soldaten ist Munster der größte Standort des deutschen Heeres und viertgrößter Standort der Bundeswehr. Nördlich und südlich der Stadt liegt der Truppenübungsplatz Munster.
Geographie Munster liegt in der Lüneburger Heide am Fluss Örtze zwischen Soltau und Uelzen.
Munster ist die größte Garnison des deutschen Heeres (s. u.). Dies ist bedingt durch die in den 1890er bzw. 1930er Jahren eingerichteten Truppenübungsplätze Munster-Nord und -Süd. Auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord befindet sich das aufgelassene Dorf Lopau.
Das Betretungsverbot der Plätze für die Bevölkerung hat dazu geführt, dass sich dort – besonders auf dem Übungsplatz Munster-Süd – zum Teil in Deutschland einzigartige Lebensräume erhalten haben und einige Tierarten finden, die man in Deutschland kaum noch antrifft. Im April 2012 wurde auf dem Platz Munster-Nord der erste Wolf in Niedersachsen nachgewiesen. Im Jahre 2013 brachte hier ein Wolfspaar sieben Welpen zur Welt.
Geschichte Im Jahre 1252 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung in einem Verzeichnis bischöflicher Tafelgüter sowie einzelner weiterer Einkünfte des Bischofs von Verden. Das einzige hierzu erhaltene Dokument ist eine Abschrift von Christoph G. Pfannkuchen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das in der Historischen Bibliothek des Domgymnasiums zu Verden aufbewahrt wird.
Im Juni 1893 wurde der Truppenübungsplatz Munster Süd erstmals durch das 91. Infanterie-Regiment unter dem Kommando von Paul von Hindenburg genutzt.
Anfang 1945 wurde Munster zur Lazarettstadt erklärt und am 17. April von britischen Truppen besetzt. Die Kasernen wurden als britische Garnison und Gefangenenlager in Anspruch genommen. Das Lager wurde mit ca. 1,7 Millionen Entlassungen das größte Entlassungslager für kriegsgefangene Soldaten der Wehrmacht. Bereits im Frühsommer 1945 wurden erste Dienstgruppen (Labour-Service-Einheiten) als Vorgänger der German Civil Labour Organisation (GCLO), später German Service Organisation (GSO) aufgestellt.100 Jahre Soldaten in Munster 1893–1993, Manfred E. W. Ritter, S. 96 ff., Herausgeber: Stadt Munster, August 1993. Im Jahre 1956 wurde Munster Garnison der Bundeswehr und entwickelte sich ab 1990 zur größten Garnison im vereinigten Deutschland.
Die Stadtrechte wurden am 20. Oktober 1967 verliehen. Bis zum 31. Juli 1977 gehörte das Stadtgebiet zum Landkreis Soltau und danach zum Landkreis Soltau-Fallingbostel; dieser heißt seit dem 1. August 2011 Landkreis Heidekreis.
Im Zuge der 1. Landesausstellung Natur im Städtebau 1988 wurde die Innenstadt neu gestaltet. 1994 war Munster Ausrichter des Tages der Niedersachsen.
Am 1. Februar 1971 wurden die Gemeinden Alvern, Ilster, Oerrel, Töpingen und Trauen eingegliedert. Am 1. Juli 1972 folgten Breloh und das bis dahin im Landkreis Uelzen gelegene Lopau.
Kirchen mini|St.-Urbani-Kirche Die ev. St.-Urbani-Kirche, ein Ziegelbau mit einem quadratischen Westturm in Feldsteinmauerwerk, ist eine in ihren Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert stammende Heidekirche. Der ursprüngliche Bau wurde 1519 Opfer einer Brandstiftung. Bis Ende des 16. Jahrhunderts erfolgte der Wiederaufbau. Gleichzeitig wurde die Kirche um einen hölzernen Glockenturm ergänzt. 1880/1881 wurde der Bau renoviert und um ein Querschiff erweitert. Außerdem erfolgte der Einbau einer Orgel.
Die 1989 geweihte Kirche St. Martin, am Ende der Marienburger Straße gelegen, wird auch Schafstallkirche genannt, da sie in einem ehemaligen Schafstall eingerichtet wurde.
Im Ortsteil Breloh befindet sich die 1970/71 errichtete Friedenskirche, zu der auch ein Kindergarten gehört.
Die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden St. Martin, St. Urbani und Breloh in Munster haben sich zum 1. Januar 2012 zur Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Munster zusammengeschlossen.Kirchliches Amtsblatt für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers 6/2011, S. 236–238.
Die 1961 geweihte Kirche St. Stephanus, an der Straße Zum Schützenwald gelegen, ist die Garnisonskirche des evangelischen Standortpfarrers. Durch ihren 65 Meter hohen spitzen Turm ist sie weithin sichtbar. Zu dieser Personalkirchengemeinde, die auch über eine Kindertagesstätte verfügt, gehören alle im Standort Munster stationierten evangelischen Soldaten und deren Familienangehörige. Alle evangelischen Kirchen in Munster gehören zum Kirchenkreis Soltau.
Bereits seit den 1930er Jahren fanden in verschiedenen Lagerkirchen katholische Gottesdienste statt. 1959/60 wurde die von Josef Fehlig entworfene St.-Michael-Kirche als Garnisonskirche in der Bahnhofstraße erbaut. Die mit einem 37 Meter hohen freistehenden Turm ausgestattete Kirche ist nach dem Erzengel Michael benannt. Sie wird sowohl von der Militär- als auch von der Zivilgemeinde genutzt und gehört zum Dekanat Celle. Zur Kirchengemeinde gehört auch ein Kindergarten am Klappgarten und die Kirche Heilig Geist in Faßberg.
Eine neuapostolische Kirche befindet sich am Worthweg, ihre Gemeinde gehört zum Bezirk Lüneburg der Neuapostolischen Kirche in Norddeutschland.
Politik Rat
Der Rat der Stadt Munster besteht aus 32 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die gemäß § 46 NKomVG festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 15.001 und 20.000. Die 32 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Grube.
Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:Stadtratswahl 12. September 2021, abgerufen am 18. Januar 2022
Die letzten Kommunalwahlen ergaben die folgenden Sitzverteilungen und Ergebnisse: Kommunalwahl CDU SPD Grüne FDPWGM parteilos PARTEI NPD Gesamt 2021 13 (40,1 %) 11 (34,2 %) 4 (11,5 %) 2 (6,6 %) 2 (5,6 %) 0 (2,1 %) 0 0 32 Sitze 2016Stadtratswahl 2016, abgerufen am 18. Januar 2022 17 (51,7 %) 11 (34,6 %) 0 2 (6,3 %) 0 1 (3,3 %) 1 (4,2 %) 0 32 Sitze 2011Stadtratswahl 2011, abgerufen am 19. Januar 2022 13 (48,2 %) 10 (39,5 %) 0 1 (5,6 %) 0 1 (3,7 %) 0 1 (3,0 %) 26 Sitze
Bürgermeister mini|Rathaus Hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Munster ist seit 2021 Ulf-Marcus Grube (CDU). Bei den Kommunalwahlen im September 2021 konnte zunächst keiner der drei Kandidaten mehr als die Hälfte der Stimmen erreichen. Die darauffolgende Stichwahl gewann Grube mit 50,69 % der Stimmen gegen die Amtsinhaberin Christina Fleckenstein (SPD), welche 49,31 % der Stimmen erreichte.Stichwahl Bürgermeister 2021 Frau Fleckenstein war seit 2014 hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt. Wappen mini|hochkant|Wappen von 1937 Der Oberpräsident der Provinz Hannover verlieh der damaligen Gemeinde Munster, mit Erlass vom 4. März 1937, ein Wappen. Das Wappen zeigte auf Gold unter blauem Schildhaupt, das mit einem liegenden, goldgereiften silbernen Schwert belegt ist, einen nach rechts gewendeten, feuerspeienden rotbewehrten blauen Drachen. Auf Antrag des Rates der Gemeinde Munster vom 18. April 1967 verfügte der Regierungspräsident in Lüneburg am 17. Mai 1967, den Schildergrund des 1937 verliehenen Wappens von Gold auf Silber zu ändern und eine Ortsflagge in den Farben Blau-Weiß zu genehmigen.
Partnerstädte 20px|links Radcliff, Kentucky, USA, seit 1984 20px|links Mitschurinsk, Russland, seit 1991, seit März 2022 ausgesetzt aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine
20px|links Éragny-sur-Oise, Frankreich, seit 1999
20px|links Muggiò, Italien, seit 2018Eintrag über die Partnerstadt Muggiò auf der Homepage der Stadt Munster Abgerufen am 24. April 2019, 12:43.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Deutsches Panzermuseum Munster St.-Urbani-Kirche (13. Jahrhundert) Der Ollershof ist ein frei zugängliches Freilichtmuseum. Die Schafstallkirche St. Martin ist ein alter Schafstall, der in eine Kirche umgebaut wurde Stadtbücherei St.-Stephanus - Kirche: der Militärkirchengemeinde zugeordnete Kirche; das höchste Gebäude Munsters Lili-Marleen-Figuren „Vor der Laterne“, 1987 von Claus Homfeld, Bremen geschaffen. Sie steht an dem Platz, an dem sich 1893 das Kasernentor zum Munsterlager befand Niedersachsenbrunnen mit acht Pferden, die die ehemals selbständigen Gemeinden der Stadt symbolisieren, von Jos Pirkner (1991) Allwetterbad Munster Erholungsgebiet Flüggenhofsee 9-Loch-Golfplatz Munster-Kohlenbissen, Anfang der 1960er Jahre auf einem ehemaligen Flugfeld angelegt, in typischer Heidevegetation Modellautorennbahn „Hollmoorring“
Glaskunst "Glasplastik und Garten", Internationale Ausstellung alle drei Jahre
Bau- und Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Größter Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber in Munster ist die Bundeswehr. Von überregionaler Bedeutung sind die Firmen Heinrich Meyer-Werke Breloh GmbH & Co. KG (Meyer Breloh), die Fenster- & Türenwerke, Holzwerke und eine Spedition & Logistik am Hauptstandort Breloh betreibt sowie die 60 Mitarbeiter zählende Entwicklungs- und Anlagenbaufirma Frank Abels Consulting und Technology GmbH.
Bundeswehr Munster ist der größte Standort des deutschen Heeres und viertgrößter Standort der Bundeswehr. Im Stationierungskonzept 2011 sind 5270 Dienstposten vorgesehen. Hinzu kommen Lehrgangsteilnehmer.
Jährlich findet hier die „Informationslehrübung (ILÜ) Landoperationen“ statt. Fähigkeiten und Technik des Heeres werden darin den Offizieren der Offizierschule des Heeres und der Führungsakademie der Bundeswehr dargestellt.ILÜ
Stationiert sind in Munster die Panzertruppenschule mit der Schule gepanzerte Kampftruppen und der Heeresaufklärungsschule, die Panzerlehrbrigade 9 mit dem Panzergrenadierlehrbataillon 92, dem Panzerlehrbataillon 93 und dem Artillerielehrbataillon 325, die 2. Kompanie/Feldjägerregiment 2 und ein Sanitätsversorgungszentrum. Im Standort sind auch das Wehrwissenschaftliche Institut für Schutztechnologien – ABC-Schutz, die Truppenübungsplatzkommandantur, ein Kraftfahrausbildungszentrum (Simulator), das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum, ein Sanitätsunterstützungszentrum, eine Bundeswehrfeuerwehr und eine Sanitätsstaffel Einsatz.
2023 findet dort die Ausbildung der ukrainischen Soldaten an den Panzern Marder und Leopard statt.Ausbildung ukrainischer Soldaten, abgerufen am 20. Februar 2023. Drei Evangelische Militärpfarrämter und ein Katholisches Militärpfarramt betreuen Soldaten und Bürger. Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung betreibt das Haus „OASE – ZUM OERTZETAL“.
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