Stadthagen ist die Kreisstadt des Landkreises Schaumburg in Niedersachsen und liegt zwischen Minden und Hannover. In ihrer Geschichte war sie Residenz- und kurze Zeit Universitätsstadt. Die Mittelstadt mit mehr als 23.000 Einwohnern ist das Zentrum eines dicht besiedelten ländlichen Verdichtungsraums von ca. 70.000 Einwohnern.
Geographie Die Stadt liegt etwa 20 km östlich von Minden und 37 km westlich von Hannover im Zentrum des Landkreises Schaumburg. Im Süden erhebt sich der Bückeberg, ein Ausläufer des Weserberglandes, im Nordwesten liegt der Schaumburger Wald.
Nachbarkommunen sind im Uhrzeigersinn die Gemeinden Lauenhagen, Lüdersfeld, Heuerßen, Beckedorf, Apelern und Auetal, die Stadt Obernkirchen sowie die Gemeinden Nienstädt, Helpsen, Hespe, Meerbeck, Nordsehl und Niedernwöhren.
Stadthagen gliedert sich in die Ortsteile: Stadthagen mit Brandenburg und dem Bruchhof Enzen Hobbensen Habichhorst-Blyinghausen Hörkamp-Langenbruch mit Teilen des Brandshof (Forsthaus Halt) Krebshagen Obernwöhren mit Habrihausen Probsthagen mit dem Schäferhof Reinsen mit Remeringhausen Wendthagen-Ehlen mit der Wendthöhe
Geschichte mini|ohne|hochkant=1.6|Stadthagen 1784, Planzeichnung von Johann Christian Houpe (geostet)A Schloss; B Lusthaus im Schlossgarten; C Amtspforte; D Vorwerk; E Landsbergscher Hof; F Lateinschule; G Mausoleum; H St.-Martini-Kirche; I Rathaus; K ehemaliges Franziskanerkloster mini|Schloss Stadthagen mini|Marstall
Mittelalter Da, wo sich heute Stadthagen befindet, war im 11. Jahrhundert noch Wald, der Dülwald. Das damals schon von Minden aus gerodete und beackerte Altsiedelgelände des Bukkigaus war westlich vom heutigen Stadthagen durch die Meerbecker Schwelle, gleichzeitig eine Wasserscheide, entlang einer Linie Wiedensahl-Sülbeck begrenzt. Ab dem 12. Jahrhundert betrieb ein in Sülbeck ansässiger Adliger mit Namen Mirabilis Rodungen in Richtung Osten, die ab Anfang des 13. Jahrhunderts, nach der Ankunft der Schaumburger Grafen in Obernkirchen, fortgesetzt wurde.
Graf Adolf III. von Holstein-Schaumburg gründete um 1225 eine Siedlung, die 1230 mit dem Namen Updago comitis, „Hagen des Grafen“, 1272 mit dem Namen indago comitis Adolphi attestiert ist, womit die zentrale Bedeutung gegenüber den umliegenden Hagendörfern (Hagenburg, Au-, Lauen-, Poll-, Probst-, Sachsenhagen) hervorgehoben werden soll. Auf seine kommende Bedeutung weist der Name civitas et castrum (Stadt und Burg) hin, der 1244 urkundlich belegt ist. 1287 änderte die Stadt ihren Namen in Grevenalveshagen (Graf Adolfs Hagen). 1378 setzte sich der Name Stadthagen endgültig durch, als Zeichen für das dem Ort 1344 verliehene Stadtrecht. Um 1400 wurden die steinernen Befestigungsanlagen, von denen noch der Turm am Viehmarkt, ein kleinerer Turm am Schloss und etwas Stadtmauer übrig sind, errichtet. Im Jahre 1501 begann in Stadthagen der Steinkohleabbau, der bis 1961 betrieben wurde. 1559 führte der in Stadthagen residierende Graf Otto IV. zusammen mit seiner zweiten Frau Elisabeth Ursula von Braunschweig-Lüneburg, einer Tochter Ernsts des Bekenners, das lutherische Bekenntnis ein und berief Jakob Dammann nach Stadthagen. Sein Vorgänger Graf Adolf XI. ließ 1534 bis 1538 durch den Tübinger Schlossbaumeister Jörg Unkair an der Stelle einer älteren Wasserburg das heutige Schloss errichten. Eine Gerichtslinde ist seit dem 14. oder 15. Jahrhundert nachweisbar. Dort tagte auf einem inzwischen verschwundenen Anger das gräfliche Landgericht, bis es im 16. Jahrhundert in eine Gerichtsstube verlegt wurde. Die Amtspforte wurde 1553 am damaligen Oberntor gebaut, von dort aus wurde das gesamte Gebiet der Hagendörfer verwaltet.
Frühe Neuzeit 1607 verlegte Graf Ernst zu Schaumburg die Residenz von Stadthagen nach Bückeburg. Bereits im 14. Jahrhundert besaß Stadthagen eine Lateinschule, aber 1610 erhielt Stadthagen ein Gymnasium illustre, welches 1619 von Fürst Ernst zur Universität erhoben, jedoch schon 1621 nach Rinteln verlegt wurde. Das heutige Ratsgymnasium steht in der Tradition des damaligen Gymnasium illustre und ist damit eine der ältesten Schulen im deutschen Sprachraum. Trotzdem wurde in Stadthagen ab 1620 noch das prächtige Mausoleum errichtet, an dessen Planung und Gestaltung der Bildhauer und kursächsische Hofbaumeister Giovanni Maria Nosseni (* Lugano 1544 - † Dresden 1620, seit 1607 mit der Planung beauftragt, aber bei Baubeginn verstorben), sowie der niederländische Bildhauer und Bronzegießer Adrian de Vries (* um 1545 oder 1556 in Den Haag - † vor 15. Dezember 1626 in Prag) beteiligt waren. Baumeister war Anton Boten.
19. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Die Obern- und Niedernstraße erhielten 1825 die erste Kanalisation. 1847 begann der Bau der Bahnlinie Minden Hannover, zur gleichen Zeit entstand das heutige Bahnhofsgebäude. Im Jahre 1864 wurde die erste Straßenbeleuchtung, es waren Richtlaternen, installiert, der 1899 eine Gasbeleuchtung und 1955 eine elektrische folgte. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde damit begonnen, die Wallanlagen in eine baumbestandene Parkanlage zu verwandeln. 1855 bis 1923 bestand die Glasfabrik Wendthöhe. Im Jahre 1917 kam die Firma P. A. Rentrop (heute Faurecia) nach Stadthagen. Der Freistaat Schaumburg-Lippe wurde nach dem Ende der Monarchie 1918 begründet.
Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg In vielen deutschen Städten wurden am 9. November 1938 die Synagogen der jüdischen Gemeinden von Nationalsozialisten in Brand gesteckt, in Stadthagen geschah dies in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1938. Der damalige Bürgermeister Fritz Hamelberg behauptete nach dem Zweiten Weltkrieg, er habe einen Angriff auf die Stadthagener Synagoge am 9. November 1938 nicht gewünscht. Daher sei die Synagoge erst zwei Tage später, als er verreist gewesen sei, angezündet worden. Ob für diese Tatsache tatsächlich eine Weigerung Hamelbergs oder aber andere Gründe ausschlaggebend gewesen sind, ist ungeklärt.Marc-Oliver Rehrmann: Wo die Synagogen-Brandstifter später kamen. In: ndr.de, abgerufen am 12. Juni 2017. Der Reichspogromnacht ging die Verdrängung der jüdischen Mitbürger aus dem öffentlichen und gesellschaftlichen Leben voraus. So wurde das jüdische Kaufhaus Elias Lion nach zahlreichen Boykottaktionen 1938 arisiert und vom Kaufmann Thomas übernommen.
Während des Zweiten Weltkrieges blieb die Stadt von gezielten Bombenangriffen verschont. Lediglich dreimal wurde die Stadt in jener Zeit von Fliegerbomben getroffen. Das Schloss, die Eisenbahnlinie Hannover – Minden, sowie der Bereich der heutigen Windmühlenstraße waren die Orte, an denen die Bomben fielen. Wie überall im Reichsgebiet gab es auch in Stadthagen und Umgebung Zwangsarbeiter, die aus den von Deutschland besetzten Ländern deportiert worden waren. Im November 1942 waren 102 Frauen und 142 Männer aus Polen und der Sowjetunion in neun Lagern untergebracht. Diese befanden sich teils auf dem Gelände von sieben Firmen (Fabriken, Bahnmeisterei), auf Grundstücken, die sich mehrere Firmen teilten, sowie auf zwei anderen Grundstücken an der Schul- und der Niedernstraße.Hermann Banser: Meerbeck 1945–1948: die Zwangsräumung eines Dorfes, Berichte und Dokumente. Herausgegeben von der Gemeinde Meerbeck, 1985 [Verfügbar: Stadtbücherei Stadthagen, Dek 1 BAN], S. 33: Listenförmige Aufstellung in einem Schreiben des Bürgermeisters von Stadthagen an den Landrat in Stadthagen vom 17. November 1942. Ende September 1944, gab es im Arbeitsamtsbezirk Stadthagen 5.237 Zwangsarbeiter, etwa zu gleichen Teilen Frauen und Männer, davon 2.551 sogenannte Ostarbeiter.SPOERER, Mark, "NS-Zwangsarbeiter im Deutschen Reich. Eine Statistik vom 30. September 1944 nach Arbeitsamtsbezirken". In : Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jg. 49 (2001), Heft 4, S. 665–684. – Mit Ostarbeiter sind Osteuropäer aus den von Deutschland eroberten Gebieten gemeint, die nicht ins Großdeutsche Reich eingegliedert worden sind. (S. 670) – Die ermittelten Zahlen der Statistik stellen Untergrenzen dar und müssten wahrscheinlich nach genaueren lokalen Untersuchungen deutlich nach oben korrigiert werden (S. 671). – In den benachbarten Arbeitsamtsbezirken Nienburg und Minden befanden sich Ende September 1944 zusammen 18.252 Zwangsarbeiter, davon 9.666 Ostarbeiter. Am 9. April 1945 wurde Stadthagen ohne Gegenwehr durch amerikanische Truppen eingenommen, wodurch der Stadt Kriegsschäden erspart blieben.
Nachkriegszeit und Gegenwart Im Jahre 1948 wurde Stadthagen Kreisstadt des neu gegründeten Landkreises Schaumburg-Lippe und 1977 des neuen Landkreises Schaumburg. Durch die Gemeindereform mit der Eingliederung der Umlandgemeinden 1974 erhöhte sich die Einwohnerzahl Stadthagens auf ca. 23.000. 1982 erfolgte der Neubau der Stadtverwaltung am Standort der alten städtischen Brauerei. In den Jahren 1980 bis 1990 wurden Teile der innerstädtischen Straßen und der Marktplatz zur Fußgängerzone umgebaut.
Bergbau in Stadthagen mini|Zechenhaus des Georgschachts 1501 begann in Stadthagen der Steinkohleabbau. Mit dem Bau und der Abteufung des Georgschachts bei Stadthagen, der 1902 von Fürst Georg zu Schaumburg-Lippe eingeweiht wurde, begann die Blütezeit des dortigen Bergbaus. Die mit damals modernster Technik betriebene Anlage umfasste den Förderturm, das Maschinenhaus mit Dampffördermaschine, die Kohlewäsche, das Elektrizitätswerk, das Zechenhaus mit Büros und Waschkaue, ferner den Wasserturm und verschiedene Werkstätten. 1925 wurde mit der Teufung eines zweiten Schachtes eine Tiefe von 353 m unter Tage erreicht. Etwa 2600 Kumpel fanden auf dem Georgschacht Arbeit, außerdem 64 Beamte und Angestellte.
Hoffnungen auf eine Ausdehnung des Abbaureviers auf Beckedorf, Auhagen, Düdinghausen und Blyinghausen in den 1950er Jahren erfüllten sich nicht, und so beschloss 1960 die Preussag die Stilllegung der Schachtanlagen, weil der Abbau nicht mehr wirtschaftlich war. Seitdem ist der Georgschacht eine Industrieruine. Der Kohlebunker der ehemaligen Kokerei wurde 2007 wegen Baufälligkeit abgerissen.
Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurden mit der Gebietsreform in Niedersachsen die Gemeinden Enzen, Habichhorst-Blyinghausen, Hobbensen, Hörkamp-Langenbruch, Krebshagen, Obernwöhren, Probsthagen, Reinsen und Wendthagen-Ehlen sowie Gebietsteile der Gemeinden Nordsehl (Brandenburg) und Nienstädt (Bruchhof) eingegliedert. Ortsteil Einwohner (Stand 31. Mai 2025) Stadthagen (Kernstadt) 18.272 Brandenburg 588 Bruchhof 108 Enzen 977 Habichhorst 155 Hobbensen 96 Hörkamp-Langenbruch 466 Krebshagen 397 Obernwöhren 512 Probsthagen 368 Reinsen I 120 Reinsen II 408 Wendthagen 1.271 insgesamt 23.738
Einwohnerzahlentwicklung Der Demographiebericht der Bertelsmann Stiftung zählt die Kreisstadt zum „Demographietyp 8“ (stark alternde Kommunen). Ebenso wird Stadthagen ein Bevölkerungsrückgang von 8,1 % zwischen den Jahren 2012 und 2030 prognostiziert. Bis dato konnte sich die Entwicklung nicht bestätigen, da die Bevölkerung seit einigen Jahren wieder kontinuierlich ansteigt. Dieses Wachstum konnte allerdings nur durch vermehrte Zuzüge, insbesondere von Ausländern erzielt werden, da die Sterbefälle je 1000 Einwohner mit 14,5 weit über de Geburtenrate von 8,1 Kindern je 1000 Einwohner liegt.
Das Durchschnittsalter der Stadthäger Bevölkerung lag im Jahr 2016 bei 49,5 Jahren und damit deutlich über dem bundesweiten Mittel von 43,9 Jahren. Der Jugendquotient (unter 20-Jährige je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter) betrug 31,4 %, der Altenquotient (über 65-Jährige je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter) hingegen 63 %.Demographiebericht Stadthagen (im Landkreis Schaumburg) in: wegweiser-kommune.de. 2016, abgerufen am 8. September 2018.