mini|hochkant=1.0|Louise Otto-Peters rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8|Unterschrift Louise Otto-Peters Louise Otto-Peters (auch Luise Otto-Peters, Pseudonyme Otto Stern, Malvine von Steinau; * 26. März 1819 in Meißen; † 13. März 1895 in Leipzig) war eine sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung.Ursula Birsl, Gisela Notz, Inge Wettig-Danielmeier, Christl Wickert: 90 Jahre Frauenwahlrecht! vorwärts buch, Berlin 2008.

Leben und Wirken Herkunft und Jugend mini|Geburtshaus von Louise Otto-Peters in Meißen mini|Auguste Schmidt und Louise Otto-Peters, Die Gartenlaube, 1871 Louise Otto war die jüngste der vier Töchter der Charlotte Otto, geborene Matthäi (1781–1835) und ihres Gatten, des Gerichtsdirektors und Senators Fürchtegott Wilhelm Otto (1776–1835); sie wuchs im bürgerlich wohlhabenden Haushalt der Eltern in Meißen auf (dem heute denkmalgeschützten Wohnhaus Baderberg 2). Nach ihrer Konfirmation 1834 war ihr keine weitere schulische Bildung mehr möglich. Ihre älteste Schwester und der einzige Bruder starben früh, die Eltern erlagen 1835 im Abstand von wenigen Monaten einer Lungenentzündung; somit wurde Louise Otto mit 16 Jahren Vollwaise. Zunächst blieb sie unter der Betreuung einer Tante mit ihren beiden älteren Schwestern im elterlichen Haus wohnen. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie vor allem aus der Erbschaft und ihren schriftstellerischen, später eher publizistischen Tätigkeiten. 1840 verlobte sie sich mit Gustav Müller, der im folgenden Jahr starb.

Publizistische Tätigkeiten Als junge Frau hatte Louise Otto in Oederan die bedrückenden Lebensverhältnisse der Arbeiterfamilien in dem aufblühenden Industriestädtchen kennengelernt. Als sie darüber ein Gedicht „Die Klöpplerinnen“ im Oederaner Stadtanzeiger veröffentlichte, löste sie große Empörung aus.

1843 erschien ihr erster Roman Ludwig der Kellner, im selben Jahr veröffentlichte sie einen Leserbrief in den Sächsischen Vaterlandsblättern; hierin erklärte sie: „Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht.“Zit. n. Lucia Halder: Louise Otto-Peters 1819–1895. Lebendiges Museum Online, 14. September 2014, abgerufen am 30. Januar 2026. Damit unterstützte sie den Politiker und Herausgeber dieses Blattes Robert Blum, der die Frage nach der aktuellen politischen Stellung von Frauen aufgeworfen hatte. Ihr zweiter Roman Kathinka erschien 1844 - in diesem orientierte sie sich genau wie in ihrem ersten sehr an den Anschauungen der französischen Schriftstellerin George Sand.

1845 unternahm Louise Otto eine Bildungsreise durch Thüringen. Das Erlebnis der blutigen Niederschlagung eines Aufstands während dieser Reise wurde zur Initialzündung, sich für die Rechte und für die Unterstützung der Arbeiter, aber auch ihrer Frauen einzusetzen. 1846 kam ihr entschieden sozialkritischer Roman Schloss und Fabrik heraus, in dem sie die bittere Not der Industriearbeiter und deren Aufbegehren beschrieb - er wurde von der Zensurbehörde nach seinem Erscheinen sofort verboten und erst nach Abmilderung einiger „gefährlicher Stellen“ wieder freigegeben.

In dieser Zeit intensivierte Louise Otto ihr sozialkritisches Engagement und veröffentlichte zahlreiche gesellschaftskritische Artikel, zumeist unter dem Pseudonym „Otto Stern“, da es Frauen mit solchen öffentlichen Aktivitäten zu dieser Zeit recht schwer hatten, akzeptiert zu werden. In diesen Arbeiten warf sie zwei Forderungen mit großem Nachdruck immer wieder auf: Erstens, die Arbeitswelt für Frauen zu öffnen und zweitens, die Lebensbedingungen für Frauen zu verbessern.

Durch ihre Publikationen war Louise Otto zu einer von der Öffentlichkeit beachteten Person geworden. Ihre 1847 erschienene Gedichtsammlung Lieder eines deutschen Mädchens führten auch zu der Bezeichnung „Lerche des Völkerfrühlings“, da ihre Verse von der Aufbruchstimmung des Vormärz getragen waren. Das brachte ihr Anerkennung in demokratischen und Arbeiterkreisen ein. Diese Liedersammlung hatte sie dem bekannten Dichter Alfred Meißner gewidmet.

Im selben Jahr erschien in dem von Robert Blum herausgegebenen Vorwärts. Volkstaschenbuch für das Jahr 1847 ein bedeutender Artikel von Louise Otto Über die Theilnahme der Frauen am Staatsleben. Hierin entwickelte sie programmatische Vorschläge für eine organisierte „Frauenbewegung“ mit den Forderungen: Gleichberechtigung von Mann und Frau, Zugang der Mädchen und Frauen zur Bildung.

Weitere Veröffentlichungen von ihr in dieser Zeit finden sich in den Zeitschriften „Constitutionelle Staatsbürger-Zeitung“, „Der Komet“, „Der Leuchtturm“, „Der Wandelstern“, „Neue Zeitschrift für Musik“, „Nord und Süd“, „Typographia“, „Unser Planet“, „Veilchen, harmlose Blätter für die moderne Kritik“ und anderen.

In Dresden hatte Louise Otto bei ihren Studien von dem fortschrittlichen deutschkatholischen Prediger Johannes Ronge gehört, den sie dann bei einer Schlesienreise aufsuchte. Bei dieser Begegnung war sie besonders angetan von der Idee der gleichberechtigten Stellung von Frauen in den deutschkatholischen Gemeinden, die sogar zuließen, dass Frauen in Kirchenämter gewählt wurden.

Sowohl breite Zustimmung wie auch scharfen Widerspruch löste 1848 ihre Adresse an den hochverehrten Minister Oberländer in Dresden aus, in der Louise Otto forderte: „Meine Herren! Im Namen der Moralität, im Namen des Vaterlandes, im Namen der Humanität fordere ich Sie auf: Vergessen Sie bei der Organisation der Arbeit die Frauen nicht!“Louise Otto-Peters: Das Recht der Frauen auf Erwerb. Leipzig 1997, S. 118 [Hervorhebung im Original]. Dabei ging es um die Besetzung einer Kommission, die zu wirtschaftspolitischen Fragen in Sachsen Vorschläge insbesondere der Arbeitsorganisation erarbeiten sollte. Sie habe daher auch für die Organisation der Frauenarbeit zu sorgen, unter anderem deshalb, um Frauen nicht in die Prostitution zu treiben. Louise Ottos Forderung, für die zu besetzende Arbeiterkommission auch Frauen zu benennen, wurde damals nahezu als Skandal empfunden. Es kam zu einem Gespräch mit den Ministern Oberländer und Georgi, in dem sie ihre Forderungen noch einmal vortrug.

Vorkämpferin für Frauenrechte Louise Otto organisierte nun Versammlungen zur Aufklärung über die Lage der Arbeiterinnen, sie wurde Mitbegründerin eines Vaterlandsvereins und stand in regem Austausch mit den sich zunehmend organisierenden Arbeiterinnen und Arbeitern.

Während der Märzrevolution wurde Louise Otto 1849 Herausgeberin der von ihr begründeten Frauen-Zeitung unter dem Motto „Dem Reich der Freiheit werb ich Bürgerinnen!“.Programm der Frauen-Zeitung FrauenMediaTurm, abgerufen am 30. Januar 2026.. Das verschärfte die Aufmerksamkeit der sächsischen Zensurbehörde auf sie. Es folgten Hausdurchsuchungen, Verhöre sowie die Auflösung der von ihr mitbegründeten Dienstboten- und Arbeiterinnenvereine .

Die Frauen-Zeitung wurde 1850 nach einem eigens für sie geänderten sächsischen Pressegesetz (Lex Otto) verboten, das seitdem Frauen die Herausgabe von Zeitungen untersagte.Claudia von Zglinicki: Für sie wurde die Lex Otto erfunden. In: der Freitag. 23. April 1999 (online, abgerufen am 30. Januar 2026). Die Redaktion zog daraufhin nach Gera im benachbarten Fürstentum Reuß; dort erfolgte 1852 ein Verbot durch ein ähnliches Gesetz.

Den Schriftsteller August Peters hatte Louise Otto in den 1840er Jahren kennengelernt. 1851 verlobte sie sich mit ihm,Vgl. Karl-Maria Guth (Hrsg.): Louise Otto-Peters. Frauenleben im deutschen Reich: Erinnerungen aus der Vergangenheit mit Hinweis auf Gegenwart und Zukunft. Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie der Autorin, S. 184. noch während seiner Haft in einem Gefängnis, wo er eine Strafe wegen der Teilnahme an den Revolutionskämpfen von 1848/49 verbüßen musste. Nach dem Erlass seiner Reststrafe 1856 fand am 24. November 1858 die Hochzeit statt. Danach lebte das Ehepaar ab 1859 in Leipzig. Louise Otto-Peters arbeitete nun in Bibliotheken in Dresden und Leipzig. Außerdem schrieb sie Artikel, Rezensionen und Romane und gab mit ihrem Mann die Mitteldeutsche Volkszeitung heraus, deren Feuilleton sie leitete. 1864 starb ihr Mann.

Gründerin und Leiterin von Frauenvereinen mini|„Die Führerinnen der Frauenbewegung in Deutschland“ in der Gartenlaube 1883. Louise Otto-Peters in mittlerer Reihe links. 1865 gründete Louise Otto-Peters den Leipziger Frauenbildungsverein, zusammen mit Auguste Schmidt, Ottilie von Steyber und Henriette Goldschmidt. Außerdem berief sie noch im gleichen Jahr die erste deutsche Frauenkonferenz nach Leipzig. Dort gründete sie mit anderen Mitstreiterinnen den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF), die erste größere Frauenrechtsorganisation im Deutschen Reich, und wurde dessen erste Vorsitzende.André Böttger: Frauenwahlrecht in Deutschland – ein Rückblick. In: Marjaliisa Hentilä; Alexander Schug (Hrsg.): Von heute an für alle! Hundert Jahre Frauenwahlrecht. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2006, S. 61–70, hier S. 62 ff. Ziel des Vereins waren vor allem das Recht der Frauen auf Bildung, auf Erwerbsarbeit und den Zugang zu Hochschulstudiengängen. Otto-Peters arbeitete derweil auch in der Redaktion der Vereinszeitung Neue Bahnen mit.Die sich später daraus entwickelnde gemäßigt feministische Zeitschrift Der Frauenanwalt sollte später von Elsbeth Krukenberg-Conze weitergeführt werden. Als Mitherausgeberin hatte sie Kontakte zu August Bebel, Julius Mühlfeld und Ludwig Eckardt.

Von Otto-Peters gingen Anregungen aus, Arbeiterinnen nicht nur als Zielgruppe karitativen und pädagogischen Wirkens, sondern auch als Mitstreiterinnen für die Rechte der Frau anzusprechen. Auf dem Philosophie-Kongress 1869 in Frankfurt/Main vertrat sie den Verein mit einem eigenen Redebeitrag, um damit noch mehr Öffentlichkeit und Akteure für die Rechte der Frauen zu erreichen. mini|links|hochkant|Grabstein von Louise Otto-Peters und ihrem Mann auf dem Alten Johannisfriedhof

1890 entstand auf ihre Anregung der Leipziger Schriftstellerinnen-Verein als erste weibliche literarische Gesellschaft in Deutschland, 1892 wurde sie zu dessen Ehrenmitglied ernannt.Manfred Leyh: Ehrendiplom für die Schriftstellerin. In: Johanna Ludwig, Rita Janek (Hrsg.): Louise Otto-Peters. Ihr literarisches und publizistisches Werk. Katalog zur Ausstellung. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 1995 S. 113. Ihr letzter öffentlicher Auftritt war 1894 aus Anlass der Eröffnung des ersten Gymnasialkurses für Frauen und Mädchen in Leipzig. mini|Diplom für die Ehrenmitgliedschaft des Leipziger Schriftstellerinnen-Vereins, 1892 mini|hochkant|links|„Führerinnen der Frauenbewegung“,Illustration aus Die Gartenlaube, 1894L. Otto-Peters ist in der oberen Reihe die erste von links. Am 13. März 1895 starb Louise Otto-Peters sechsundsiebzigjährig in Leipzig. Sie wurde neben ihrem Ehemann auf dem Neuen Johannisfriedhof in Leipzig beigesetzt. Seit der Auflösung des Neuen Johannisfriedhofs befindet sich beider Grabstein auf dem Alten Johannisfriedhof.

Sonstiges 1865 verfasste sie das Libretto für die Oper Theodor Körner, die der Komponist Wendelin Weißheimer zum 50. Jubiläum der Völkerschlacht bei Leipzig komponiert hatte.

Ehrungen Denkmäler und Gedenktafeln mini|Denkmal im Leipziger Rosental mini|Gedenktafel am Geburtshaus in Meißen Louise-Otto-Peters-Denkmal in Leipzig im Rosental, 1900 gestiftet, mit Gedenktafel der Louise-Otto-Gesellschaft von 2000/2017 Louise-Otto-Peters-Gedenkstein in Leipzig in der Kreuzstraße 31, am ehemaligen Wohnhaus, 1995 durch Louise-Otto-Peters-Gesellschaft Grabstein auf dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig (umgesetzt) Baum für Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt im Friedenspark (vormals Neuer Johannisfriedhof) in Leipzig, seit 2016 Gedenktafel für Louise Otto-Peters in der Zentrale der Deutschen Bank in Leipzig, Straße des 18. Oktober Gedenktafel am Geburtshaus in Meißen, Baderberg 2