Massenmedien sind in der Medienwirtschaft, Medienökonomie und Publizistikwissenschaft Medien, die als Kommunikationsmittel zur Verbreitung von Medieninhalten in der Öffentlichkeit und für die Kommunikation mit einer großen Zahl von Empfängern dienen. Als Vierte Gewalt haben sie große Verantwortung in der modernen Demokratie. Gegensatz ist das Individualmedium.

Allgemeines Während die von einem Individualmedium transportierten Medieninhalte sich genau an einen bestimmten Empfänger oder Nutzer richten (wie etwa bei handgeschriebenen Büchern, selbstbespielten Datenträgern oder Telefon), sind Massenmedien (gedruckte Bücher, Printmedien, Tonträger, Bildträger, Datenträger (wie z. B. gepresste CDs oder DVDs), Rundfunk)Jürgen Heinrich: Medienökonomie, Band I, 1994, S. 6. sowie Internet und Online-Dienste.Matthias Schumann/Thomas Hess, Grundfragen der Medienwirtschaft, 2000, S. 6 an eine unbestimmte Vielzahl von Empfängern gerichtet. Massenmedien werden auf einem Massenmarkt angeboten, der Printmedien, Rundfunk sowie Bild- und Tonträger der Unterhaltungselektronik umfasst.Everhard Holtmann (Hrsg.): Politik-Lexikon, 2000, S. 376. Die Bild- und Tonträger richten sich zwar an einen bestimmten Empfänger, werden jedoch massenhaft produziert. Die Kommunikation ist einseitig bei Printmedien (Bücher; bei Zeitungen die Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit der Redaktion per Leserbrief), Briefen und E-Mails oder mehrseitig bei der Telekommunikation (Telefon, Smartphone, Videokonferenz).

Die Massenmedien haben einen „öffentlichen Auftrag“ und bestimmen die Themen, die in der Gesellschaft als relevant angesehen werden und welche nicht; die Demokratie lebt von einer kritischen Öffentlichkeit. Die gesellschaftliche Funktion der Massenmedien besteht in der Erfüllung von Informations- und Unterhaltungsbedürfnissen sowie laut Niklas Luhmann im Erzeugen eines sozialen Gedächtnisses, das darin besteht, „dass man bei jeder Kommunikation bestimmte Realitätsannahmen als bekannt voraussetzen kann, ohne sie eigens in die Kommunikation einführen und begründen zu müssen“.Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien. Opladen 1996, S. 120.

Die Medienwissenschaft ist das wissenschaftliche Fach, das sich mit der Geschichte und Wirkung der Massenmedien beschäftigt. Mit den Akteuren, Strukturen und Leistungen des Journalismus befasst sich die Journalistik als Teilgebiet der Kommunikationswissenschaft. Insgesamt ist die wissenschaftliche Betrachtung und Beschäftigung mit Massenmedien also interdisziplinär verteilt im Spannungsfeld sowohl der Geistes- als auch der Sozial- und der Kulturwissenschaften, wobei der jeweilige theoretische Hintergrund der unterschiedlichen Anwendungsgebiete ebenfalls noch zu berücksichtigen ist (z. B. Wirtschaftswissenschaften für den Wirtschaftsteil und Sportwissenschaft für den Sportteil).

Definitionen Eine bekannte Definition lautet: „Die Massenmedien sind Kommunikationsmittel, die durch technische Vervielfältigung und Verbreitung mittels Schrift, Bild oder Ton Inhalte an eine unbestimmte Zahl von Menschen vermitteln und somit öffentlich an ein anonymes, räumlich verstreutes Publikum weitergeben.“vgl. Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 169–172.

Durch Massenmedien wird Massenkommunikation ermöglicht. Die Massenkommunikation geschieht öffentlich, wodurch im Prinzip jeder Zugang zu den Angeboten von Massenmedien hat.Vgl. Siegfried J. Schmidt, Guido Zurstiege: Orientierung Kommunikationswissenschaft. Was sie kann, was sie will. Rowohlt TB, Reinbek bei Hamburg 2000, S. 175. In diesem Sinne umfasst die sozialwissenschaftliche Definition von Massenmedien:Vgl. Stephan Habscheid: Das Internet – ein Massenmedium? In: Torsten Siever, Peter Schlobinsi, Jens Runkehl (Hrsg.): Linguistik. Impulse & Tendenzen. Websprache.net. Sprache und Kommunikation im Internet. Verlag Walter de Gruyter, Berlin / New York 2005, S. 51. Printmedien (z. B. Flugblatt, Plakat, Buch, Presse) Audiovisuelle Medien: Film, Hörfunk und Fernsehen massenhaft verbreitete Speichermedien (z. B. CD, DVD) Webseiten im Internet.

Gerhard Maletzke definiert fünf entscheidende Faktoren für Massenkommunikation: „Unter Massenkommunikation verstehen wir jene Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft) durch technische Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zw. Aussagenden und Aufnehmenden) an ein disperses Publikum vermittelt werden.“Gerhard Maletzke: Psychologie der Massenkommunikation. In: Ders.: Kommunikationswissenschaft im Überblick: Grundlagen, Probleme, Perspektiven. Westdeutscher Verlag, Opladen 1998, S. 45 f.

Diese Definition schließt z. B. Theaterveranstaltungen als Massenkommunikation aus, da das Publikum nicht ausreichend verteilt (dispers) ist. Auch ist zu bedenken, dass Massenmedien zu komplexen sozialen Institutionen geworden sind, die durch Politik, Recht und Ökonomie in ihrer Ausgestaltung beeinflusst werden. Ohne diese Dimension ist ein sinnvoller internationaler Vergleich von Medien und Mediensystemen kaum möglich.

Während jedoch dieser Kritikpunkt als strittig behauptet werden kann, da auch die klassischen Massenmedien „durch Politik, Recht und Ökonomie“ in ihrer Ausgestaltung beeinflusst waren und weiterhin sind, wodurch dieser Charakter nicht zwangsläufig zur Definition Maletzkes im Widerspruch gesehen werden muss, sehen Kunczik und Zipfel die Schwachstelle in der fehlenden Vereinbarkeit mit der technischen Weiterentwicklung, die in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden hat:

Darauf aufbauend entwickelte Ulrich Saxer 1998 eine Definition, die Medien nicht nur als technische Artefakte, sondern in ihrer gesellschaftlichen Dimension zu erfassen versucht.Vgl. Barbara Thomaß: Mediensysteme im internationalen Vergleich. UVK, Konstanz 2007, ISBN 978-3-8252-2831-6, S. 16. „Medien sind komplexe institutionalisierte Systeme um organisierte Kommunikationskanäle von spezifischem Leistungsvermögen“ und sind durch fünf mehr oder weniger stark ausgeprägte Merkmale gekennzeichnet:Vgl. Ulrich Saxer: Mediengesellschaft: Verständnisse und Mißverständnisse. In: Ulrich Sarcinelli (Hrsg.): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft. Westdeutscher Verlag, Opladen 1998, S. 54. Medien stellen technische Kommunikationskanäle dar, die verschiedene Zeichensysteme – visuelle (z. B. Zeitungen), auditive (z. B. Radio) und audiovisuelle (z. B. Fernsehen) – mit unterschiedlich ausgeprägter Kapazität transportieren können. Medien müssen sich organisieren, um ihre jeweilige Medientechnik wirkungsvoll zum Tragen bringen zu können. Medienkommunikation resultiert aus Herstellungs-, Bereitstellungs- und Empfangsprozessen und bildet damit ein komplexes System der Medien. Medien können sowohl funktional als auch dysfunktional sein. Sie sind in kultureller, wirtschaftlicher, politischer und sozialer Hinsicht problemlösend und problemschaffend zugleich. Medien sind institutionalisiert.

Der Philosoph Hans-Georg Gadamer weist darauf hin, dass nach Aristoteles eine Stadt nicht größer werden soll, als dass die Stimme eines Stentors jeden Bürger gleichzeitig erreichen kann. In der Gegenwart sollen die Massenmedien diese Rolle übernehmen und sind auch dazu in der Lage, es fehlt ihnen aber an der substanziellen Stimme eines solchen Stentor, der „großen Kulturkräfte“.Gadamer erzählt die Geschichte der Philosophie 2/6 (2000) ab min. 0:52 bei Youtube

2005 veröffentlichte Irene Neverla eine weitere Definition. Massenmedien sind demnach „institutionalisierte Handlungszusammenhänge, die sich komplexer Kommunikationskanäle und -techniken bedienen und in arbeitsteiligen Organisationsformen nach bestimmten Regeln und Routinen für die Gesellschaft bedeutungsvolle Funktionen für die öffentliche Kommunikation erbringen“.Siegfried Weischenberg, Hans J. Kleinsteuber, Bernhard Pörksen: Handbuch Journalismus und Medien. UVK, 2014, S. 206–210. Ein weiterer Ansatz stammt von Roger Blum. Er versteht unter Massenmedien „publizistische Medien, um Medien der öffentlichen Kommunikation, die in der Gesellschaft eine Rolle spielen“.Roger Blum: Lautsprecher & Widersprecher. Ein Ansatz zum Vergleich der Mediensysteme. Halem, 2014.Florian Meißner: Kulturen der Katastrophenberichterstattung 1. Auflage. Springer VS, S. 15, doi:10.1007/978-3-658-26127-6.

Medienunternehmen als Massenmedien Zu den Massenmedien werden folgende Medienunternehmen gerechnet:Matthias Schumann/Thomas Hess, Grundfragen der Medienwirtschaft, 2000, S. 9; ISBN 978-3-540-43387-3

Medienunternehmen Medieninhalte erzeugen Medieninhalte bündeln Träger der Medieninhalte Medieninhalte vertreiben Printmedien Autoren und Redakteure Zeitungs- und Buchverlage Papier Distributionslogistik, Handel Rundfunk Künstler, Reporter, Moderatoren Radio- und Fernsehsender Funkwellen, Kabelnetze Fernsehsender, Radiosender Onlinedienste Content-Provider Informationsvermittler Internet Service-Provider Speichermedienhersteller Autoren, Künstler Verlage Bildträger, Tonträger Logistik, Handel

Printmedien, Rundfunk Onlinedienste und Speichermedienhersteller (insbesondere Tonträgerunternehmen) sind in der Produktion auf Massenproduktion durch entsprechende Produktionsverfahren eingestellt.

Die Rolle der Technik Harry Pross teilt Medien abhängig von deren Produktions- und Rezeptionsbedingungen in Gruppen ein:Harry Pross: Publizistik: Thesen zu einem Grundcolloquium. Luchterhand, Neuwied 1970, S. 129. Primäre Medien sind Mittel des menschlichen Elementarkontaktes ohne Gerät, sie benötigen keine Hilfsmittel zur Produktion und Rezeption. Sekundäre Medien bedürfen zu ihrer Hervorbringung, nicht jedoch zu ihrer Wahrnehmung, Geräte. Tertiäre Medien setzen auf Seiten des Produzenten wie auf der des Konsumenten Geräte voraus.

Ergänzt werden können quartäre Medien, die auf beiden Seiten Geräte voraussetzen, nicht aber ausschließlich massenmedialer Kommunikation oder Mitteilungsverbreitung dienen. Das Internet ist z. B. ein Medium, das vom Nutzer in anderem Ausmaß aktive Entscheidungen über den Konsum verlangt und zum Teil direkte Rückkopplung des Nutzers zum Anbieter erlaubt. Daraus ergeben sich schnelle und spontane Wechsel der Zuordnung aufgrund der wechselnden Benutzungsmodi: Der Wechsel zwischen tertiären Eigenschaften und quartären sind etwas Neues, das in diese Struktur einzufügen ist. Digitalisierung ermöglicht die Integration und Mischung der ersten drei Medienstufen in der vierten. Quartäre Medien bieten eine enge Verbindung massenmedialer Eigenschaften (tertiäre Medien), erlauben aber den jederzeitigen, schnellen Wechsel zwischen individualer und Gruppenansprache bzw. Kommunikation, aber immer unter Bedingungen, die auf beiden Seiten der Kommunikation auf Geräte angewiesen ist.Vgl. Jakob F. Dittmar: Grundlagen der Medienwissenschaft. Verlag der TU Berlin, Berlin 2009, S. ?.

Allein die Technizität eines Mediums definiert dieses aber noch nicht als Massenmedium, vielmehr muss dieses Medium in den sozialen Prozess der Massenkommunikation integriert sein. So ist beispielsweise ein nicht für den Markt produziertes, sondern für einen privaten Empfängerkreis bestimmtes Buch zwar als Printmedium technisch hergestellt, es fungiert aber nicht als Massenmedium. Dasselbe gilt für Hörfunktechnik, wenn sie im Küstenfunk eingesetzt wird, oder für Fernsehtechnik im Rahmen der Videoüberwachung.Vgl. Erhard Schreiber: Repetitorium Kommunikationswissenschaft. 3. Auflage. Öhlschläger Verlag, München 1990, S. 134.

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