Das Steinhuder Meer in Niedersachsen ist mit einer Fläche von 29,1 km² der größte See Nordwestdeutschlands, der neuntgrößte See Deutschlands und liegt in der Region Hannover. Das maximal 2,9 m und durchschnittlich 1,35 m tiefe Gewässer bildete sich in einem Becken gegen Ende der letzten Eiszeit vor etwa 14.000 Jahren. Heute stellt der etwa 30 km nordwestlich von Hannover gelegene See als Zentrum des Naturparks Steinhuder Meer wegen seiner geschützten Naturbereiche und vielfältigen Erholungsmöglichkeiten ein überregionales Ausflugsziel dar. Er liegt im Flusssystem der Weser. Die Bezeichnung „Meer“ ist im Sinne der niederdeutschen Sprache als Binnensee zu verstehen.

Lage und Größe Der See liegt auf dem Gebiet der Stadt Wunstorf, grenzt aber mit seinem West- und Nordufer auch an Neustadt am Rübenberge im Westen der Region Hannover. Weitere Städte in der Nähe sind Hannover, Rehburg-Loccum und Stadthagen. In direkter Ufernähe liegen die Orte Mardorf, Großenheidorn, Steinhude, Hagenburg und Winzlar. Der See liegt in der Großlandschaft Hannoversche Moorgeest, östlich grenzt das Tote Moor an. Vom Schloss Hagenburg führt ein 1,2 km langer Stichkanal zum See, der im 18. Jahrhundert für den Bau der Insel Wilhelmstein ausgehoben wurde.

Die Fläche des Sees umfasst etwa 29,1 km² je nach Wasserstand, er ist 8 km lang und 4,5 km breit.

Hydrologie Das oberirdische Einzugsgebiet des Sees misst einschließlich der Seefläche selber 82,56 km². Allerdings geht an der Wasseroberfläche etwa ebenso viel durch Verdunstung verloren wie an Niederschlag auf den See fällt. Nach Schätzung des Kompetenzzentrums Seen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) kommen mindestens 60 % des Wassereintrags aus dem Grundwasser, vor allem aus Süden und Osten. Die Größe des unterirdischen Einzugsgebiets ist weitgehend unbekannt. Einige unter Wasser gelegene Quellorte sind bekannt, eine systematische Erfassung steht noch aus. Größter oberirdischer Zufluss ist der Winzlarer Grenzgraben aus den Rehburger Bergen. Zweiter Zufluss auf der Südseite ist der Windhorngraben. Der einzige Abfluss aus dem Flachsee zur Weser ist der Steinhuder Meerbach. Hier kann über ein Wehr der Wasserstand reguliert werden. Laut gültigem Betriebsplan des Steinhuder Meeres sollte der Wasserstand – ausreichend Wasser vorausgesetzt – höchstens zwischen 37,80 Meter ü. NN und 38,05 Meter ü. NN schwanken.Jan Peter Wiborg: In: Schaumburger Nachrichten, 3. Januar 2019, abgerufen am 14. März 2021. Seit 2018 wird zeitweise nicht einmal mehr das Minimum erreicht.Wasserstand Steinhuder Meer – Pegel Wilhelmstein, mardorf-erleben.de, abgerufen am 14. März 2021.

Die Wassertiefe beträgt durchschnittlich 1,35 m, an der tiefsten Stelle 2,9 m. Der Seeboden weist ein kleines Gebiet mit bis 2,5 m tiefen Rinnen auf. Sie werden Deipen (Tiefen) genannt und verlaufen nördlich der Seemitte in Ost-West-Richtung. Auf dem Seegrund und besonders zu den verlandenden Rändern hin finden sich in unterschiedlicher Stärke Mudden, die durch Zersatz abgestorbener Pflanzen (Algen) und Tiere (Flöhe, Krebse) entstehen. Die Muddeablagerungen sorgen auch für das trübe Seewasser, da sie von Wellen leicht aufgewirbelt werden.

Klima Am Steinhuder Meer herrscht Seeklima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,2 °C und einer Jahresniederschlagsmenge von 779 mm.

Entstehung Das Steinhuder Meer liegt in einer langgestreckten Mulde, die von der historischen Leine genutzt wurde. Geologische Untersuchungen in den 1960er Jahren ergaben, dass sich in den Sedimenten unter dem Steinhuder Meer Reste eines Vorgängersees aus der Eem-Warmzeit vor etwa 100.000 Jahren finden. Dieser See und die gesamte Senke wurden zwar in der nachfolgenden Weichsel-Kaltzeit vor rund 14.000 Jahren zunächst durch abgelagerte Sande zugeschüttet, aber es bildeten sich unter den arktischen Klimabedingungen Eislinsen, die bei fortdauernder Wasser-Zulieferung immer dicker wurden und den darüber liegenden Boden anhoben. In sommerlichen Auftauphasen wurde der dann gelöste Boden abgetragen, so dass sukzessive der flache Binnensee entstand (Thermokarst). Damals war das Binnengewässer etwa dreimal so groß, was heute an den vermoorten Randgebieten erkennbar ist. Wegen der geringen Wassertiefe setzte bereits damals seine Verlandung ein. Größtes Randmoor ist das Tote Moor, das die Seefläche von der Niederterrasse der weiter östlich fließenden Leine trennt.

Ältere Theorien, wie Sandausblasungen oder Salzauslaugungen im Untergrund, kommen nicht mehr in Betracht.

Schutzgebiete Aufgrund der Bedeutung für den Arten-, Natur- und Landschaftsschutz sind sowohl das Steinhuder Meer als auch seine Umgebung durch verschiedene Schutzausweisungen geschützt. Die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer in Winzlar betreut im Auftrag des Landes Niedersachsen die Naturschutzgebiete (NSG) mit einer Größe von 2500 ha rund um das Steinhuder Meer. Zur Naturbeobachtung finden sich mehrere Beobachtungstürme.

Naturschutzgebiete Der östliche Uferbereich des Steinhuder Meers ist wie das angrenzende Moor durch das Naturschutzgebiet Totes Moor seit 27. Mai 2016 geschützt. Das Westufer ist mit den angrenzenden Wiesen und Feuchtgebieten durch das am 10. Dezember 2020 ausgewiesene Naturschutzgebiet Westufer Steinhuder Meer, das die bisherigen Schutzgebiete (Hagenburger Moor seit 5. Juli 1962 und Meerbruch seit 25. Juni 1981) aufnimmt, sowie das Naturschutzgebiet Meerbruchswiesen seit 10. Dezember 1998 geschützt.

Landschaftsschutzgebiet Das Steinhuder Meer ist seit dem 25. Juni 1981 ein Landschaftsschutzgebiet. Die entsprechende Verordnung wurde 2020 neu gefasst. Das Gebiet umfasst mit Ausnahme der Badeinsel Steinhude alle nicht in den Naturschutzgebieten liegenden Bereiche der Seefläche und zusätzlich Moorwiesen am Nord- und Südufer sowie den Steinhuder Meerbach.

Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Steinhuder Meer (mit Randbereichen) umfasst seit 2004 die Wasserfläche des Steinhuder Meers sowie das Naturschutzgebiet Westufer Steinhuder Meer und das Tote Moor am Ostufer. Es ist definiert als „ein großer Flachsee im Komplex mit ausgedehnten naturnahen Verlandungszonen und teils intensiv, teils extensiv genutztem Grünland auf Niedermoor sowie – überwiegend durch Torfabbau beeinträchtigten – Hochmoorflächen“.

Vogelschutzgebiet mini|Seeadlerhorst im FFH-Gebiet Steinhuder Meer mit Randbereichen Das Vogelschutzgebiet Steinhuder Meer ist ein EU-Vogelschutzgebiet internationaler Bedeutung, insbesondere für Wasservogelarten, und bedeutender Vogellebensraum für Brutvogelarten ausgedehnter Röhrichte und ungestörter Waldbereiche. Das Vogelschutzgebiet ist ein bedeutendes Brutgebiet für röhrichtbewohnende Vogelarten wie Wasserralle, Tüpfelsumpfhuhn und Schilfrohrsänger sowie ein wichtiges Rastgebiet für zahlreiche Wat- und Wasservögel (z. B. Haubentaucher, Kormoran, Zwerg- und Gänsesäger, Möwen, Enten und Gänse). Darüber hinaus sind die Randbereiche des Sees ein herausragendes Brutgebiet für Vogelarten strukturreicher ungestörter Waldareale wie Grauspecht, Rot- und Schwarzmilan sowie für Arten strukturreicher Halboffenlandschaften wie Braunkehlchen und Ziegenmelker.

Naturpark Das Steinhuder Meer ist Kern des Naturparks Steinhuder Meer, der seit dem 30. Oktober 1974 besteht. Der Naturpark erstreckt sich von den Rehburger Bergen über Wald- und Moorgebiete bis zur Leineaue.

Inseln mini|Insel Wilhelmstein Die natürliche Kräheninsel am Westufer wird bei Niedrigwasser zur Halbinsel. Im Osten sind mehrere Torfinseln dem Toten Moor vorgelagert; einige sind durch Kanäle abgetrennt worden.

Wesentlich bekannter sind die beiden künstlichen Inseln Wilhelmstein und die Badeinsel Steinhude.

Insel Wilhelmstein

mini|Steinhuder Hecht Der Wilhelmstein ist eine 1,25 ha große künstliche Insel im Steinhuder Meer, die zwischen 1761 und 1765 aus militärischen Gründen als Landesfestung der Grafschaft Schaumburg-Lippe geschaffen wurde. Auf ihr befindet sich die Festung Wilhelmstein, die noch heute dem Haus Schaumburg-Lippe gehört. Der Bau der Festung erfolgte von 1761 bis 1767 durch den Grafen Wilhelm I. von Schaumburg-Lippe. Er hatte das politische Ziel, den kleinen Staat nur schwer komplett eroberbar und damit Schaumburg-Lippe zu einem wertvollen Bündnispartner mächtigerer Staaten zu machen. Es sollte damit vor einem reinen Satellitenstatus bewahrt werden. In der Tat konnte 1787 bei der von Hessen-Kassel versuchten Okkupation des Landes der Wilhelmstein von schaumburg-lippischen Truppen gegen die hessischen gehalten werden. Damit wurde die notwendige Zeit für einen Rechtsstreit gewonnen, bei dem die Herrscher vom Königreich Hannover und Preußen sich erfolgreich für die weitere Selbstständigkeit Schaumburg-Lippes einsetzten, die faktisch erst 1946 endete.

Die berühmteste Erfindung von Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe war der Steinhuder Hecht, das erste in Deutschland konstruierte U-Boot. Bei Überwasserfahrten sollte es von Segeln angetrieben werden. Unter Wasser sollte der „Steinhuder Hecht“ durch Schläge des von der Besatzung gezogenen Fischschwanzes angetrieben werden. Der Steinhuder Hecht wurde 1772 im See zu Wasser gelassen.

1767 wurde auf dem Wilhelmstein eine Kriegsschule eingerichtet. 1774 wurde die Festung mit einem Turm aufgestockt, in dem der Graf ein Observatorium zur Himmelsbeobachtung einrichten ließ. Nach dem Tod von Graf Wilhelm 1777 und Verlegung der Kriegsschule 1787 nach Bückeburg war die Festungsinsel weitgehend funktionslos geworden. Daraufhin wurde sie zum Staatsgefängnis der Grafschaft Schaumburg-Lippe. Heute ist die Insel ein beliebtes Ausflugsziel, das mit Ausflugsbooten von Steinhude sowie Mardorf aus zu erreichen ist. Neben Führungen in der Festung bietet die Insel auch ein gastronomisches Angebot. mini|Steinhuder Meer, Badeinsel Steinhude mit Servicecenter

Badeinsel Steinhude

Die Badeinsel Steinhude ist 35.000 m² groß. Sie wurde 1974 mit breitem Sandstrand am Südufer des Sees durch Aufschüttung aus dem Sand des Steinhuder Meeres angelegt. Über eine Brücke ist sie von Steinhude für Fußgänger zu erreichen. Die Badeinsel verfügt über ein futuristisches Service-Center, das mit Sonnenenergie betrieben wird, über einen gepflegten Sandstrand, Liegewiesen und zwei große Spielplätze. Die flachen Uferzonen am Strand sind kinderfreundlich. Der Eintritt ist frei. Die Wasserqualität wird stetig geprüft und gilt aufgrund des Moorgehalts als gesund. Allerdings gab es in der Badesaison 2020 einen erhöhten Algenbefund.

Im Laufe der Saison finden hier verschiedenste kulturelle und sportliche Veranstaltungen statt. Neben den alljährlichen Beach-Volleyball-Turnieren haben sich die Sommerkonzerte und Kabarett-Abende einen festen Publikumskreis erschlossen. Zudem gibt es in den Sommermonaten vor Ort diverse Verleihmöglichkeiten für Wassersportgeräte wie Stand-Up-Paddelboards. Hunde sind auf der Badeinsel nicht gestattet.

Tourismus mini|Ausflugsschiff, links die Insel Wilhelmstein mini|Anleger in Steinhude