Die Hansestadt Uelzen (niederdeutsch Ülz’n) []Eduard Kück: Lüneburger Wörterbuch. Wortschatz der Lüneburger Heide und ihrer Randgebiete, seit 1900 zusammen mit vielen Mitarbeitern gesammelt und sprachwissenschaftlich sowie volkskundlich erläutert von Professor Dr. Eduard Kück. Dritter Band: S–Z. Karl Wachholtz, Neumünster 1967. ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Nordosten Niedersachsens und Teil der Metropolregion Hamburg.

In der Stadtrechtsurkunde von 1270 trägt Uelzen zunächst den Namen Löwenwalde. Als Mitglied der Hanse kam die an der Ilmenau gelegene Mittelstadt durch internationalen Handel zu gewissem Wohlstand. Die Altstadt ist von Fachwerkarchitektur geprägt und weist zudem einige beachtliche Bauwerke der norddeutschen Backsteingotik auf.

Geographie Geographische Lage mini|hochkant=0.9|Uelzen liegt zwischen den Kurorten Bad Bevensen und Bad Bodenteich in der Lüneburger Heide Uelzen liegt am Rand der Lüneburger Heide und ist Mittelpunkt des Uelzener Beckens. Aufgrund ihrer Lage an der Nord-Süd-Achse Hamburg-Hannover sowie der West-Ost-Achse Bremen-Berlin ist die Stadt ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist zudem die Lage am Elbe-Seitenkanal. Reizvoll ist die Lage der Stadt am Heidefluss Ilmenau mit grünen Ufern, kleinen Parks und Auen. In der Nachbarschaft wurden große Areale als Naturparks mit Mooren, Wäldern, Seen und Heideflächen gestaltet: Naturpark Wendland.Elbe, Naturpark Lüneburger Heide, Naturpark Südheide und Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue.

Stadtgliederung Die Hansestadt Uelzen ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus der Kernstadt und den Ortsteilen Groß Liedern, Halligdorf, Hambrock, Hansen, Hanstedt II, Holdenstedt, Kirchweyhe, Klein Süstedt, Masendorf, Mehre, Molzen, Oldenstadt, Riestedt, Ripdorfnamengebender Fundort der Ripdorfstufe der Jastorf-Kultur nach Funden aus dem Brandgräberfeld von Ripdorf, Tatern, Veerßen, Westerweyhe und Woltersburg.

Des Weiteren gibt es noch drei Orte im Stadtgebiet, die den Status „Sonstige Ortsteile“ haben: Borne, Klein Liedern, Pieperhöfen.

Klima Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 9,6 °C, pro Jahr fallen etwa 660 mm Niederschlag. Die mittlere Temperatur beträgt im Juli 18,6 °C und im Januar 1,4 °C. Zwischen April und August kann mit durchschnittlich 201 Sonnenstunden pro Monat gerechnet werden. Im Juli werden Höchstwerte bis zu 36,5 °C und im Dezember Tiefstwerte bis zu −17,3 °C erreicht. Der trockenste Monat ist der April, die meisten Niederschläge fallen im Juli.

Geschichte Vorgeschichte Der Grabhügel am Hafen von Uelzen datiert in die Bronzezeit. Mittelalter mini|Goldbronze-Relief der Stadt Uelzen vor dem Brand von 1646 mini|links|Klosterkirche Oldenstadt aus dem 12. Jahrhundert mini|1292 geweihte St.-Marien-Kirche mit Apostelkapelle von 1357 Die Wurzeln der heutigen Stadt liegen in Oldenstadt (Ulessen, Ullishusen), einer Siedlung im Umfeld eines Klosters aus dem 10. Jahrhundert, von dem heute noch die ehemalige Klosterkirche Oldenstadt zeugt. Das Kanonissenstift Oldenstadt wurde um 970 durch Bischof Brun I. von Verden auf seinem Gut gegründet und war der Maria und dem Heiligen Johannes Baptist geweiht.Caspar Ehlers: Die Integration Sachsens in das fränkische Reich. Göttingen, 2007, S. 88; Nathalie Kruppa: Die Billunger und ihre Klöster. Beispiele zu den weitläufigen Verbindungen im frühmittelalterlichen Sachsen. In: Concilium medii aevi. Band 12, 2009, S. 1–41, hier S. 22.

Nach Unstimmigkeiten mit ihrem Grundherrn, dem Bischof von Verden, zog ein Teil der Einwohner um 1250 kurzerhand an das Westufer der Ilmenau und gründete dort planvoll eine eigene Stadt. Durch eine Fehde mit den Grafen von Schwerin gelang es dem ersten Regenten des Fürstentums Lüneburg, Welfenherzog Johann von Braunschweig und Lüneburg, Eigentumsrechte an der Stadt zu erwerben. Zuvor unterstand die neu gegründete Stadt der Herrschaft des Schweriner Grafen Gunzelin III.Thomas Vogtherr: Uelzen. Geschichte einer Stadt im Mittelalter. Becker, Uelzen 1997, ISBN 3-920079-42-6. Uelzen trug seinerzeit den Namen Löwenwalde (Loewenwolde, Lauenwold) und wurde 1270 mit allen dazugehörigen Rechten ausgestattet, wovon heute noch eine Inschrift am Portal des Alten Rathauses zeugt: „Am 13. Dezember 1270 verlieh Herzog Johann von Braunschweig dem Orte Loewenwolde (Ulessen) Stadtrechte.“ Der Name Löwenwalde taucht bis ins 14. Jahrhundert auf, setzte sich jedoch nicht durch, denn die Bevölkerung sprach weiterhin von Neu-Uelzen (Nien Ulessen) und Alt-Uelzen (Olden Ulessen bzw. Oldenstadt). In der Symbolik des Stadtwappens ist der Name Löwenwalde indes bis heute erhalten. Obgleich im Jahre 1350 etwa 500 Einwohner der jungen Stadt an der Pest starben, entwickelte sich Uelzen zu einer wohlhabenden Handelsstadt. 1371 bestätigten die sächsischen Herzöge Wenzel und Albrecht von Sachsen-Wittenberg als regierende Fürsten von Lüneburg die Stellung Uelzens und billigten den Uelzener Kaufleuten unter anderem das Recht auf Zollfreiheit im Lüneburger Lande zu, um den Handel zu fördern.Horst Hoffmann: Uelzen. Gesicht einer Stadt. Mit Fotos von Peter Siegmund und Texten von Horst Hoffmann. Becker, Uelzen 1989, ISBN 3-920079-26-4. Die verkehrsgünstige Lage an der südlichen Verlängerung der Alten Salzstraße wirkte sich ebenfalls positiv auf die Stadtentwicklung aus. mini|hochkant=0.7|links|Gildehaus aus dem 15. Jahrhundert in der Veerßer Straße mini|Einer der erhaltenen Stadtmauer-Abschnitte 1374 wurde Uelzen Mitglied der Hanse. Im Lüneburger Erbfolgekrieg zwischen Welfen und Askaniern (1371–1388) wurde die Stadt mit Wall und Graben sowie einer Stadtmauer befestigt, die mehr als 20 Türme und Wachtposten sowie drei repräsentative Stadttore (Lüneburger Tor, Veerßer Tor, Gudestor) zählte und ursprünglich etwa 4,5 Meter hoch war. Gegen Westen war die Stadt durch den mächtigen Vangelturm verschlossen, der auch Schwarzer Bär genannt wurde.Horst Hoffmann: Uelzen. Gesicht einer Stadt. Mit Fotos von Peter Siegmund und Texten von Horst Hoffmann. Becker, Uelzen 1989, ISBN 3-920079-26-4. Im Jahr 1396 besetzten die Celler Herzöge Heinrich der Milde und Bernhard zu Braunschweig-Lüneburg die Stadt und begannen von hier aus den Satekrieg, um die durch den Lüneburger Erbfolgekrieg verlorene Macht wieder zu vergrößern. Erst nach mehr als anderthalbjähriger Besetzung gaben die Herzöge die Stadt wieder frei. Seit dem Jahr 1397 wird aus diesem Grund das Uelzische Armenessen gefeiert, welches damit eine der ältesten karitativen Veranstaltungen der Welt ist. Zum Zwecke der Fürsorge für Aussätzige stiftete der Uelzener Propst Rupert von Nordlo 1412 das nördlich der Stadt gelegene Leprosenhospital St. Viti.Thomas Vogtherr: Uelzen. Geschichte einer Stadt im Mittelalter. Becker, Uelzen 1997, ISBN 3-920079-42-6. Die dazugehörige St.-Viti-Kapelle existiert bis heute.

Im Jahr 1470 fand in Uelzen ein Hansetag statt. Bis ins 16. Jahrhundert erlebte die Stadt eine Blütezeit und war ein wichtiger Handelsplatz für Honig, Wachs, Holz, Vieh, Pelze, Getreide und Töpferwaren. Uelzener Leinen wurden am Schnellenmarkt von einem Londoner Handelskontor aufgekauft und nach Nordeuropa exportiert. Im Gegenzug gelangten englische Tuchwaren, schottische Wollstoffe oder rheinländische Keramikprodukte nach Uelzen. Weitere Schwerpunkte des Uelzener Fernhandels lassen sich im heutigen Estland, in Flandern und Norwegen (Bergen) ausmachen.Auf den Spuren der Hanse in Uelzen. AZ-Online, 16. April 2016.

Frühe Neuzeit mini|links|hochkant=0.7|Erhaltenes Fachwerkhaus von 1594

mini|Uelzen von Osten aus betrachtet, um 1654 mini|Uelzen aus der Vogelschau um 1654, befestigt mit Wassergraben, Wall, Stadtmauer und Mauertürmen Im 16. Jahrhundert nimmt Uelzens Bedeutung als Landstadt innerhalb des Fürstentums Lüneburg deutlich zu. Aufgrund ihrer zentralen Lage war die Stadt zwischen 1521 und 1530 sechsmal Tagungsort der Landtage. 1506 wurde von Herzog Heinrich I. von Braunschweig-Lüneburg zudem das ständisch besetzte Landgericht in Uelzen gegründet, das sein in Uelzen geborener Sohn Herzog Ernst I. der Bekenner 1535 zum Hofgericht umformte, indem er die geistlichen durch adlige Richter ersetzte.Thomas Vogtherr: Uelzen. Geschichte einer Stadt im Mittelalter. Becker, Uelzen 1997, ISBN 3-920079-42-6. 1563 wurde dieses nach Celle verlegt. Im Fürstenhof der herzoglichen Familie, dem Oldenstädter Hof, lebte zwanzig Jahre lang – bis zu ihrem Tod – die Schwester Herzog Ernsts, Prinzessin Apollonia von Braunschweig-Lüneburg (1499–1571). Ein Porträt der Prinzessin befindet sich auf ihrem Epitaph in der Stadtkirche St. Marien, in der sie begraben wurde. 1597 starben erneut etwa 500 Einwohner Uelzens an der Pest.

Während der Hansezeit gelangte vermutlich auch das „Goldene Schiff“ in die Stadt, das heute als Wahrzeichen Uelzens gilt. Teilweise wird vermutet, dass es sich um einen Tafelaufsatz aus dem 13. Jahrhundert handeln könnte, den der Uelzener Hansekaufmann Valentin von Horn, der bei Elisabeth I. in Gnaden stand, im Jahre 1598 aus London mitbrachte. Hinsichtlich seiner Herkunft, seines Alters und seiner einstigen Verwendung gibt es allerdings weitere Erklärungsmodelle. Die 63 Zentimeter hohe Nachbildung einer Hansekogge wird heute in der St.-Marien-Kirche aufbewahrt, während sich eine Replik des Schiffs im Uelzener Rathaus befindet.

Infolge vorhandener Traditionen aus der Klosterzeit in Oldenstadt hatte sich Uelzen bereits zu einer wichtigen Brauerstadt mit großem wirtschaftlichem Erfolg entwickelt. Das Uelzener Bier war auch in den umliegenden Städten sehr beliebt, ganz zum Missfallen der konkurrierenden Bierbrauereien. 1611 wurden in Uelzen 25.000 Hektoliter Bier erzeugt. Im Jahre 1649 zählte die Stadt 58 Brauhäuser. Auf Druck des Herzogs in Celle wurde 1662 in Uelzen das so genannte Riegebrauen eingeführt, was eine starke Reglementierung der Biermenge nach sich zog. Ungeachtet dessen waren die Brauer 1673 die größte Berufsgruppe und zahlten fast 50 % der Steuern aller Berufsstände. Die Bierbrauer stellten von 1509 bis 1787 in ununterbrochener Folge den Bürgermeister.

Etwa fünf Sechstel der bis in das 17. Jahrhundert stetig florierenden Stadt, die nach Lüneburg und Hannover zu den bedeutendsten des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg zählte, wurden durch eine Brandkatastrophe im Jahre 1646 vollständig vernichtet. Um die 160 Häuser – darunter auch der Fürstenhof – brannten ab. Fünf der sechs Glocken St. Mariens schmolzen und stürzten in das Kirchenschiff. Die Brandkatastrophe erregte weithin Aufsehen und Mitgefühl. Obwohl von allen Seiten Spenden eingingen und Herzog Friedrich IV. die Stadt für vier Jahre von jeglicher Steuer befreite, erholte sich Uelzen nur langsam. Zeugnis eines raschen und tatkräftigen Wiederaufbaus legen noch heute zahlreiche ansprechende Fachwerkfassaden dieser Zeit ab, die anstelle der massiven hohen Giebelhäuser errichtet wurden.Bettina Pauline Bombeck: Plätze und Platzgestaltung aus verkehrskultureller Sicht – Eine Analyse der Innenstadt Uelzens unter besonderer Berücksichtigung der Fußgängerbelange. Diplomica Verlag, Hamburg 2012, S. 21 f.

Moderne mini|links|Fachwerkhäuser in der Lüneburger Straße mini|Das ehemalige Veerßer Stadttor am Schloss Holdenstedt 1826 zerstörte ein erneuter Stadtbrand Teile der östlichen Altstadt, wobei viele Häuser am östlichen Teil der Gudesstraße, am südlichen Teil der Lüneburger Straße, alle Häuser der Rademacher- und Schmiedestraße sowie die meisten Häuser am Schnellenmarkt in Schutt und Asche gelegt wurden. Insgesamt brannten 74 Wohnhäuser mit 130 Nebengebäuden ab. Den Wiederaufbau dieses Stadtviertels prägte das Biedermeierhaus, mit dem für das frühe 19. Jahrhundert charakteristischen Zwerchgiebel.