mini|Kampf bei den Schiffen vor Troja, Attischer Sarkophag, Archäologisches Museum von Thessaloniki, um 230 n. Chr. mini|Römischer Sarkophag

Ein Sarkophag (von altgriechisch sarkophágos = „Fleischverzehrer“ oder „Fleischfresser“) ist ursprünglich ein Steinsarg. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden heute auch Särge aus Metall, Keramik oder anderen dauerhaften Materialien als Sarkophag bezeichnet, vor allem, wenn sie zugänglich in Grüften oder Kirchen aufgestellt sind und – im Gegensatz zum Holzsarg – für eine dauerhafte Erhaltung gedacht sind.

Etymologie Das Wort Sarkophag setzt sich aus den beiden griechischen Begriffen „Fleisch“ und „essen“ (Aorist zu ) zusammen.Genauer handelt es sich hierbei um den Ersatz für den Infinitiv Aorist des (nur im Präsens und Imperfekt gebrauchten) Verbs „essen“. Es bedeutet wörtlich „Fleischfresser“ und wird für Tiere wie Raubvögel benutzt. In hellenistischer und römischer Zeit bezeichnet (wörtlich „fleischfressender Stein“) einen bei Assos in der Troas gebrochenen Kalkstein (Alaunschiefer), dem die Eigenschaft nachgesagt wurde, den bestatteten Leichnam innerhalb von 40 Tagen – mit Ausnahme der Zähne – verwesen zu lassen. Daher legte man gern Särge mit diesem Stein aus oder stellte sie ganz aus ihm her; ein solcher Sarg hieß selbst , wobei das Substantiv „Sarg“ meist weggelassen wurde. Später wurde das Adjektiv allgemein für Steinsärge verwendet.

Altes Ägypten mini|hochkant|Sarkophag des Chephren

Die ägyptischen Sarkophage sind meist aus Kalkstein, seltener aus Basalt oder anderen Materialien. Die ältesten Funde stammen aus der Zeit des Djoser und es finden sich sowohl innen als auch außen manchmal Hieroglyphen und Reliefbilder von Göttinnen.

Ähnlich sind die Sarkophage phönizischer Herkunft. Unter diesen gibt es auch Sarkophage aus rotem oder schwärzlichem Gestein, worin Könige und Priester beigesetzt wurden. Einzelne dieser Sarkophage haben eine Aussparung für den Kopf des Verstorbenen.

Kretominoische Kultur mini|hochkant|Sarkophag aus Agia Triada (Kreta), 14. Jh. v. Chr. mini|hochkant|Kretominoischer Sarkophag aus Kreta

Auch in der kretominoischen Kultur war es seit der Vorpalastzeit üblich, Verstorbene in Sarkophagen zunächst aus Holz und später aus Terrakotta zu bestatten; die Toten wurden in versammelter Haltung, also quasi „gefaltet“, beigesetzt. Unterschieden werden innen und außen bemalte Wannensarkophage von den nur außen verzierten Kastensarkophagen.

Hellenismus In Griechenland waren Steinsarkophage in ältester Zeit nicht üblich. Man verwendete stattdessen aus einzelnen Ziegeln oder Tonplatten zusammengesetzte Behälter. In den ausgemauerten Grabmauern setzte man den Leichnam in hölzernen Särgen bei, die sich noch in den Gräbern der Krim gefunden haben. In Etrurien waren an Stelle der Sarkophage die so genannten Aschenkisten getreten, kleine, aus Ton oder Alabaster gefertigte, bunt bemalte Urnen, vorne mit Reliefs, die auf dem Deckel meist mit der ganzen, gelagerten Figur des Verstorbenen geschmückt waren.

mini|hochkant|Sog. Alexandersarkophag

Bei PliniusGaius Plinius Secundus: Naturalis historia. Nr. 36, S. 27. heißt es: .Übersetzung von Philipp Hedwig Külb (Cajus Plinius Secundus Naturgeschichte. Band ?, Stuttgart 1856) vom ursprünglichen Text (xxvii, 131): In Asso Troiadis sarcophagus lapis fissili vena scinditur. Corpora defunctorum condita in eo, absumi constat intra XL diem exceptis dentibus. Gewöhnlich wurden die Särge zur Beförderung der Verwesung mit Alunit ausgelegt.In der Anmerkung von Külb erwähnt (Philipp Hedwig Külb: Cajus Plinius Secundus Naturgeschichte. Band ? Stuttgart 1856, Seite ?). Noch jetzt stehen solche Särge bei Assos auf Piedestalen.Karl Otfried Müller: Handbuch der Archäologie der Kunst. 1. Auflage, Max, Breslau 1830, § 294, . Juvenal erwähnt die Beisetzung Alexanders des Großen in einem Sarkophag.Juvenal: saturae. 10. 172.

Ab diesem Zeitpunkt kommen in Griechenland die eigentlichen Sarkophage auf. Es sind anfangs ziemlich große, aus Marmor gefertigte, kastenartige Behälter, die meist architektonisch in Form von Tempeln gegliedert sind, mit einem Giebeldach als Deckel und die Reliefs der Seitenwände noch monumental aufgefasst.

Rom mini|hochkant|Frührömischer Sarkophag des Lucius Cornelius Scipio Barbatus

Es entwickelte sich die römische Form des Sarkophags, der durchschnittlich kleiner und mit mehr Reliefschmuck versehen ist. Die Szenen darauf sind meist der Mythologie entnommen. Sie haben oft einen Bezug zu der Tätigkeit, den Eigenschaften und Vorzügen des Verstorbenen. Obwohl es sich dabei um mythische Figuren handelt, wird ihnen oft das Porträt des Bestatteten und seiner Gattin verliehen.

Römische Provinzen In den römischen Provinzen wurden zahlreiche Sarkophage gefunden, die nur schlichte oder gar keine Reliefverzierung aufweisen. Gesteinsuntersuchungen legen nahe, dass diese sehr einfachen Exemplare häufig aus regional vorkommenden Steinarten angefertigt wurden.

mini|hochkant|Sarkophag des Iunius Bassus mit christlichen Motiven mini|hochkant|Frühmittelalterliche Nekropole in Civaux

Christentum Das Christentum übernahm die Sitte der Bestattung in Sarkophagen. Im letzten Drittel des 3. Jahrhunderts erscheinen erstmals Motive aus dem Alten und Neuen Testament auf Steinsärgen. Zu den bedeutendsten Vertretern christlicher Sarkophage gehört das in der Mitte des 4. Jahrhunderts für den römischen Stadtpräfekten Iunius Bassus Theotecnius angefertigte Exemplar.

Antikes Judentum Aus Palästina sind Sarkophagbestattungen bekannt. Auch einzelne Mitglieder von Gemeinden in Rom verwandten Sarkophage, als Verzierung wurde etwa eine Menorah benutzt.

Indien Im südindischen Raum (z. B. in Pallavaram) wurden seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert 4 Terrakotta-Sarkophage aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. ausgegraben, was – angesichts der dort schon seit langem üblichen Feuerbestattung – äußerst ungewöhnlich ist und eventuell mit Bestattungsgewohnheiten von Angehörigen fremder Kulturen erklärt werden kann.

Maya Auch in der Kunst der Maya gibt es mit Reliefs geschmückte Sarkophage. Der bekannteste ist der des Herrschers Pakal I. im Tempel der Inschriften in Palenque, Mexiko (um 685).

Nachleben antiker Sarkophage Viele antike Sarkophage sind bis in das späte Mittelalter hinein ohne weiteres für christliche Bestattungen verwendet worden. Karl der Große wurde vielleicht schon bei seinem Tod im Jahr 814, vielleicht auch erst nach Aufdeckung seiner Gebeine (1165) in dem bekannten Proserpina-Sarkophag bestattet. Seit der Erhebung seiner Gebeine in den Karlsschrein (1215) ist der Sarkophag leer und wird heute in der Aachener Domschatzkammer gezeigt. Auf der Vorderseite sowie den beiden Seitenteilen ist der griechisch-römische Mythos vom „Raub der Proserpina“ dargestellt. Antike Sarkophagreliefs haben der hochmittelalterlichen und modernen Bildhauerei erste Anregungen zu einem neuen Aufschwung gegeben.

Frühes Mittelalter mini|hochkant|Merowingischer Muschelkalk-Sarkophag (12. Jh. n. Chr.) vermutlich des Stifter-Paares der Martinskirche (Müllheim), heute im Markgräfler Museum Müllheim in der Dauerausstellung Regionale Archäologie und Geologie; ca. 2,00 m lang, am Kopfende ca. 1,00 m hoch und 60 cm breit

In Regionen mit romanischer Bevölkerung ist die Sitte, Bestattungen in Sarkophagen anzulegen, auch noch in nachrömischer Zeit bekannt. Neben rechteckigen Steinsärgen werden häufig trapezförmige Exemplare beobachtet. Frühmittelalterliche Sarkophage sind häufig unverziert oder tragen schlichte Ornamente.

14. Jahrhundert Helga Wäß: Form und Wahrnehmung mitteldeutscher Gedächtnisskulptur im 14. Jahrhundert. Band 1: Ein Beitrag zu mittelalterlichen Grabmonumenten, Epitaphen und Kuriosa in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Nord-Hessen, Ost-Westfalen und Südniedersachsen. Tenea, Berlin 2006, ISBN 3-86504-159-0, S. 385 (Zugleich: Dissertation, Universität Göttingen, 2001).

Psychologische Deutung Für die analytische Psychologie in der Tradition Carl Gustav Jungs gilt der Sarkophag als Ausprägung des nefasten Aspekts des sogenannten Mutterarchetyps, also der zerstörenden und verschlingenden Mutter.

Siehe auch Die antiken Sarkophagreliefs, Kaiserzeitliche Sarkophage Kenotaph Nekropole von Marshan in Marokko Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, „Erste Schutzhülle“

Literatur Anna Maria Donadoni Roveri: I sarcofagi egizi dalle origini alla fine dell'Antico Regno. Rom 1969 (Volltext als PDF; 46,5 MB). Jutta Dresken-Weiland: Sarkophag. In: Christian Hornung u. a. (Hrsg.): Reallexikon für Antike und Christentum. Band 29, A. Hiersemann, Stuttgart 2019, Spalten 591–633. Josef Engemann: Untersuchungen zur Sepulkralsymbolik der späteren römischen Kaiserzeit (= Jahrbuch für Antike und Christentum. Band 2). Unveränderter Nachdruck der 1. Auflage. Aschendorff, Münster 1979, ISBN 3-402-07055-3 (Zugleich: Habilitations-Schrift, Universität Bonn, 1972). Guntram Koch, Hellmut Sichtermann: Römische Sarkophage. Beck, München 1982, ISBN 3-406-08709-4. Guntram Koch, Rita Amedick (Hrsg.): Akten des Symposiums „125 Jahre Sarkophag-Corpus“ (= Sarkophag-Studien. Band 1). von Zabern, Mainz 1998, ISBN 3-8053-2344-1. Guntram Koch: Frühchristliche Sarkophage. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45657-X. Michael Koortbojian: Myth, Meaning, and Memory on Roman Sarcophagi. University of California Press, Berkeley CA 1995, ISBN 0-520-08518-3. Friedrich Matz (Hrsg.): Die antiken Sarkophagreliefs. Mann, Berlin 1890–laufend. R. Müller, H. Lamer von Wurmstein: Die leichenverzehrenden Sarkophage bei Plinius. In: Die Umschau. Band 36, Nr. 12, 1932, , S. 239–240, 598 [2, 211]. Wolfgang Neumann, Andrea Linnebach: Vom Totenbaum zum Designersarg. Zur Kulturgeschichte des Sarges von der Antike bis zur Gegenwart. Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, Kassel 1993, ISBN 3-924447-08-X. Karl Schefold: Der Alexander-Sarkophag. Propyläen-Verlag, Berlin 1968.

Weblinks

(Deutsches Archäologisches Institut)

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Sargtyp Kategorie:Bestattungselement Kategorie:Bauform (Grab) Kategorie:Behälter aus Stein Kategorie:Archäologischer Fachbegriff Kategorie:Archäologische Fundgattung