Reinickendorf ist der zwölfte Verwaltungsbezirk von Berlin.Nummerierung gemäß Bezirksschlüssel Am hatte er Einwohner. Der im Norden der Stadt gelegene Bezirk wurde 1920 durch Eingemeindung zahlreicher Gebiete im Zuge des Groß-Berlin-Gesetzes geschaffen. Im Bezirk liegt der Tegeler See, ein Nebengewässer der Havel.

Der Firmensitz der August Storck KG, eines der umsatzstärksten Produzenten von Süßwaren in Europa, befindet sich im Bezirk.Nettoumsatz der führenden europäischen Unternehmen in der Süßwarenindustrie im Jahr 2014. Statista; abgerufen am 11. Januar 2020

Zu den bekanntesten Bauwerken des Bezirks zählen u. a. das Schloss Tegel, der im Baustil des Backsteinexpressionismus errichtete Borsigturm sowie die Wohnbauten der Weißen Stadt, die zu den Siedlungen der Berliner Moderne gehören.

Geographie

Lage Der Bezirk befindet sich im Nordwesten Berlins. Die Nachbarbezirke sind im Südwesten Spandau, im Süden Charlottenburg-Wilmersdorf, im Südosten Mitte und im Osten Pankow. Der gesamte Norden grenzt an den brandenburgischen Landkreis Oberhavel.

Siedlungsstruktur Sein Charakter ist von Wäldern und Gewässern geprägt, seine südlichen Teile haben aber in der Bebauung viele Ähnlichkeiten mit dem angrenzenden Ortsteil Wedding des Bezirks Mitte. Darüber hinaus liegt in Reinickendorf die zwischen 1929 und 1931 erbaute Siedlung Weiße Stadt und das von 1963 bis 1974 als Großbausiedlung geschaffene Märkische Viertel, in dem über 30.000 Menschen wohnen. In den restlichen Ortsteilen herrscht Einzelhausbebauung vor, die in einigen Bereichen wie Hermsdorf und insbesondere Frohnau auch villenartigen Charakter annimmt.

Natur

Die Dicke Marie, eine Stieleiche im Tegeler Forst, gilt als ältester lebender Baum in Berlin.Die Dicke Marie im Tegeler Forst. Senatsverwaltung; abgerufen am 17. Januar 2020. Ihr Alter wird auf über 500 Jahre geschätzt. Ebenfalls im Tegeler Forst steht der höchste Baum auf Berliner Boden. Die sogenannte Burgsdorf-Lärche wurde 1795 gepflanzt und erreichte 2012 eine Höhe von 42,5 m.Die dicksten, höchsten und ältesten Bäume in Berlin. Monumentale Bäume; abgerufen am 24. Januar 2020. Die Humboldteiche im Schlosspark Tegel erreicht mit 7,75 m den größten Stammumfang eines in Berlin stehenden Baums.

Gewässer Die Teiche 2–18 sind Gewässer in Frohnau und liegen im Bereich der dortigen Binnendüne, aufgrund der runden Form werden sie auch die „Blauen Augen von Frohnau“ genannt. Auch in den anderen Ortsteilen finden sich runde und nahezu runde Teiche, teilweise sind Pfuhle in den feuchten Grünflächen eingebettet. Die Becken sind oft Regenrückhaltebecken (RHB) und daher nur zeitweise mit Wasser gefüllt.

1. Hubertussee () Frohnau 2. Pilzteich () 3. Scheringteich () 4. Neubrückerteich () 5. Mehringteich () 6. Ludwig-Lesser-Teich () 7. Neurandteich () 8. Nibelungenteich () 9. Eichenpfuhl () 10. Stolzingteich () 11. Laurinteich () 12. Amselteich () 13. Edelteich (a+b) ( und ) 14. Dammteich () 15. Fürstenteich () 16. Artuspfuhl () 17. Welfenteich () 18. Teich im Rosenanger () 19. Lindengrabenteich () Heiligensee 20. Ceciliengraben mit Teich () Hermsdorf 21. Waldsee () Hermsdorf 22. Sylvesterteich () Hermsdorf 23. Dominicusteich () Hermsdorf 24. Golzteich () Hermsdorf 25. Hohenfeldteich () Hermsdorf 26. Großer Torfstich() Hermsdorf 27. Sprintwiesenteich () Lübars 28. Rathenowbecken () und daneben Teich () Lübars 28a Mäusewinkelbecken ()Lübars 29. Rosenthalbecken () Lübars 30. Ziegeleisee (), Lübars 31. Lehmgrubenteich () Lübars 32. Ehemalige Tongruben ( und ), Hermsdorf 33. Hermsdorfer See (), Hermsdorf 34. Erlengrabenteich (), Heiligensee 35. Ziegeleibecken (), Waidmannslust 36. Langer Deichpfuhl () Hermsdorf 37. Mittelfeldteich () Heiligensee 38. Wernickepfuhl () Hermsdorf 39. Brandpfuhl () Hermsdorf 40. Gartenteich () Hermsdorf 41. Wickengartenteich () Hermsdorf 42. Wolfsteich () Hermsdorf 43. Albtal-Park Waidmannslust: Bräuningsbecken () Vierrutenteich () 44. Buchholzendenbecken ( /) Waidmannslust 45. Klötzbecken () Lübars 46. Nieder Neuendorfer See (Havel ), Heiligensee 47. Birkholzbecken () Lübars 48. Mittelfeldbecken () Märkisches Viertel 49. Seggeluchbecken () Märkisches Viertel 50. Herrnholzbecken () Wittenau und dazu Becken (Packereigraben) () Waidmannslust 51. Stubbichtbecken () Waidmannslust 52. Mühlenfeldteich () Waidmannslust xx. Becken am TreiberpfadDas Becken von 380 m² wurde in den 1970er Jahren auf dem Grundstück Treiberpfad 28/30 (vorher Planstraße 7 Nr. 12) angelegt. Ein absperrbarer Graben verbindet mit dem Tegeler Fließ () Waidmannslust xx. Teich (Treiberpfad) 3/5 () Waidmannslust 53. Bumpfuhl () Heiligensee 54. Heiligensee () Heiligensee 55. Mühlenteich () Tegel 56. Steinbergsee () Wittenau 57. Parkgrabenteich () Wittenau 58. Tegeler See () Tegel mit 59. Große () und kleine Malche () Borsighafen () sowie RHB Gaswerkhafen () 60. Achtrutenteich () Wittenau 61. Feldgrabenteich () Reinickendorf 62. Koldischteich () Wittenau 63. Flughafensee () Tegel mit Vorbecken () und Schwarzer-Graben-Kanalbecken () 64. Kiesteich am Flughafensee () Tegel 65. Kleiner Kiesteich am Flughafen () Tegel 66. Seidelbecken () Reinickendorf 67. RHB Lienemannbecken () Reinickendorf 68. Breitkopfbecken () Reinickendorf 69. Schwanenteich () Reinickendorf 70. Septimerbecken () Reinickendorf 71. Schäfersee () Reinickendorf

Ortsteile Der Bezirk unterteilt sich in elf Ortsteile: mini|hochkant=0.8|Segenskirche in Reinickendorf mini|hochkant=0.8|Einfamilienhaus in Frohnau mini|hochkant=0.8|Großbausiedlung im Märkischen Viertel mini|hochkant=0.8|Weiße Stadt in Reinickendorf, UNESCO-Welterbe mini|hochkant=0.8|Bootshaus in Heiligensee mini|hochkant=0.8|Mietshaus in Waidmannslust

Ortsteil und Ortslagen Fläche (km²) Ein­wohner Ein­wohner pro km² Lage 1201 Reinickendorf 10,5 1202 Tegel Cité Guynemer Cité Pasteur 33,7 1203 Konradshöhe Tegelort Jörsfelde 2,2 1204 Heiligensee Schulzendorf Sandhausen 10,7 1205 Frohnau 7,8 1206 Hermsdorf 6,1 1207 Waidmannslust Schwarzwald-Siedlung 2,3 1208 Lübars 5,0 1209 Wittenau Cité Foch 5,9 1210 Märkisches Viertel 3,2 1211 Borsigwalde 2,0

Geschichte 1920–1945 mini|hochkant|Borsigturm in Tegel, erbaut 1924

Im Rahmen der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde aus den folgenden Gemeinden und Gutsbezirken des Kreises Niederbarnim der 20. Verwaltungsbezirk gebildet:Berlin in Zahlen 1946/47, S. 26

Landgemeinde Reinickendorf (41.264 Einwohner, 1021 Hektar) Landgemeinde Tegel (20.590 Einwohner, 576 Hektar) Landgemeinde Wittenau (10.203 Einwohner, 892 Hektar) Landgemeinde Hermsdorf (7.664 Einwohner, 526 Hektar) Landgemeinde Rosenthal (westlicher Teil mit Wilhelmsruh, 4.433 Einwohner, 412 Hektar) Landgemeinde Lübars (4.239 Einwohner, 726 Hektar) Landgemeinde Heiligensee (2.045 Einwohner, 865 Hektar) Gutsbezirk Frohnau (1.190 Einwohner, 773 Hektar) Gutsbezirk Tegel-Schloß (727 Einwohner, 511 Hektar) Gutsbezirk Tegel-Forst-Nord (77 Einwohner, 1.535 Hektar) Gutsbezirk Jungfernheide (44 Einwohner, 837 Hektar)

Trotz des vergrößerten administrativen Gebiets wurde der Name der Landgemeinde Reinickendorf als Bezirksname gewählt.

Bei der Bezirksreform vom 1. April 1938 erhielt der Bezirk Reinickendorf vom Bezirk Charlottenburg den nördlich des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals gelegenen Teil der Jungfernheide. Gleichzeitig gab der Bezirk die Kolonie Wilhelmsruh an den Bezirk Pankow ab.Amtsblatt Berlin 1938, S. 280; neue Bezirksgrenze Pankow/Reinickendorf

1945–1990 Der Bezirk Reinickendorf gehörte nach 1945 in der „Vier-Mächte-Stadt“ Berlin zum Französischen Sektor und damit zu West-Berlin. 1946 wurde erstmals wieder seit der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 ein kommunales Parlament in Reinickendorf gewählt. Seit dieser Zeit sind auch Konradshöhe und Waidmannslust eigene Ortsteile.

Seit 1990 Bei der Bezirksreform von 2001 blieb die äußere Abgrenzung des Bezirks Reinickendorf unverändert. Aus Teilen des Ortsteils Wittenau wurde 1999 der neue Ortsteil Märkisches Viertel und 2012 der neue Ortsteil Borsigwalde gebildet.

2022 wurde wegen hoher Flüchtlingszahlen aus der Ukraine ein Ankunftszentrum in ehemaligen Terminals des Flughafens Tegel eröffnet. In der Anlage wurden mehr als 100.000 Flüchtende erfasst. Bis zu 5000 Menschen bietet sie Unterkunft (Stand: 2025).Vor zwei Jahren wurde Ankunftszentrum für ukrainische Geflüchtete in Tegel eröffnet, DRK, abgerufen am 30. Juli 2024.

Bevölkerung

Überblick Am zählte der Bezirk Reinickendorf Einwohner. Er hat nach dem Bezirk Spandau die zweitniedrigste Einwohnerzahl aller Berliner Bezirke.

Bedingt durch den Anteil von Wasser- und Waldflächen (Tegeler See und -Forst) an der Gesamtfläche von 89,5 km² in Verbindung mit der lockeren Bebauung vieler Ortsteile lag am Stichtag die durchschnittliche Bevölkerungsdichte bei Einwohnern pro Quadratkilometer, was den drittniedrigsten Wert aller Berliner Bezirke darstellt.

Jahr Einwohner 1925 105.467 1933 164.319 1939 200.531 1946 192.201 1950 205.930 1955 214.399 1961 215.892 1965 218.925 1970 243.762 1975 240.536 1980 234.399 1985 228.971 1990 249.642 2000 245.644 Jahr Einwohner 2001 246.507 2002 246.793 2003 246.577 2004 246.498 2005 245.122 2006 243.276 2007 242.150 2008 241.432 2009 241.203 2010 242.084 Jahr Einwohner 2011 244.727 2012 247.887 2013 251.325 2014 254.000 2015 256.617 2016 261.919 2017 263.597 2018 264.826 2019 266.408 2020 266.123 Jahr Einwohner 2021 265.772 2022 254.113 2023 254.826 2024 260.300 2025 257.225

ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Die unten stehenden Einwohnerzahlen ab 1991 (Stand: jeweils am 31. Dezember) basieren, abweichend von der Bevölkerungsfortschreibung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, auf Daten des Einwohnermelderegisters des Berliner Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten.Statistischer Bericht A I 5-hj 2/24. Einwohnerregisterstatistik Berlin 31. Dezember 2024. Bestand-Grunddaten. (PDF; 0,7 MB) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2025.

Bevölkerungsstruktur Die folgende Tabelle zeigt Angaben zur Struktur der Bevölkerung des Bezirks Reinickendorf am 31. Dezember 2024.

Geschlecht Anzahl Anteil männlich 135.775 49,5 % weiblich 138.323 50,5 % insgesamt 274.098 100,0 %   Altersgruppen unter 20 52.073 19,0 % 20 bis unter 40 71.181 26,0 % 40 bis unter 65 88.403 32,2 % ab 65 62.441 22,8 % insgesamt 274.098 100,0 % Herkunft Anzahl Anteil Deutsche ohne Migrationshintergrund 160.426 58,5 % Deutsche mit Migrationshintergrund 47.673 17,4 % Ausländer 65.999 24,1 % insgesamt 274.098 100,0 %   Wohnlagen einfache Wohnlagen bzw. ohne Angabe 148.623 54,2 % mittlere Wohnlagen 95.788 35,0 % gute Wohnlagen 29.687 10,8 % insgesamt 274.098 100,0 % Religion Anzahl Anteil evangelisch 45.554 16,6 % römisch-katholisch 22.723 8,3 % sonstige bzw. keine 205.821 75,1 % insgesamt 274.098 100,0 %

Das Durchschnittsalter im Bezirk lag am 31. Dezember 2024 bei 44,5 Jahren (Berliner Durchschnitt: 42,8 Jahre).

Wirtschaft

Unternehmen mini|Schokoriegel der August Storck KG Im Jahr 2013 waren im Bezirk Reinickendorf 9168 Unternehmen registriert. Die Branche des verarbeitenden Gewerbes ist besonders stark vertreten. Zu den größten Arbeitgebern (Stand: 2020) im Bezirk gehören unter anderem

August Storck, Süßwaren, Firmensitz RENAFAN GmbH, Pflegedienstleistungen, Firmensitz Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Deutschlands größter kommunaler Klinik-Konzern, Firmensitz Staatliche Münze Berlin, Firmensitz Borsig, Maschinen- und Anlagenbau, Tochterunternehmen der KNM Group Freiberger Lebensmittel GmbH & Co. Produktions- und Vertriebs KG, Tochterfirma der Südzucker AG G-Elit Präzisionswerkzeug GmbH, Tochterunternehmen der Gühring-Gruppe Piepenbrock Service GmbH + Co. KG, Dienstleistungen, Berlin Dependance Meisterbäckerei Steinecke, Produktionsstätte OTIS GmbH & Co. OHG, Deutschlandsitz Limbach Gruppe, Laboratoriumsmedizin

Handwerk