Die Lüneburger Heide () ist eine große, geografisch überwiegend flachwellige Heide-, Geest- und Waldlandschaft im Nordosten Niedersachsens in den Einzugsbereichen der Städte Hamburg, Bremen und Hannover. Sie ist nach der Stadt Lüneburg benannt und umfasst den Hauptteil des früheren Fürstentums Lüneburg.

Besonders in den zentralen Teilen der Lüneburger Heide sind weiträumige Heideflächen erhalten. Sie bedeckten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts weite Teile Norddeutschlands, sind aber inzwischen außerhalb der Lüneburger Heide fast vollständig verschwunden. Die Heidelandschaften sind seit der Jungsteinzeit durch Überweidung der ehemals weit verbreiteten Wälder auf unfruchtbaren Sandböden im Bereich der Geest entstanden. Die noch vorhandenen Reste dieser historischen Kulturlandschaft werden vor allem durch die Beweidung mit Heidschnucken offengehalten. Aufgrund ihrer Landschaftsform ist die Lüneburger Heide für den Tourismus in Norddeutschland von Bedeutung. Sie wird teilweise in Naturparks gepflegt. mini|Ein charakteristisches Gewächs der Lüneburger Heide: Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) mini| Das eigentliche charakteristische Gewächs der Lüneburger Heide: Sandheidefläche bei Schneverdingen während der Heide-Blütezeit (Mitte August bis Anfang September) mini|Landschaftstypischer Sandweg durch Heideflächen bei Niederhaverbeck mini|Karte des Naturraums Lüneburger Heide mini|Lüneburger Heide mini|Pietzmoor bei Schneverdingen mini|Blick auf den Wilseder Berg mini|Ellerndorfer Wacholderheide

Geografie Lage und Gliederung Die Lüneburger Heide liegt zwischen der Elbe im Nordosten und der Aller im Südwesten, zu deren breiten, als Urstromtäler entstandenen Niederungen die Heide markant abfällt. Im Westen geht die Lüneburger Heide in die von Niederungen durchsetzte Stader Geest über und im Osten in die Altmark mit der Lüchower Niederung (Wendland). Biogeographisch gehört die Lüneburger Heide zum östlichsten Rand der Atlantischen Region.Biogeografische Regionen und naturräumliche Haupteinheiten Deutschlands, Bundesamt für Naturschutz, 2010 (PDF; 216 kB).

Geomorphologisch wird das parallelogrammförmige Gebiet durch Höhenrücken gegliedert, die grob die Form eines N beschreiben. Der Haupthöhenzug der Hohen Heide streicht diagonal von den steilhängigen Harburger Bergen (bis ) im Nordwesten, unmittelbar südlich Hamburgs, über das Hochgebiet um den Wilseder Berg (; mit den Quellgebieten von 4 bedeutenden Heideflüssen) zu den Lüßmoränen im Südosten und ihrem halbinselartigen Ostausläufer Wierener Berge (bis ). In der Ostheide im Osten bildet der nordsüdlich streichende, kuppige Göhrde-Drawehn-Höhenzug (bis ) eine spürbare Grenze zu den Niederungen der Jeetzel in der Altmark. Nach Norden, zum Tal der Elbe, fällt die Ostheide vergleichsweise schroff ab.

Zwischen den nördlichen Teilen von Hoch- und Ostheide, an den Unterläufen von Luhe und Ilmenau, liegt die insgesamt weniger hohe, im Relief bewegtere Luheheide, in deren Osten auch Lüneburg liegt; südöstlich schließen sich das kleinere Bevenser Becken bei Bad Bevensen und das größere Uelzener Becken bei Uelzen an.

Im Südwesten zweigt die inselhafte Falkenberg-Endmoräne () von der Hohen Heide ab und stellt die mit Abstand höchste Erhebung der Südheide dar. Im Südteil grenzt die Lüneburger Heide westlich an die Lintelner Geest, den Ostteil der zum Naturraum Stader Geest gehörenden Achim-Verdener Geest. Die engen Täler im Bereich des Böhmeknies sind das kennzeichnende Merkmal der Fallingbosteler Heidmark in der westlichen Südheide.

Die landschaftsräumliche Bezeichnung Lüneburger Heide ist zwar historisch gewachsen und deckt sich weitgehend mit dem Territorium des Fürstentums Lüneburg, bezieht sich aber dennoch auch auf ein nach geographischen Raumkriterien fassbares Gebiet. Sie ist charakterisiert als Naturraum mit einer spezifischen Kombination von abiotischen Faktoren (Klima, Relief, Wasserhaushalt, Boden, geologischer Bau) und biotischen Faktoren (Flora und Fauna), zum anderen als darauf fußender und wiederum gestaltender Kultur- und Wirtschaftsraum.

Naturräumliche Gliederung Naturräumlich stellt die Lüneburger Heide eine Großregion 3. Ordnung und Haupteinheitengruppe (zweistellig) innerhalb des Norddeutschen Tieflandes (Großregion 1. Ordnung) dar. Sie spaltet sich wie folgt in Haupteinheiten (Regionen 4. Ordnung; dreistellig) und Regionen 5. Ordnung (eine Nachkommastelle; Quellen siehe je bei den Haupteinheiten) auf:

64 Lüneburger Heide (6972 km²) 640 Hohe Heide (1286 km²) 640.0 Wilseder Endmoränen (7 Untereinheiten; 804 km²) 640.1 Sprakensehler Endmoränen (3 Untereinheiten; 482 km²) 641 Südheide (2678 km²) 641.0 Walsroder Lehmgeest (5 Untereinheiten; 652 km²) 641.1 Hermannsburger Sandgeest (10 Untereinheiten: 1060 km²) 641.2 Steinhorster Sand- und Lehmgebiet (7 Untereinheiten; 645 km²) 641.3 Südheidemoore (3 Untereinheiten; zusammen mit 641.4: 321 km²) 641.4 Gose-Ise-Sandebene (zusammen mit 641.4: 321 km²) 642 Ostheide (1639 km²) 642.0 Jembke-Vorsfelder Sandplatten (2 Untereinheiten) 642.1 Ehraer Moorniederung 642.2 Knesebeck-Bromer Moränenplatte (2 Untereinheiten) 642.3 Wittinger Flottsandgebiet 642.4 Ohretal 642.5 Osthannoversche Kiesmoräne (5 Untereinheiten und eine Singularität) 642.6 Niedere Geest 642.7 Bohndorfer Endmoränen 642.8 Neetzer Becken 642.9 Dahlenburger Becken 643 Uelzener und Bevenser Becken (716 km²) 643.0 Uelzener Becken 643.1 Emmendorfer Moränen 643.2 Bevenser Becken 644 Luheheide (653 km²) 644.0 Harburger Hügelland 644.1 Seeveniederung 644.2 Toppenstedter Geest 644.3 Luheniederung 644.4 Dachtmisser Berge 644.5 Wetzer Berge 644.6 Lüneburger Becken 644.7 Grünhagener Endmoränen

Die Einheiten 643 und 644 werden auch unter Nordheide zusammengefasst; nach dieser Interpretation bestünde die Lüneburger Heide aus nur vier Haupteinheiten.

Viele der gezogenen Landschaftsgrenzen sind nicht linienhaft festlegbar – so etwa die Westgrenze der Hochheide, wo die Endmoränen allmählich in Plateaus und Sander übergehen. Daher weichen auch die Haupteinheiten-Grenzziehungen der verfeinernden Einzelblätter Hamburg-Süd (1964), Lüneburg (1980), Celle (1959) und Salzwedel (1970) sowie, am Südostrand, Braunschweig (1962) erheblich von denen des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (7. Lieferung 1961, Karte von 1960) aus dem gleichen Hause ab. Signifikant verkleinert gegenüber dem Handbuch erscheint speziell der Norden der Hochheide mit den Harburger Bergen. Dieser erscheint auf Blatt Hamburg-Süd als schmaler Streifen, der nur die bewaldete Endmoräne umfasst, während im Handbuch noch die West- (nunmehr Ostflügel der Apenser Lehmgeest, Zevener Geest, Haupteinheitengruppe Stader Geest) und Ostabdachung (nunmehr Harburger Hügelland, Luheheide) den benachbarten Haupteinheiten zugerechnet wurde.

Da sich auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nach den Grenzen der Einzelblätter richtet bzw. diese sogar vermessen hat, können die Flächenangaben des Handbuchs – 7539,0 km² für die Gesamtheide, 2090,2 km² für die Haupteinheit 640, 2165,4 km² für 641, 2049,8 km² für 642, 518,0 km² für 643 und 715,6 km² für 644 – als obsolet betrachtet werden.

Nur eingeschränkt zu vertrauen ist den abweichenden, zum Teil auch irreführenden Namen der BfN-Landschaftssteckbriefe. So werden gelegentlich zwei Einheiten unter dem Namen von einer von beiden zusammengefasst oder aber unter dem Namen einer Haupteinheit wird nur ein Teil von ihr geführt.

Die Einheit 640.1 führt BfN unter „Lüß“, welches zunächst der Name der Bewaldung um Unterlüß ist. Diese beschränkt sich jedoch nicht auf die Endmoräne, und so taucht der Name sowohl als Lüßmoränen (640.10) und Lüß-Hochfläche (640.11) in der Hochheide auf als auch, an dessen Westabdachung, als Lüßplateau (641.19) in der Südheide. Diese erreicht am Haußelberg immerhin und übersteigt auch insgesamt ihre westlichen und südlichen Nachbarlandschaften deutlich, unterscheidet sich jedoch in Böden und Vegetation deutlich von den Endmoränen.

Hohe Heide Die Hohe Heide besteht aus einer Staffel von Endmoränen des Inlandeises der Saale-Eiszeit (230.000–130.000 Jahre vor heute) mit dem Wilseder Berg als Zentrum. Mittlere Höhe und Reliefenergie sind hier größer als in den anderen naturräumlichen Einheiten der Lüneburger Heide. Kennzeichnend sind trockene Hügelkuppen, periglazial entstandene Trockentäler und Senken wie beispielsweise der Totengrund. Insbesondere hier finden sich noch Heidelandschaften. Die meisten davon liegen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und sind von hoher touristischer Bedeutung. Daneben existieren aber auch ausgedehnte Kiefernforsten.

Südheide In der Südheide dominieren ausgedehnte, wellig bis sanft hügelige Sanderflächen, Grundmoränenplatten und Endmoränenreste älterer Eiszeiten. Eine höhere Reliefenergie weisen die Täler um das Böhmeknie auf, besonders aber die Falkenberg-Endmoräne, die in Teilen sogar die der Hohen Heide übertrifft. Große Heideflächen sind noch auf den Truppenübungsplätzen bei Bad Fallingbostel und Munster vorhanden, die aber für den Tourismus gesperrt sind. Aber auch die Osterheide bei Schneverdingen im NSG Lüneburger Heide gehört zu dieser naturräumlichen Einheit. Auf den Höhen zwischen Schneverdingen und Walsrode finden sich größere Moore wie das Pietzmoor und das Grundlose Moor. Einen großen Anteil der Südheide bedecken inzwischen Kiefernforste.

Ostheide Die von zahlreichen Endmoränen durchzogene Ostheide erstreckt sich am östlichen Rand der Lüneburger Heide von Lüneburg bis nördlich von Wolfsburg. Teilweise wird der Boden dieser Region intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die nördlichen Teile, die so genannte Göhrde und der stark kuppige Drawehn, sind dagegen genauso wie die südlichen Endmoränenzüge größtenteils bewaldet.

Uelzener und Bevenser Becken Die Grundmoränenlandschaft des Uelzener Beckens wird überwiegend agrarisch genutzt. Auf den umliegenden Höhenzügen finden sich aber auch einige Kiefernforste. Ausgedehnte Heideflächen gibt es hier zum Beispiel noch in der Ellerndorfer Wacholderheide im westlichen Landkreis Uelzen oder der Klein Bünstorfer Heide.

Luheheide Die Endmoränenzüge der Luheheide fallen mit einer deutlichen Randstufe zum Elbtal ab. Sie ist durch die sämtlich nach Norden zur Elbe hin entwässernden Flüsse wie Seeve, Aue, Luhe stark zerschnitten. Die dazwischen liegenden Bergrücken sind bewaldet und kaum besiedelt. Siedlungen drängen sich in den Tälern zusammen. Heideflächen sind in diesem Teilgebiet kaum mehr vorhanden, sie wurden meistens mit Kiefern aufgeforstet.

Administrative Gliederung Das Gebiet der Lüneburger Heide erstreckt sich über die Landkreise Celle, Gifhorn, Heidekreis, Uelzen, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und den Südostteil des Landkreises Harburg. Es umfasst damit den Hauptteil des Regierungsbezirks Lüneburg in seinen Grenzen bis 1978.

Der Landkreis Rotenburg (Wümme) gehört historisch zum ehemaligen Regierungsbezirk Stade, naturräumlich zur Stader Geest und ist somit eher zum Elbe-Weser-Dreieck zu rechnen. Das heute zu Visselhövede gehörende Kettenburg gehörte jedoch ebenso wie die Gemeinde Lauenbrück zum Fürstentum Lüneburg. Außerdem reichen Ausläufer des Naturraumes Lüneburger Heide auch auf den Südosten des Rotenburger Kreisgebiets. Aus Gründen des Regionalmarketings versuchen mehrere Orte des Landkreises Rotenburg, in der Außendarstellung einen Bezug zur deutschlandweit bekannten Lüneburger Heide herzustellen.

Berge und Anhöhen