Neukölln ist der achte Verwaltungsbezirk von Berlin.Nummerierung gemäß Bezirksschlüssel Am hatte er Einwohner, die aus 160 Nationen stammen.Neukölln in Zahlen, In: Berliner Morgenpost. 28. Januar 2015, abgerufen am 15. Januar 2020. Der Bezirk zählt zu den am dichtesten besiedelten Innenstadtgebieten in Deutschland.

Der Bezirk Neukölln wurde 1920 durch Eingemeindung im Zuge des Groß-Berlin-Gesetzes geschaffen und nach der damaligen Stadt Neukölln, dem heutigen Ortsteil Berlin-Neukölln, benannt.

Insbesondere der Norden des Bezirks ist seit etwa 2010 für sein studentisch geprägtes Szeneleben und seine internationale Hipsterkultur bekannt.10 of the coolest neighbourhoods in Europe. In: The Guardian, abgerufen am 9. Februar 2020.

Geographie Der Bezirk Neukölln liegt im südlichen Bereich Berlins zwischen den Bezirken Tempelhof-Schöneberg im Westen und Treptow-Köpenick im Osten sowie Friedrichshain-Kreuzberg im Norden. Im Süden grenzt Neukölln an die Ortsteile Großziethen, Waßmannsdorf und Schönefeld der brandenburgischen Gemeinde Schönefeld im Landkreis Dahme-Spreewald.

Naturräumliche Grundlagen Der Bezirk Neukölln liegt mit dem Großteil seiner Fläche auf der nordöstlichen Kante der Grundmoränenhochfläche des Teltow (40–) und mit einem kleineren Flächenanteil im daran nördlich und östlich anschließenden Berliner Urstromtal (35–). Der Reliefunterschied ist deutlich wahrnehmbar. Der Straßenzug Hasenheide – Karl-Marx-Straße – Buschkrugallee markiert ungefähr die Grenze zwischen den beiden Naturräumen; von ihm aus steigen die Querstraßen nach Süden und Westen überall an, vor allem im Norden (Lilienthalstraße, Hermannstraße, Flughafenstraße usw.), etwas schwächer im Süden des Bezirks.

Siedlungsstruktur Der Bezirk zeigt unterschiedliche bauliche Strukturen, im Norden innerstädtisch hochverdichtet, im Süden eher vorstädtisch aufgelockert, teils sogar ländlich wirkend: Der Ortsteil Neukölln (auch Nord-Neukölln oder Neukölln 44 genannt – nach der ehemaligen Postleitzahl 1000 Berlin 44) ist im Norden des Bezirks (zwischen Ringbahn und Hermannplatz) überwiegend vom Altbaubestand der Gründerzeit geprägt, der aus typischen Berliner Mietskasernen mit begrünten Hinterhöfen besteht. Südlich der Ringbahn dominieren Einfamilienhausgebiete, vorstädtischer Siedlungsbau und Großsiedlungen mit vielen Hochhäusern das Gesicht des Bezirks.

mini|links|Haus in der Hufeisensiedlung

In diesen uneinheitlichen Strukturen eingebettet haben sich die alten Dorfkerne von Rixdorf mit dem Böhmischen Dorf, Britz mit dem Gutshof und Schloss und Buckow mit der ältesten Feldsteinkirche Berlins erhalten.

Das bekannteste Beispiel für einen sozial motivierten Siedlungsbau/Reformwohnungsbau im Neukölln der 1920er und 1930er Jahre findet sich in Britz. Die Großsiedlung Fritz-Reuter-Stadt wurde geprägt von den Architekten Bruno Taut und Martin Wagner einerseits und von Paul Engelmann und Emil Fangmeyer im anderen Teil der Siedlung. Die beiden Teile bestehen jeweils aus etwa 1000 Wohnungen. In der Randbebauung und im Hufeisen sind dies Mehrfamilienhäuser, ansonsten Einfamilienhäuser mit Nutzgärten. Ein Teil der Großsiedlung, die Hufeisensiedlung im engeren Sinn, ist seit 2008 UNESCO-Welterbe.

Darüber hinaus befindet sich im Süden ein bekanntes Beispiel einer Großsiedlung der Nachkriegszeit: die Gropiusstadt. Sie ist – neben dem Märkischen Viertel – eine der beiden größten Großsiedlungen des ehemaligen West-Berlins. Zunächst Großsiedlung Berlin-Buckow-Rudow genannt, wurde ihr 1972 der Name des Bauhausgründers Walter Gropius verliehen. 1976 wurde die Gropiusstadt fertiggestellt und 2002 als eigener Ortsteil abgetrennt. Abweichend vom Hochhaus-Konzept der „Urbanität durch Dichte“ und „autogerechten Stadt“ wie in der Gropiusstadt wurde in den 1970er und 1980er Jahren die High-Deck-Siedlung für rund 6000 Bewohner errichtet. Das ursprünglich als innovativ beurteilte städtebauliche Konzept einer funktionalen Trennung von Fußgängern und Autoverkehr mit hochgelagerten, begrünten Wegen (den namensgebenden „High-Decks“) erwies sich allerdings schnell als gescheitert.

Ortsteile mini|hochkant=0.8|Saal im Heimathafen Neukölln mini|hochkant=0.8|Wohnanlage in der Böhmischen Straße mini|hochkant=0.8|Gropiusstadt

Ortsteile undOrtslagen Fläche(km²) Ein­wohner Ein­wohnerpro km² Lage 0801 Neukölln Reuterkiez („Kreuzkölln“) Rixdorf Böhmisch-Rixdorf 11,71 0802 Britz 12,40 0803 Buckow 6,35 0804 Rudow 11,81 0805 Gropiusstadt 2,67

Parkanlagen Britzer Garten Carl-Weder-Park Gutspark Britz Körnerpark Lessinghöhe Rudower Fließ Schulenburgpark Volkspark Hasenheide

→ Siehe Liste der Naturdenkmale im Bezirk Neukölln

Straßen Auf 632 Hektar Verkehrsfläche befinden sich 715 Straßen und Plätze.

Wie der gesamte Norden Neuköllns ist auch die Sonnenallee und ihre unmittelbaren Umgebung von Zuwanderung geprägt, sowohl von Menschen aus dem Ausland, als auch aus den übrigen Teilen Deutschlands, die wegen der vergleichsweise günstigen Mieten in diese Gegend ziehen.

Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat sich dort eine arabische Gesellschaftsstruktur gebildet, bestehend aus Restaurants, Cafés und Einzelhandel für den täglichen Bedarf. Vor allem die Nebenstraßen sind durch Zuzug von Studenten, Kreativen und jungen Familien von Gentrifizierung betroffen.

Die Schillerpromenade bildet den Mittelpunkt des sogenannten Schillerkiezes. Das Viertel wurde um 1900 als „Wohnquartier für Besserverdienende“ angelegt. Seit der Schließung des Flughafens Tempelhof 2008 erfreut sich der Kiez wieder zunehmender Lebensqualität. Dies führte zu einem Anstieg der Mieten.

mini|Amtsgericht Neukölln in der Karl-Marx-Straße

Britzer Damm Buckower Damm Columbiadamm Fritz-Erler-Allee Gradestraße Hermannstraße Johannisthaler Chaussee Karl-Marx-Straße Lipschitzallee Neuköllner Straße Rudower Straße Waltersdorfer Chaussee

Plätze und Kieze Eine Besonderheit im Norden Neuköllns ist der Richardplatz mit dem umliegenden Viertel Alt Rixdorf zwischen Sonnenallee und Karl-Marx-Straße. Der Platz ist die Keimzelle des ehemaligen Dorfes, aus dem Neukölln einst entstanden ist. Die umliegenden Straßen stellen somit die Altstadt des Ortsteils dar. Im Zweiten Weltkrieg blieb das Viertel unversehrt und wurde anschließend von den Stadtplanern weitestgehend ignoriert, sodass der dörfliche Charakter erhalten blieb. Besonderer Beliebtheit erfreut sich der alljährliche Weihnachtsmarkt auf dem Platz. Weitere nennenswerte Plätze sind:

mini|Schillerpromenade/Ecke Selchower Straße

Hermannplatz Karl-Marx-Platz Lipschitzplatz Alfred-Scholz-Platz (ehemals: Platz der Stadt Hof) Rudower Spinne Körnerkiez Reuterkiez Richardkiez Rollbergsiedlung Schillerkiez Köllnische Heide mit High-Deck-Siedlung

Geschichte

Ländliche Entwicklung (1300–1920) Neukölln hieß bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1360 Richardsdorp, später Ricksdorf (Rieksdorf) und schließlich Rixdorf. Der Ortskern befand sich am Richardplatz. Das Dorf gehörte anfangs dem Johanniterorden, die den Ort von den Tempelrittern übernahmen, die in Tempelhof ansässig waren. Aus diesem Grund trägt das Wappen des Bezirks das Johanniterkreuz.

mini|hochkant|Die Magdalenenkirche wurde 1879 in Rixdorf eingeweiht

Im Jahr 1737 gestattete Friedrich Wilhelm I. die Ansiedlung böhmischer Exilanten in Rieksdorf, die wegen ihres evangelischen Glaubens vertrieben wurden. Diese Anhänger der Herrnhuter Brüdergemeine bauten ihre eigene Kirche und siedelten in einem eigenen Bereich abseits des Dorfangers, entlang der heutigen Richardstraße, der 1797 als Böhmisch-Rixdorf eine eigene Verwaltung bekam.

Bei der Wiedervereinigung der beiden selbstständigen Gemeinden 1873 hatte Rixdorf 8000 Einwohner. Ab 1899 bildete Rixdorf, bis dahin als größtes Dorf Preußens zum Kreis Teltow gehörig, einen eigenen Stadtkreis, dessen Bevölkerung von zunächst 80.000 Einwohnern bis 1910 auf über 237.000 Einwohner wuchs. Die Umbenennung des Ortes von Rixdorf zu Neukölln erfolgte 1912. Der Grund der Umbenennung durch die Behörden war der seinerzeit negative des Ortes: Rixdorf galt als Hochburg von „schlechten Sitten“.

Das Dorf Britz wurde erstmals 1305 urkundlich erwähnt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts griff die Verstädterung vom nördlichen Nachbarort Rixdorf auf Britz über, wodurch sich die Einwohnerzahl bis 1920 auf mehr als 13.000 erhöhte.

Das südlich von Britz gelegene Buckow wurde 1230 als Angerdorf gegründet und besaß seit 1913 eine Straßenbahnverbindung über Britz und Neukölln nach Berlin.

Das Straßendorf Rudow wurde erstmals 1373 erwähnt und behielt bis 1920 weitgehend seinen dörflichen Charakter.

mini|hochkant|Der Estrel Tower, seit 2025 höchstes Hochhaus in Berlin Neukölln als Berliner Bezirk (seit 1920) Mit dem 1. Oktober 1920 wurde die Stadt Neukölln nach Groß-Berlin eingemeindet. Zusammen mit den Gemeinden Britz, Buckow und Rudow bildete Neukölln als Namensgeber den 14. Verwaltungsbezirk. Am Ende des 20. Jahrhunderts sind die Geschehnisse um die Umbenennung Rixdorfs vergessen. Stattdessen gibt es vereinzelte Bestrebungen zur Rückbenennung des Ortsteils Neukölln in Rixdorf, zum einen als Abgrenzung zum größeren Bezirk Neukölln, zum anderen wegen der größeren Prägnanz des alten historischen Namens.

Von 1945 bis 1990 gehörte der Bezirk Neukölln zum Amerikanischen Sektor von Berlin. 1987 wurde der Bezirk mit dem Europapreis für seine hervorragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet. Am 23. September 2008 erhielt der Bezirk den von der Bundesregierung verliehenen Titel Ort der Vielfalt.

Bevölkerung Am zählte der Bezirk Neukölln Einwohner auf einer Fläche von 44,93 Quadratkilometern. Somit lag am Stichtag die Bevölkerungsdichte bei Einwohnern pro Quadratkilometer.

Jahr Einwohner 1920 279.732 1925 290.327 1933 315.632 1939 303.170 1946 274.560 1950 287.196 1955 284.991 1961 277.412 1965 275.606 1970 277.490 1975 280.041 1980 280.866 1985 276.407 1987 290.259 1990 307.217 2000 306.117 Jahr Einwohner 2001 303.881 2005 302.129 2007 306.713 2008 309.892 2009 312.367 2010 307.204 2011 318.106 2012 308.342 2013 311.943 2014 325.716 2015 328.062 2016 327.522 2017 329.387 2018 330.786 2019 329.917 2020 327.945 Jahr Einwohner 2021 327.100 2022 306.537 2023 307.275 2024 307.113 2025 309.241

ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Die unten stehenden Einwohnerzahlen ab 1991 (Stand: jeweils am 31. Dezember) basieren, abweichend von der Bevölkerungsfortschreibung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, auf Daten des Einwohnermelderegisters des Berliner Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten.Statistischer Bericht A I 5-hj 2/24. Einwohnerregisterstatistik Berlin 31. Dezember 2024. Bestand-Grunddaten. (PDF; 0,7 MB) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2025.

Bevölkerungsstruktur Die folgende Tabelle zeigt Angaben zur Struktur der Bevölkerung des Bezirks Neukölln am 31. Dezember 2024.

Geschlecht Anzahl Anteil männlich 164.886 50,0 % weiblich 164.602 50,0 % Insgesamt 329.488 100 %     Altersgruppen unter 20 59.443 18,1 % 20 bis unter 40 105.564 32,0 % 40 bis unter 65 106.965 32,5 % ab 65 57.416 17,4 % Insgesamt 329.488 100 % Herkunft Anzahl Anteil Deutsche ohne Migrationshintergrund 160.090 48,6 % Deutsche mit Migrationshintergrund 75.603 22,9 % Ausländer 93.795 28,5 % Insgesamt 329.488 100 %   Wohnlagen einfache Wohnlagen bzw. ohne Angabe 270.785 82,2 % mittlere Wohnlagen 58.703 17,8 % gute Wohnlagen – 0,0 % Insgesamt 329.488 100 % Religion Anzahl Anteil evangelisch 39.002 11,8 % römisch-katholisch 23.658 7,2 % sonstige bzw. keine 266.228 81,0 % Insgesamt 329.488 100 %

Das Durchschnittsalter im Bezirk lag am 31. Dezember 2024 bei 41,9 Jahren (Berliner Durchschnitt: 42,8 Jahre).

Soziales