Das Hochwasser in Mitteleuropa im August 2002 war eine Flutkatastrophe in Deutschland, Tschechien und Österreich. Es kam dabei zu schweren Überflutungen, in Ost- und Norddeutschland insbesondere an der Elbe, in Bayern und Österreich an der Donau. Das Hochwasser war durch tagelange, extreme Regenfälle verursacht worden und führte zu mehrere Wochen dauernden Hilfseinsätzen, mindestens 45 Todesopfern und Schäden in Höhe von etwa 15 Milliarden Euro (in Deutschland etwa 9 Milliarden, davon 6 Milliarden in Sachsen). Dem Hochwasser wird ein Effekt auf die anschließende Bundestagswahl 2002 bescheinigt.

Wetterlage

Bereits Anfang August im Jahr 2002 lösten starke und lang andauernde Regenfälle in den Alpen sowie im Erzgebirge und Riesengebirge schwere Überschwemmungen und verheerende Schlammlawinen in Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien und Italien aus. Die Niederschläge wurden durch das Vb-Tief „Ilse“ verursacht. Ein Keil des über Skandinavien liegenden Hochs „Friedmann“ bewirkte, dass das Tief von seiner üblichen West-Ost-Zugbahn in Richtung Mittelmeer nach Süden abgedrängt wurde. (PDF; 1,3 MB), Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft, 28. Oktober 2002 Hier erwärmten sich diese Luftmassen jahreszeitlich bedingt enorm und nahmen dadurch viel Feuchtigkeit auf. Nach der Überquerung der Alpen in Richtung Norden stießen sie auf die dortige Kaltluft, kühlten sich stark ab, und es kam zu extremen Niederschlägen in relativ kurzer Zeit. Die Regenfälle konzentrierten sich entlang der Zugbahn des Tiefs zunächst auf die Schweiz, auf Bayern, Österreich und Tschechien und in der Folge und unter Verstärkung auf den Osten Deutschlands. Hier drehte sich das Tiefdruckgebiet ein und regnete sich bis zum Ende seines Lebenszyklus komplett aus. Die Regenfälle wurden durch orographisch bedingte Hebungsvorgänge an den Alpen, vor allem aber entlang der Mittelgebirge (Erz- und Riesengebirge) zusätzlich verstärkt. Eine ebensolche Wetterlage war auch die Ursache für das Oderhochwasser 1997. (PDF; 6,0 MB) beim DWD

Historische Einordnung des Hochwasserereignisses

Das Hochwasser von 2002 übertraf im Elbegebiet sowie in Österreich flächendeckend und in Bayern teilweise die Ereignisse des Jahres 1954, des stärksten Hochwassers des 20. Jahrhunderts, und kann daher als Jahrhundertereignis angesehen werden. In der bekannten Geschichte übertroffen wird es wohl nur von den Hochwassern 1342, 1501 und 1787 sowie dem Alpenhochwasser 2005 (im Donauraum) und dem Hochwasser in Mitteleuropa 2013.

Verlauf des Ereignisses Deutschland Bayern

Ein erstes Starkregenereignis trat am 6./7. August mit Schwerpunkten im Chiemgau und Berchtesgadener Land auf. Dabei fielen innerhalb von 48 Stunden verbreitet mehr als 100 mm Niederschlag, was rund zwei Dritteln des durchschnittlichen Monatsmittels (1961–1990) im August entsprach. Der größte Tagesniederschlag von 117 mm wurde am 6. August in Ruhpolding registriert; am Wendelstein fielen sogar innerhalb von nur 6 Stunden 62 mm Regen. Dieses Ereignis führte zu einer Sättigung des Bodens und zur Grundlage des eigentlichen, noch höheren Hochwasserereignisses durch Niederschläge vom 10. bis 12. August. Am Abend des 10. August zogen von Westen eine Reihe von Gewittern nach Bayern, die im weiteren Verlauf in großflächigen Dauerregen übergingen und am 11. August zu Tagesniederschlägen von verbreitet über 100 mm am Alpenrand führten. Am 12. August verlagerte sich der Schwerpunkt auf den Bayerischen und Oberpfälzer Wald, was in Waldkirchen zu einem 100-jährlichen Niederschlagsereignis von 104 mm in 24 Stunden führte. Vom 6. bis 12. August wurden in Südbayern stellenweise über 340 mm Regen registriert.

Am 12. August bildeten sich an den Donauzuflüssen Iller, Günz, Mindel, Zusam, Schmutter, Paar und Lech die Hochwasserscheitel. Im Landkreis Oberallgäu wurden dabei teilweise 100-jährliche Ereignisse beobachtet. Am 14. August bildete sich auf der Donau zwischen der Lechmündung und Regensburg eine langgestreckte Welle im Bereich eines 10- bis 20-jährlichen Hochwassers.

Ebenfalls am 12. August traten an den Flüssen Isar, Loisach, Ammer, Mangfall, Tiroler Achen, Traun, Saalach und Salzach die Höchststände auf. Dabei traten Jährlichkeiten im Bereich von 50 bis 100 Jahren auf. Die Hochwasserwelle des Inns führte in Passau zu einem Pegelstand von 10,80 m und einem Abfluss von 7700 m³/s am 13. August um 13 Uhr, was einem 50-jährlichen Ereignis entsprach. Dieser Pegel wurde zuletzt im Jahr 1954 (12,20 m) und danach wieder im Jahr 2013 (12,89 m) übertroffen. Während das Hochwasser der Salzach bei Burghausen ein 50-jährliches Ausmaß annahm, wurde am Inn in Wasserburg lediglich ein 2- bis 5-jährliches Ereignis beobachtet. So wurde das 20- bis 50-jährliche Hochwasser des Inns ab der Salzachmündung maßgeblich von der Salzach bestimmt. Der Sylvensteinspeicher hielt bis zu 23,3 Millionen Kubikmeter Wasser zurück, wodurch ein größeres Isarhochwasser vermieden wurde. Ohne den Stausee wären in Bad Tölz am 12. August statt der eingetretenen 295 m³/s bis zu 730 m³/s abgeflossen.

Mit der Verlagerung des Regengebietes nach Norden trat in der Nacht zum 13. August an den Flüssen im Einzugsgebiet des Regen und der Ilz ein extremes Hochwasser mit Jährlichkeiten von teils weit über 100 Jahren auf. Am Zusammenfluss des Regen mit der Donau in Regensburg wurde am 14. August um 13 Uhr ein Pegel von 6,63 m registriert, was bis zur Isarmündung bei Deggendorf zu einem 20-jährlichen Hochwasser und weiter bis Passau zu einem 10-jährlichen Hochwasser führte.

Sachsen

mini|Schlottwitz, 13. August mini|Pirna, 14. August mini|Schillergarten in Dresden

Besonders dramatisch war die Regensituation im mittleren und östlichen Erzgebirge, wo am 12./13. August 2002 in Zinnwald mit einem 24-Stundenwert von 312 mm der damals größte Tageswert der Niederschlagshöhe seit Beginn der routinemäßigen Messungen in Deutschland registriert wurde.Landesamt 2002 in Martin Ernst & Manfred Stephan: Rezente Hochflutsedimente der Müglitz südlich Dresden (Erzgebirge, Sachsen) im Vergleich mit Sandsteinbänken der Erdgeschichte. Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins, Neue Folge, 89: 11–35, Stuttgart 2007. Aufgrund des schlechten Waldzustandes in diesen Gebieten und der bereits vorher aufgenommenen Wassermengen konnte der Boden solch gewaltige Niederschlagsmengen nicht speichern, so dass das Wasser sofort in die Täler abfloss. Die in dieser Gegend entspringenden in Mulde oder Elbe mündenden Flüsse wie Zschopau, Flöha, Zwickauer Mulde, Freiberger Mulde, Gimmlitz, Rote Weißeritz, Wilde Weißeritz und Müglitz schwollen binnen Stunden auf das Mehrfache ihrer sonstigen Größe an und hinterließen auf ihrem Weg enorme Schäden. Viele Brücken wurden weggerissen, Straßen unterspült, Häuser überflutet und schwer beschädigt, die Strom- und Telefonversorgung brach zusammen, ganze Dörfer wurden evakuiert oder waren von der Außenwelt abgeschnitten.

Das Müglitztal war besonders betroffen. Hier verwüstete die Flutwelle Glashütte, Schlottwitz, Weesenstein, Mühlbach, die Dohnaer Unterstadt und Heidenau. In Glashütte brach am 12. August 2002, nachmittags gegen 17:00 Uhr ein kleines Rückhaltebecken an der Prießnitz, einem unteren Nebenfluss der Müglitz. Die Flutwelle mit schätzungsweise 50.000 Kubikmeter Wasser im Prießnitztal erhöhte den Wasserstand in Glashütte zwar um einen weiteren Meter, hatte auf das Hochwasser in der Müglitz aber eine geringe Auswirkung, weil der Prießnitzbach weiter flussabwärts in die Müglitz mündet.

Vielerorts fielen Energie-, Wasser- und Wärmeversorgung aus. Die Überflutung von Bundes-, Land- und Kreisstraßen behinderten die Einsatzkräfte. Im Bereich der Flüsse Gottleuba und Seidewitz erreichte die Hochwasserflut in Pirna am 12. August um ca. 17:00 Uhr den Schwellenwert der Überschwemmung. Die Gottleuba und die Seidewitz traten nach deren Zusammenfluss in Pirna bis zu einer Höhe von 1,50 Meter über die Ufer.

In Dresden wurden die Schäden nicht nur durch die erste Welle der Weißeritz vom 12./13. August, sondern auch von der zweiten, höheren Welle der Elbe am 16./17. August verursacht. Am 12. August 2002 wurde gegen 18.00 Uhr für Dresden Katastrophenalarm ausgelöst. In der Innenstadt wurden der Hauptbahnhof, die Semperoper, der Zwinger und der Landtag überflutet. Die Friedrichstadt wurde teilweise evakuiert.13. August, Dienstag: Die Katastrophe ist da, mdr.de

In den folgenden Tagen wurde die Katastrophenlage mit der Hochwasserwarnstufe IV mancherorts überschritten. Bebaute Gebiete waren teilweise ganz überflutet, der Einsatz von Wasser- und Dammwehr in größerem Umfang wurde erforderlich. Es kam auch zu Todesfällen. Erst am 13. August 2002 wurden die Dimensionen der Naturkatastrophe voll sichtbar. Weitere Orte wurden von den nachfolgenden Wassermassen eingeschlossen und waren von der Außenwelt abgeschnitten. In Krippen stieg das Wasser bis in das zweite Obergeschoss. Grimma wurde vom Hochwasser der Mulde erfasst und schwer zerstört, darunter auch die historische Pöppelmannbrücke. Am 14. August besuchte Bundeskanzler Gerhard Schröder die Stadt. Ebenso wurde die Stadt Döbeln von der Freiberger Mulde komplett überflutet. Am Abend wurde der Straßenbahnbetrieb in Dresden komplett eingestellt.14. August, Mittwoch: Warten auf die zweite Welle, mdr.de

mini|links|Hochwasserstand auf den Dresdner Elbwiesen zwischen Elbhang und Blasewitz

Am 15. August wurde Meißen von der ersten Hochwasserwelle erfasst, dabei wurde die dortige Porzellanmanufaktur teilweise zerstört. Zu diesem Zeitpunkt wurde Pirna bereits von der zweiten Welle erreicht. Nun mussten in der Sächsischen Schweiz ganze Ortschaften evakuiert werden. In Dresden werden die Stadtteile Laubegast, Kleinzschachwitz und Zschieren überschwemmt.15. August, Donnerstag: Land unter in Sachsen, mdr.de mini|Nur noch durchhängende Bahngleise. Zerstörter Flutdurchlass in der Elbaue bei Riesa, Sachsen. Am 16. August wurde der Verkehr auf den Bahnstrecken Leipzig–Dresden sowie Riesa–Chemnitz und Jüterbog–Röderau eingestellt, die auf einem gemeinsamen Damm die Elbaue überqueren. Durch einen Deichbruch bei Röderau unterspülte die übertretende Elbe eine Straßenüberbrückung und einen Flutdurchlass des Bahndammes und brachte diese Bauwerke zum Einsturz. Am Abend erreichte der Hochwasserscheitel Schöna an der Grenze zu Tschechien mit einem Höchststand von 12,04 Metern.16. August, Freitag: Die Elbe steigt immer weiter – mdr.de Am 17. August 2002 erreichte der Pegel in Dresden morgens um 7 Uhr den Höchststand von 9,40 Metern. Bis auf die Autobahnbrücke der A4 waren an diesem Tag alle Dresdner Elbbrücken gesperrt. Im absoluten Vergleich der Durchflussmengen lag das Elbehochwasser 2002 an fünfter Stelle der registrierten Hochfluten in Sachsen. Es wird daher für derartige Fluten ein Wiederkehrintervall von 100 bis 200 Jahren angenommen.17. August, Sonnabend: Der Scheitel der Welle www.mdr.de Der Pegel Torgau erreichte am 18. August einen Scheitelwert von 9,49 Metern.

mini|Satellitenbild der Elbe zwischen Torgau und Aken am 14. August 2000 (vorher) und 20. August 2002 (während des Ereignisses)

Am 26. August wurde der Katastrophenalarm für Dresden aufgehoben. Insgesamt kamen in Sachsen 21 Menschen durch das Hochwasser ums Leben.Die Nachwehen: 23. August bis Anfang November, mdr.de

Sachsen-Anhalt, Brandenburg