mini|Stadtlogo mini|Klimadiagramm mini|Langenhagen-Kaltenweide

Langenhagen ist eine Stadt und selbständige Gemeinde in Niedersachsen. Sie gehört zur Region Hannover und liegt nördlich der Landeshauptstadt Hannover. Auf dem Langenhagener Stadtgebiet liegt der Flughafen Hannover, ebenso die hannoversche Pferderennbahn Neue Bult. Raumplanerisch ist die Stadt als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums eingestuft.Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (ML): Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen 2017. Hannover 2017, S. 18 (PDF, 5,3 MB)

Geografie Lage Die Stadt Langenhagen grenzt an die Gemeinden Wedemark und Isernhagen sowie an die Städte Hannover und Garbsen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden). Nördlich des Stadtgebiets erstreckt sich ein ausgeprägter Geestrücken des Quartärs mit einer lockeren Moor- und Heidelandschaft, der in die Lüneburger Heide übergeht. Mit dem Kananoher Forst, dem Naturschutzgebiet Kaltenweider Moor und dem teilweise auf Langenhagener Gebiet liegenden Naturschutzgebiet Bissendorfer Moor befinden sich im Stadtgebiet umfangreiche geschützte Wald- und Moorgebiete. Innerhalb des Bissendorfer Moores befindet sich an der nördlichen Stadtgrenze zur Wedemark der Muswillensee.

Stadtgliederung Die Stadt Langenhagen ist eine Einheitsgemeinde und besteht neben der Kernstadt (Langenhagen-Mitte, Langenforth, Alt-Langenhagen und Brink) aus den Ortschaften Engelbostel (einschließlich der Splittersiedlung Kananohe), Godshorn, Kaltenweide (einschließlich der sogenannten Seestädte Altenhorst, Hainhaus, Maspe, Siedlung Twenge und Twenge sowie Kiebitzkrug), Krähenwinkel und Schulenburg.

Geschichte mini|Silbersee mini|Rathaus und Markt, 1989 mini|Schornsteinfegerschule, Feuerwehrhaus und Schwimmbad, 1989

Gründung und Mittelalter Bereits 990 wurde Hainhaus erwähnt, am 10. Juli 1033 Engelbostel, 1200 Godshorn, 1255 Wagenzelle und 1308 Schulenburg. Am 15. Februar 1312 wurde Langenhagen erstmals als Nienhagen urkundlich erwähnt. Alte Bezeichnungen des Ortes sind um 1312 Novam Indaginem, um 1314 Nova Indagine, 1391 Nyenhaghene, um 1430 Nigenhagen, 1451 Langenhagen, 1480 Nigenhagen, 1501 Niegenhagen und in 1523 Langenhagen. Die sichere Überlieferung für Langenhagen setzt mit 1312 Novam indaginem ein. Das ist lateinisch „nova“, also „neu“ und „indago“. Später wechselt „neu“ zu „lang“, jedoch schwankt die Überlieferung bis zum 17. Jahrhundert zwischen beiden Zusätzen.

Unter der Führung des Vogts Heinrich Clave wurde Langenhagen 1618 das Marktrecht verliehen. Mit seiner Frau stiftete er 1630 einen bis heute in der Elisabethkirche genutzten Taufstein des Künstlers Jeremias Sutel.

Der Hexenprozess gegen Alheit Snur vom Amt Langenhagen endete mit ihrer Verurteilung zum Tod. Am 8. Januar 1648 wurde sie auf der Richtstätte des Amtes Langenhagen in der Mecklenheide (nördlich von Vahrenwald) durch den hannoverschen Scharfrichter Marten Vogt zunächst erwürgt, ihre Leiche danach verbrannt.Matthias Blazek: Alheit Snur, Alcken Tochter († 1648). In: Matthias Blazek: Ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte: Hexenprozesse – Galgenberge – Hinrichtungen – Kriminaljustiz in Hannover vom Mittelalter bis 1866. ibidem-Verlag, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-8382-1517-4, S. 111 ff.

19. Jahrhundert 1862 wurde auf dem Gebiet von Langenhagen die Heil- und Pflegeanstalt für geistesschwache und blödsinnige Kinder als eine zu Hannover gehörende Anstalt gegründet. Der spätere Medizin-Nobelpreisträger Robert Koch wirkte dort von 1866 bis 1868 als Assistenzarzt. Daran erinnern heute eine nach ihm benannte Straße und eine Gedenktafel in der Robert-Koch-Schule. Die Anstalt wurde später zunächst in Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteschwache, dann in Nervenheilanstalt Langenhagen umbenannt. Sie lag an der Hauptstraße von Langenhagen nach Hannover und schadete dem Ruf der Gemeinde: „Selbst Touristen zu Fuß und zu Rad meiden das Dorf, das ihnen anstatt ländlicher Stille den Anblick von […] Wesen in erbarmungswürdigem Zustand bietet“, stellte der „Heidedichter“ Hermann Löns fest. In mehreren Bauabschnitten wurde die Anstalt Anfang des 20. Jahrhunderts im damals aktuellen Pavillonstil modernisiert. Ab 1995 hieß das Krankenhaus Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, seit 2006 gehört es als KRH Psychiatrie (125 Betten) und KRK Geriatrie (85 Betten) zum Klinikum Region Hannover mit etwa 160 Beschäftigten vor Ort. Die zuvor nach außen hermetisch abgeschirmte Anstalt wurde geöffnet und zugleich räumlich erheblich verkleinert. Die Stadt Langenhagen hat 2010 große Teile des Grundstücks von der Stadt Hannover zum Zweck der Stadtentwicklung erworben.

20. Jahrhundert und Gegenwart Anfang des 20. Jahrhunderts gewann Langenhagen als Verkehrsknotenpunkt an wirtschaftlicher Bedeutung. Ausschlaggebend dafür waren insbesondere die seit 1890 bestehende Eisenbahnstrecke, die von Hannover über Langenhagen mit Halt am Bahnhof Langenhagen (heute: Langenhagen Pferdemarkt) nach Visselhövede führte. Für die Gemeinde Brink waren die Errichtung des Brinker Hafens am Mittellandkanal im Jahre 1916 und der Bau der Autobahn (A 2) in den Jahren 1934/35 vom Ruhrgebiet nach Berlin über das Brinker Gemeindegebiet von Bedeutung. Im Zuge des Autobahnbaues entstand durch Entnahme von Sand und Kies der Silbersee, seitdem ein bedeutsamer Ort zur Naherholung. Er hat seinen Namen angeblich von Flugzeugpiloten, die den See auf ihrem Flug Richtung Berlin als Orientierungsmarke nutzten.

Um Eingemeindungswünschen der Stadt Hannover entgegenzuwirken, schlossen sich zum 1. November 1935 die Gemeinden Brink und Langenforth zur neuen Gemeinde Brink zusammen. Es folgte zum 1. April 1938 der Zusammenschluss der Gemeinden Brink und der nördlich gelegenen Gemeinde Langenhagen zur großen Landgemeinde Langenhagen; dadurch entstand ein wirtschaftlich starkes Gemeinwesen. Aus historischen Gründen wurde für die Gemeinde der Name Langenhagen gewählt, obwohl Brink die größere und einwohnerstärkere Gemeinde war. Das neue Rathaus von Brink wurde zum Rathaus der neuen Gemeinde Langenhagen.

mini|Mahnmal zur Erinnerung an das Konzentrationslager Langenhagen

Auf dem damals zu Langenhagen gehörenden heutigen Gewerbegebiet Brinker Hafen existierte vom 2. Oktober 1944 bis zum 6. Januar 1945 das KZ-Außenlager Hannover-Langenhagen des Hamburger KZ Neuengamme. An dem seit 1974 zum hannoverschen Stadtteil Brink-Hafen gehörenden Gelände erinnert ein Mahnmal mit einer Gedenktafel an das Außenlager. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Langenhagen durch Bombenangriffe zu zwei Dritteln zerstört.Volker Bode: und Wiederaufbau deutscher Städte nach 1945.

Am 2. März 1959 wurde der Landgemeinde Langenhagen durch den niedersächsischen Innenminister Hinrich Wilhelm Kopf mit Wirkung vom 1. März 1959 das Stadtrecht verliehen.

Am 15. Juni 1972 wurde das RAF-Mitglied Ulrike Meinhof in Langenhagen festgenommen, als sie in einer Wohnung in der Walsroder Straße in der Nähe des Berliner Platzes untertauchen wollte. Durch den Wohnungsmieter Fritz Rodewald wurde die Polizei darauf aufmerksam.

Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Langenhagen zum damaligen Regierungsbezirk Hannover, der wie alle anderen niedersächsischen Regierungsbezirke aufgelöst wurde.

Stadtentwicklung Die Stadt hat sich in einem zweijährigen Analyse- und Abstimmungsprozess von 2009 bis 2011 ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) gegeben.Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK). In: langenhagen.de. Abgerufen am 27. September 2017. Darin werden alle maßgeblichen Umweltfaktoren der bisherigen Stadtentwicklung, Demografie, Einkommenssituation, Sozialsituation sowie bauliche Entwicklung und Infrastruktur untersucht. Dieses Konzept wurde inzwischen auf die Jahre 2025 bzw. 2030 fortgeschrieben.Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK): Fortschreibung. In: langenhagen.de. Abgerufen am 26. August 2021. Von besonderer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung ist der unmittelbare Einflussbereich des Flughafens. So ist der nördliche Bereich der Kernstadt bereits jetzt als Siedlungsbeschränkungsbereich im Raumordnungsprogramm des Landes Niedersachsen festgesetzt und die Ausweisung neuer Wohnbaugebiete dort nicht mehr möglich, während in den Ortsteilen weiterhin neue Wohn- und Industriegebiete ausgewiesen wurden sowie weitere sich im Vorbereitungszustand befinden. Ursächlich für die Einschränkungen in der Kernstadt ist der Flugverkehr der beiden Start- und Landebahnen. Darüber hinaus verlaufen über dem Flughafen- und dem nördlichen Stadtgebiet 12 verschiedene Flugkorridore im kontinentalen und interkontinentalen Flugverkehr.

Ebenfalls von erheblicher Bedeutung sind der Eisenbahn- und der Kfz-Verkehr auf den Autobahnen A 2 / A 352 sowie auf weiteren klassifizierten Straßen, die durch das Gebiet der Stadt und an den Ortschaften entlangführen. Auch ihr Einfluss ist im Stadtentwicklungskonzept untersucht worden.

Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen gewann Langenhagen am 1. März 1974 die Gemeinden Krähenwinkel und Kaltenweide im Norden und Godshorn, Schulenburg und Engelbostel im Westen der Stadt dazu. Zugleich fiel fast das gesamte Stadtgebiet südlich der Bundesautobahn an die Landeshauptstadt Hannover, darunter die Kasernen beiderseits der Stader Landstraße (nach Gebietsreform Teil der Vahrenwalder Straße), das Gewerbegebiet Wiesenau mit dem Brinker Hafen und das Wohngebiet Friedenau zwischen Friedenauer Straße und Erlenweg bis zur Schulenburger Landstraße. Nur das südlich der Autobahn gelegene Wohngebiet Wiesenau blieb, durch zwei Tunnel mit Brink verbunden, bei Langenhagen.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Langenhagen von 1998 bis 2016

Jahr Einwohner Quelle 1905 1.695 1910 2.075 1925 1.820 1933 5.382 1939 9.723 1950 13.752 1956 18.142 1973 35.333 1975 47.092 ¹ Jahr Einwohner Quelle 1980 46.764 ¹ 1985 46.520 ¹ 1990 47.432 ¹ 1995 48.921 ¹ 2000 49.432 ¹ 2005 50.883 ¹ 2010 52.583 ¹ 2015 53.323 ¹ 2019 54.652 ¹ ¹ jeweils zum 31. Dezember

Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren 38,6 % der Einwohner evangelisch, 12,4 % römisch-katholisch und 49,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Langenhagen Religion, Zensus 2011 Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Am 31. Dezember 2022 waren 26,8 % der 57.042 Einwohner evangelisch und 10,8 % römisch-katholisch. Mit 62 % sind die Personen, die keiner rechtlich-körperschaftlich verfassten Religionsgemeinschaft angehören, eine große absolute Mehrheit der Bevölkerung.Region Hannover (Hrsg.)Region Hannover Kurzinformationen 12/2023 Bevölkerung nach Religionszugehörigkeit; PDF, abgerufen am 27. August 2023.

Politik Rat Der Rat der Stadt Langenhagen setzt sich seit der Kommunalwahl am 13. September 2026 aus 15 Ratsfrauen und 27 Ratsherren folgender Parteien zusammen: Partei / Liste Stimmenanteil 2026 Sitze 2026 Sitze 2021 SPD 28,34% 12 14 CDU 23,85% 10 13 Bündnis 90/Die Grünen 12,47% 5 6 AfD 20,44% 9 3 FDP 2,40% 1 2 Die Linke 5,25% 2 1 Die PARTEI 1,49% 1 1 WG-AfL 3,22% 1 1 BSW Niedersachsen 2,54% 0 1 Gesamt 42 42 Wahlbeteiligung 59,22% Zusätzliches Mitglied des Rates ist qua Amt der Bürgermeister.

Beiräte 2006 wurde erstmals ein Seniorenbeirat gewählt. Anfang 2010 wurde aus Vertretern des Naturschutzes, Kultur, Denkmalpflege, Senioren, Jugend und Familie ein Parkbeirat gebildet, der sich schwerpunkthaft mit dem, in Teilen historischen, Stadtpark Eichenpark beschäftigt. Diese Gremien haben eine beratende Funktion für Rat und Bürger und widmen sich auch der Öffentlichkeitsarbeit in Presse und durch eigene Broschüren zu ihren Themen, wie einem Parkrundgang oder zur Senioren-Fitness-Anlage in der Nähe der Elisabethkirche.