Steglitz-Zehlendorf ist der sechste Verwaltungsbezirk von Berlin.Nummerierung gemäß Bezirksschlüssel Am hatte der Bezirk Einwohner. Der im Südwesten Berlins gelegene Bezirk entstand 2001 im Zuge der Berliner Verwaltungsreform durch die Zusammenlegung der früheren Bezirke Steglitz und Zehlendorf.
Steglitz-Zehlendorf gilt heute als überwiegend bürgerliche Gegend und weist unter den Berliner Bezirken die günstigste Sozialstruktur auf.Gesundheits- und Sozialstruktur, Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, abgerufen am 7. Januar 2026. 2019 verzeichnete Steglitz-Zehlendorf die höchste Zahl an Einkommensmillionären unter den Berliner Bezirken.
Die Hochschul- und Forschungslandschaft am Standort ist international renommiert und gilt als Anziehungspunkt für Wissenschaftler aus aller Welt.World Reputation Rankings 2017. In: Times Higher Education. Abgerufen am 23. Juni 2017. Zu den wesentlichen kulturellen Zentren zählen u. a. das Literarische Colloquium Berlin, der Botanische Garten, das Brücke-Museum und der Titania-Palast.
Geographie
Lage Steglitz-Zehlendorf grenzt im Westen an die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam, ferner an die Berliner Bezirke Spandau (nordwestlich), Charlottenburg-Wilmersdorf (nördlich), sowie Tempelhof-Schöneberg im Osten. Hinter der Landesgrenze im Süden liegen Kleinmachnow und Teltow im Landkreis Potsdam-Mittelmark. In ost-westlicher Richtung erstreckt sich der Bezirk über 19 Kilometer und in nord-südlicher Richtung über 9 Kilometer.
Der westlichste Punkt Berlins befindet sich im Ortsteil Wannsee in der Havel, auf der die Grenze zu Brandenburg verläuft.
Besiedlung mini|Großer Wannsee
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf umfasst ausgedehnte Erholungsgebiete, Villensiedlungen sowie unterschiedliche Wohn- und Gewerbelagen. Im Westen finden sich unter anderem Erholungsgebiete wie der Wannsee, der südliche Grunewald mit seinen Seen Krumme Lanke und Schlachtensee, die besonders im Sommer von vielen Berlinern besucht werden. Der Ortsteil Dahlem ist Sitz zahlreicher wissenschaftlicher Einrichtungen und der Freien Universität. Das Ortsgebiet Zehlendorf hat unterschiedliche Wohnlagen, im Zentrum ein kleines Einzelhandelsgebiet. Das südlich von Dahlem gelegene Lichterfelde ist im nördlichen Teil geprägt von der gründerzeitlichen Villenkolonie Lichterfelde und kleineren Einzelhandelszentren; in Lichterfelde-Süd finden sich teilweise Wohngebiete aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der weiter östlich gelegene Ortsteil Steglitz ist hingegen stärker städtisch strukturiert, wie die Schloßstraße im Ortskern mit der höchsten Ladendichte Berlins zeigt.Karin Schmidl: In: Berliner Zeitung, 29. März 2012. Sie stellt das Hauptzentrum für die südwestlichen Bezirke der Stadt dar. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin 2007. Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin liegen, entgegen der ehemaligen eigenen Bezeichnung, nicht in Dahlem, sondern in der Ortslage Lichterfelde West des Ortsteils Lichterfelde.
Der Bezirk ist sehr unterschiedlich besiedelt. In Steglitz und Lichterfelde, die beide von der Einwohnerzahl her in das oberste Viertel aller 97 Berliner Ortsteile gehören, lebt die Hälfte der Bevölkerung. Wannsee, der größte Ortsteil von Steglitz-Zehlendorf mit fast einem Viertel der Gesamtfläche, ist mit seinen drei Prozent Bevölkerungsanteil sehr dünn besiedelt.
Ortsteile Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf unterteilt sich in acht Ortsteile.
mini|Blick über Steglitz mit der Schloßstraße vom Steglitzer Kreisel aus mini|Freie Universität in Dahlem mini|Dreifaltigkeitskirche in Lankwitz mini|Bauhaussiedlung Onkel Toms Hütte in Zehlendorf
Ortsteileund Ortslagen Fläche(km²) Einwohner Einwohnerpro km² Lage 0601 Steglitz Südende Bismarckviertel 6,79 0602 Lichterfelde Lichterfelde West Lichterfelde Ost Lichterfelde Süd 18,22 0603 Lankwitz 6,99 0604 Zehlendorf Düppel Schönow Onkel Toms Hütte 18,83 0605 Dahlem 8,39 0606 Nikolassee Schwanenwerder 19,61 0607 Wannsee Kohlhasenbrück Steinstücken Heckeshorn Am Sandwerder Stolpe 23,68 0608 Schlachtensee 4,05 10.573 2.611
Geschichte
1200–1800 Die erste namentliche Erwähnung eines heutigen Ortsteiles im Bezirk war 1239 Lankwitz (Lancewitz).
Es wird davon ausgegangen, das ab spätestens 1200 Slawische und deutsche Siedlungen am Schlachtensee und an der Krummen Lanke entstanden. Die erste urkundliche Erwähnung Zehlendorfs (damals: Cedelendorp) geht auf 1242 zurück. Hier kaufte das Kloster Lehnin die Siedlung und behielt es bis 1542. Friedrich der Große spendete dem Dorf bei einem Zwischenhalt auf der Reise vom Berliner Schloss zum Schloss Sanssouci 1768 eine Kirche. Die Siedlung befand sich auf der Hälfte der Strecke zwischen beiden Orten, wodurch der Ort durch seine Funktion als Relaisstation wirtschaftlichen Aufschwung erhielt.
Steglitz entstand ebenfalls in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Straßendorf. Am Ende dieses Jahrhunderts wurde die hölzerne Kirche mit der Dorfkirche Steglitz ersetzt. Sie stand bis in das 19. Jahrhundert, als sie durch die Matthäuskirche ersetzt wurde.
mini|hochkant=1.8|center|Landschaftsgestaltung der Pfaueninsel seit dem 18. Jahrhundert, Teil der Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin
1800-Gegenwart Der heutige Doppelbezirk ist noch heute durch Verbindungsinfrastruktur zwischen Berlin und Potsdam geprägt. So wurde der erste Abschnitt der Reichsstraße 1 durch Steglitz und Zehlendorf geleitet (Pflasterung 1792). 1838 wurde parallel zu dieser die Stammbahn eröffnet. Diese Erschließung der Vororte führte zu einem starken Wachstum der Siedlungen. Steglitz wurde um das Jahr 1900 mit 80.000 Einwohnern größte Landgemeinde in Preußen.
Die vormaligen Bezirke Steglitz und Zehlendorf wurden 1920 bei der Bildung von Groß-Berlin aus zuvor eigenständigen Landgemeinden sowie Gutsbezirken des Landkreises Teltow gebildet.
Das gesamte Gebiet des heutigen Bezirks gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1990 zusammen mit den Bezirken Tempelhof, Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg zum Amerikanischen Sektor von Berlin, vgl. auch → Geteilte Stadt (dort hellblauer Bereich).
Im Jahr 2001 wurden die beiden ehemals eigenständigen Bezirke im Rahmen der Berliner Verwaltungsreform zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf zusammengelegt.
Im Dezember 2020 wurde auf Betreiben von Anwohnern der neue Ortsteil Schlachtensee gegründet.
Aufgrund eines Brandanschlags am 3. Januar 2026 kam es zu einem teils viertägigen Stromausfall für etwa 45.000 Haushalte und über 2.200 Betriebe in Zehlendorf, Nikolassee, Schlachtensee und Lichterfelde. Der Vorfall sorgte für den längsten Stromausfall in der Stadt seit 1945.
Bevölkerung
Am zählte der Bezirk Steglitz-Zehlendorf Einwohner. Bedingt durch den Anteil von Wasser- und Waldflächen an der Gesamtfläche von knapp 103 Quadratkilometern sowie die in der Mehrzahl aufgelockerte Bebauung lag am Stichtag die durchschnittliche Bevölkerungsdichte bei Einwohnern pro Quadratkilometer (siehe hierzu auch: Liste der Bezirke und Ortsteile Berlins). Der Bezirk verzeichnet seit Jahrzehnten die niedrigsten Geburtenraten in Berlin.Weniger Ehen, weniger Kinder: Berliner sind Fortpflanzungsmuffel, Berliner Morgenpost, abgerufen am 5. Januar 2026.
Jahr Einwohner 2001 285.585 2002 285.074 2003 285.007 2004 285.501 2005 285.580 2006 285.817 2007 289.970 2008 288.060 2009 289.718 2010 291.700 Jahr Einwohner 2011 293.692 2012 295.746 2013 298.200 2014 299.268 2015 299.765 2016 304.086 2017 307.076 2018 308.077 2019 310.071 2020 308.840 Jahr Einwohner 2021 307.135 2022 296.190 2023 295.766 2024 295.786 2025 295.082
ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Die unten stehenden Einwohnerzahlen (Stand: jeweils am 31. Dezember) basieren, abweichend von der Bevölkerungsfortschreibung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, auf Daten des Einwohnermelderegisters des Berliner Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten.Statistischer Bericht A I 5-hj 2/24. Einwohnerregisterstatistik Berlin 31. Dezember 2024. Bestand-Grunddaten. (PDF; 0,7 MB) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2025.
Bevölkerungsstruktur Die folgende Tabelle zeigt Angaben zur Struktur der Bevölkerung von Steglitz-Zehlendorf am 31. Dezember 2024.
Geschlecht Anzahl Anteil männlich 146.477 47,2 % weiblich 163.567 52,8 % Insgesamt 310.044 100 % Altersgruppen unter 20 54.153 17,5 % 20 bis unter 40 73.024 23,5 % 40 bis unter 65 103.202 33,3 % ab 65 79.665 25,7 % Insgesamt 310.044 100 % Herkunft Anzahl Anteil Deutsche ohne Migrationshintergrund 207.326 66,9 % Deutsche mit Migrationshintergrund 47.380 15,3 % Ausländer 55.338 17,8 % Insgesamt 310.044 100 % Wohnlagen einfache Wohnlagen bzw. ohne Angabe 6.705 2,2 % mittlere Wohnlagen 159.079 51,3 % gute Wohnlagen 144.260 46,5 % Insgesamt 310.044 100 % Religion Anzahl Anteil evangelisch 62.491 20,2 % römisch-katholisch 30.658 9,9 % sonstige bzw. keine 216.895 69,9 % Insgesamt 310.044 100 %
Das Durchschnittsalter im Bezirk lag am 31. Dezember 2024 bei 46,5 Jahren (Berliner Durchschnitt: 42,8 Jahre) und ist damit das höchste aller Berliner Bezirke.
Historische Entwicklung Nach der Gründung Groß-Berlins im Jahr 1920 entstanden die Bezirke Steglitz und Zehlendorf. Sie bestanden bis zu ihrer Fusion im Jahr 2001. Die Einwohnerzahlen wurden in den statistischen Jahrbüchern von Berlin veröffentlicht. mini|Familienausflug im Bezirk + Jahr EinwohnerStatistische Jahrbücher von Berlin Zehlendorf Steglitz Gesamt 1925 44.420 160.580 205.000 1933 65.948 194.795 260.743 1939 81.141 213.920 295.061 1946 76.432 139.696 216.128 1950 90.907 154.019 244.926 1961 95.530 185.743 281.273 1970 92.850 188.098 280.948 1987 94.782 180.606 275.388 2000 97.040 191.215 288.255
Wirtschaft mini|Restaurant Fischerhütte Größte Arbeitgeber und Handwerksbetriebe Zu den größten Arbeitgebern im Bezirk zählen die medizinischen Einrichtungen Lungenklinik Heckeshorn im Helios-Verbund und das Krankenhaus Waldfriede sowie die wissenschaftlichen Institutionen. Eine der größten privatwirtschaftlich organisierten Firmen ist die Robert Lindner GmbH. Weitere große Arbeitgeber im Bezirk sind das Diakoniewerk Bethel und 3B Dienstleistung Deutschland.Berlins Top 100 – Die größten Berliner Arbeitgeber, BLC, abgerufen am 17. Januar 2020.
Im Jahr 2015 waren von den 30.015 in Berlin vertretenen Handwerksbetrieben insgesamt 2.276 im Bezirk Steglitz-Zehlendorf gemeldet. Hrsg. von der IHK Berlin, abgerufen am 1. Juli 2017.
Geschäfts- und Gewerbezentren mini|Schloßstraße
Das wichtigste Geschäfts- und Einkaufszentrum für den südwestlichen Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist die Steglitzer Schloßstraße. Mit über 200.000 m² Verkaufsfläche ist sie einer der größten Einzelhandelsstandorte Berlins. Neben den großen Einkaufszentren Forum Steglitz, Das Schloss und Boulevard Berlin gibt es dort zahlreiche, zum Teil mehrgeschossige Ladengeschäfte. In den Seitenstraßen befinden sich eine Vielzahl von gastronomischen Einrichtungen.
Weitere Geschäftszentren finden sich um die S- und U-Bahnhöfe Botanischer Garten, Dahlem-Dorf, Lichterfelde West, Oskar-Helene-Heim, Zehlendorf, Schlachtensee und Lichterfelde Ost.
Das größte Gewerbegebiet des Bezirks umfasst rund 77 Hektar und befindet sich rund um Goerzallee, Beeskowdamm und Am Stichkanal. Über 280 Unternehmen haben dort ihren Sitz und beschäftigen etwa 3500 Menschen.Boris Buchholz: Die Goerzallee gegen den Wohnungsbau zu verteidigen, ist Chefinnen-Sache. In: Der Tagesspiegel, 12. Mai 2017, abgerufen am 23. Juni 2017.
Technik- und Gründungszentrum Gegenwärtig in Bau befindet sich das Gründerzentrum FUBIC (Stand: 2025).Berliner Unis wollen sich bei Start-Ups zusammentun. In: Der Tagesspiegel, abgerufen am 15. Januar 2020. Auf dem Gelände im Ortsteil Lichterfelde entstehen in der Nähe des FU-Campus Räume für innovative Gründungsvorhaben von Absolventen und Wissenschaftlern der Freien Universität.
Infrastruktur
Individualverkehr