Schneverdingen (/plattdüütsch Snevern) ist eine Stadt im Heidekreis in Niedersachsen und gehört zur Metropolregion Hamburg. Schneverdingen ist ein Ausgangspunkt für den Fremdenverkehr zum Naturpark Lüneburger Heide.
Geografie Schneverdingen liegt mitten in der Lüneburger Heide zwischen Soltau im Süden, Rotenburg (Wümme) im Westen und Buchholz in der Nordheide im Norden. Östlich des zusammenhängenden Siedlungsgebiets der Stadt Schneverdingen beginnt der Naturpark Lüneburger Heide.
Das Stadtgebiet Schneverdingens östlich der Kernstadt besteht überwiegend aus Besenheide-Flächen, teilweise auch aus Wald. Die offene Heidelandschaft zieht sich in Richtung Nordosten bis über den Wilseder Berg hinaus.
Stadtgliederung Die Stadt Schneverdingen ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus der Kernstadt sowie den Ortschaften Großenwede, Heber, Insel, Langeloh, Lünzen, Schülern, Wesseloh, Wintermoor an der Chaussee (Ehrhorn), Wintermoor-Geversdorf und Zahrensen.
Außerdem gehören die Wohnplätze Barrl, Dannhorst, Ehrhorn, Einem, Gallhorn, Hansahlen, Hasselhof, Hemsen, Hillern, Höpen, Horst, Lünzenbrockhof, Meyerhof, Reimerdingen, Reinsehlen, Riep, Rieper Moor, Schülernbrockhof, Surbostel, Schultenwede, Steinbeck, Voigten und Wieckhorst zur Stadt.
Nachbargemeinden
Geschichte Im Jahre 1231 wurde Schneverdingen erstmals urkundlich erwähnt. Der Bischof Iso von Verden zwang den Ministerialen Lippold von Zahrenhusen, auf die Vogtei „Snewordinge“ zu verzichten.
Wirtschaftliche Grundlage und Entwicklung Die Gegend um Schneverdingen herum ist maßgeblich von eiszeitlichen Einflüssen und Viehhaltung, insbesondere der Heidschnucken, geprägt. Durch die Bewirtschaftung mit diesem Vieh, in Verbindung mit den kargen Sandböden, entstand eine großflächige Heidelandschaft (mit Calluna vulgaris bewachsen), welche heutzutage viele Touristen anzieht. Trotzdem waren weder die Viehhaltung noch der Ackerbau ergiebig, weshalb sich auch nie eine hohe Bevölkerungsdichte einstellte.
mini|Heidschnuckenherde bei Schneverdingen
Mit dem Aufkommen des Mineraldüngers wurde die Landwirtschaft bedeutsamer, standen doch große Flächen, vorher mäßig fruchtbar, plötzlich in zunehmendem Maße ertragreich, zur Verfügung. Mitte des 19. Jahrhunderts traten andere handwerkliche Berufe stärker in den Vordergrund. Große Bedeutung erlangte die Lederverarbeitung zur Herstellung von Schuhen. Zur Blütezeit arbeiteten in Schneverdingen über 300 Schuhmacher. Daraus entwickelten sich zahlreiche Schuhfabriken, von denen heute allerdings aufgrund des Strukturwandels in dieser Branche nur noch ein Betrieb existiert.
Entwicklung von Verkehr, Bildung, Militär und Landschaftsbild Verkehr Seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbindet die Heidebahn Schneverdingen mit Hamburg im Norden sowie Hannover im Süden. Sie trug unrühmlich zur Geschichte des Deutschen Reiches bei. Auf ihr wurden Menschen in Konzentrationslager transportiert, insbesondere ins KZ Bergen-Belsen. Zu diesem Thema werden noch lokal-historische Forschungen angestellt, weswegen eine abschließende Dokumentation schwer möglich ist.
Anfang des 20. Jahrhunderts unterhielt der Yachtkonstrukteur Max Oertz für Testflüge einen Flugplatz in Schneverdingen. Noch heute zeugen die Straßen „Am Alten Flugplatz“ und die „Max-Oertz-Str.“ hiervon, der Flugplatz ist Wohngebieten gewichen. Die genannten Straßen liegen beide auf dem ehemals 500 Morgen großen Gelände. Der heutige Segelflugplatz in Reinsehlen ist später entstanden.
Bildung Im Jahr 1897 wurde die Volksschule des Ortes errichtet. Das Gebäude wird heute „Alte Schule“ genannt. 1942 wurde die Volksschule in eine Hauptschule umgewandelt.
Ostern 1912 eröffnete die Höhere Privatschule zu Schneverdingen und sollte Jungen auf das Einjährige-Freiwilligen-Examen vorbereiten. Mädchen sollten einen entsprechenden Unterricht erhalten. Ostern 1920 ging die Privatschule in die neu eingerichtete gehobene Abteilung der Volksschule auf.
Am 1. April 1940 eröffnete die Mittelschule, die aus der gehobenen Abteilung der Volksschule entstand. Ihr erster Leiter war Rektor Borschel, der zugleich die Volksschule leitete.
Vom 12. April 1945 bis 14. Dezember 1945 musste die Mittelschule kriegsbedingt schließen. Der Leiter Meyer ging im selben Jahr in den Ruhestand. Sein Nachfolger Meyer begann den Unterricht wieder. Durch Krieg und Besetzung war ein Großteil der Schuleinrichtung zerstört. Am 7. Januar 1947 zog die Schule in das Landjahrheim im Ortsteil Hansahlen ein.
1965 wurde ein neues Schulgebäude für die inzwischen geheißene Realschule am Timmerrahde eingeweiht. Es wurde von der Architektengruppe Schweitzer aus Braunschweig erbaut und kostete 1.549.450,08 DM.alte-mittelschule-schneverdingen.de
Militärische Nutzung von Heideflächen Bei Reinsehlen, einem Teil des Ortsteils Insel, entstand ab 1938 ein Militärflugplatz der deutschen Luftwaffe. Er diente während des Zweiten Weltkriegs als Ausbildungs- und Einsatzflugplatz unter dem Tarnnamen Posemuckel. In der Kriegsendphase ab 1945 waren auf dem Flugplatz die ersten neuartigen Düsenflugzeuge stationiert, wie der erste strahlgetriebene Bomber Arado 234. Beim Bau der Einrichtungen in Reinsehlen wurden Zwangsarbeiter eingesetzt.
Nach dem Einmarsch britischer Truppen am Ende des Zweiten Weltkriegs nutzten diese die militärischen Einrichtungen und Unterkünfte. Die britische Besatzungsmacht stellte sie aber 1946 deutschen Behörden zur Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen zur Verfügung. Ab 1946 lebten darin durchschnittlich etwa 1500 Personen, womit es eines der größten Flüchtlingslager in Norddeutschland war.
Im Jahr 1949 forderte die britische Besatzungsmacht das Lager zurück zur Einrichtung eines militärischen Trainingscamps. Ab 1950 diente das ehemalige Flugplatzgelände unter dem Namen Camp Reinsehlen als Basislager für britische Panzerübungen in der Lüneburger Heide. Die gesamte Übungsfläche hatte den Status eines Sperrgebiets. Die Größe des Sperrgebiets östlich von Schneverdingen wurde in dem Soltau-Lüneburg-Abkommen auf 27,7 km² festgelegt. Seit den 1950er Jahren hatte die ehemalige britische Besatzungsmacht auch an dieses Gebiet angrenzende Flächen genutzt. Am 17. September 1986 kommentierte die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher den Status der „Roten Flächen“ zwischen Soltau und Lüneburg mit den Worten: „Wochenend- und Sommerpausen in den roten Flächen zwischen Soltau und Lüneburg widersprechen dem Stationierungsauftrag der Rheinarmee. Die britischen Truppen in der Bundesrepublik müssen 24 Stunden am Tag einsatzbereit sein und das sowohl am Wochenende als auch im Sommer.“ Durch das Soltau-Lüneburg-Abkommen wurden die genauen Grenzen des „Übungsraums Soltau-Lüneburg“ der britischen Rheinarmee festgelegt, dessen südwestlichstes Teilstück sich auf dem Gebiet der Stadt Schneverdingen befand.
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung ging die Verfügungsgewalt über die Osterheide in Schneverdingen auf Deutsche über.
Thomas Täuber, bis 1993 tätig am Systematisch-Geobotanischen Institut der Universität Göttingen, fasste die Ergebnisse des jahrzehntelangen Wirkens der Rheinarmee im „Übungsraum Soltau-Lüneburg“ in seiner Diplomarbeit zusammen: „Der Britischen Rheinarmee waren für die Nutzung der Roten Flächen keinerlei Grenzen auferlegt worden […]. Weder besteht eine deutsche Kommandogewalt noch sind deutsche Vorschriften innerhalb des Gebietes für die Britische Truppe bindend […]. Pflege und Entwicklungsmaßnahmen […] konnten während der letzten fast 50 Jahre nicht durchgeführt werden. […] Das ursprüngliche Landschaftsbild ist somit durch den Übungsbetrieb fast vollständig zerstört worden. Die Wirkung als Pufferzone gegenüber der angrenzenden intensiv genutzten Kulturlandschaft (Stoffeinträge, Rückzugsgebiet seltener Arten) entfällt […]. Die meisten der 53 Arten (davon 33 Gefäßpflanzen) der Roten Listen Niedersachsen […] sind nur im Brunautal und im Quellmoorgebiet südöstlich von Benninghöfen anzutreffen. Der unmittelbar angrenzende Übungsbetrieb hat zur Verkleinerung dieser Gebiete und zur Verschlechterung ihres Zustandes geführt. Offene Sandstandorte wären durch ein geeignetes Pflegekonzept für das NSG sicherlich erhalten geblieben.“
mini|Heute (2025) freier Zugang zur Osterheide in ihrem 1921 angestrebten Sollzustand
Renaturierung von Flächen Der von Panzern zerwühlte Teil des Naturparks Lüneburger Heide wurde von Deutschen ab 1995 in Eigenregie naturiert. Dieser Aufgabe nahm sich der Verein Naturschutzpark (VNP) im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide an. Er renaturierte 1800 Hektar des NSG, darunter auch die Osterheide in Schneverdingen.
Zu einem naturnäheren Zustand soll sich auch das 2,5 km² große Pietzmoor entwickeln.
Entwicklung der Stadt Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich der Ort. Die Bevölkerung wuchs schnell an. Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Großenwede, Heber, Insel, Langeloh, Lünzen, Schülern, Wesseloh, Wintermoor und Zahrensen sowie größere Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Ehrhorn mit damals etwas mehr als 600 Einwohnern eingegliedert. Am 30. Oktober 1976 erhielt Schneverdingen die Stadtrechte.
Schneverdingen liegt im Verbreitungsraum der niederdeutschen Sprache. Es werden Anstrengungen unternommen, die Kinder schon in frühem Alter an die Sprache heranzuführen, die in den vorhergehenden Jahrzehnten zunehmend aus dem öffentlichen Leben herausgedrängt worden ist. Zwischen 2006 und 2009 wurden nach und nach die Ortsschilder in den meisten Orten der Stadt Schneverdingen mit bilingualen Ortsschildern ersetzt.
Religion mini|hochkant|Peter-und-Paul-Kirche mini|St.-Ansgar-Kirche
Die Mehrheit der konfessionell gebundenen Einwohner gehört zur evangelisch-lutherischen Landeskirche. Insgesamt bestehen drei evangelisch-lutherische Gemeinden: Die Peter-und-Paul-Kirche, die Markusgemeinde mit der Eine-Welt-Kirche und die Friedenskirche Heber.
Die römisch-katholische Filialgemeinde St. Ansgar gehört seit 2006 zur Soltauer Pfarrgemeinde St. Maria. Ihre an der Feldstraße gelegene Kirche wurde 1962/63 erbaut, deren äußere Form wurde einem Heideschafstall nachempfunden.
Ferner befinden sich in Schneverdingen drei freikirchliche Gemeinden. Dies ist die Christuskirche an der Freudenthalstraße, die zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden gehört. Die Freie evangelische Gemeinde, deren Anfänge bis ins Jahr 1902 zurück reichen, errichtete 1904/05 ihr Vereinshaus an der Grünhagenstraße. 1984 wurde ein größeres Gemeindehaus an der Heinrich-Loose-Straße, das Gebäude einer ehemaligen Berufsschule, eingeweiht. 2003 wurde die Johannes-Gemeinde (freikirchliche evangelische Hausgemeinde) gegründet.
Daneben existiert eine neuapostolische Gemeinde des Bezirks Lüneburg mit ihrer Kirche an der Schröderstraße sowie Zeugen Jehovas und Angehörige des Islam.
Im Ortsteil Lünzen besteht das buddhistische Nonnenkloster Shide, in dem Nonnen der tibetischen Gelug-Schule leben und das öffentliche Seminare durchführt.
Im Ortsteil Langeloh gibt es mit dem Milarepa Retreat Zentrum ein weiteres buddhistisches Zentrum als Hauptsitz der Drikung-Kagyu-Tradition des tibetischen Buddhismus in Europa.
Politik Schneverdingen ist in die Kernstadt und weitere zehn Ortschaften gegliedert. Jede der Ortschaften hat einen Ortsvorsteher. Diese werden vom Rat auf Vorschlag der Fraktion bestimmt, deren Mitglieder der Partei oder Wählergruppe angehören, die in der jeweiligen Ortschaft bei der letzten Ratswahl die meisten Stimmen erhalten hat.
Rat Der Rat der Stadt Schneverdingen besteht aus 32 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die gemäß § 46 NKomVG festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 15.001 und 20.000. Die 32 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Stimmberechtigt im Rat ist außerdem die hauptamtliche Bürgermeisterin.
Nach der Kommunalwahl am 12. September 2021 setzt sich der Rat wie folgt zusammen:
Die vorherigen Kommunalwahlen ergaben die folgenden Sitzverteilungen: