Schwanewede ist eine nordnordwestlich von Bremen gelegene Gemeinde im Landkreis Osterholz in Niedersachsen. Einige Ortsteile befinden sich direkt an der Unterweser.

mini|Topografie und Gemeindegliederung von Schwanewede Geographie Nachbargemeinden Schwanewede grenzt im Westen an die Weser (westlich davon der Landkreis Wesermarsch), im Norden an die Hagener Ortsteile Sandstedt, Uthlede und Wulsbüttel (im Landkreis Cuxhaven), im Osten an die Stadt Osterholz-Scharmbeck und an Ritterhude (beide Landkreis Osterholz) sowie im Süden an die Bremer Stadtteile Blumenthal, Vegesack und Burglesum.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Schwanewede ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus 12 Ortschaften,Zahlen von der Seite die sich teilweise in weitere Ortsteile untergliedern: Aschwarden (419 Einwohner) mit den Ortslagen Bruch und Hassel Beckedorf (1.431 Einwohner) mit den Ortslagen Fredeholz, Rosenbusch, Sandfurt, Schwankenfurt, Vollershagen, Wehrmoor und Wölpsche Brundorf (405 Einwohner) mit den Ortslagen Lilkendey und Karlshorst Eggestedt (195 Einwohner) Harriersand (68 Einwohner) mit der Ortslage Wilhelmsplate Hinnebeck (270 Einwohner) mit der Ortslage Hinnebeckerfurt Leuchtenburg (1.419 Einwohner) mit der Ortslage Holthorst Löhnhorst (888 Einwohner) mit der Ortslage Hohehorst Meyenburg (1.407 Einwohner) mit den Ortslagen Damm, Mühlengrund, Brakland und Großer Kamp Neuenkirchen (3.477 Einwohner) mit den Ortslagen Vorbruch, Göspe und Stellerbruch Rade (233 Einwohner) mit der Halbinsel Fährplate Schwanewede (Kernort; 9.981 Einwohner) mit den Ortslagen Brink, Dreienkamp, Flachsberg, Hamfähr, Hünenstein, Kerkhop, Klippenei, Köhlhorst, Koppelsberg, Kreienmoor, Langenberg, Lehmhorst, Metjensande, Reitberg, Schukamp, Siethlandswehr, Trenthöpen, Vorberg und Voßhall (Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2022)

Während der westliche Teil der Gemeinde – die Ortsteile Neuenkirchen, Rade und Aschwarden – entlang der Weser aus Marschland mit Grünlandnutzung besteht (der Osterstader Marsch), finden sich östlich davon Geestlandschaften, die von größeren Waldgebieten eingenommen werden (Düngel und Garlstedter Heide). Die 6 km² große und über 11 km lange Weserinsel Harriersand gehört seit der Gebietsreform 1974 zu Schwanewede. Sie ist eine der längsten Flussinseln Europas und hat einen Sandstrand.

Geschichte Werkzeuge jungsteinzeitlicher Siedler wurden in der Schwaneweder Gemarkung gefunden und aus der Bronzezeit (um 1800 v. Chr.) sind einige Hügelgräber im Gemeindegebiet erhalten geblieben. Die Hügelgräber in der Neegenbargsheide liegen nördlich von Schwanewede. Der Name Schwanewede wurde 1203 erstmals urkundlich als Personenname erwähnt. Weiter zurück datieren die Ersterwähnungen von Aschwarden (1105) und Rade (1100). Später wurden Hinnebeck 1236, Beckedorf 1260, Eggestedt 1273 und Brundorf im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort Schwanewede gehörte lange Zeit zum Amt Blumenthal und kam mit diesem zusammen 1932 zum Landkreis Osterholz. 1929 wurden die Dörfer Schukamp und Lehmhorst nach Schwanewede eingemeindet.

Zweiter Weltkrieg Im heutigen Schwaneweder Ortsteil Heidkamp, auf einer Fläche von 35 ha zwischen der Hospitalstraße und dem Molkereiweg, befand sich im Zweiten Weltkrieg das 1940–1944 erbaute Arbeiter-Lager Heidkamp. Es wurde vom Marine-Gemeinschaftslager Neuenkirchen verwaltet und diente der Unterbringung von Zivilarbeitern (Zwangsarbeitern) aus Osteuropa (sogenannte Ostarbeiter, Lager Heidkamp I) bzw. Westeuropa (Lager Heidkamp II) für die Organisation Todt (OT). Zur Unterbringung von italienischen Militärinternierten (Kriegsgefangenen) wurde die Anlage 1944 vergrößert. Beiderseits der damaligen Lagerstraße, der heutigen Ostlandstraße, standen etwa 54 Gebäude (Wohnbaracken, Garagen, Küche, Aborte, Kranken-Baracke (Revier) u. v. a. m.) für bis zu 4.500 Personen. Die Verwaltungs-Baracke befand sich auf dem Gelände der heutigen Heideschule. Über eine ca. 10 km lange Eisenbahn (Marinebahn) war das Lager Heidkamp mit der Baustelle des Marine-Öllagers (seit 1939/40) bzw. des U-Bootbunkers Valentin (seit 1943) verbunden, u. a. zum täglichen Transport von Tausenden von Arbeitern zu den Baustellen und zurück. Die Lagerinsassen mussten auf den Baustellen arbeiten oder bei beteiligten Bau-Firmen in der Umgebung. Die italienischen Militärinternierten wurden von einer Einheit der 6. Kompanie des Landesschützenbatallion 681 bewacht, so zum Beispiel das italienische Arbeitskommando 7 Schwanewede, in welchem Elio Materassi für die Firma Kukerz arbeitete. Die ärztliche Betreuung verantwortete die Organisation Todt und u. a. der italienische OT-Arzt DiFrancesco. Nach dem Kriegsende waren bis 1947 im Lager Heidkamp US-Soldaten untergebracht („Camp Schwanewede“), die das nahegelegene Wifo-Tanklager beaufsichtigten, und danach Flüchtlinge.

Im Oktober 1943 wurde auf dem Baustellengelände des Marine-Öllagers zwischen Neuenkirchen und Schwanewede das KZ Farge errichtet.

Bundeswehr-Standort Schwanewede war von 1958 bis 2024 Garnison der Bundeswehr. Auf dem ehemaligen Baustellengelände des Marine-Öllagers wurden die Lützow-Kaserne (1958–2015), die Weser-Geest-Kaserne (1982–2004) und ein Standortübungsplatz (1958–2024) betrieben. In Eggestedt befanden sich ein Munitionsdepot und eine Schießanlage. Seitdem waren in Schwanewede neben dem Panzergrenadierbataillon 323, dem Panzerbataillon 324 und dem Panzerartillerielehrbataillon 325 auch andere Artillerie- und Instandsetzungsverbände der Panzergrenadierbrigade 32 stationiert. Im Zuge der Truppenreduzierung wurden diese Verbände aber aufgelöst.

Bis 2006 waren in Schwanewede nach der Verlegung und Auflösung der anderen Truppenteile Teile des Sanitätsregimentes 12 stationiert. Ab 2007 waren in der Lützow-Kaserne Teile des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst (Kdo SES) beheimatet. Neben den drei Kommandoeinheiten, der Versorgungsunterstützungskompanie und der Sanitätsausbildungskompanie wurde hier auch der Stab des Kommandobereiches Follow-On-Forces (KdoBer FOF) untergebracht. Am 26. Oktober 2011 wurde die Schließung des Standortes Schwanewede im Zuge der Bundeswehrreform bis 2013 bekannt gegeben. Im Zuge der 2013 angepassten Realisierungspläne zum Stationierungskonzept wurde die Schließung des Standortes auf das 3. Quartal 2015 angesetzt.

Ab dem 16. September 2015 wurde die frühere Lützow-Kaserne in Schwanewede vorübergehend als Flüchtlingsnotunterkunft verwendet. Künftig soll das Gelände teilweise mit Wohnbebauung belegt werden.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Aschwarden, Beckedorf, Brundorf, Eggestedt, Hinnenbeck, Leuchtenburg, Löhnhorst, Meyenburg, Neuenkirchen und Rade sowie die östlich der Weser gelegenen Gebietsteile der Städte Brake (Unterweser) und Elsfleth (beide im Landkreis Wesermarsch) eingegliedert.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Schwanewede von 1961 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle Jahr* Einwohner 1961 13.221 1968 15.160 1973 16.392 1978 17.415 1983 17.512 1988 16.772 1993 17.504 Jahr Einwohner 1998 18.433 2003 19.842 2008 20.061 2010 19.904 2012 19.540 2015 21.040 2017 20.142 * 1961 am 6. Juni, dem Tag der Volkszählung, mit den später eingemeindeten Orten; ab 1968 jeweils am 31. DezemberLSKN-Online

Politik Rat Der Rat der Gemeinde Schwanewede besteht aus 34 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.001 und 25.000 Einwohnern., abgerufen am 22. November 2014 Die 34 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Ebenfalls stimmberechtigtes Mitglied des Rates ist der Bürgermeister.

Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.Die Ergebnisse der vergangenen Ratswahlen führten zu folgenden Sitzverteilungen: WahljahrSPDCDUGrüneWGAfDFDP*Linke Gesamt202112124221134 Sitze2016 12 11 3 4 – 2 – 32 Sitze2011 13 10 4 4 – 1 – 32 Sitze2006 16 9 2 3 – 2 – 32 Sitze * 2016: FDP / Die Linke

Bürgermeisterin Hauptamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Schwanewede ist seit dem 1. Januar 2021 Christina Jantz-Herrmann (SPD).

Ehemalige Bürgermeister als Bürgermeister (Zweigleisigkeit) 1974–1996: Johann Holler (Wählergemeinschaft Schwanewede)

als Bürgermeister (Eingleisigkeit) 1996–2001: Johann Holler (Wählergemeinschaft Schwanewede) 2001–2020: Harald Stehnken (SPD) seit 2021: Christina Jantz-Herrmann (SPD)

Wappen, Flagge und Banner

Partnerschaften Schwanewede ist im Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen vertreten.

Ortsrat Der Ortsrat, der die Ortschaft Schwanewede (Kernort) vertritt, setzt sich aus 15 Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Schwanewede im 17. Jahrhundert noch mit der Schreibweise „Swanewedel“ Museen mini|Herrenhaus Hohehorst Im Ortsteil Beckedorf wird seit 1996 das Beckedorfer Schmiedemuseum vom gleichnamigen Förderverein betrieben. Es widmet sich vor allem dem Schmiedehandwerk im 19. Jahrhundert und befindet sich in der 1812 gegründeten „Wildhackschen Waldschmiede“. Neben einer voll funktionsfähigen Schmiede mit Esse, Blasebalg und historischen Werkzeugen werden Dokumente, Werkzeichnungen und Schmiedeerzeugnisse ausgestellt. Das kleine Museum ist außer an Feiertagen jeden Freitagnachmittag geöffnet und kann zudem nach Terminabsprache besichtigt werden.Website des Beckedorfer Schmiedemuseums.

Seit 2007/2008 betreibt der Heimatfreunde Neuenkirchen e. V. in einer historischen Baracke, die sich auf dem Gelände der 2004 aufgelösten Weser-Geest-Kaserne der Bundeswehr bzw. des ehemaligen Marinegemeinschaftslagers, Marinehospitals und Evangelischen Hospitals Neuenkirchen in der Neuenkirchener Heide befindet, die museale Einrichtung Baracke Wilhelmine (Dokumentations- und Lernort Baracke Wilhelmine). Das von der Gemeinde geförderte Ausstellungsprojekt dokumentiert in Form eines kleinen regionalen Museums die Geschichte der Nutzung des Geländes und ist zugleich eine Gedenkstätte an die Zwangsarbeiter des NS-Arbeitslagers sowie die Opfer des KZ Farge bzw. des Baus des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen-Rekum. Ein gesonderter Ausstellungsbereich befasst sich mit dem Thema „Lebensborn“ und dem ehemaligen Lebensborn-Heim „Haus Friesland“ im Herrenhaus Hohehorst auf Gut Hohehorst bei Löhnhorst..

Der Verein Geschichtslehrpfad Lagerstraße/U-Boot-Bunker Valentin e. V. betreibt in Schwanewede-Neuenkirchen das Ausstellungsprojekt und Museum Baracke 27.Website des Vereins Geschichtslehrpfad Lagerstraße/U-Boot-Bunker Valentin e. V.

Bauwerke

Baracke Wilhelmine mini|St.-Johannes-Kirche Schwanewede St.-Johannes-Kirche in Schwanewede, ein 1761 errichteter Fachwerkbau mit massivem Turm Küsterhaus Schwanewede., Damm 8, von 1790 in Fachwerk, heute Kirchencafé Michaelskirche Neuenkirchen, ein barocker Bau von 1768 mit romanischem Turm von 1192 St.-Luciae-Kirche in Meyenburg, erbaut 1857 mit Turm von 1752 und separater barocker Friedhofskapelle St.-Nicolai-Kirche in Aschwarden-Bruch, um 1235 erbaut Wassermühle Meyenburg (1856) und Wassermühle Neuenkirchen-Göspe (1868) Windmühle am Weserdeich in Aschwarden (doppelstöckiger Galerieholländer, 1896 errichtet) Wohn- und Wirtschaftsgebäude Butendoor 14 in Meyenburg von 1688 in Fachwerk Schafstall in Brundorf vom 17. Jahrhundert, unlängst restaurierter Fachwerkbau mit Feldsteinsockel Hallenhäuser in Backstein und in Fachwerk aus dem 18. und 19. Jahrhundert im Dorfkern von Meyenburg Wohn- und Wirtschaftsgebäude Voßhall 2 von 1790 in Fachwerk Mausoleum am Spreeken von um 1800, nahe der Ortslage Koppelsberg, neugotischer Backsteinbau als Erbbegräbnis der Familie v.d. WischHarald Steinmann: Ein Mausoleum in Schwanewede. In: Heimat-Rundblick. Geschichte, Kultur, Natur. Nr. 112, 1/2015 (Frühjahr 2015). Druckerpresse-Verlag, , S. 14–15.