mini|hochkant=1.5|Kurfürstendamm, 2017
Charlottenburg-Wilmersdorf ist der vierte Verwaltungsbezirk von Berlin.Nummerierung gemäß Bezirksschlüssel Er entstand 2001 mit der Berliner Verwaltungsreform durch die Fusion der damaligen Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf. Der Bezirk zählt Einwohner ().
Der Bezirk gilt heute als eher bürgerlicher Wohnort und weist eine günstige Sozialstruktur auf. Charlottenburg-Wilmersdorf ist eines der umsatzstärksten Geschäfts- und Handelszentren in Berlin. Die Messe Berlin hat hier u. a. ihren Standort.
Die im Bezirk ansässige Technische Universität ist Teil der Exzellenzstrategie und gilt als einer der größten ihrer Art in Deutschland.TU9 – Excellence in Engineering and the Natural Sciences – Made in Germany. TU9, abgerufen am 29. Juni 2017. Die Universität der Künste ist eine der renommierten Kunstakademien in Europa. Im Verbund mit weiteren Forschungseinrichtungen zählt der Bezirk zu den innovativen Orten für Spitzentechnologien.Diese Grafiken zeigen, welche Unis die meisten Gründer hervorbringen, Wirtschaftswoche, abgerufen am 28. September 2023.
Geschichte
Charlottenburg ist hervorgegangen aus der Gemeinde Lietzenburg (ursprünglich: Lietzow), auf deren Territorium zu Ehren von Königin Sophie Charlotte das Schloss Charlottenburg errichtet und 1705 die Stadt Charlottenburg gegründet wurde. Bis zur Eingemeindung zu Groß-Berlin im Jahr 1920 entwickelte sich Charlottenburg zur reichsten Stadt Preußens.
Der ehemalige Bezirk Wilmersdorf und heutige Ortsteil wurde nach 1220 gegründet. Mitte des 18. Jahrhunderts erwarben die ersten Berliner Bürger Land und Bauernhäuser im damaligen Deutsch-Wilmersdorf und richteten Sommersitze in der Wilhelmsaue ein. Mit dem 1. April 1907 schied Wilmersdorf aus dem Kreis Teltow aus und wurde ein selbstständiger Stadtkreis. Ab 1912 führte die Stadt die Bezeichnung Berlin-Wilmersdorf. Zum 1. Oktober 1920 wurde die Großstadt nach Groß-Berlin eingemeindet.
Der Bezirk entstand zum 1. Januar 2001 durch die Fusion der beiden ehemaligen West-Berliner Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf. Im Jahr 2004 wurde der Bezirk in die heutigen Ortsteile gegliedert.
Geographie Der Bereich um den Kurfürstendamm nimmt als City West neben der historischen Mitte eine der beiden Zentrumsfunktionen für ganz Berlin wahr. Nennenswerte im Bezirk gelegene Institutionen sind unter anderem die Technische Universität, die Universität der Künste, die Deutsche Oper, das Olympiastadion sowie das Messegelände unter dem Funkturm mit dem CityCube, der das nahegelegene Internationale Congress Centrum ICC ersetzt.
Siedlungsstruktur Der Bezirk ist sehr unterschiedlich besiedelt. Neben den dicht besiedelten Ortsteilen Wilmersdorf (Rang 7 in Berlin), Charlottenburg und Halensee (Rang 11 und 12) liegt Grunewald, einer der am dünnsten besiedelten Ortsteile Berlins. Im Ortsteil Grunewald leben drei Prozent der Bevölkerung des Bezirks auf mehr als einem Drittel der Gesamtfläche des Bezirks, allerdings entfallen rund 85 Prozent der Fläche des Ortsteils auf den unbewohnten Forst Grunewald und Wasserflächen. Zwei Drittel der Bevölkerung des Bezirks lebt in Charlottenburg und Wilmersdorf. Halensee ist nach dem Hansaviertel der zweitkleinste Ortsteil Berlins, während der Ortsteil Grunewald zu den größten zählt.
Ortsteile Der Bezirk unterteilt sich in sieben Ortsteile:
mini|hochkant=0.8|Breitscheidplatz mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg mini|hochkant=0.8|Olympiastadion in Westend mini|hochkant=0.8|Villa Nathan Samuel im Ortsteil Grunewald mini|hochkant=0.8|Thaiwiese in Wilmersdorf mini|hochkant=0.8|Wohnsiedlung in Charlottenburg-Nord
Ortsteileund Ortslagen Fläche(km²) Einwohner Einwohnerpro km² Lage 0401 Charlottenburg Altstadt Charlottenburg Witzleben Klausenerplatz Kalowswerder Lietzow
Wahlkreis 3 Wahlkreis 4 10,60 0402 Wilmersdorf Güntzelkiez Rheingauviertel Künstlerkolonie
Wahlkreis 6 Wahlkreis 7 7,16 0403 Schmargendorf
Wahlkreis 7 3,59 0404 Grunewald
Wahlkreis 5 22,30 0405 Westend Villenkolonie Westend Neu-Westend Pichelsberg Ruhleben Siedlung Eichkamp Siedlung Heerstraße
Wahlkreis 2 13,50 0406 Charlottenburg-Nord Jungfernheide Paul-Hertz-Siedlung Plötzensee Großsiedlung Siemensstadt
Wahlkreis 1 6,20 0407 Halensee
Wahlkreis 5 1,27
Charlottenburg mini|Schloss Charlottenburg
Der Ortsteil Charlottenburg umfasst unter anderem die historische Altstadt Charlottenburg mit dem gleichnamigen Schloss und das ehemalige Zooviertel, heute besser bekannt als City West. Bis heute nimmt die Gegend um den Bahnhof Zoo mit dem Boulevard Kurfürstendamm eine Zentrumsfunktion für große Teile des Berliner Westens ein.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Ostteil der Ortslage stark zerstört, woran bis heute die in Teilen als Ruine erhaltene Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche erinnert. Der Norden und Westen Charlottenburgs, wie etwa in der Altstadt oder dem Danckelmannkiez, weisen ein fast homogenes Stadtbild auf, das zwischen 1900 und 1930 entstanden ist.
Charlottenburg-Nord
Nördlich von Charlottenburg liegt der 2004 neu definierte Ortsteil Charlottenburg-Nord, der mit seinen Großwohnsiedlungen im Kontrast zur historischen und zum Teil sehr großzügig angelegten Bausubstanz im Süden steht. Auch ist hier bereits die industrielle Atmosphäre des Berliner Nordens spürbar. Als Siedlungsgebiet entstand die Gegend erst nach 1950, auf einem Teil des historischen Volkspark Jungfernheide, der sich bis heute über einen Großteil der Ortslage erstreckt.
mini|Haus des Rundfunks, Standort des rbb Westend
Ursprünglich ab den 1860er Jahren als reine Villenkolonie für die wachsende Großstadt Charlottenburg geplant, haben heute einige Gegenden in Westend auch das typische (West-)Berliner Ambiente mit einer Mischung aus Mietshäusern und Gewerbe. Anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 wurden hier Sportstätten errichtet, die bis heute für Großveranstaltungen genutzt werden. Eine Besonderheit ist das Corbusierhaus, ein Hochhaus, das vom Architekten Le Corbusier 1957 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Interbau 1957 errichtet wurde.
Wilmersdorf
mini|hochkant|links|Wohnbau in Wilmersdorf Die Keimzelle des Ortsteils ist die nördlich des Volksparks Wilmersdorf gelegene Wilhelmsaue mit der neogotischen Auenkirche und dem Schoeler-Schlösschen, dem ältesten Gebäude Wilmersdorfs. Der Volkspark entstand 1915 an Stelle des ehemaligen Wilmersdorfer Sees, der ab 1915 trockengelegt wurde.
Der heutige Ortsteil Wilmersdorf besteht im Wesentlichen aus dem ehemaligen Ortsteilzentrum des ehemaligen Bezirks Wilmersdorf um die sogenannte Carstenn-Figur, einer historischen Straßenstruktur mit der Bundesallee (bis 1950: Kaiserallee) im Zentrum und den vier Eckpunkten Fasanenplatz, Nürnberger Platz, Prager Platz und Nikolsburger Platz. Die Gegend östlich der Bundesallee wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, sodass die historische Stadtstruktur dort kaum noch erkennbar ist. Auch die autogerechte Stadtplanung der 1960er und 1970er Jahre veränderte diesen Teil des Orts stark.
Südlich angrenzend und ebenfalls zum Ortsteil Wilmersdorf gehörend befindet sich das Rheingauviertel und die Künstlerkolonie. Das Rheingauviertel wurde um 1910 als Landhauskolonie im englischen Stil für gehobenes Wohnen fertiggestellt und ist in dieser Gestalt weitestgehend erhalten. Auch die Künstlerkolonie aus den 1920er Jahren, die von der Interessenvertretung für Künstler und Schriftsteller für die Kulturschaffenden Berlins errichtet wurde, ist in ihrer Gestalt größtenteils unverändert.
Halensee mini|Henriettenplatz in Halensee
Benannt nach dem im angrenzenden Grunewald gelegenen Halensee wurde die Gegend des heutigen Ortsteils Halensee als Villen- und Mietshaussiedlung für gehobenes Wohnen geplant. In den 1920er Jahren siedelten sich hier viele russische Emigranten an, die ihre Heimat in Folge der Oktoberrevolution hatten verlassen müssen. Die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg trafen auch Teile von Halensee und der anschließende Wiederaufbau veränderte den Charakter des Ortsteils nachhaltig. In den Bombenlücken entstanden zunächst vor allem Bauten des Sozialen Wohnungsbaus und später zahlreiche Bürohochhäuser und die Stadtautobahn. Diese Trasse begrenzt Halensee zu den Ortsteilen Grunewald und Schmargendorf. Der Kurfürstendamm teilt den kleinen Ortsteil in zwei Hälften.
Schmargendorf mini|Standesamt des Bezirks
Zwischen AVUS und dem Grunewald liegt Schmargendorf, das seinen kleinstädtischen Charakter mit seinem eigenen historischen Ortsteilzentrum bis heute erhalten hat. Besonderer Beliebtheit bei Hochzeitspaaren erfreut sich das Standesamt im historischen Rathaus Schmargendorf.
In der Friedrichshaller Straße 23 wohnte Lilly Wust, besser bekannt als Aimée aus dem Film und Tatsachenroman Aimée & Jaguar, der von ihrer Liebe zu der jüdischen Journalistin Felice Schragenheim erzählt. Ein Großteil der Handlung von Film und Buch spielt in ebendieser Wohnung.
Grunewald
Der Ortsteil Grunewald ist benannt nach dem gleichnamigen Forst, der einen Großteil seiner Fläche einnimmt. Seit seiner Entstehung in den 1880er Jahren, zählt er zu den wohlhabendsten Gebieten Berlins. Grunewald ist geprägt von herrschaftlicher Villenbebauung, wie beispielsweise dem Palais Mendelssohn, das in den 1960er Jahren mit zeitgenössischen Bauelementen wiederhergestellt wurde und seither von der Johannischen Kirche als St.-Michaels-Heim genutzt wird. Damals wie heute befinden sich viele Botschaften und zahlreiche Botschafter-Residenzen im Ortsteil Grunewald. Vom Bahnhof Grunewald erfolgte ab 1941 die Deportation der Berliner Juden, vornehmlich in Konzentrations- und Vernichtungslager in Osteuropa. An diese Verbrechen erinnert seit 1988 das Mahnmal Gleis 17.
Bevölkerung
Überblick Charlottenburg-Wilmersdorf gilt als eher bürgerlicher Bezirk. Am zählte der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf Einwohner auf einer Fläche von 64,7 Quadratkilometern. Somit lag am Stichtag die Bevölkerungsdichte bei Einwohnern pro Quadratkilometer.
Jahr Einwohner 2001 310.760 2002 309.487 2003 308.855 2004 308.541 2005 308.902 2006 309.421 2007 310.064 2008 310.763 2009 312.256 2010 312.240 Jahr Einwohner 2011 314.911 2012 319.289 2013 322.870 2014 326.354 2015 330.468 2016 336.249 2017 338.831 2018 341.327 2019 343.592 2020 341.392 Jahr Einwohner 2021 333.998 2022 320.014 2023 322.719 2024 323.507 2025 323.712
ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Die unten stehenden Einwohnerzahlen (Stand: jeweils am 31. Dezember) basieren, abweichend von der Bevölkerungsfortschreibung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, auf Daten des Einwohnermelderegisters des Berliner Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten.Statistischer Bericht A I 5-hj 2/24. Einwohnerregisterstatistik Berlin 31. Dezember 2024. Bestand-Grunddaten. (PDF; 0,7 MB) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2025. Bevölkerungsstruktur Die folgende Tabelle zeigt Angaben zur Struktur der Bevölkerung von Charlottenburg-Wilmersdorf am 31. Dezember 2024.
Geschlecht Anzahl Anteil männlich 166.037 48,3 % weiblich 177.463 51,7 % Insgesamt 343.500 100 % Altersgruppen unter 20 52.828 15,4 % 20 bis unter 40 101.441 29,5 % 40 bis unter 65 110.005 32,0 % ab 65 79.226 23,1 % Insgesamt 343.500 100 % Herkunft Anzahl Anteil Deutsche ohne Migrationshintergrund 183.536 53,4 % Deutsche mit Migrationshintergrund 66.458 19,4 % Ausländer 93.506 27,2 % Insgesamt 343.500 100 % Wohnlagen einfache Wohnlagen bzw. ohne Angabe 27.973 8,1 % mittlere Wohnlagen 105.412 30,7 % gute Wohnlagen 210.115 61,2 % Insgesamt 343.500 100 % Religion Anzahl Anteil evangelisch 47.787 13,9 % römisch-katholisch 31.889 9,3 % sonstige bzw. keine 263.824 76,8 % Insgesamt 343.500 100 %