Die Schönstattbewegung (auch Apostolische Bewegung von SchönstattPäpstlicher Laienrat im Vatikan (Hrsg.): Die geistlichen Gemeinschaften der katholischen Kirche. Kompendium. ISBN 3-7462-1995-7 (vatican.va).) ist eine internationale Vereinigung von Gläubigen in der katholischen Kirche mit apostolischer Ausrichtung. Ursprungsort wie geistlicher Mittelpunkt ist Schönstatt, ein Ortsteil von Vallendar bei Koblenz. Die föderal aufgebaute Bewegung wird durch das sogenannte Generalpräsidium koordiniert, das seinen Sitz in Schönstatt hat. mini|Logo der internationalen Schönstattbewegung

Geschichte Die Geschichte der Schönstattbewegung war anfangs stark durch die beiden Weltkriege geprägt, in denen viele Schönstätter in Kontakt mit anderen Soldaten und Gefangenen kamen. Zwischen den Kriegen wuchs die junge Bewegung stark an. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand sie auf dem Prüfstand der katholischen Kirche und war im Konflikt mit den Pallottinern. Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil wurden die Ideen Josef Kentenichs bestätigt und die Bewegung breitete sich weiter aus.

Gründung Der Gründer der internationalen Schönstattbewegung, Pater Josef Kentenich, war ab Ende Oktober 1912 Spiritual des Studienheims der Pallottiner, eines Knaben-Internats in Schönstatt bei Vallendar, und als solcher mit der Aufgabe der seelischen Begleitung und Unterstützung der Jugendlichen betraut. Dabei entwickelte und lehrte er die Kentenich-Pädagogik, eine pädagogische Technik, mit der der Erzieher dem zu Erziehenden hilft, sein individuelles Ideal zu erkennen und zu entfalten. Zu Kentenichs berühmtesten Schülern gehört u. a. Josef Engling.

Als Spiritual erkannte er, dass die Kirche seiner Zeit aus unzähligen Formen, Regeln und Traditionen bestand, jedoch im Leben und den Herzen der Menschen oft kaum mehr als eine Pflicht war.

Bereits in den Weihnachtsferien 1912/13 gründete er mit interessierten Schülern einen Missionsverein, der sich zu einer am 19. April 1914 gegründeten Marianischen Kongregation weiterentwickelte, deren Schwerpunkte die Eucharistie und die Mission waren. Zentrales Thema waren die Erneuerung des katholischen Glaubens, weniger von der theoretischen Seite als vielmehr infolge Beobachtung des Lebens. mini|Das Urheiligtum von Schönstatt in Vallendar, Deutschland Als Versammlungsraum richtete sich die Gruppe eine leer stehende ehemalige Friedhofskapelle des früheren Augustinerinnen-Klosters Schönstatt her. Diese Kapelle wurde im Laufe der Jahrzehnte als Urheiligtum zum geistigen Mittelpunkt der Bewegung.

Im Ansinnen, den christlichen Glauben wieder mit dem alltäglichen Lebensvollzug in Einklang zu bringen, schlossen er und die Mitglieder der Marianischen Kongregation am 18. Oktober 1914 zum ersten Mal das Liebesbündnis, ein Bündnis mit Maria nach dem Vorbild des biblischen Gottesbundes. Dieser Vorgang wurde später als Gründungsurkunde bekannt.

Zu zentralen Themen für die sich entwickelnde Kongregation wurden der psychologische Zugang zur eigenen individuellen Persönlichkeit und die daraus erstehenden Ansatzpunkte für einen persönlichen Glauben, die Betonung der Gemeinschaft und mithilfe einer Idealpädagogik der eigenen Berufung auf die Spur zu kommen (sowohl persönlich als auch für ein Ehepaar oder eine ganze Gruppe). Ihr liegt der Gedanke zugrunde, dass Gott in der eigenen Persönlichkeit, in der Beziehung eines Paares oder im Zusammenkommen einer Gruppe eine Idee (oder auch Sinn) grundgelegt hat, der es nachzuspüren und die es bspw. über die Anwendung einer Geistlichen Tagesordnung Schritt für Schritt zu verwirklichen gilt (Werde, was du bist!).

Ausbreitung Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden die jungen Männer des Internates als Soldaten einberufen. So verbreiteten sie ihre Ideen auch unter ihren Kameraden und fanden in religiös interessierten Soldaten Anhänger. Als Kommunikationsmittel diente die Zeitschrift „Mater ter admirabilis“, in der Briefausschnitte von Soldaten und Berichte über Ereignisse in Schönstatt zu lesen waren. Nach Kriegsende wurde Pater Kentenich für die Betreuung der inzwischen deutlich gewachsenen Gruppe freigestellt.

Am 20. August 1919 gründete eine Gruppe von ehemaligen Soldaten den Apostolischen Bund, ein Jahr später entstand die Apostolische Liga. Bald schon schlossen sich auch Frauen der Bewegung an und bildeten den Frauenbund; erste Mitglieder wurden am 8. Dezember 1920 Gertraud Gräfin von Bullion und ihre Cousine Marie Christmann. In den 1920er-Jahren erfuhr die junge Bewegung eine große Verbreitung. Insbesondere bei Lehrern, Theologiestudenten und Priestern fand sie Anklang.

Durch das Anwachsen der Bewegung entstanden in den folgenden Jahren viele Gemeinschaften: Aus dem Frauenbund entstanden 1926 die Schönstätter-Marienschwestern und 1938 die Frauen von Schönstatt. Binnen zweier Jahrzehnte war die Schönstattbewegung vielerorts innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands präsent und breitete sich auch im Ausland aus. 1933 wurden erstmals Marienschwestern nach Südafrika, Brasilien, Argentinien und Chile ausgesandt, um die dort entstehenden Schönstatt-Gruppen zu unterstützen.

Pater Josef Kentenich hielt in dieser Zeit zwischen den beiden Weltkriegen viele Exerzitien, Vorträge und Tagungen.

Probleme im Nationalsozialismus Die Kirchenfeindlichkeit des NS-Staates wirkte auch und besonders auf die Schönstattbewegung ein, die erklärtermaßen den nationalsozialistischen Idealen zuwiderlief. Viele Schönstätter litten im Nazi-Regime unter Schikanen, Strafversetzungen, Predigt- und Redeverboten und Hausdurchsuchungen. Manche wurden auch verhaftet und kamen in Konzentrationslager, darunter der Gründer Pater Kentenich, seine engen Mitarbeiter Pater Josef Fischer und Pater Albert Eise sowie Heinz Dresbach, Heinrich König und Karl Leisner. Pater Franz Reinisch verweigerte den Fahneneid auf Hitler und wurde dafür zum Tode verurteilt.

mini|Pater Josef Kentenich im Konzentrationslager Dachau (zweiter von rechts). Pater Kentenich wurde am 20. September 1941 verhaftet und gelangte schließlich ins KZ Dachau. Dort arbeitete er in der Gefangenschaft weiter und die Ideen der Schönstatt-Bewegung verbreiteten sich auch unter Mitgefangenen, die sie nach dem Krieg in viele andere Länder weitertrugen. Es gelang Kentenich, über einen Wärter Briefe nach außen zu den Marienschwestern zu schmuggeln. Er verbarg seine theologischen Gedanken und Weisungen an die Marienschwestern aus Sicherheitsgründen in scheinbar naiven Versen, die später als „Hirtenspiegel“ und als „Himmelwärts“ veröffentlicht wurden. Aus dem Konzentrationslager heraus gründete Pater Kentenich das Institut der Schönstattfamilien und die Marienbrüder.

Kaplan Gerhard Daldrup in Ibbenbüren war einer ihrer Anhänger, wobei er besonders die „Madonna von Schönstatt“ verehrte. Oft traf sich die Pfarrjugend an der örtlichen Kapelle und Pfarrer Daldrup hielt eine Andacht zu Ehren der Marienkönigin. Er hatte in seinem Garten an der Roggenkampstraße eine Grotte mit einer lebensgroßen Marienfigur errichtet. Auf dem Höhepunkt dieser Verehrung entstand auch 1934 die Holthauser Waldkapelle, sie war ebenfalls eine Schönstatt-Kapelle, namens „Maria-Wegweiserin“.Stadtmuseum Daldrup wurde dadurch bekannt, dass er 1937 öffentlich für zwei Juden im Ort eintrat und vom Staat bestraft wurde.So wurde in Ibbenbüren Kaplan Daldrup im Frühjahr 1937 die Unterrichtserlaubnis (in Schulen) wegen „Verteidigung der Juden“ entzogen. Gegen die Behauptung einer Lehrerin, „die Juden können nichts Gutes tun“, hatte der Kaplan auf zwei ortsansässige Juden verwiesen, deren Wohltätigkeit allgemein bekannt war. S. 138. Ein Katholischer Jungmännerverband, Region Düsseldorf, Gruppe „Sturmschar“ in Wesel war davor sein Wirkungsbereich gewesen.Einwohnerbuch der Stadt Wesel, Kühler-Verlag 1928, S. 19; sowie Editionen zur Geschichte jugend1918-1945.de. Ebenfalls ist sein Wirken in Hamborn bezeugt, er schrieb damals über „Jugend und Keuschheit“.Pastor bonus, Band 27, Paulinus-Druckerei, 1915, S. 140, 207.

Am 20. Mai 1945 kehrte Kentenich nach Schönstatt zurück, trotz aller Strapazen bezeichnete er die Zeit später als „Hoch-Zeit“ für die Bewegung. Nach seiner Rückkehr aus dem Konzentrationslager verfolgte Kentenich drei Ziele, die die Entwicklung der Bewegung in den folgenden Jahren prägten: Die Internationalisierung der Bewegung, „Einwurzelung“ der Bewegung in anderen Ländern und Klärung des kirchenrechtlichen Status der Bewegung und ihrer Gemeinschaften.

Konflikt mit der Kirche Schon in den 1930er-Jahren entstand ein erster Konflikt mit den Bischöflichen Ordinariaten in Trier und Limburg: Von 1935 bis 1938 währte eine Auseinandersetzung mit Kentenich, die sich hauptsächlich auf einige als „Sonderideen“ bezeichnete Elemente der schönstättischen Spiritualität bezog:

die lokale Bindung an das Heiligtum, das Verständnis der Marienweihe als Liebesbündnis, die „Beiträge zum Gnadenkapital“ und der Glaube an die „Sendung Schönstatts für Kirche und Welt“.

mini|Pater Kentenich in Oberá, Argentinien, mit Marienschwestern und anderen Missionaren (1949) Nach einer bischöflichen Visitation des 1948 kirchenrechtlich anerkannten Säkularinstituts der Schönstätter Marienschwestern durch den Trierer Weihbischof Bernhard Stein im Februar 1949 kritisierte Kentenich den Visitationsbericht in einem Brief vom 31. Mai 1949 („Epistola perlonga“), um eine genauere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem pastoralen Anliegen, einer Verbindung von natürlicher und übernatürlicher Lebensgestaltung, zu erreichen.Dorothea M. Schlickmann: Josef Kentenich. S. 245 ff. Dies wurde als Provokation empfunden und führte zur Anklage beim Heiligen Offizium, die eine päpstliche Visitation nach sich zog. Durch ein Dekret des päpstlichen Visitators, Pater Sebastian Tromp SJ, wurde Kentenich am 30. September 1951 aus Europa verbannt und verbrachte sein Exil ab dem 21. Juni 1952 in Milwaukee. Da er sich nicht als Ankläger oder Bekämpfer, sondern als Erneuerer und Freund der Kirche sah, befolgte Kentenich alle Auflagen. Nach 13 Jahren im Exil kehrte Kentenich am 14. Dezember 1965 nach Schönstatt zurück. Nach Darstellung der Schönstattbewegung war er durch Papst Paul VI. rehabilitiert worden, doch das ist bis heute umstritten.

Schönstatt und Pallottiner Die Schönstattbewegung entstand in der Pallottinerniederlassung in Vallendar. Kentenich war Spiritual des Jungeninternats und die ersten Schönstätter waren allesamt Pallottinerschüler. Die Bewegung wuchs im Zweiten Weltkrieg schnell über das Pallottinerumfeld hinaus, stand aber weiterhin im Geiste Vinzenz Pallottis. Sie war sowohl organisatorisch als auch personell eng mit den Pallottinern verbunden. Kentenich und andere Patres wurden für die Arbeit in der Bewegung freigestellt und versuchten, entgegen vielfacher Vorbehalte und trotz der Andersartigkeit der Ideen bei den Pallottinern Verbreitung zu finden. Neben den Marienschwestern hatten die Pallottiner-Patres für die Schönstattbewegung die Funktion der (für „bewegender und zentraler Teil“) – ein pallottinischer Begriff. Das Generalkapitel der Pallottiner bestätigte 1947 die Schönstattbewegung als zeitgemäße Verwirklichung der Ideen Vinzenz Pallottis vom Weltapostolatsverband.

Trotzdem gab es immer wieder Spannungen im Verhältnis zwischen Pallottinern und Schönstatt. Während Kentenich im Exil war, wurde die Frage brisant, ob Schönstatt ein Teil der Pallottiner und der Familie Vinzenz Pallottis sei oder eine eigene Sendung besaß. Diese Auseinandersetzung führte 1964 zur rechtlichen Trennung von den Pallottinern. Im folgenden Jahr wurde das Institut der Schönstatt-Patres gegründet, in das mit Schönstatt verbundene Pallottinerpatres und Diözesanpriester wechselten und die bisher von den Pallottinern übernommene Funktion der geistlichen Leitung übernahmen.

Innere Festigung mini|Pater Josef Kentenich nach dem Exil