Spandau ist der fünfte Verwaltungsbezirk von Berlin.Nummerierung gemäß Bezirksschlüssel Am hatte er Einwohner. Große Teile des Bezirks liegen entlang der Havel. Spandau ist bekannt für seine Wald- und Wasserflächen.
Der heutige Berliner Bezirk wurde 1920 im Zuge der Bildung von Groß-Berlin aus dem Gebiet der bereits 1232 urkundlich erwähnten Stadt Spandau und mehreren umliegenden Gemeinden und Gutsbezirken gebildet.
In Spandau liegen einige Berliner Stätten der industriellen Produktion, beispielsweise das BMW-Werk Berlin, das Motorräder für den Weltmarkt herstellt. Der Elektronikkonzern Siemens zählt hier zu den größten Arbeitgebern.
Zu den wesentlichen Bauwerken im Bezirk gehört die Zitadelle Spandau, die im 16. Jahrhundert erbaut wurde. Die ehemalige Festung wird heute vor allem für Konzerte und Unterhaltungsveranstaltungen genutzt.
Geographie Lage Der heutige Bezirk Spandau liegt zum großen Teil am westlichen Ufer der Havel (siehe auch Zehdenick-Spandauer Havelniederung). Von den zwölf Berliner Bezirken ist er der flächenmäßig viertgrößte. Die Stadt Spandau wurde vor dem 13. Jahrhundert am Zusammenfluss von Spree und Havel gegründet. Spandau grenzt an die brandenburgischen Landkreise Oberhavel und Havelland sowie an die kreisfreie Landeshauptstadt Potsdam.
Landschaften Spandauer Forst Landschaftsschutzgebiet Grimnitzsee mit denkmalgeschützter Siedlung Birkenwäldchen Landschaftsschutzgebiet Tiefwerder Wiesen Stößensee und Pichelswerder Grünzug Bullengraben Das Landschaftsschutzgebiet Eiskeller liegt im Ortsteil Hakenfelde am westlichsten Rand des Spandauer Forstes. Eiskeller gilt im Winter als der kälteste Ort Berlins. In klaren, windstillen Nächten liegen die Temperaturen oft bis zu zehn Grad Celsius unter denen im Zentrum der Stadt.Wärmeinsel, Kälteloch: Ein Besuch in Eiskeller. In: Der Tagesspiegel, 4. März 2003, abgerufen am 9. November 2016.
mini|hochkant=2|center|Die Havellandschaft in Spandau, 2023
Ortsteile Der Bezirk Spandau unterteilt sich in neun Ortsteile:
mini|hochkant=0.8|Zitadelle Spandau mini|hochkant=0.8|Gutspark Neukladow mini|hochkant=0.8|CCC-Filmstudios in Haselhorst mini|hochkant=0.8|Altstadt Spandau vom Spandauer Rathaus aus gesehen mini|hochkant=0.8|Stößensee in Wilhelmstadt mini|hochkant=0.8|Militärhistorisches Museum in Gatow mini|hochkant=0.8|Gartenstadt Staaken mini|hochkant=0.8|Wohnanlage im Falkenhagener Feld
Ortsteilund Ortslagen Fläche(km²) Einwohner Einwohnerpro km² Lage 0501 Spandau Altstadt Spandau Neustadt Spandau(Oranienburger Vorstadt) Stresow Kolk Klosterfelde Tiefwerder 8,03 0502 Haselhorst ReichsforschungssiedlungHaselhorst Wasserstadt Oberhavel Quartier Pulvermühle 4,73 0503 Siemensstadt Gartenfeld Siemens-Siedlung am Rohrdamm Siedlung Heimat Großsiedlung Siemensstadt(der größere Teil gehört zuCharlottenburg-Nord) Siedlung Rohrdamm-West 5,66 0504 Staaken Albrechtshof Gartenstadt Staaken Dorf Staaken Siedlung Neu-Jerusalem Heerstraße Nord Louise-Schroeder-Siedlung Siedlung Hahneberg 10,90 0505 Gatow Alt-Gatow Fliegerhorstsiedlung Hohengatow Siedlung Habichtswald Siedlung Havelblick 10,10 0506 Kladow Alt-Kladow Groß-Glienicke Landstadt Gatow 14,80 0507 Hakenfelde Wasserstadt Spandau Waldsiedlung Hakenfelde Siedlung Aalemannufer 20,40 0508 Falkenhagener Feld 6,88 0509 Wilhelmstadt Wilhelmstadt Pichelsdorf Weinmeisterhöhe 10,40
Planungsräume Die kleinräumige Gliederung für Berlin sind die Lebensweltlich orientierten Räume (LOR) mit Abgrenzung nach fachlichen Kriterien. Diese werden für sozialräumliche Planungszwecke genutzt und haben das Raumbezugssystem der Statistischen Gebiete / Verkehrzellen ersetzt.Bedeutung der LOR und Adressverzeichnisse der Lebensweltlich orientierten Räume. Daten zu den Bevölkerungsstrukturen in diesen Planungsgebieten sind im Kiezatlas der Sozialraumdaten online zugänglich.Der Zugang zu den Daten der einzelnen Kieze erfolgt durch Zusatz der Schlüsselnummern zur Webadresse. Die Daten von 2008 und 2009 sind als PDF, die späteren als HTML-Liste zugänglich.
+ LOR-Planungsräume im Bezirk (Stand der Daten vom 31. Dezember 2016) Planungsräume Schlüsselnummer Bezirksregion Ausländische Staatsangehörige Deutsche (mit MHG) Deutsche (ohne MHG) Gesamtzahl Anteil (ohne MHG) Anteil (mit MHG)Hakenfelde Nord 05010101 Hakenfelde 1904 1360 7619 10883 70 % 30 %Goltzstraße 05010102 Hakenfelde 714 533 4638 5885 79 % 21 %Amorbacher Weg 05010103 Hakenfelde 559 667 6397 7623 84 % 16 %Griesingerstraße 05010204 Falkenhagener Feld 593 664 2040 3297 62 % 38 %An der Tränke 05010205 Falkenhagener Feld 183 335 1392 1910 73 % 27 %Gütersloher Weg 05010206 Falkenhagener Feld 1626 1892 6728 10246 66 % 34 %Darbystraße 05010207 Falkenhagener Feld 2384 3232 5876 11492 51 % 49 %Germersheimer Platz 05010208 Falkenhagener Feld 1362 1005 5260 7627 69 % 31 %An der Kappe 05010209 Falkenhagener Feld 753 984 4361 6098 72 % 28 %Eckschanze 05010310 Spandau Mitte 738 530 2612 3880 67 % 33 %Eiswerder 05010311 Spandau Mitte 1544 1361 2765 5670 49 % 51 %Kurstraße 05010312 Spandau Mitte 2485 1146 3486 7117 49 % 51 %Ackerstraße 05010313 Spandau Mitte 1519 1031 4154 6704 62 % 38 %Carl-Schurz-Straße 05010314 Spandau Mitte 2338 1958 7672 11968 64 % 36 %Freiheit 05010339 Spandau Mitte 579 62 333 974 34 % 66 %Isenburger Weg 05020415 Brunsbütteler Damm 187 521 3177 3885 82 % 18 %Am Heideberg 05020416 Brunsbütteler Damm 28 67 1614 1709 94 % 6 %Staakener Straße 05020417 Brunsbütteler Damm 763 837 4247 5847 73 % 27 %Spandauer Straße 05020418 Brunsbütteler Damm 343 395 3272 4010 82 % 18 %Magistratsweg 05020419 Brunsbütteler Damm 814 859 5359 7032 76 % 24 %Werkstraße 05020420 Brunsbütteler Damm 58 96 775 929 83 % 17 %Döberitzer Weg 05020521 Heerstraße Nord 281 534 2280 3095 74 % 26 %Pillnitzer Weg 05020522 Heerstraße Nord 1957 1209 4198 7364 57 % 43 %Maulbeerallee 05020523 Heerstraße Nord 3206 3494 5713 12413 46 % 54 %Weinmeisterhornweg 05020524 Heerstraße Nord 425 572 5137 6134 84 % 16 %Borkumer Straße 05020625 Wilhelmstadt 1310 1072 5100 7482 68 % 32 %Adamstraße 05020626 Wilhelmstadt 4636 2325 12398 19359 64 % 36 %Tiefwerder 05020627 Wilhelmstadt 812 702 2545 4059 63 % 37 %Graetschelsteig 05020628 Wilhelmstadt 194 231 1559 1984 79 % 21 %Börnicker Straße 05020629 Wilhelmstadt 305 306 3802 4413 86 % 14 %Zitadellenweg 05030730 Haselhorst 663 1420 1855 3938 47 % 53 %Gartenfelder Straße 05030731 Haselhorst 2173 2520 6929 11622 60 % 40 %Rohrdamm 05030832 Siemensstadt 2731 2195 6766 11692 58 % 42 %Motardstraße 05030833 Siemensstadt 1138 111 296 1545 19 % 81 %Alt-Gatow 05040934 Gatow/Kladow 909 318 2738 3965 69 % 31 %Groß-Glienicker Weg 05040935 Gatow/Kladow 73 24 318 415 77 % 23 %Jägerallee 05040936 Gatow/Kladow 541 1041 8273 9855 84 % 16 %Kladower Damm 05040937 Gatow/Kladow 118 176 1857 2151 86 % 14 %Kafkastraße 05040938 Gatow/Kladow 198 282 3190 3670 87 % 13 %
Geschichte mini|Geografische Situation im brandenburgischen Raum um 1150
Der Bezirk Spandau ging aus der Besiedlung Spandaus hervor. Die Besiedlung des Gebietes lässt sich bis ins 6. Jahrhundert zurückverfolgen, als das Havelland von den Sprewanen und Hevellern (slawische Stämme) besiedelt wurde. Albrecht der Bär soll hier eine Burg errichtet haben, aus der die namensgebende Burganlage Spandow entstand, die im Jahr 1197 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Um diese Burg entwickelte sich die Stadt Spandow, die zum Zentrum des Gebietes wurde und vermutlich um das Jahr 1200 bereits Stadtrecht besaß.
1232 wurden die Stadtrechte durch den Markgrafen Johann I. und Otto III. urkundlich erweitert. Durch die förmliche Verbriefung, in der Spandau zum ersten Male als Stadt erwähnt wird, ist sie seitdem als Stadt anzusehen. 1539 trat Kurfürst Joachim II. in der Spandauer St.-Nikolai-Kirche zum protestantischen Glauben über, wodurch die Mark Brandenburg ebenfalls protestantisch wurde. Von 1239 bis ins 16. Jahrhundert bestand in Spandau ein bedeutendes Benediktinerinnenkloster, das das Kirchenpatronat über die St.-Nikolai-Kirche und weitere zehn Kirchen der Umgebung innehatte. Es ging infolge der Reformation unter.
1600–1945 mini|Die Stadt Spandau und die Zitadelle Spandau, Matthäus Merian, 1633
Der Zustand der Stadt und Umgebung um 1728 wird in einem Katasterwerk für die befestigte Stadt Spandau dokumentiert, womit erstmals ein komplettes Liegenschaftskataster mit den beiden großmaßstäblichen Karten Spandau Intra moenia (1:1000) und Spandau extra moenia sowie entsprechenden Eigentümerverzeichnissen geschaffen wurde. Dieses liegt heute noch im Stadtarchiv Spandau vor. Erarbeitet wurde das Werk von dem Landmesser Gustav Haestskau.
Von den 1830er Jahren bis 1874 fand in Spandau jährlich zum Fronleichnamsfest die Spandauer Prozession statt, an der Katholiken aus Berlin und Charlottenburg teilnahmen. Zentrum der Feierlichkeiten war seit ihrer Fertigstellung 1848 die Kirche St. Marien am Behnitz. Die Prozession wurde im Rahmen des preußischen Kulturkampfes ab 1875 nicht mehr genehmigt.
mini|links|Stadtansicht um 1850, vom damals noch Spandow genannten Ort
Die Schreibweise des Stadtnamens wurde mit Beschluss von 1877 offiziell von Spandow in Spandau geändert. 1887 schied die Stadt aus dem Landkreis Osthavelland aus und wurde ein Stadtkreis. Die Gutsbezirke Haselhorst, Spandau Land und Sternfeld kamen 1910 vom Kreis Osthavelland zur Stadt Spandau.
Mit Bau der Berlin-Hamburger Bahn erhielt Spandau am Standort des heutigen S-Bahnhofs Stresow im Jahr 1846 einen Eisenbahnanschluss, 1871 folgte die Berlin-Lehrter Eisenbahn. Der mit der Industrialisierung Spandaus stetig steigende Pendlerverkehr führte zwischen 1909 und 1911 zum Bau der Spandauer Vorortbahn, die 1928 als S-Bahn elektrifiziert wurde.
mini|hochkant=0.8|Siegelmarke vom Magistrat (ca. 1878–1920)
Während des Ersten Weltkriegs wuchs vor allem die Rüstungsindustrie, sodass Spandau zum Ende des Krieges ein bedeutendes Rüstungszentrum des Deutschen Reiches geworden war. Das hier gefertigte Maschinengewehr MG 08/15 wurde zum Synonym für die gleichnamige Redewendung. Ab 1897 siedelte das Elektrounternehmen Siemens & Halske Produktion und Verwaltung im Osten Spandaus auf den Nonnenwiesen an. Ein Novum war der mit dem Aufbau dieses Industriegebiets einhergehende Bau einer Wohnsiedlung durch Siemens. Dazu gehörte auch deren Infrastruktur: der Bahnhof Fürstenbrunn, die Straßenbahn an der Nonnendammallee und 1929 die von der S-Bahn befahrene Siemensbahn zum neu entstandenen Ortsteil Siemensstadt.
Im Rahmen der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 wurde aus den folgenden Gebietseinheiten der Bezirk Spandau – damals der achte Bezirk Berlins – gebildet: Stadtkreis Spandau, Gemeinde Staaken, Gemeinde Tiefwerder, Gemeinde Pichelsdorf, Gemeinde Gatow, Gemeinde Kladow, Gutsbezirk Spandau-Zitadelle, Gutsbezirk Pichelswerder und Gutsbezirk Heerstraße (nördlicher Teil).
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurden in Spandau wegen der Bündelung der Rüstungsindustrie an dem Standort eine hohe Anzahl von Barackenlagern errichtet, in denen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht waren, die für die Siemensfirmen, für BMW und für andere Firmen arbeiten mussten.Henry Alex: Haselhorst. Die Geschichte des Berlin-Spandauer Ortsteils am Fuße der Zitadelle. Berlin 2010, S. 156.
1945–1990 Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte der Bezirk Spandau in der „Vier-Sektoren-Stadt“ Berlin zum Britischen Sektor und verlor West-Staaken an die Sowjetische Besatzungszone. Im Gegenzug kamen der Seeburger Ortsteil Weinmeisterhöhe und die Groß-Glienicker Siedlung Wochenend West aus dem Kreis Osthavelland zum Bezirk.
Bis 1987 befand sich an der Wilhelmstraße das Kriegsverbrechergefängnis Spandau, in dem die Alliierten zuletzt nur noch den zu lebenslanger Haft verurteilten Rudolf Heß bewachten. Nach dessen Tod wurde das Gefängnis abgerissen.