mini|Handbetriebene Typenhebelschreibmaschine, 1930er-Jahre mini|Schreibtraining mit der IBM 72, seit 1962 auf dem Markt mini|IBM PC 5150, 1981
Textverarbeitung ist die Erstellung und Bearbeitung von schriftlichen Texten mithilfe von organisatorischen und technischen Mitteln.
Geschichte Schreibautomat
Ein Vorläufer der Textverarbeitungsprogramme ist der Schreib- oder Korrespondenzautomat mit mindestens einer Lese- und einer Schreibeinheit für die Verarbeitung von Lochstreifen. Insbesondere die Erstellung von Serienbriefen mit getrennten Lochstreifen für das Textdokument und für die Adressdaten (Gerät mit zwei Leseeinheiten) ist ein Anwendungsbeispiel dieser Geräte.
Terminus Textverarbeitung Der Ausdruck Textverarbeitung wurde in den 1960er-Jahren von dem deutschen IBM-Manager Ulrich Steinhilper auf Deutsch geprägt und dann IBM-intern als Word Processing (Wortverarbeitung) ins Englische übersetzt. IBM hatte 1964 die MT/ST (Magnetic Tape/Selectric Typewriter) auf den Markt gebracht, in Europa unter dem Namen MT 72. Das Gerät bestand aus einer Kugelkopfschreibmaschine mit einem extern angeschlossenen Magnetband-Speicher. Die MT/ST war der erste Apparat, der unter dem Begriff Textverarbeitung bzw. Word Processing vermarktet wurde.Absatz nach Johan Schloemann: Der Schriftsteller und sein Computer, Süddeutsche Zeitung, 15. März 2012, S. 14. Schloemann bezieht sich in seinem Artikel auf die Forschungen von Matthew Kirschenbaum.
Nutzung Die Computersysteme der 1960er-Jahre befanden sich überwiegend in größeren Unternehmen oder Institutionen, Textverarbeitung diente dort dem Schriftverkehr.
1971 lieferte die von Evelyn Berezin 1969 gegründete Redactron Corporation die Data Secretary aus, das erste computergesteuerte Textverarbeitungssystem.
Später wurde die Textverarbeitung durch die direkte Bildschirmausgabe erleichtert. Als Speichermedium kamen nun Disketten zum Einsatz, wie beispielsweise beim Text-System CPT 8515, einem Computer, der 1981, zum damaligen Gerätepreis von über 32.000 DM (ohne Diskettenlaufwerk) eine mechanische Schreibmaschine imitierte.Text-System CPT 8515 auf der Website des Computermuseums der Fakultät Informatik, Stuttgart. Abgerufen am 29. Januar 2016.
Durch die Verbreitung des universell nutzbaren Personal Computers (PC) dank sinkender Anschaffungskosten zu Beginn der 1980er wurden die Möglichkeiten der Textverarbeitung für weite Bevölkerungskreise zugänglich.
Schreiben
Bis ins 20. Jahrhundert war es üblich, Texte mit der Hand zu schreiben – daher auch der Begriff Manuskript. Das änderte sich jedoch allmählich, als im 19. Jahrhundert die ersten praktisch verwendbaren Schreibmaschinen auf den Markt gekommen waren. Nach und nach setzte sich die Schreibmaschinenschrift gegenüber der Handschrift durch. Nachfolgend die Vorteile gegenüber der Handschrift:
Klareres Schriftbild Normierte Zeichengrößen Schnelleres Schreiben
Vor allem im Bürobereich fanden Schreibmaschinen deshalb große Verbreitung. Das hatte großen Einfluss auf die Arbeitswelt: Die bis dahin oft gebräuchlichen Stehpulte wurden durch Schreibtische abgelöst, das Schreiben von einer stehenden zu einer sitzenden Tätigkeit. Dieser Prozess lief parallel zu anderen Entwicklungen in der Mechanisierung der Büroarbeit (Einführung von Rechenmaschinen, Hollerithmaschine und Telefon).
In Verbindung mit der elektromechanischen Schreibmaschine entstanden ab Mitte der 1950er-Jahre Schreibautomaten, die sich manuell bedienen ließen oder aber gespeicherte Texte schrieben. In der Ausführung als Korrespondenzautomaten konnten sogenannte Textbausteine nach einem Texthandbuch ausgewählt und zu individuellen Texten zusammengefügt werden. Die Nummer des Textbausteins wurde unter anderem entweder über einen Tastenselektor oder über die Schreibmaschinentastatur eingegeben, um die entsprechende Stelle im Informationsträger bzw. Speicherelement anzusteuern. Informationsträger waren unter anderem Lochstreifen, wie sie ähnlich auch zur Steuerung von Fernschreibern genutzt wurden, Lochkarten, Magnetbänder und Magnetkarten. Maschinen, die nur Serienbriefe automatisch schrieben, aber keine Selektionsmöglichkeit boten, gab es schon früher, zum Beispiel 1912 von Hooven in Cincinnati im Bundesstaat Ohio in den USA.HNF Heinz Nixdorf MuseumsForum.Vom Schreibautomaten zur Textverarbeitung. Abgerufen am 30. April 2023. Die Korrespondenzautomaten von IBM mit der Kugelkopfschreibmaschine als Schreibeinheit erreichten eine Schreibgeschwindigkeit von etwa 800 bis 900 Anschlägen pro Minute.Gerd Brück, Ruth Hoja, Otto G. Füssel, Dr. Heinz Müller: Funktionelle Bürowirtschaft. Wirtschaftswissenschaftliche Bücherei für Schule und Praxis, Merkur-Lehrmittel-Verlag, Rinteln 1971.
Mit Aufkommen von Mikroelektronik und Computern entstanden Systeme, die statt Lochstreifen Magnetbänder oder Disketten verwendeten. Bildschirme kamen zum Einsatz, ebenso wie Typenraddrucker und Tintenstrahldrucker. Diese Geräte waren in vielen Belangen speziell an die Textverarbeitung angepasst, etwa im Bildschirmformat. Ein Beispiel ist der CPT 8515.Computermuseum der Fakultät Informatik: Text-System CPT 8515.
Als Alternative hierzu entstanden Schreibmaschinen mit erweiterten Fähigkeiten, Löschautomatik, Zeilenkorrektur vor Ausdruck, Speicher für Textbausteine, Textablage auf Disketten usw.
Mit der zunehmenden Verbreitung des Personal Computers (PC) in den 1980er und 1990er Jahren verschwanden solche Systeme jedoch vom Markt.
PCs waren universell einsetzbar und nicht nur auf Textverarbeitung beschränkt, bei zunehmend günstigerem Preis-Leistungs-Verhältnis zugunsten des PCs. Die Fähigkeiten von Textverarbeitungen erforderten zunehmend vollwertige Computer, vor allem nach dem Aufkommen grafischer Benutzeroberflächen.
Seit Einführung des PC hat sich der Bereich der Textverarbeitung rasant entwickelt. Das heutige Ergebnis sind Programme, bei denen der reine Textverarbeitungsteil programmiertechnisch wohl noch den geringsten Aufwand erforderte. Vielmehr wurden sie angereichert mit Funktionen, die zuvor einzeln von anderen Programmen und oft auch anderen Herstellern bezogen werden mussten. Heutige Textverarbeitungsprogramme integrieren die reine Texterfassung mit den Möglichkeiten der Grafikeinbindung, Tabellenerstellung, Formelgenerierung oder der Präsentationsgrafik. Nicht selten kommen sie dabei den Fähigkeiten von Desktop-Publishing-Programmen sehr nahe.
Die Einführung der grafischen Benutzeroberflächen wie die des Apple Macintosh 1984 und später Windows ermöglichte erst den Schritt in diese Richtung, verhalf sie doch den Programmen, auf Techniken wie dem Datenaustausch über eine zentrale Zwischenablage, dem dynamischen Datenaustausch oder dem Objekt-verbinden-und-einbetten zurückzugreifen. Die Möglichkeit, den Text gemäß dem Prinzip WYSIWYG (engl. What You See Is What You Get) bereits auf dem Bildschirm so präsentiert zu bekommen, wie er auch später ausgedruckt erscheint (Druckdarstellung im Layout), war zwar schon 1973 auf dem Xerox Alto gegeben, erreichte aber keine kommerzielle Bedeutung.
Ein spezieller Vorläufer heutiger Textverarbeitungsprogramme waren elektrische Schreibmaschinen (Beispiel: Brother-Textsysteme), die das Verarbeiten eines erstellten Textes ermöglichen, bevor er gedruckt wird. Diese Schreibmaschinen besaßen eine Textanzeige (Flüssigkristallanzeige oder Bildschirm), die eine Kontrolle der Bearbeitungsschritte ermöglicht. Ein Grenzfall der Textverarbeitung (bei der bereits die einfache Reproduktion oder das Korrigieren von Rechtschreibfehlern als Textbearbeitung begriffen wird) ist auch das direkte Schreiben und Korrigieren von Texten mit einer Schreibmaschine auf Papier, das sowohl die Erstellung als auch eine eingeschränkte Nachbearbeitung des Textes (mit Korrekturbändern) ermöglicht und eventuell zusätzlich gespeichert werden kann, um spätere Ausdrucke zu ermöglichen.
Text- und ASCII-Editoren
Die ersten Textverarbeitungsprogramme, treffender bezeichnet als „Texterfassungsprogramme“, waren einfache Texteditoren, die sich aus dem Zeichenvorrat nicht genormter Zeichensätze bedienten. Somit waren nicht nur die Editoren an den zugehörigen Computer (bzw. das zugehörige Betriebssystem) gebunden, sondern auch die darauf erstellten Texte, die bei Bedarf erst für andere Computersysteme in andere Zeichensätze konvertiert werden mussten.
Erst mit der Einführung genormter Zeichensätze kann man von ASCII-Editoren sprechen, die sich aus dem Zeichenvorrat der standardisierten ASCII-Tabelle bedienen. Damit wurden auch die Editierprogramme selbst grundlegend kompatibel zu gleichartiger Hardware unter den meisten gängigen Betriebssystemen.
Bei ASCII handelt es sich um eine festgelegte Tabelle von Zeichen, systemübergreifend meist die erste Hälfte ohne das erste von acht Bits, das heißt 126 Standardzeichen. Aufgeführt werden die Buchstaben des englischen Alphabets, die zehn Dezimalziffern, einige weitere Standardzeichen (wie Satzzeichen, Operatoren, aber keine Sonderzeichen anderer Sprachen) sowie Steuerzeichen, die den Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Programmen standardisieren. Innerhalb ähnlicher Softwaresysteme kann auch die zweite Hälfte des 8-Bit-Zahlenbereichs mit Sonderzeichen oder Blockgrafik verwendet werden. Unicode kann bei Textdateien systembedingt nicht direkt unterstützt werden. Programme, die Unicode unterstützen, müssen den Zeichensatz anhand des Textinhalts interpretieren. Fehler als vermeintliche Easter Eggs sind dabei nicht auszuschließen[Quelle?] (vgl. Microsoft Editor: Zeichenkodierungen und Zeilenendungen).
Der Befehlsumfang einfacher ASCII-Editoren ging in der Regel über das Speichern, Laden und Drucken nicht hinaus. Erweiterte Programme bieten jedoch neben Funktionen wie Textmarkierung oder das Ausschneiden, Kopieren und Versetzen von Textabschnitten an: Syntaxhervorhebung und Makroprogrammierung. Besonders komplexe Editoren wie Emacs oder Vim kommen einer modernen Textverarbeitung unter den Einschränkungen eines textorientierten Betriebssystems bereits sehr nahe und berücksichtigen die Bedürfnisse von Systemadministratoren oder Programmierern, etwa durch Verknüpfung mit Compilern und anderer externer Software.
Hilfsmittel zur Textverarbeitung Textverarbeitung geschieht heute meist mittels elektronischer Programme. Ein Textverarbeitungsprogramm ist ein Computerprogramm zum Verfassen von Textdokumenten. Der erstellte Text kann als Datei abgespeichert und/oder ausgedruckt werden. Der Übergang zu anderen Programmen ist fließend, da sich in vielen Textverarbeitungsprogrammen heute auch Grafiken und Tabellen einbinden lassen.
Textverarbeitungsprogramme bieten im Gegensatz zu reinen Texteditoren in der Regel erweiterte Formatierungsfunktionen an. Neben der Textüberarbeitung erhöhen Rechtschreibprüfung, Indexerstellung, Such- und Ersetzfunktionen den Nutzen für den Anwender. Formatvorlagen vereinfachen zudem eine einheitliche Gestaltung der zu veröffentlichenden Dateien, Textbausteine die Einbindung von wiederkehrenden Inhalten. Die Textgestaltung soll durch Regeln erleichtert und vereinheitlicht werden, z. B. in Deutschland durch die Schreib- und Gestaltungsregeln für die Text- und Informationsverarbeitung, DIN 5008, und in Österreich durch die ÖNORM A 1080:2007 03 01.
Der Umgang mit Computern, Betriebssystemen und in diesem Rahmen auch die Verwendung von Textverarbeitungsprogrammen und anderer Standardsoftware ist Gegenstand des Informatikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen.