Die Republik Moldau (; auch Moldawien genannt) ist ein Binnenstaat in Ost- bzw. Südosteuropa.Zuordnung zu Südosteuropa laut Peter Jordan: Großgliederung Europas nach kulturräumlichen Kriterien. Online via stagn.de (Ständiger Ausschuss für geographische Namen) 2007, abgerufen am 23. Mai 2026. Siehe S. 169, Spalte 3 unten. Er grenzt im Westen an Rumänien. Im Norden, Osten und Süden wird die Republik Moldau vollständig von der Ukraine umschlossen, denn zwischen Moldau und dem Schwarzen Meer liegt die ukrainische Region Budschak, die von Bessarabien abgetrennt wurde.
Historisch gehörte das Territorium ab der Gründung des Fürstentums Moldau zu diesem Staat, ab 1812 zum Russischen Kaiserreich, nach dem Ersten Weltkrieg großteils zu Rumänien und ab 1940 / 1944 zur Sowjetunion. Als eigenständiger Staat existiert die Republik Moldau seit 1991, als sich die Moldauische SSR während der Auflösung der Sowjetunion für unabhängig erklärte. Seit jener Zeit behindert der Transnistrien-Konflikt erheblich die politische Entwicklung des Staates;Transnistrian Market and its Impact on Policy and Economy of the Republic of Moldova. Friedrich-Ebert-Stiftung, Chisinau 2005, S. 25 ff. (PDF; 483 kB). Research Paper on Transnistria. Center for Strategic Studies and Reforms, Chisinau – Tiraspol, November 2003 (PDF; 494 kB). der Staatsteil Transnistrien steht nicht unter Kontrolle der moldauischen Regierung. Moldau ist seit dem 23. Juni 2022 EU-Beitrittskandidat.
Landesname Der offizielle Staatsname in der Amtssprache Rumänisch als auch im Englischen lautet . Er geht zurück auf den Fluss Moldova (deutsch: Moldau; nicht zu verwechseln mit der Moldau in Tschechien), auch wenn das Staatsgebiet heute nicht mehr vom Fluss berührt wird.
Die offizielle Bezeichnung in Deutschland, Österreich und der Schweiz lautet Republik Moldau.Vgl. die Information des deutschen Auswärtigen Amtes und die Website der moldauischen Botschaft in Berlin.stagn.deEDA: Liste der Staatsbezeichnungen In deutschsprachigen Ländern wird der Staat nichtamtlich noch häufig Moldawien genannt, was aus der Zeit der Zugehörigkeit zur Sowjetunion herrührt. Seine Bürger heißen Moldauer. Im Englischen werden sie genannt, auch .
Die Verwechselung zwischen der Republik Moldau und der Region Moldau in Rumänien hat historische Gründe. Das ursprüngliche Fürstentum Moldau umfasste seit dem Mittelalter sowohl das Gebiet der heutigen Republik als auch die heutige rumänische Region. Bei der rumänischen Staatswerdung wurde das Gebiet aber von Russland nach dem achten Krieg gegen die Osmanen 1812 geteilt.
Geographie Die Republik Moldau erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über 350 Kilometer und west-östlich über 150 Kilometer auf einer Gesamtfläche von 33.843 Quadratkilometern. Damit zählt der Staat im weltweiten Vergleich zu den kleineren. Das Kerngebiet liegt zwischen den beiden größten Flüssen Dnister (moldauisch/rumänisch Nistru) und Pruth (Prut) und damit in der historischen Landschaft Bessarabien. Der Norden grenzt an die Podolische Platte der Westukraine.
Der südlichste Punkt der Republik Moldau ist Giurgiulești, wo der Staat auf 600 m Länge linksufrig Zugang zur Donau hat. Die südöstliche Landesspitze reicht fast – bis auf gut zwei Kilometer – an den Dnister-Liman heran, den Mündungsarm des Flusses Dnister in das Schwarze Meer. Ein kleinerer Teil des Staates mit etwa 17 % der Bevölkerung auf 12 % der Fläche liegt östlich (= links) des Dnister und hat sich 1992 im Zuge des Transnistrien-Konflikts unter dem Namen Transnistrien abgespalten.
Flüsse und Landschaft mini|Der Răut im Nationalpark Orhei
Der Pruth mündet nahe der Südgrenze der Republik Moldau in die Donau. Die größeren Nebenflüsse (Bîc, Răut und Botna) verlaufen großteils parallel und entwässern zum Dnister.
Die Landschaft ist flachwellig (zwischen und ) und zu 80 % Kulturland, was der fruchtbaren Schwarzerde in der Steppe des Südens zu verdanken ist. Im Norden ziehen sich hügelige Ebenen mit lichten Eichenwäldern und Baumsteppen. Die höchste Erhebung der Republik Moldau ist der Dealul Bălănești (). Das warme, trockene Klima ermöglicht Wein- und Obstbau in großem Maßstab.
Einheimische Tiere sind beispielsweise Reh, Wildschwein, Hase, Fuchs, Wolf, Wiesel, Iltis und Luchs, zudem Nagetiere. Der zentrale Teil des Staates, umgangssprachlich als Codrii („die Wälder“) bekannt, ist überwiegend mit Eichen- und Buchenwäldern bedeckt.
Naturschutz mini|Naturschutzgebiet Bugeac in Gagausien
189.385,9 Hektar sind als Schutzgebiete ausgewiesen, das entspricht 5,61 % der Staatsfläche (Stand: 2018). Seit 2013 besteht mit dem 33.792,09 ha großen Parcul Național Orhei südlich von Orhei der erste Nationalpark der Republik Moldau. Das 2018 geschaffene Biosphärenreservat Prutul de Jos am Beleu-See umfasst 14.771,04 ha. Ein zweiter Nationalpark, Parcul Național Nistrul de Jos, wurde am 31. März 2022 durch Parlamentsbeschluss gebildet. Das Gebiet umfasst 61.883,99 ha. Am 20. Oktober 2000 trat die Republik Moldau der Ramsar-Konvention bei, einem Übereinkommen zum Schutz international bedeutsamer Feuchtgebiete. Die Gesamtfläche der drei Ramsar-Gebiete des Staates beträgt 94.705 ha und überschneidet sich teilweise mit dem Gebiet des Biosphärenreservates bzw. einem der Nationalparks.
Laut einer weltweiten Studie der University of Leeds vom Februar 2018 ist die Republik Moldau der einzige Staat Europas, dessen Entwicklung sich innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen vollzieht.
Städte mini|Der Triumphbogen in Chișinău
2023 lebten 43 Prozent der Einwohner Moldaus in Städten. Die größten Städte des Staates sind:
Bevölkerung Demografie
Die Republik Moldau hatte laut dem Zensus 2024 2,4 Millionen Einwohner. Im Vergleich zu 2014 ist die Bevölkerung somit um 13,9 % zurückgegangen. Zum Bevölkerungsrückgang trug ein Sterbeüberschuss sowie die negative Migrationsbilanz des Landes bei. Die Geburtenrate lag 2023 bei etwa 10,8 pro 1000 Einwohnern, die Sterberate bei 16,6 pro 1000 Einwohnern. Die durchschnittliche Anzahl der Geburten pro Frau lag 2023 bei 1,73. Die Lebenserwartung der Einwohner Moldaus ab der Geburt lag 2022 bei 68,6 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 36,1 Jahren. Im Jahr 2023 waren 19,1 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 12,7 Prozent der Bevölkerung betrug.
Bevölkerungsstruktur mini|Ethnische Gruppen laut Zensus 2014
Die Bevölkerung der Republik Moldau ist unterschiedlicher ethnischer Herkunft: Die größte Gruppe machten zur Volkszählung 2024 (ohne Transnistrien) die rumänischsprachigen Moldauer mit 77,2 % aus, darauf folgten Rumänen (7,9 %), Ukrainer (4,9 %), Gagausen (4,2 %), Russen (3,2 %), Bulgaren (1,6 %), Roma (0,4 %) sowie einige Juden, Deutsche, Polen, Belarussen, Tataren, Ungarn usw..
Sowohl in der gesamten Republik Moldau als auch jeweils östlich sowie westlich des Dnister machen die drei großen Volksgruppen der Moldauer, Ukrainer und Russen zusammen über 91 % der Bevölkerung aus. Getrennt betrachtet ist die Verteilung jedoch unterschiedlich: Während in Transnistrien von 555.347 Einwohnern 31,9 % Moldauer (gegenüber 40,1 % zu Sowjetzeiten 1989), aber 30,3 % Russen und 28,9 % Ukrainer sind, machen in der restlichen Republik Moldau die rumänischen Moldauer 77,2 % und 7,9 % Rumänen (bei 4,9 % Ukrainern und 3,2 % Russen) der 2.401.200 Einwohner aus.
+Bevölkerung der Republik Moldau nach Ethnizität (Zensusdaten 1959–2014) Ethnie 1959 1970 1979 1989 2004**(ohne Transnistrien) 2014(ohne Transnistrien) Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Moldauer * 1.886.566 65,41 2.303.916 64,56 2.525.687 63,95 2.794.749 64,47 2.564.849 76,12 2.068.058 75,07 Rumänen * 1.663 0,06 1.581 0,04 1.657 0,04 2.477 0,06 73.276 2,17 192.800 7,00 Ukrainer 420.820 14,59 506.560 14,19 560.679 14,20 600.366 13,85 282.406 8,38 181.035 6,57 Gagausen 95.856 3,32 124.902 3,50 138.000 3,49 153.458 3,54 147.500 4,38 126.010 4,57 Russen 292.930 10,16 414.444 11,61 505.730 12,81 562.069 12,97 201.218 5,97 111.726 4,06 Bulgaren 61.652 2,14 73.776 2,07 80.665 2,04 88.419 2,04 65.662 1,95 51.867 1,88 Roma 7.265 0,25 9.235 0,26 10.666 0,27 11.571 0,27 12.271 0,36 9.323 0,34 Belarussen 5.977 0,21 10.327 0,29 13.874 0,35 19.608 0,45 5.059 0,15 2.828 0,10 Juden 95.107 3,30 98.072 2,75 80.124 2,03 65.836 1,52 3.628 0,11 1.597 0,06 Polen 4.783 0,17 4.899 0,14 4.961 0,13 4.739 0,11 2.383 0,07 1.404 0,05 Deutsche 3.843 0,13 9.399 0,26 11.374 0,29 7.335 0,17 1.616 0,05 914 0,03 Andere oder keine Angabe 7.947 0,28 11.734 0,33 16.049 0,41 24.590 0,57 9.444 0,28 7.157 0,26* Ob die Moldauer eine von den Rumänen getrennte Ethnie bilden oder ein Teilvolk der Rumänen sind, ist umstritten.** Es gibt Kritik an diesen Zahlen: 7 von 10 Beobachtergruppen innerhalb des Europarates zufolge wurde Einwohnern von Volkszählern empfohlen, sich als Moldauer und nicht als Rumänen zu bezeichnen. 18,8 % der Teilnehmer bezeichneten sich als Moldauer, gaben aber an, Rumänisch als Muttersprache zu sprechen.
2017 waren 3,5 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Häufigste Herkunftsstaaten waren die Ukraine und Russland mit jeweils 60.000 Personen.
Sprachen Die Amtssprache ist Rumänisch.Offizielle Seite der Regierung der Republik Moldau. Als Ausdruck eines sprachlichen Separatismus hatte die Regierung 1994 dafür in der Verfassung zwischenzeitlich die Bezeichnung „moldauische Sprache“ durchgesetzt. Diese Bezeichnung war bereits in der Zeit der Moldauischen SSR verwendet worden, die allerdings keinen Status als Amtssprache besaß. Seit 2013 wird die Bezeichnung „moldauische Sprache“ nicht mehr offiziell verwendet.
Die Alltagssprache in Chișinău und den Zentren der Rajons entspricht der moldauisch gefärbten Variante des Rumänischen (moldoveneasca). Es gibt einige aus dem Russischen entlehnte Neologismen, an deren Stelle im mehr westlich orientierten rumänischen Nachbarstaat englische oder französische Entlehnungen verwendet werden.
In der Republik Moldau wird jährlich der offizielle Feiertag Limba Noastră cea Română begangen, der an den 31. August 1989 erinnert, an dem Rumänisch in der Moldauischen SSR Amtssprache wurde.
Ab 1940/1944 wurde in der Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik das kyrillische Alphabet (wieder-)verwendet. Mit dem Zerfall der Sowjetunion ab 1989 und der Unabhängigkeit 1991 wurde schließlich die Einführung der lateinischen Schrift beschlossen (siehe Hintergründe zur moldauischen Sprache). In der von der Republik Moldau abtrünnigen Region Transnistrien wird Moldauisch offiziell nach wie vor in kyrillischer Schrift geschrieben.
Bedingt durch die lange Zugehörigkeit zum Russischen Reich und später zur Sowjetunion kommt der russischen Sprache eine Sonderrolle zu. Das Russische ist im Alltag besonders in den größeren Städten und in der Wirtschaft präsent. Einen offiziellen Status als Amtssprache besitzt es jedoch nur in den Staatsteilen Gagausien (neben dem Gagausischen) und in Transnistrien (neben dem Ukrainischen). Einer Studie aus dem Jahr 2011 zufolge besitzen 99 % der Bevölkerung Kenntnisse des Russischen.jurnal.md: . Für 11,1 % der Bevölkerung ist es die Muttersprache.demoscope.ru In mehreren größeren Städten gibt es russischsprachige Mehrheiten, insbesondere in Bălți, wo Russisch de facto auch auf offizieller Ebene verwendet wird.
Religionen Die Republik Moldau ist ein christlich geprägter Staat. Über 90 % der Bevölkerung gehören verschiedenen orthodoxen Konfessionen an. Zudem gibt es katholische und jüdische (0,05 %) Minderheiten, zunehmend auch Baptisten und Zeugen Jehovas.Der Fischer Weltalmanach 2013: Zahlen Daten Fakten. Fischer, Frankfurt, September 2012, ISBN 978-3-596-72913-5. Bei den Muslimen in der Republik Moldau (etwa 3.000) sind besonders Zuwanderer aus ehemaligen Sowjetrepubliken vertreten.
Religionsgeschichte