mini|Ehemaliges großes Wappen mini|Der Kirchplatz zwischen Stadtzentrum und Kloster mini|Die Moorstraße im Zentrum (Aufnahme am Wochenende)
Walsrode ist eine Stadt im Heidekreis in Niedersachsen. Sie trägt seit 1935 den Namenszusatz Hermann-Löns-Stadt, weil der Heidedichter die Stadt in der Lüneburger Heide Anfang des 20. Jahrhunderts zu seiner Wahlheimat machte. Überregional bekannt ist die Stadt vor allem für den Weltvogelpark Walsrode, den weltgrößten Vogelpark.
Geographie Geographische Lage Walsrode liegt am Fluss Böhme in der südlichen Lüneburger Heide. Die Stadt gehört mit 334,80 km² zu den flächenmäßig größten Städten in Deutschland.
Stadtgliederung Die Stadt Walsrode ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich neben der Kernstadt in 31 Ortschaften: Ahrsen Altenboitzen Benefeld Benzen Bockhorn Bomlitz Bommelsen Borg Düshorn Ebbingen Fulde Groß Eilstorf Hamwiede Hollige Honerdingen Hünzingen Idsingen Jarlingen Kirchboitzen Klein Eilstorf Krelingen Kroge Nordkampen Schneeheide Sieverdingen Stellichte Südkampen Uetzingen Vethem Westenholz
Nachbarkommunen Direkte Nachbarkommunen sind die Stadt Visselhövede (Landkreis Rotenburg (Wümme)), Soltau, Bad Fallingbostel, der gemeindefreie Bezirk Osterheide, die Samtgemeinden Schwarmstedt, Ahlden und Rethem/Aller und die Gemeinde Kirchlinteln (Landkreis Verden).
Naturraum und landschaftliche Eigenart mini|Die Böhme zwischen Lönsgrab und Elferdingen Durch das Gebiet fließt die Böhme, der westlichste der größeren Flüsse der Südheide und natürliche Längsachse des Heidekreises. Zwischen Dorfmark und dem Walsroder Stadtteil Benzen bildet sie das Böhmeknie, dessen Charakter einschließlich der Nebentäler durch schmalere Talsohlen und teilweise steile Hänge gekennzeichnet ist. Dies gilt besonders für die Täler der Bomlitz und der Warnau im Bereich des Naherholungsgebietes Eibia/Lohheide, aber auch für das Steilufer der Fulde im Stadtwald Eckernworth. Die von den waldreichen Wiesentälern gegliederten schwachwelligen Plateaus geben dem Naturraum der Walsroder Lehmgeest (auch Fallingbosteler Lehmplatten genannt) das typische Gepräge.Siehe auch Bundesamt für Naturschutz: Die lehmigeren Teile der Hochflächen sind ackerbaulich genutzt, die sandigeren meist bewaldet. Feuchte Senken sind von anmoorigem Grünland eingenommen.
Die natürlichen Geländehöhen variieren zwischen 17 m im Südwesten (Wittmoor) und 82 m im Norden (Großer Löverschen). Die Täler weisen Steilhänge mit Höhen von bis zu 25 Metern auf.
Geologie Das Walsroder Stadtgebiet liegt in einer Geestlandschaft, die vor allem in der vorletzten Kaltzeit des gegenwärtigen Eiszeitalters geformt wurde. Der Untergrund besteht im Wesentlichen aus Lockermaterialien, die vom Inlandeis der Saale-Kaltzeit und seinem Schmelzwasser ab- und umgelagert wurden. Im Kerngebiet der Stadt treten allerdings tonige Gesteine des Oligozän nahe an die Oberfläche und sorgen für höhere Bodenfeuchte und ein anderes Vegetationsbild. Seen in sehr unterschiedlicher Höhenlage künden vom früheren Tonabbau in der Stadt. Das Stadtgebiet wird ansonsten von der mehrere Meter mächtigen Grundmoräne des Stadials Drenthe I unterlagert. Darüber folgen die Nachschüttsande der zurückweichenden Eisfront und dann die Vorschüttsande der sich nähernden Eisfront des Drenthe-II-Stadials, dessen dünne, an grobem Geschiebe und Findlingen reiche Grundmoräne die heutigen anlehmigen Ackerflächen der Hochflächen ausmacht. In den Tälern sind diese obere Grundmoräne und die unterlagernden, rund 20 Meter mächtigen Sande teilweise bis zur Drenthe-I-Grundmöräne abgetragen. Die Talverläufe waren teilweise vorgezeichnet durch die sich kreuzenden geradlinigen, flachen Furchen, die das überfahrende Inlandeis hinterlassen hat.
Die Grundmoräne wird besonders in den höheren Teilen überlagert von einer dünnen Sanddecke, deren zahlreiche Windausblasungsmulden kleine Moore und flachgründige Flatts enthalten. Im Norden liegt zudem der Salzstock Bommelsen,NIBIS-Kartenserver: Salzstrukturen Norddeutschlands, 1 : 500.000, mit Erläuterungen. über dem im Bereich der Wisselshorst drei erdfallartige Senken mit Kleinsthochmooren entstanden sind (Großes und Kleines Wissahl) und im Bereich des Bomlitztales mehrere Hangmoore.NIBIS-Kartenserver: Ursprüngliche Moorverbreitung in Niedersachsen 1:50.000 Ob auch die 12 Meter tiefe Graffelkuhle in Schneeheide südwestlich der Kernstadt mit unterlagernden Salzstrukturen (Salzkissen Schneeheide) zu tun hat oder eher mit glazialen oder periglazialen Formungsprozessen, ist noch ungeklärt.
Klima Walsrode liegt in der gemäßigten Klimazone (Cfb der Klassifikation von KöppenKlimaweltkarte der Köppen-Geiger-Klimaklassifikation, abgerufen am 28. April 2011.); der maritime Einfluss geht hier bereits etwas zu Gunsten kontinentaler Klimamerkmale (größere Temperaturschwankungen) zurück.
Die Temperaturen liegen im Jahresmittel bei 9 °C, mit Höchstwerten um 22 °C in den Monaten Juli und August und mittleren Niedrigstwerten um −2 °C im Januar und im Februar. Die durchschnittlich meisten Niederschlagstage gibt es mit rund 12 im Dezember und die wenigsten im Februar, September und Oktober mit jeweils rund 9 Tagen. Die durchschnittliche Zahl der Sonnenstunden pro Tag schwankt zwischen einer Stunde (Dezember/Januar) und sieben Stunden (Mai/Juni).holidaycheck.de: Klimainformationen für Walsrode-Hünzingen (am westlichen Rand des Gemeindegebietes), abgerufen am 28. April 2010. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei 755 mm/Jahr.linear Interpoliert nach Entfernung aus den Klimadiagrammen Soltau und Hannover-Langenhagen, 1971–2000, Temperaturen höhenkorrigiert.
Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich rund 20 Kilometer nordöstlich in Soltau.Klimadiagramm Soltau
Geschichte mini|hochkant|Hermann Löns als lebensgroße Bronzestatue beim Heidemuseum
Mittelalter Die Ursprünge des Ortes Walsrode sind nicht genau bekannt. Vermutlich wurde die Ansiedlung beim Zusammenfluss von Böhme und Fulde als sinnvoll angesehen, weil hier Furten vorhanden waren und sich an der Kreuzung wichtiger Handelswege eine Siedlung entwickeln konnte.
Die Gründung des Klosters Walsrode durch den Grafen Wale, die um 960 erfolgte, kam die Entwicklung der Ansiedlung zugute. Nach der Gründungslegende musste Graf Wale die Borger Burg an der Böhme verlassen und blieb in der Gegend des heutigen Walsrode mit seinem Wagen im Morast stecken. Er sah das als göttliches Zeichen an, den Ort zu kaufen und dort ein Kloster zu gründen. Diesen Ort, nahe den dort schon bestehenden sieben Höfen Rodinghe, habe er Walesrode genannt. Gleichfalls heißt es, dass die Grundmauern des Klosters Walsrode aus den Steinen der Borger Burg errichtet worden sein sollen. Erstmals erwähnt wird das Kloster in einer Urkunde, die mit dem 7. Mai 986 datiert wurde. Auch wenn es sich dabei um eine mittelalterliche Fälschung handelt, sind hier offenbar echte Traditionen eingeflossen. Deshalb wird das Jahr 986 nach wie vor als das Jahr der Ersterwähnung angesehen..
Eine Burg in Walsrode wird nur ein einziges Mal im Jahr 1380 genannt, und zwar bei den Schlössern der Lüneburger Sate, welche das Herzogtum Lüneburg besaß. Die Burg stand auf dem Gelände des heutigen Hotels Hannover, im 19. Jahrhundert sollen noch Reste vorhanden gewesen sein.
Die bäuerliche Siedlung Walsrode geriet ab 1371 immer wieder in die militärischen Auseinandersetzungen des Lüneburger Erbfolgekrieges. Der Ort war den häufigen Plünderungen und Brandschatzungen der Truppen hilflos ausgeliefert und wurde am 28. Dezember 1381 wegen dessen Unterstützung der Sachsenherzöge von Bremer Soldaten niedergebrannt.Matthias Blazek: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900. Adelheidsdorf 2006, ISBN 978-3-00-019837-3, S. 85. Für die Treue der Bewohner verliehen die Sachsenherzöge Kurfürst Wenzel I. und Albrecht von Sachsen-Wittenberg am 22. Juli 1383 Walsrode die Weichbildgerechtigkeit, eine Form des Stadtrechts. Damit konnten die Bürger Schutzmaßnahmen in Angriff nehmen. Als Stadtbefestigung legten sie einen großen Graben an und errichteten vier Stadttore. Das Stadtrecht wurde dann wiederholt im 15. Jahrhundert von den Herzögen von Braunschweig und Lüneburg bestätigt.
Neuzeit Die Reformation Martin Luthers setzte sich im Raum Walsrode nur sehr langsam durch. Der Landesfürst Ernst I. (der Bekenner) schickte um 1528 den Prediger Henning Kelp nach Walsrode, damit das Kloster von den „päbstlichen Irthühmern reformiret“ werde. Die Gegenwehr der Kanonissen und die Distanziertheit der Landbevölkerung hielten aber noch jahrzehntelang an. Erst 1574 galt die Reformation auch im Kloster Walsrode als abgeschlossen.
Religiöse Konflikte blieben in Europa aber an der Tagesordnung und führten 1618 schließlich in den verheerenden Dreißigjährigen Krieg, von dem auch die Heideregion nicht verschont blieb. So fielen Truppen des Feldherrn Tilly 1626 in Walsrode ein, brannten die Lange Straße mit dem Rathaus nieder und plünderten die Stadt aus. Die Soldaten brachten auch die Pest in die Stadt, was zahlreiche Todesopfer zur Folge hatte. Nur langsam erholte sich Walsrode von den Kriegsfolgen, begann aber im ausgehenden 17. Jahrhundert mit zahlreichen Handwerksbetrieben wieder aufzublühen. So errichtete der Lachendorfer Papiermachermeister Gabriel Pfuhl an der Bommelse eine Papiermühle und betrieb sie ab 1681, ebenso wie ab 1685 die bis dahin von seinem Vater gepachtete Walsroder Papiermühle.
Einen dramatischen Einschnitt für Walsrode bedeutete der große Stadtbrand am 6. Juli 1757, der fast 95 % aller Häuser vernichtete. In einem großen Wiederaufbauprogramm wurde das Stadtgebiet deutlich vergrößert, die Straßen erheblich verbreitert und Bauvorschriften erlassen, die das Brandrisiko verringerten. Bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert erhielt die Stadt Walsrode eine neue bauliche Gestalt, die ihr Zentrum bis heute in weiten Teilen prägt. Die zuvor giebelständige Ausrichtung der Häuser wurden durch eine traufständige ersetzt.
Mitte 1803 war Walsrode erneut von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. Soldaten Kaiser Napoleons wurden in der Stadt einquartiert und übernahmen die Kontrolle der Verwaltung. 1810 wurde die Böhme sogar für mehrere Jahre zum Grenzfluss zwischen dem Kaiserreich Frankreich und dem 1807 neu geschaffenen Königreich Westphalen. Anfang Oktober 1813, kurz vor der entscheidenden Völkerschlacht bei Leipzig, vertrieben russische und preußische Truppen die Franzosen endgültig aus der Stadt.
Mit der Bildung des Königreichs Hannover im Oktober 1814 wurden in der Region auch wieder vermehrt Betriebe gegründet und ein wirtschaftliches Wachstum eingeleitet. So investierte der Walsroder Kaufmann August Wolff 1815 in den Aufbau der Pulvermühle in Bomlitz, aus der sich eines der bedeutendsten Unternehmen der Region entwickelte. Die Firma Wolff (heute Industriepark Walsrode) führte im Laufe der Zeit zu weiteren Industrieansiedlungen in Walsrode. Zeitweilig war die Pulverfabrik der Alleinlieferant für das Schwarzpulver der Hannoverschen Armee. Aufgrund dieser bedeutenden Stellung hatte die Familie Wolff auch immer wieder Besuch von den Königen von Hannover. Im September 1863 feierte der Kronprinz Ernst August mit der ganzen königlichen Familie in Walsrode sogar seine Volljährigkeit, woran das sog. Volljährigkeitsdenkmal auf dem Kirchplatz bis heute erinnert. Mit der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen im Oktober 1866 veränderten sich die Herrschaftsverhältnisse gravierend, aber die Bevölkerung der Region blieb dem Welfenhaus noch lange mehrheitlich verbunden.