mini|hochkant=1.3|Darstellung von Neustadt am Rübenberge mit dem Toten Moor als Morast und dem Steinhuder Meer um 1520 während der Hildesheimer Stiftsfehde, Zeichnung von Johannes Krabbe von 1591

Neustadt am Rübenberge (amtlich Neustadt a. Rbge.) ist eine Mittelstadt und selbständige Gemeinde in der niedersächsischen Region Hannover, zwischen Bremen und Hannover gelegen.

Geographie Lage Die Stadt liegt an der Leine nordöstlich von Steinhuder Meer und Totem Moor. Im weiteren Sinne liegt Neustadt im Speckgürtel von Hannover, im engeren Sinne aber ist Neustadt relativ ländlich geprägt. Die durchschnittliche Einwohnerdichte ist 124 Einwohner pro km²; wenn man die Kernstadt abzieht, sind es etwa 56 Einwohner pro km². Neustadt gehört mit seiner Fläche von 357,52 km² – dies ist etwa ein Tausendstel der Fläche Deutschlands – zu den flächengrößten Städten in Deutschland.

Stadtgliederung Neustadt am Rübenberge ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus der Kernstadt und 33 weiteren Stadtteilen, die auch unter dem Namen „Neustädter Land“ zusammengefasst werden:

Nr. Stadtteil Fläche(in km²) Einwohner(2025) Bev.-Dichte(in E/km²) 1 Amedorf 4,24 276 65 2 Averhoy 2,68 64 24 3 Basse 8,08 621 77 4 Bevensen 3,33 148 44 5 Bordenau 9,82 2.826 288 6 Borstel 9,63 817 85 7 Brase 5,90 119 20 8 Büren 6,28 234 37 9 Dudensen 9,72 533 55 10 Eilvese 16,59 1.735 105 11 Empede 8,09 640 79 12 Esperke 12,22 677 55 13 Evensen 3,48 115 33 14 Hagen 9,87 1.466 149 15 Helstorf 5,31 1.462 275 16 Laderholz 8,83 292 33 17 Lutter 6,96 213 31 18 Luttmersen 4,58 152 33 18 Mandelsloh 11,31 1.314 116 20 Mardorf 22,48 1.999 89 21 Mariensee 9,52 1.018 107 22 Metel 10,08 503 50 23 Neustadt(Kernstadt) 38,46 20.238 526 24 Niedernstöcken 9,09 506 56 25 Nöpke 12,09 639 53 26 Otternhagen 19,21 1.609 84 27 Poggenhagen 5,15 2.174 422 28 Scharrel 10,50 662 63 29 Schneeren 39,26 1.508 39 30 Stöckendrebber 6,55 323 49 31 Suttorf 7,89 1.003 127 32 Vesbeck 7,75 388 50 33 Welze 5,05 247 49 34 Wulfelade 7,10 383 54

Neustadt umfasst weiterhin einige kleinere, früher teilweise eigenständige Siedlungen. Diese sind Baumühle und Brunnenborstel (gehören zu Laderholz), Dinstorf (gehört zu Brase), Himmelreich (zu Empede), Mecklenhorst, Moordorf (zu Poggenhagen), Scharnhorst (zu Basse) und Warmeloh (zu Esperke).

Zu mehreren früheren Gemeinden (zum Beispiel Amedorf, Basse, Bordenau, Evensen, Hagen, Helstorf, Laderholz, Mandelsloh, Mariensee, Niedernstöcken, Nöpke, Stöckendrebber, Vesbeck, Warmeloh und Wulfelade) liegen Chroniken über Geschichte und heutige Situation vor, die von regionalgeschichtlich interessierten Experten verfasst worden sind, teilweise zusammen mit engagierten Dorfbewohnern.

Nachbargemeinden

Geologie Wie das gesamte norddeutsche Flachland gestalteten die Eiszeiten auch die Landschaften zwischen Aller, Weser und Wietze und damit auch das Stadtgebiet von Neustadt. Das Stadtgebiet lässt sich in drei Teile gliedern: die Leineaue, die sich von Nord nach Süd erstreckt und sich bei der Kernstadt von etwa 700 auf 200 m verengt, das Steinhuder Meer mit dem sich anschließenden Toten Moor, die pleistozänen Sandaufwerfungen wie Moränen, die sich westlich der Leine über den ganzen Norden des Stadtgebiets ziehen.

Das Vereisungsgebiet der letzten Eiszeit erreichte Neustadt nicht mehr. Daher ist das Gebiet nur indirekt durch Wind und (Schmelz-)Wasser beeinflusst worden.

Im Untergrund befinden sich Meeresablagerungen der älteren Kreidezeit, der sogenannten Wealdenformation, die an ein paar Stellen auch oberirdisch zu finden sind, da sich die Leine im Verlauf ihrer Geschichte in diese Formation eingeschnitten und somit auch Abtragungen verursacht hat. Heute äußert sich die kreidezeitliche Geologie nur schwer erkennbar im Stadtbild: Das Schloss und Teile der Innenstadt liegen auf einem kleinen Rücken des Deistersandsteins, der schließlich auch namensgebend für den Rübenberge war. Sedimente aus dem kreidezeitlichen Material erstrecken sich von der Kernstadt aus ostwärts über das Gewerbegebiet Ost bis hin zu der Linie Mecklenhorst – Suttorf.

Des Weiteren war dieser Sandstein auch von wirtschaftlicher Bedeutung; es gab Steinbrüche auf der rechten Seite der Leine, deren Steine aber nur lokal genutzt wurden. Die oben genannte Wealdenformation führt auch kleinere Kohleflöze, die in den 1870er Jahren in drei Schächten gefördert wurden, aber letztendlich zu geringe Mengen an Kohle hervorbrachte. Aus dieser Zeit hält sich immer noch der Mythos, dass der damalige Betreiber der Eisenhütte sein Erz mit Torf verhütten wollte, was aber letztlich fehlschlug.

Name Der Ursprung des heutigen Namens erscheint 1426 als „Nienstadt vor dem Rouwenberge“, eine mittelalterliche Burg neben dem Ort wird 1493 als „castrum Rouvenberg“ erwähnt. Über die Bedeutung dieses Namens besteht keine Klarheit; vermutet wird, dass der Rouvenberg eine raue, steinbedeckte Erhebung im umgebenden flachen Land war. Der Name vereinfachte sich im Laufe der Zeit und lautet im Merian-Kupferstich von 1650 bereits „Neustadt am Rubenberge“.

Ein sprachlicher Zusammenhang mit der Rübe ist unwahrscheinlich, denn die heute wirtschaftlich bedeutsame Zuckerrübe spielte damals noch keine Rolle.

Geschichte Urgeschichte Auf dem heutigen Stadtgebiet sind Relikte aus zahlreichen Epochen der Menschheitsgeschichte gefunden worden. Funde aus Kiesgruben, wie in Poggenhagen, lassen sich zeitlich dem Jungpaläolithikum zuordnen. Daneben gibt es auch Mammutüberreste, insbesondere Zähne aus der Zeit des Leinetal-Paläolithikum.

Nach der Eiszeit begann sich im Gebiet von Neustadt die Landschaft radikal zu verändern, von einer Tundrenlandschaft hin zu einer üppigeren Vegetation mit zum Teil auch dichten Wäldern. Aus der Epoche des Mesolithikums gibt es Funde von Wohnplätzen, insbesondere rund um das Steinhuder Meer, wo sich die Menschen auf den Fischfang spezialisierten.

Mit dem Sesshaftwerden der Menschen sind im Neustädter Land Zeugnisse der Trichterbecherkultur anzutreffen. Dazu gehören zerstörte Großsteingräber, die sich an der Straße zwischen Neustadt und Schneeren am Breitensteinberg befunden haben.

Des Weiteren sind Grabhügel und Urnenfelder aus der Bronzezeit bekannt. Aus dieser Zeit sind Waldschmieden für Neustadt belegt.

Frühzeit und Mittelalter mini|hochkant=1.5|Merian-Kupferstich von Schloss und Stadt um 1650

Frühe Spuren einer Besiedlung zeigen sich anhand der Lüningsburg südlich der Stadt im Bereich des gleichnamigen heutigen Friedhofs. Es handelte sich um die Reste einer frühmittelalterlichen Ringwallanlage um das 10. Jahrhundert, die wahrscheinlich der Bevölkerung als Fliehburg diente.

Neustadt am Rübenberge wurde um 1200 vom Grafen Bernhard II. von Wölpe gegründet und 1215 urkundlich als „nova civitas“ (übersetzt: „neue Stadt“) erwähnt. In Urkunden späterer Jahrhunderte sind weitere Ortsbezeichnungen überliefert, wie 1426 Nienstadt vor dem Rouwenberge und 1523 Nygestadt. Das umgebende Land gehörte seinerzeit zur Grafschaft Wölpe, die in Neustadt die Wölper Silberpfennige prägen ließ. Neben der Schaffung des weltlichen Zentrums Neustadt ließ Graf Bernhard in seinem Machtbereich als geistliches Zentrum das Zisterzienserinnenkloster Mariensee errichten, in dem Nonnen weltabgeschieden lebten. 1302 wurde die Grafschaft an den Welfenherzog Otto den Strengen von Braunschweig und Lüneburg veräußert.

16. Jahrhundert mini|links|Schloss Landestrost mini|Neustadt 1764, links das Schloss mit pfeilförmiger Südbastion, rechts pfeilförmige Erichsbastion mini|Erichsbastion, archäologisch ausgegraben und teilrekonstruiert

1505 machte sich der 35-jährige Herzog Erich I. von Calenberg, der auf der mittelalterlichen Neustädter Rouvenburg geboren wurde, den Ort zum zweiten Regierungssitz. Teile der Burg fielen 1563 einem Brand zum Opfer. Sein Sohn Herzog Erich II. der Jüngere begann 1573 mit dem Wiederaufbau, bei dem das repräsentative Schloss Landestrost im Baustil der Weserrenaissance entstand. Gleichzeitig macht er das Schloss wehrhaft und ließ den unmittelbar angrenzenden Ort Neustadt zu einer für das 16. Jahrhundert typischen Stadtfestung ausbauen. Schloss und Ort wurden mit Befestigungsanlagen durch spitzwinklige Bastionen umgeben. Dazu wurden Wälle aus Erde errichtet und tiefe Wassergräben ausgehoben. Ort und Schloss mit einer Grundfläche von 10 ha waren umgeben von einem mauergestützten Wall von 1800 m Länge. Die Mauern hatten eine Höhe von 9 m bei einer Stärke von 2,3 m. Der gesamte Wall hatte eine Breite von 37 bis 42 m. Der Aufbau der gesamten Festung entsprach den Anforderungen, die die Entwicklung von Pulvergeschützen hervorgerufen hatte. Als Vorbild dienten Bastionärsbefestigungen in Italien und den Niederlanden. Mit dem Bau waren italienische Ingenieure beauftragt, die auch an anderen Orten wirkten. Das wehrhafte Schloss zählte durch seine aufwändigen Befestigungsanlagen in dieser Zeit zu den stärksten Festungen im nordwestdeutschen Raum. Mit dem Bau nannte der Herzog die Stadt Neustadt in „Landestrost“ um. Die Neustädter Bürger nannten es allerdings wegen der enormen Kosten für die Befestigungsanlage und der vielen Menschen, die beim Abbau der Steine ihr Leben ließen, „Landesverderb“. Den Namen „Landestrost“ behielt nur das Schloss bei, denn nach dem Tod des Herzogs 1584 nahm die Stadt ihren ursprünglichen Namen wieder an.

Neustadt und das umliegende Land wurden 1543 evangelisch-lutherisch. Im Dreißigjährigen Krieg ergab sich die Stadt 1626 nach einer fünfzehntägigen Belagerung durch rund 1000 Mann des kaiserlich-katholischen Feldherrn Tilly. Stadt und Festung, die 200 dänische Musketiere hielten, wurden dabei mit Kanonen beschossen. Kapitulationsgrund waren vermutlich nicht die Schäden, sondern die mangelnden Vorräte in der Stadt und das Fehlen von Verteidigungsartillerie. Tilly quartierte im Schloss Landestrost vier Kompanien Fußvolk als Garnisonstruppe ein, die es neun Jahre lang als Kaserne nutzen. 1635 erfolgte eine Entsetzung der Stadt nach dreimonatiger Aushungerung.

Beim dritten und größten Stadtbrand 1727 wurden 100 der 108 Wohnhäuser der Stadt zerstört, und in den zwei darauf folgenden Jahren wurde Neustadt nach heutigem Grundriss wieder aufgebaut.

Wie reichlich Georg II. zu spenden verstand, zeigt unter andern das Jahr 1727, in welchem er zum Wiederaufbau der eingeäscherten Neustadt am Rübenberge 100.000 Thaler aus eigenen Mitteln schenkte.

mini|Löwenbrücke 1687–88 wurde die Löwenbrücke über die Leine erbaut. Die dreibogige Massivbrücke aus Sandsteinmauerwerk wurde 2003 saniert. Der Oberbau wurde durch eine breitere Fahrbahnkonstruktion ersetzt.

19. Jahrhundert mini|hochkant=1.5|Hüttenwerk um 1870, rechts Verwaltungsgebäude mini|Früheres Verwaltungsgebäude des Hüttenwerkes zwischen Neustadt und dem Moor Im Jahre 1847 hielt am 12. Dezember die erste Eisenbahn, die die Strecke Hannover–Bremen befuhr, am Neustädter Bahnhof. Zu der Zeit hatte die Stadt 176 Wohngebäude mit 1507 Einwohnern.

Seit 1855 ist die Stadt Sitz des Amtsgerichts Neustadt am Rübenberge.