Scheeßel ist eine Gemeinde im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen.

Geografie Geografische Lage Scheeßel liegt in der zur Stader Geest gehörenden Wümmeniederung unweit der Nordheide in einer Höhe von etwa . Durch den Ort fließen die Wümme und die Beeke. Die Umgebung wird geprägt durch Wälder, Wiesen und Moore (Geestlandschaft).

Der im Ortsteil Westerholz gelegene Bullerberg stellt mit seinen 53 Metern eine der höchsten Erhebungen im Kreisgebiet dar.

Die Kreisstadt Rotenburg (Wümme) ist etwa neun Kilometer entfernt im Südwesten. Die nächsten Großstädte sind das rund 55 Kilometer westlich liegende Bremen sowie das rund 65 Kilometer im Nordosten entfernte Hamburg.

Gemeindegliederung Scheeßel ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus den folgenden Ortsteilen:Gemeinde Scheeßel – Einwohnerzahlen, abgerufen am 31. Mai 2026 Abbendorf – 316 Einwohner Bartelsdorf (mit Veerse) – 412 Einwohner Hetzwege – 374 Einwohner Jeersdorf – 1176 Einwohner Ostervesede (mit Deepen und Einloh) – 657 Einwohner Kernort Scheeßel (mit Büschelskamp, Varel und Veersebrück) – 7170 Einwohner Sothel – 184 Einwohner Westeresch (mit Wenkeloh) – 458 Einwohner Westerholz (mit Bult) – 572 Einwohner Westervesede – 695 Einwohner Wittkopsbostel (mit Oldenhöfen) – 456 Einwohner Wohlsdorf – 395 Einwohner Hinweis: Die Einwohnerzahlen geben die Bevölkerungszahl mit Hauptwohnsitz an (Stand: 31. März 2025).

Die Ortsteile außerhalb des Kernorts bilden zehn Ortschaften im Sinne des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes. Die Ortsteile Abbendorf und Hetzwege sind zu einer gemeinsamen Ortschaft zusammengefasst.§ 4 Hauptsatzung der Gemeinde Scheeßel

Nachbarstädte

Geschichte Steinzeitliche Gräber in der Gemeinde zeugen von einer Besiedlung in der Ur- und Frühgeschichte. Urkundlich wurde ein Ort Schesla zusammen mit Bardowick, Magdeburg und Erfurt 805 im Diedenhofener Kapitular von Karl dem Großen erwähnt. Unklar ist, ob es sich dabei um das heutige Scheeßel handelt. Dieses Schesla könnte beim Burgwall von Meetschow im Raum Hitzacker/Dannenberg gelegen haben und aus dem 8. Jahrhundert stammen. Scheeßeler Heimatkundler verwiesen auf eine Verdener Bischofsurkunde von 1205, in der von Scheeßel als scesle die Rede ist. Heute besteht kein Zweifel mehr daran, dass es sich bei dem Ort Schesla nicht um das heutige Scheeßel gehandelt hat.

Scheeßel wurde 1205 als Archidiakonat und im 13. Jahrhundert als Gografschaft des Bistums Verden genannt. Nach 1567, unter Bischof Eberhard von Holle, setzte sich die Reformation in der Region durch; Scheeßel ist bis heute fast rein protestantisch. 1626 brannten Kirche, Pfarrhaus, Mühle und einige Häuser ab.

Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 gingen die Herzogtümer Bremen und Verden und damit Scheeßel an Schweden, bis sie nach dem Nordischen Krieg, nach einer kurzen dänischen Herrschaft, 1719 an das Kurfürstentum Hannover fielen.

Stärker als der Dreißigjährige Krieg zog der Siebenjährige Krieg die Region in Mitleidenschaft. Marodierende französische Truppen waren dafür verantwortlich. Der Rotenburger Amtmann von Haerlem fasst die Folgen 1757 für die Bevölkerung so zusammen: „Es sind die hiesigen Amtsuntertanen auf viele Jahre totaliter ruinieret.“ 1755 wurde eine romanische Kirche abgebrochen und die barocke St.-Lucas-Kirche entstand bis 1758.

In der Franzosenzeit gehörte Scheeßel als Teil Frankreichs von 1810 bis 1813 zum Kanton Tostedt im Departement Elbemündung (Bouches de l’Elbe). Eine Straße (heute B 75) wurde in dieser Zeit angelegt.Aufzeichnungen Pastor Ungewitters.

Nach dem Wiener Kongress von 1814/15 gehörte Scheeßel zum Königreich Hannover. Umfangreiche soziale und wirtschaftliche Veränderungen vollzogen sich in den nächsten Jahrzehnten wie u. a. Gewerbefreiheit, Gemeinheitsteilungen, Verkoppelungen und die endgültige Ablösung grundherrlicher Pflichten. Die Amtsvogtei Scheeßel hatte von 1841 bis zur Auflösung 1866 ihren Sitz in der Mühlenstraße 13–17.

1866 wurde das Königreich Hannover zur preußischen Provinz Hannover. 1874 wurde der Ort an die Bahnstrecke Hamburg-Bremen angeschlossen und der Bahnhof Scheeßel entstand. 1876 gründeten Scheeßeler Bürger eine bis heute bestehende Sparkasse. Am Ende des Jahrhunderts schlossen sich die Bauern zu einer Molkereigenossenschaft zusammen. Trachtenfeste (1904) und Heimatverein (1905) entstanden zur Traditionspflege.

NS-Zeit In der Weimarer Republik wurde in den Juliwahlen 1932 die NSDAP im Kirchspiel Scheeßel die mit Abstand stärkste Partei. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten vollzog sich problemlos und das politische Leben in Scheeßel wurde gleichgeschaltet. Wenige Schritte von der Scheeßeler Grundschule entfernt verweist seit 2019 ein „Stolperstein“ vor dem reetgedeckten Fachwerkhaus Schulstraße 5, einem Kindergarten, auf das Verfolgungsschicksal der „Anna Katharina Meyer, Jg. 1901, eingewiesen 22.8.1934 Heilanstalt Lüneburg, 12.5.1941 Hadamar, ermordet 12.5.1941 ,Aktion T4’“ (siehe Liste der Stolpersteine in Scheeßel). Dies war der erste Stolperstein, der im Landkreis außerhalb Rotenburgs verlegt wurde. In Rotenburg selbst hatte Gunter Demnig bereits zuvor für die Familie Cohn und für drei Bewohner der Rotenburger Anstalten sowie zwei zwangssterilisierte Frauen vor dem Rotenburger Krankenhaus für geistig Behinderte Stolpersteine verlegt.Wieland Bonath: "Scheeßeler Archiv bekommt Dokumente über die Nazi-Zeit im Landkreis". Kreiszeitung Scheessel, 1. September 2023; aufgerufen: 19. April 2024. (siehe Liste der Stolpersteine in Rotenburg (Wümme))

Im Zweiten Weltkrieg wurde Scheeßel weitestgehend verschont; nur in Wohlsdorf gab es im April 1945 heftige Kämpfe. Danach verdoppelte sich durch Flüchtlinge die Bevölkerungszahl.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurden die selbständigen Gemeinden Abbendorf, Bartelsdorf, Hetzwege, Jeersdorf, Ostervesede, Sothel, Westeresch, Westerholz, Westervesede, Wittkopsbostel und Wohlsdorf in die Gemeinde Scheeßel eingegliedert.

Politik

Rat Der Rat der Gemeinde Scheeßel besteht aus 30 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 12.001 und 15.000 Einwohnern., abgerufen am 26. November 2014. Die 30 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Stimmberechtigt im Rat ist außerdem die hauptamtliche Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU).

Die letzten Ratswahlen führten zu folgenden Sitzverteilungen: Partei / Liste 2021 2016kdo – Gemeindewahl Scheesel 2016, abgerufen am 14. August 2018. 2011 CDU 14 14 12 SPD 8 9 10 Grüne 3 2 5 FDP 2 1 1 WFB* 1 1 1 FW1 - - UGS* 1 2 - ALFA - 1 - Gesamt303029 * WFB: Wählergemeinschaft Freier Bürger; UGS: Unabhängige Grüne Scheeßel

Bürgermeister Seit 2021 ist Ulrike Jungemann (CDU) hauptamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Scheeßel. Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 12. September 2021 wurde sie ohne Gegenkandidat mit 77,78 % der Stimmen gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,32 %. Jungemann trat ihre Amtszeit am 1. November 2021 an.

Wappen mini|Wappen der Gemeinde Scheeßel in Tukums Das Wappen der Gemeinde zeigt sechs grüne Eichenblätter (3 und 3) auf goldenem Grund mit grüner Umrandung.Hauptsatzung der Gemeinde Scheeßel, abgerufen am 26. November 2014. Die Eichenblätter sollen symbolisch die sechs ersten Höfe darstellen, aus denen der Ort hervorgegangen ist.

Gemeindepartnerschaften Tukums (Lettland) Teterow (Deutschland)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen mini|Hofanlage Am Meyerhof 1 mini|Heimatmuseum Scheeßel Das Heimatmuseum Scheeßel zeigt auf zwei in sich geschlossenen Hofanlagen mit insgesamt 13 historischen Fachwerkbauten die Wohn- und Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts. Bereits 1913 wurde das sogenannte Heimathaus an seinem ursprünglichen Standort abgetragen und als Museumsgebäude wieder aufgebaut. Seit den 1970er Jahren wurde die Anlage kontinuierlich erweitert. Auf dem Heimathausgelände wird heute das Wohnen und Wirtschaften der Menschen auf einer Hofanlage mit niederdeutschem Hallenhaus dargestellt. Auf dem Gelände des historischen Meyerhofs werden textile Handwerke (Spinnen, Weben, Blaudruck, Occhi) lebendig gehalten.

Trachtengruppen Scheeßel ist bekannt für seine regionalen Trachtengruppen. Die wohl bekanntesten sind die Tanz- und Trachtengruppe De Beekscheepers Scheeßel e. V. und die Original Scheeßeler Trachtengruppe. Beide Gruppen haben sich der Aufgabe verschrieben, norddeutsches Kulturgut national und international bekannt zu machen und zu pflegen. Jedes Jahr findet daher in Scheeßel ein großes Trachtenfest statt, das weit über die Grenzen Scheeßels hinaus bekannt ist. Dieses wird im Wechsel von den Beekscheepers und der Original Scheeßeler Trachtengruppe ausgerichtet und wartet jedes Mal mit vielen Trachtengruppen aus dem In- und Ausland auf. Vom 19. bis 21. Juli 2013 fand das von den Beekscheepers veranstaltete Internationale Beeke-Festival, früher als Beeke-Trachtenfest bekannt, zum 20. Mal statt.

Musik mini|Bühne des Hurricane Festivals, 2005 1973 und 1977 fanden auf dem Eichenring in Scheeßel große Open-Air-Festivals statt mit Musikern und Gruppen wie Chicago, Chuck Berry und Golden Earring. Seit Ende der 1990er Jahre ist Scheeßel Heimat eines großen Open-Air-Festivals: 1997 wurde auf dem Eichenring erstmals das Hurricane Festival ausgerichtet. Diese Musikveranstaltung findet jährlich im Juni statt (2008: rund 75.000 Besucher).

Seit 2014, jährlich im Mai, gibt es das Heimat-Festival als Musikfestival.

Bauwerke St.-Lucas-Kirche von 1757 im Bauernbarock-Stil mit der etwa 600 Jahre alten Gerichtslinde Wassermühle Scheeßel von um 1830 mit Mühlenteich Windmühle Westervesede von 1874 als Rumpf ohne Mühlenkopf Amtsvogtei Scheeßel im Vogteipark; das Wohn- und Wirtschaftsgebäude Mühlenstraße 13 bis 17 von 1816, Amtsvogtei von 1841 bis 1882, heute Sitz der EWE AG Wassermühle Scheeßel von 1829 in Backstein und Fachwerk mit dem Wohn- und Kontorhaus Mühlenstraße 43 von um 1700 in Fachwerk und dem Malzhaus Mühlenstraße 43 in Backstein als Wohn- und Betriebshaus von 1873 Heimatmuseum Scheeßel mit dem Heimathaus, das ehemalige Wohn- und Wirtschaftsgebäude Zevener Straße 18 von 1830 in Fachwerk, versetzt 1912/13 der Hofanlage Am Meyerhof 1 vom 19. Jahrhundert in Fachwerk Wohn- und Wirtschaftsgebäude Mühlenstraße 26 von 1708 bzw. 1841 in Fachwerk, reetgedecktem Krüppelwalmdach und mit Niedersachsengiebel Wohn- und Wirtschaftsgebäude Schulstraße 5 von 1846 in Fachwerk, heute Kindergarten Wohn- und Wirtschaftsgebäude Varel 1 von 1842 in Fachwerk Empfangsgebäude Bahnhof Scheeßel von 1874 in Backstein, mit drei Geschossen, nach Plänen von Adolph Funk Wohnhaus Am Meyerhof 8 und Wohnhaus Mühlenstraße 18 von um 1870 Wohn- und Geschäftshaus Mühlenstraße 2 (Nötel-Haus) von 1928 im Stil des Backsteinexpressionismus Bartelsdorf: Speicher Am Mühlenweg 1 vom 19. Jh. in Fachwerk

Naturdenkmale mini|Gerichtslinde auf dem Kirchplatz Scheeßeler Gerichtslinde Auf dem freien Platz vor der Kirche steht die altehrwürdige Scheeßeler Gerichtslinde. Die schräg gewachsene Winterlinde hat einen gespaltenen, hohlen Stamm, in den zur Stabilisierung Stützbolzen eingebracht wurden. Der 21 Meter hohe Baum hat ein geschätztes Alter von 500–600 Jahren. Der Platz unter der Linde ist ein historischer Gerichtsplatz, an dem ab 1288 das Gogericht abgehalten wurde.„Gerichtslinde in Scheeßel“ im Baumregister bei www.baumkunde.de Mühleneiche in Scheeßel Die mehr als 500 Jahre alte Stieleiche steht am Ortsausgang an der Straße Richtung Westerholz, gegenüber der historischen Scheeßeler Mühle. Der Baum hat einen kurzen, gedrungenen Stamm, der sich nach wenigen Metern in drei hochaufragende Hauptäste teilt. Die weitausladenden, beinahe waagrechten Queräste ragen in den Straßenbereich hinein.„Mühleneiche in Scheeßel“ im Baumregister bei www.baumkunde.de

Siehe: Liste der Naturdenkmale in Scheeßel

Regelmäßige Veranstaltungen Hurricane Festival (jährlich seit 1997) Heimat-Festival (jährlich seit 2014)