Der Heidekreis ist ein Landkreis im Land Niedersachsen. Er liegt fast vollständig in der Lüneburger Heide, nach der er benannt ist. Kreisstadt ist Bad Fallingbostel, die einwohnerstärksten Städte sind Walsrode und Soltau.
Der Landkreis entstand am 1. August 1977 mit der Fusion der aufgelösten Landkreise Fallingbostel und Soltau. Bis zur Umbenennung am 1. August 2011 bestand er unter dem Namen Landkreis Soltau-Fallingbostel.
Geographie Lage mini|Lüneburger Heide
Landschaftlich wird der Landkreis durch die Lüneburger Heide geprägt, der Südwesten auch durch das Aller-Urstromtal. Der größte Teil des Kreisgebietes gehört zur Südheide, nur der Nordosten hat Anteil an der Hohen Heide und am Naturpark Lüneburger Heide. Dort entspringt die Böhme, deren im Bereich des Böhmeknies gewundenes Tal in etwa mit der Längsachse des Kreisgebietes zusammenfällt, und an der die wichtigsten Orte liegen. Nordwestlich der Böhme liegen land- und forstwirtschaftlich geprägte, schwachwellige Hochflächen, südöstlich erhebt sich das stark reliefierte Hochgebiet der Falkenberg-Endmoräne, die fast ganz im Truppenübungsplatz Bergen liegt.
Der Landkreis gehört zu den Metropolregionen Hamburg und Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg. Der Altkreis Soltau im Norden ist traditionell eher nach Hamburg orientiert, während der südliche Altkreis Fallingbostel nach Hannover tendiert.
Nachbarkreise Der Heidekreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Harburg, Lüneburg, Uelzen und Celle, an die Region Hannover sowie an die Landkreise Nienburg/Weser, Verden und Rotenburg (Wümme).
Gewässer mini|Böhme nahe der Mündung in die Aller
Die weitaus größten Flüsse im Kreisgebiet sind die Aller und die Leine, die am Mündungspunkt mehr Wasser führt als die Aller. Die Böhme durchfließt das Kreisgebiet fast in gesamter Länge. Weitere Flüsse (mit über 10 Kilometern Länge im Kreisgebiet) sind Aue (Wietze), Bomlitz, Fulde, Große Aue (Böhme), Gilmerdinger Bach/Hahnenbach, Krelinger Bach, Kleine Örtze, Lehrde, Brunau/Luhe, Örtze, Meiße, Veerse, Warnau, Mehlandsbach/Wiedau, Wietze (Örtze) und Haverbeeke/Wümme.
Geschichte Historisch gehörte das Gebiet des heutigen Heidekreises zum ehemaligen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und dessen Nachfolgestaaten. Am 6. Mai 1884 trat die Kreisordnung der preußischen Provinz Hannover in Kraft. Das Amt Fallingbostel wurde im April 1885 mit dem Amt Ahlden zum Kreis Fallingbostel zusammengelegt, der Streit um den Kreissitz zwischen Fallingbostel und Walsrode zugunsten Fallingbostels entschieden. Gleichzeitig wurde das Amt Soltau in den Kreis Soltau überführt, lediglich die Gemeinde Fintel fiel an den Kreis Rotenburg.
Zum 1. August 1932 trat die Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen in Kraft. In § 64 wurde bestimmt, dass die Landkreise Fallingbostel und Soltau zu einem neuen Landkreis Fallingbostel-Soltau mit Kreissitz in Fallingbostel zusammengeschlossen werden sollen. Dies wurde zum 1. Oktober 1932 umgesetzt. Nach Protesten aus Soltau wurden beide Kreise genau ein Jahr später jedoch wieder getrennt. In einem Konvoi aus 30 Lastwagen wurden sämtliche Möbel und Akten wieder zurück nach Soltau gebracht.
mini|Aussichtsbunker auf dem Truppenübungsplatz Munster-Süd, vermutlich aus den 1930er Jahren
1935 bestätigten sich Gerüchte über die Einrichtung eines großen Truppenübungsplatzes auf dem Gebiet der Landkreise Fallingbostel und Celle. Der Landkreis Fallingbostel verlor fast 18 % seiner Fläche an den Truppenübungsplatz Bergen. Die teils jahrhundertealten Gemeinden Wense, Untereinzingen, Obereinzingen, Oerbke, Oberndorfmark, Böstlingen, Hartem, Ettenbostel, Ostenholz und Oberhode mussten von ihren Bewohnern verlassen werden. Weitere Gemeinden waren durch den Verlust von Teilflächen betroffen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges führte die britische Besatzungsmacht 1946 die Zweigleisigkeit der Kommunalen Selbstverwaltung ein. An der Spitze des Kreistages stand fortan der Landrat, an der Spitze der Kreisverwaltung der Oberkreisdirektor. Diese Regelung wurde in Niedersachsen bis 1996 beibehalten.
Im Juli 1957 übernahm der Kreis Fallingbostel eine Partnerschaft für den Heimatkreis Rummelsburg/Pommern, im April 1960 folgte Soltau mit einer Partnerschaft mit dem Heimatkreis Soldin/Neumark. Regelmäßig trafen sich die ehemaligen Bewohner dieser Gebiete daraufhin in Fallingbostel bzw. Munster und Schneverdingen.
mini|Panzerspuren bei Wilsede
Im Jahre 1963 trat das Soltau-Lüneburg-Abkommen in Kraft. Diese Vereinbarung zwischen Deutschland, Kanada und dem Vereinigten Königreich regelte die militärische Nutzung von zusätzlichen Flächen in der Lüneburger Heide. 3700 ha des heutigen Landkreises Heidekreis gehörten zu den Roten Flächen, die zur ständigen und uneingeschränkten Nutzung zur Verfügung gestellt wurden. Bis zum Auslaufen des Abkommens im Jahr 1994 hatten die Bewohner mit Belastungen durch Staub, Lärm und Militärverkehr zu kämpfen.
Geburtsstunde des heutigen Heidekreises war das Jahr 1977. Auf eine umfassende Gebietsreform in Niedersachsen 1972 folgte wenige Jahre später im Rahmen des achten Gesetzes zur Verwaltungs- und Gebietsreform auch eine erneute Kreisreform. Am 13. Januar 1975 wurde der Entwurf vorgestellt. Danach sollten nach § 15 die Landkreise Fallingbostel und Soltau aufgelöst und zu einem neuen Landkreis Fallingbostel zusammengeschlossen werden. Insbesondere die Wahl des Kreissitzes Fallingbostel sorgte für Proteste aus der einwohnerstärkeren Stadt Soltau, da diese dem weitestgehend akzeptierten Gutachten von Werner Weber widersprach. Alle Verhandlungen, Bürgerinitiativen und Protestveranstaltungen waren zwecklos, auch eine Klage vor dem Niedersächsischen Staatsgerichtshof in Bückeburg blieb ohne Erfolg. Der Landkreis Fallingbostel entstand zum 1. August 1977 aus den alten Landkreisen Fallingbostel und Soltau sowie einer Gemeinde des Landkreises Uelzen. Gleich in der zweiten Kreistagssitzung nach den Kreistagswahlen vom 23. Oktober 1977 beantragte Landrat Wolfgang Buhr (CDU Soltau), Soltau wieder als Kreissitz zu bestimmen. Da sich der Kreistag aus 26 Nordkreislern (Landkreis Soltau) und lediglich 24 aus dem Südkreis (Landkreis Fallingbostel) zusammensetzte, ging die Abstimmung entsprechend aus. Das Landeskabinett lehnte diesen Beschluss jedoch als unzulässig ab. Als Kompromissangebot wurde neben der Anpassung des Namens – Soltau-Fallingbostel – auch eine Außenstelle der Kreisverwaltung in Soltau eingerichtet.Bargmann: Die Stadt Soltau in der niedersächsischen Geschichte. Band 3, Kapitel Die Gebiets- und Verwaltungsreform, S. 183–190.
Die ersten Jahre der Kreisgeschichte waren geprägt durch die Existenz großer Truppenübungsplätze der Britischen Rheinarmee, der NATO und der Bundeswehr und den Bemühungen seitens des Landkreises, möglichst viele Flächen dem regen Ausflugs- und Wandertourismus in der Lüneburger Heide zugänglich zu machen. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden zwar einige Truppenübungsplätze geräumt und sind nun öffentlich als Naturschutzgebiete zugänglich, jedoch befinden sich nach wie vor große Garnisonen in Munster und in der Kreisstadt Bad Fallingbostel.
Am 2. Februar 2005 wurde die seit 1960 gestehenden Partnerschaft für den Heimatkreis Soldin (siehe oben, Abs. 5) in eine Partnerschaft mit dem polnischen Landkreis Mysliborz umgewandelt. Bis 2011 war eine Fusion der Kreisstadt Bad Fallingbostel mit den Kommunen Bomlitz und Walsrode zur neuen Stadt Böhmetal projektiert. Eine Bürgerbefragung am 2. November 2008 ergab jedoch eine deutliche Ablehnung in Fallingbostel, während Walsrode und Bomlitz die Idee befürworteten. mini|hochkant|Schild an der Kreisgrenze Am 9. April 2010 beschloss der Kreistag mit einer Mehrheit von 27 zu 11 Stimmen (bei einer Enthaltung) eine Umbenennung des Landkreises von Soltau-Fallingbostel in Heidekreis. Lediglich die Vertreter der namensgebenden Städte Soltau und Bad Fallingbostel hatten sich gegen die Namensänderung ausgesprochen. Eine Bürgerbefragung fand nicht statt. Bereits seit Jahren nutzte der Landkreis diesen Begriff als Beinamen. So gibt es zum Beispiel die Heidekreis-Musikschule, die Volkshochschule Heidekreis und das Heidekreis-Klinikum. Ein Antrag beim Innenministerium wurde bald darauf gestellt. Bericht vom 12. April 2010 auf kreiszeitung.de Da sich die Nachbarlandkreise Lüneburg und Harburg ablehnend geäußert hatten, verzögerte sich die Entscheidung zunächst. Beitrag des Hamburger Abendblattes vom 17. November 2010. Am 30. Mai 2011 gab Ministerpräsident David McAllister schließlich bekannt, dass die Umbenennung in Heidekreis zum 1. August 2011 genehmigt werde.„Heidekreis“ offiziell genehmigt Bericht auf kreiszeitung.de vom 31. Mai 2011. Am 7. Juli 2011 wurde die Umbenennung des Landkreises zum 1. August 2011 durch die Unterzeichnung der Umbenennungsurkunde (PDF; 246 kB). von Uwe Schünemann offiziell.
Am 19. Januar 2018 wurde die Eingemeindung der Gemeinde Bomlitz in die Stadt Walsrode beschlossen, welche am 1. Januar 2020 in Kraft trat.Gesetz über die Vereinigung der Stadt Walsrode und der Gemeinde Bomlitz, Landkreis Heidekreis vom 25. Oktober 2018. In: Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14 vom 1. November 2018, S. 223. Damit verminderte sich die Anzahl der kreisangehörigen Gemeinden von 23 auf 22.
Einwohnerstatistik mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Heidekreis (Datenquelle: Zensus 2011)
Jahr Einwohner Quelle 1980 126.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1985 126.100 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1986 1990 126.227 1995 134.811 2000 140.203 Jahr Einwohner Quelle 2005 142.678 2010 139.630 2015 140.264 2020 140.885
Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 (Stand 9. Mai 2011) waren 61,7 % der Einwohner evangelisch, 7,1 % römisch-katholisch und 31,2 % waren Sonstige (konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe). Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 09.05.2011, Religion)Tabelle 1000X-1014 Personen: Religion, abgerufen am 21. September 2024 Der Anteil der Protestanten an der Gesamtbevölkerung sinkt seitdem jährlich um einen Prozentpunkt, während der Anteil der Sonstigen jährlich um ein Prozentpunkt steigt. Gemäß dem Zensus 2022 (Stand 15. Mai 2022) waren 49,3 % der Einwohner evangelisch, 6,8 % katholisch und 43,9 % waren Sonstige.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 21. September 2024
Gemeinden
(Einwohner am )
Einheitsgemeinden Bad Fallingbostel, Kreisstadt () Bispingen () Munster, Stadt () Neuenkirchen () Schneverdingen, Stadt () Soltau, Stadt () Walsrode, Stadt, selbständige Gemeinde () Wietzendorf ()
Samtgemeinden mit ihren Mitgliedsgemeinden
* Sitz der Samtgemeindeverwaltung 1. Samtgemeinde Ahlden () Ahlden (Aller), Flecken () Eickeloh () Grethem () Hademstorf () Hodenhagen * () 2. Samtgemeinde Rethem (Aller) () Böhme () Frankenfeld () Häuslingen () Rethem (Aller), Stadt * () 3. Samtgemeinde Schwarmstedt () Buchholz (Aller) () Essel () Gilten () Lindwedel () Schwarmstedt * ()
gemeindefreier Bezirk Osterheide [Sitz: Oerbke] ()
Politik Landrat Bei der Landratsstichwahl am 27. September 2026 wurde Cornelia Reithmeier (parteilos) mit 60,1 % der abgegebenen Stimmen als Landrätin gewählt.
Ehemalige Landräte und Oberkreisdirektoren Von 1977 bis Januar 2002 wurde der Landkreis durch eine Doppelspitze bestehend aus Oberkreisdirektor als Hauptverwaltungsbeamten und ehrenamtlichem Landrat, der hauptsächlich eine repräsentative Funktion hatte, geleitet. Zum 1. Februar 2002 wurden diese beiden Funktionen im Amt des hauptamtlichen Landrats zusammengefasst.
Oberkreisdirektor war über den gesamten Zeitraum von 1977 bis 2002 Klaus Schumacher. Die ehrenamtlichen Landräte in diesem Zeitraum waren: 1977–1996: Wolfgang Buhr (CDU) 1996–2002: Hermann Söder (CDU)
Als hauptamtliche Landräte amtierten: 2002–2006: Hermann Söder (CDU) 2007–2021: Manfred Ostermann (parteilos)