mini|hochkant|Römisch-katholischer Diakon, bekleidet mit Albe und Dalmatik (2004) mini|hochkant|Griechisch-orthodoxer Diakon in der Geburtskirche in Bethlehem, der ein Orarion über dem roten Sticharion trägt mini|hochkant|Syrisch-orthodoxer Diakon mit dem Orarion über der Albe, einem Weihrauchfass und dem Evangeliar

Der Diakon ( „Diener, Helfer, Bote“, Aussprache [], süddeutsch []) bekleidet ein geistliches Amt innerhalb der Kirche, den Diakonat.„das, auch der Diakonat“ (Duden); im kirchlichen Kontext „der Diakonat“ (), von (Der neue Georges. Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Erster Band. A – H. Darmstadt 2013, Sp. 1642).In jüngerer Zeit auch das Diakonat, vgl. Erzdiözese Wien (2016): Was ist das Diakonat? Seine Aufgaben beschränken sich nicht auf die Diakonie, sondern umfassen wie die der anderen geistlichen Ämter auch Verkündigung ( „Zeugnis“) und Gottesdienst (Liturgie, „Gemeindedienst“). Diakone waren ursprünglich Gehilfen der Apostel zur Verwaltung des gemeinsamen Vermögens und zur Leitung der gemeinsamen Mahlzeiten – und wohl damit verbunden auch der Eucharistie.

In den römisch-katholischen, orthodoxen, anglikanischen und altkatholischen Kirchen bildet die Weihe zum Diakon, der Diakonat, die erste Stufe des Weihesakraments (die zweite Stufe ist das Priester-, die dritte das Bischofsamt). Die Eingliederung in die Gemeinschaft der Geistlichen, den Klerus, geschieht durch die sakramentale Weihe, die durch das vom Bischof gesprochene Bittgebet um die Ausgießung des Heiligen Geistes und die im Amt benötigten Gnadengaben sowie die Handauflegung des Bischofs auf das Haupt des zu Weihenden vollzogen wird.

In der evangelischen – vor allem der reformierten – Tradition wird der Diakon entsprechend Calvins Genfer Kirchenordnung als eines der vier kirchlichen Ämter angesehen. Obliegt den Pastoren die Verkündigung, den Presbytern die Gemeindeleitung und Gemeindezucht sowie den Lehrern die Erziehung, so haben Diakone die Aufgabe, sich um die Armen, Bedürftigen und Kranken zu sorgen und sich um die Verwaltung zu kümmern. So gehörte etwa das Krankenabendmahl im Anschluss an die viermal jährlich stattfindenden Abendmahlsfeiern zu ihren Aufgaben.

Das Diakonat bezeichnet auch das Wohn- oder Amtsgebäude eines Diakons.

Geschichte des Diakonats Die ersten sieben Diakone werden im Neuen Testament in der Apostelgeschichte des Lukas erwähnt. Ursprünglich hatten die von Jesus Christus erwählten Apostel den Auftrag zur Verbreitung der Lehre und daneben die Versorgung der Armen persönlich wahrgenommen, mussten aber feststellen, dass sie mit beidem zugleich überfordert waren. Zu ihrer Entlastung und Unterstützung ließen sie daher von der Jerusalemer Urgemeinde sieben Männer „von gutem Ruf und erfüllt von Geist und Weisheit“ wählen, die sie dann durch Gebet und Handauflegung für ihren Dienst weihten; es waren: Stephanus Philippus Prochorus Nikanor Timon Parmenas Nikolaus, ein Proselyt aus Antiochia am Orontes.

Auslöser dafür waren Klagen der Hellenisten innerhalb der Gemeinde. Wegen ihrer aus dem Griechischen abgeleiteten Namen kann man wohl davon ausgehen, dass die genannten auch als Sprecher bzw. Leiter des hellenistischen Teils der Jerusalemer Urgemeinde fungierten. Im 1. Timotheusbrief heißt es über die Diakone:

Schon in der frühen Kirche scheint der Diakonat sowohl von Männern als auch von Frauen ausgeübt worden zu sein .José Gabriel Mesa Angulo: Der Diakonat im Spiegel der Paulusbriefe. In: Diaconia Christi, Jg. 50 (2015), Heft 1, S. 32–39, hier S. 37–38. So gab es bis zum Ende des oströmischen Reiches auch Diakoninnen, die abgesehen vom nicht vollzogenen Altardienst und der Assistenz bei der Taufe weiblicher Katechumenen ähnliche Aufgaben hatten wie die Diakone. Clemens von Rom († um 101) berichtet, dass die Apostel „ihre Erstlinge nach vorhergegangener Prüfung im Geiste zu Episkopen und Diakonen für die künftigen Gläubigen“ eingesetzt hätten.1. Clem. 42,4 Bei Ignatius von Antiochien schrieben Diakone Briefe für den Bischof, predigten oder wurden von ihm als Legaten zu anderen Kirchen gesandt.

Im Laufe des 2. Jahrhunderts entwickelte sich dann das in drei Stufen hierarchisch geordnete geistliche Amt: Diakon, Presbyter und Bischof. Als die Presbyter mehr und mehr die Feier der Eucharistie und die Leitung der Gemeinden übernahmen, wurden die Diakone nach und nach zu Gehilfen der Priester und unterstanden damit nicht mehr unmittelbar dem Bischof, der dann zu seiner Unterstützung einen Erzdiakon (vergleichbar mit dem späteren Generalvikar) berief. Im Laufe der Zeit verkümmerte der Diakonat in der katholischen Kirche sogar zu einer bloßen Durchgangsstufe auf dem Weg zum Priestertum (9. Jahrhundert).

In der Reformationszeit sah Johannes Calvin das Diakonenamt als eines der vier Ämter in der christlichen Gemeinde an. Es stand gleichberechtigt neben Pfarramt (Verkündigung, Sakramente), Presbyteramt (Gemeindeleitung, Gemeindezucht) und Lehramt (Unterweisung der Gemeinde). Er wies ihm die Aufgaben der Krankenfürsorge und der Verwaltung zu und gilt als Erneuerer des Diakonen-Amtes gemäß der ursprünglichen Bedeutung im neutestamentlichen Sinn. In der Folge gab es in vielen reformierten Gemeinden Älteste oder Presbyter, die für die Armenpflege zuständig waren.

In der evangelisch-lutherischen Kirche trug bis ins 19. Jahrhundert nur der Haupttheologe, d. h. der geschäftsführende Geistliche, der Gemeinde den Titel „Pastor“ oder „Pfarrer“. Weitere in der Gemeinde tätige, studierte und ordinierte Theologen trugen den Titel Diaconus bzw. Diakon (auch: Helfer), der erste unter mindestens zwei Diaconi den Titel Archidiaconus bzw. Archidiakon oder Erzdiakon oder auch Protodiaconus bzw. Protodiakon. Der Inhaber eines solchen Amts war Hilfsgeistlicher, nicht Diakon im Sinne des diakonischen Dienstes.

Der lutherische Theologe Johann Hinrich Wichern gilt als Erneuerer des Diakonenamtes auch im Bereich der evangelisch-lutherischen Kirche; er bezog sich dabei anerkennend auf die Erneuerung des Diakonenamts im Bereich der reformierten Kirche.

Diakone in der Neuzeit Heute gibt es den Diakonat im überwiegenden Teil der Kirchen. Dazu gehören die römisch-katholische Kirche, orthodoxe, evangelische, anglikanische und altkatholische Kirchen, aber auch neue Bewegungen wie die Neuapostolische Kirche und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage („Mormonen“). Daneben gibt es in einigen anderen Kirchen die Funktion des Diakons bisweilen unter anderen Bezeichnungen, so etwa in den Schweizer reformierten Kirchen als Gemeindehelfer oder bei den Zeugen Jehovas als Dienstamtgehilfe. Neben der Diakonie können Diakone in allen Kirchen auch Lehr- und Verkündigungsfunktionen haben.

Römisch-katholische Kirche mini|hochkant|Handauflegung in der katholischen Diakonenweihe, Polen (2006) mini|Prostratio in der katholischen Diakonenweihe, Frankreich, Gemeinschaft Sankt Martin (2025) Diakone gehören dem Klerikerstand an. Lange Zeit bis zum zweiten Vatikanischen Konzil wurde dieses Amt nur als Durchgangsstadium auf dem Weg zum Presbyterat gesehen.

Der Wohlfahrtspfleger Hannes Kramer, der Gründer des „Freiburger Diakonatskreises“, veröffentlichte 1952 den Beitrag Grundsätze des geweihten Diakonates, in dem er für eine Wiederentdeckung des frühkirchlichen Diakonates warb.Stefan Sander: Findet der Diakon vor lauter Mobilität seinen Platz in der Kirche nicht? In: Diaconia Christi, Jg. 52 (2017), Heft 1–2, S. 113–122, hier S. 115–116. Ähnliche Initiativen in anderen Ländern folgten. Papst Pius XII. erwähnte 1957 erstmals Überlegungen zur „Einführung eines Diakonatsstandes … als ein vom Priestertum unabhängiges Amt“,Pius XII.: Über das Laienapostolat. Ansprache an die Teilnehmer des zweiten Weltkongresses für Laienapostolat anlässlich der feierlichen Audienz am 5. Oktober 1957 in St. Peter zu Rom, zitiert in: Fabian Brand: Ersatz-Priester oder Laie? Entwürfe einer Theologie des Diakonats auf dem Weg zu „Lumen gentium“. In: Theologie und Glaube, Jg. 112 (2022), S. 15–34, hier S. 19. also nicht bloß als eine Durchgangsstufe zum Priestertum. Das Zweite Vatikanische Konzil nahm sie auf und gab den Weg für eine Erneuerung des Diakonates frei, indem es den Ständigen Diakonat einrichtete und damit einen im Urchristentum gelebten Zustand wiederherstellte. Seit 1968 können in der katholischen Kirche auch verheiratete Männer zu Diakonen geweiht werden, die entweder als hauptberufliche Seelsorger tätig sind oder in einem Zivilberuf arbeiten. Neben dem verheirateten Diakon gibt es auch den unverheirateten. Dieser muss vor der Weihe das Zölibatsgelübde ablegen. Auch verwitwete Diakone unterliegen einem Zölibatsgelübde und können nicht wieder heiraten. Weiterhin ist für unverheiratete Diakone der Diakonat auch heute ein Zwischenschritt zur Priesterweihe.

Aufgaben mini|Bischofsmesse mit Assistenz des Diakons Die Diakone assistieren dem Priester in der Missa cum diacono („Messe mit Diakon“), verkünden hier das Evangelium und können predigen. Sie können die Taufe spenden, kirchliche Trauungen und Begräbnisfeiern leiten, Wortgottesdienste feiern, die Kommunion und Segnungen spenden.

Durch zunehmenden Priestermangel und Zusammenlegung von Pfarreien übernehmen vermehrt Diakone Aufgaben. Seit langem wird diskutiert, ob es nicht sinnvoll wäre, ihnen auch die Vollmacht zur Spendung der Krankensalbung zu erteilen, da sie einen Kranken vor seinem Tod oft viele Jahre seelsorglich begleiten. Dies wird jedoch von der Kirche abgelehnt, unter anderem wegen der anzustrebenden Verbindung mit der Spendung des Bußsakraments und der eigenen sündenvergebenden Wirkung der Krankensalbung. Dazu schreibt Michael Kunzler:

Wenn der Diakon die Liturgie leitet, trägt er Diakonenstola und Pluviale oder auch nur die Diakonenstola allein über dem Chorgewand oder der Albe. Bei der Assistenz in der Heiligen Messe („Messe mit Diakon“) trägt er die Dalmatik, die über Albe und Stola getragen wird.

Schwerpunkt diakonischer Arbeit ist aber der Dienst an den Armen und Benachteiligten der Gesellschaft. Hier liegen den Diakonen besonders die körperlich, seelisch, geistig und sozial Bedürftigen am Herzen. Deshalb gelten sie als das „soziale Gewissen“ der Kirche. In Notsituationen (wenn für eine Gemeinde auf Dauer kein Pfarrer gefunden werden kann) können die Bischöfe auch einen Diakon als Bezugsperson für eine Gemeinde einsetzen und ihm insbesondere die geistliche Leitung dieser Gemeinde übertragen.

Rahmenbedingungen Bewerber für das Amt des Diakons können verheiratet sein (sogenannte viri probati, Mindestalter 35 Jahre) oder sich zum Zölibat verpflichten (Mindestalter 25 Jahre; ist eine anschließende Priesterweihe beabsichtigt, 23 Jahre).CIC Can. 1031 § Verheiratete Männer, die zum Diakon geweiht werden, legen kein Zölibatsversprechen ab. Wenn ihre Frau stirbt oder die Ehe kirchenrechtlich annulliert wird, können sie grundsätzlich nicht wieder heiraten, denn ihre Weihe gehört zu den trennenden Ehehindernissen.CIC Can. 1087 § Durch den Bischof kann davon dispensiert werden, unter anderem dann, wenn kleine Kinder zu versorgen sind. Bei verheirateten Bewerbern ist die Zustimmung der Frau zur Weihe eine Voraussetzung. Der Ständige Diakonat kann sowohl neben einem Zivilberuf als auch im Hauptberuf ausgeübt werden.

Die Weihe eines Diakons setzt – neben der Berufung – den Abschluss eines theologischen Studiums (Hochschule, Fernkurs oder bistumseigenes Institut) und in der Regel eine vierjährige Ausbildungszeit in einem Bewerber- bzw. Diakonatskreis voraus. In den deutschen Bistümern gab es am 1. Januar 2013 insgesamt 3.166 Diakone.Quelle:

Der Diakonat für Frauen