Die Kürbisse (Cucurbita) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Bekannte Vertreter wie der Riesen-Kürbis (Cucurbita maxima), der Moschus-Kürbis (Cucurbita moschata) und der Garten-Kürbis (Cucurbita pepo) werden landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzt.

Die ebenfalls als Kürbis bezeichneten Früchte vieler Kürbispflanzen werden im Handel sowie kulinarisch zum Fruchtgemüse gezählt.Robert Ebermann, Ibrahim Elmadfa: Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung. 2. Auflage, 2011, ISBN 978-3-7091-0210-7, S. 379 f.

Beschreibung mini|Riesen-Kürbis (Cucurbita maxima)

Vegetative Merkmale Die Kürbis-Arten sind einjährige, selten auch ausdauernde, krautige Pflanzen. Die meisten Arten, darunter alle kultivierten, sind eher mesophytisch und besitzen ein fädiges Wurzelsystem; nur wenige Arten sind xerophytisch und haben ein vergrößertes Wurzelsystem. Die Stängel sind meist niederliegend oder auch kletternd. Die Ranken sind drei- bis siebenfach verzweigt.

Generative Merkmale Cucurbita-Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Die Blüten stehen an langen Stielen einzeln in den Blattachseln.

Die eingeschlechtigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist glockenförmig und hat fünf Zipfel. Die Krone ist mit 6 bis 10 Zentimetern Länge bei beiden Geschlechtern fast gleich groß, glockig, fünfzipfelig, dabei maximal bis zur Hälfte geteilt. Die Blütenfarbe ist goldgelb, Cucurbita okeechobeensis hat cremefarbene Blüten. Die männlichen Blüten haben scheinbar drei Staubblätter, jedoch sind 2 + 2 + 1 verwachsen. Die Staubfäden sind frei, die Staubbeutel sind zu einer Säule verwachsen. Die weiblichen Blüten haben kleine Staminodien und einen drei- bis fünffächrigen unterständigen Fruchtknoten. Der eine Griffel ist kurz und trägt drei bis fünf zweilappige Narben. In einem Diskus und an der Basis des Hypanthiums wird Nektar produziert.

Die Früchte sind drei- bis fünffächrige, sehr große und vielsamige Panzerbeeren. Form, Größe und Farbe variieren je nach kultivierter Sorte stark. Bei den Wildformen ist die Fruchtwand hart und verholzt und bleibt lange intakt. Nach langer Lagerung bleiben im Wesentlichen trockene Fruchtwand, Stiel und Samen übrig. Trockene Früchte sind auch schwimmfähig. Die Samen sind flach, im Umriss eiförmig bis elliptisch und haben einen verdickten Rand.

Die Chromosomenzahl der Cucurbita-Arten beträgt 2n = 40. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um eine alte Polyploidie handelt.

Standorte Die Standorte reichen von heißen trockenen Gebieten bis zu kühlen Nebelwäldern. Alle Arten sind frostempfindlich. Die meisten Arten wachsen in heißen Tieflandgebieten mit ausgeprägten Regen- und Trockenzeiten. Sie benötigen hohe Sonneneinstrahlung. Die Keimung bzw. der Austrieb aus den Speicherorganen erfolgt am Beginn der Regenzeit. Die eher mesophytischen Arten wachsen meist in laubwerfenden Dornbusch-Wäldern. Des Weiteren wachsen sie häufig an natürlich gestörten Standorten wie an Flussufern und in den Überschwemmungsgebieten von Flüssen. Als Untergrund kann der Sand von Küstendünen, staunasser Tieflandboden oder Schotterboden in großen Seehöhen dienen.Thomas C. Andres: Searching for Cucurbita germplasm: collectin more than seeds. In: N. Katzir, H. S. Paris: Proceedings of 7th EUCARPIA Meeting on Cucurbit Genetics and Breeding. In: Acta Horticulturae, Band 510, 2000, ISBN 90-6605-852-8, S. 191–198.

Systematik und Verbreitung mini|Wilder Kürbis (Cucurbita foetidissima)

Die Gattung Cucurbita wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 1010 aufgestellt.

Die Gattung Cucurbita gehört zur Tribus Cucurbiteae in der Unterfamilie Cucurbitoideae innerhalb der Familie Cucurbitaceae. Ihr Schwestertaxon ist Peponopsis. Zusammen mit Peponopsis und Polyclathra bildet sie eine von den übrigen Gattungen der Tribus getrennte Gruppe.Alexander Kocyan, Li-Bing Zhang, Hanno Schaefer, Susanne S. Renner: A multi-locus chloroplast phylogeny for the Cucurbitaceae and its implications for character evolution and classification. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Band 44, August 2007, S. 553–577. doi:10.1016/j.ympev.2006.12.022, Volltext (PDF; 381 kB).

Die Cucurbita-Arten sind in der Neuen Welt von den USA über Zentral- bis Südamerika verbreitet.

In der Gattung Cucurbita gibt es 1997 rund 15 Arten:R. W. Robinson, D. S. Decker-Walters: Cucurbits. CAB International, Wallingford 1997, ISBN 0-85199-133-5, S. 53. Cucurbita argyrosperma : Die Subtaxa sind von Mexiko bis Zentralamerika verbreitet. Cucurbita digitata-Komplex, mit den manchmal nur als Unterarten eingestuften Cucurbita digitata : Sie kommt in den südlichen Vereinigten Staaten und im nördlichen Mexiko vor. Cucurbita palmata : Sie kommt im südlichen Kalifornien, im westlichen Arizona, im südlichen Nevada und im nördlichen Mexiko vor. Cucurbita cylindrata Cucurbita cordata : Sie kommt nur auf der mexikanischen Halbinsel Baja California vor. Cucurbita ecuadorensis : Sie kommt in Ecuador vor. Feigenblatt-Kürbis (Cucurbita ficifolia ) Cucurbita foetidissima Cucurbita lundelliana : Sie kommt im südöstlichen Mexiko, in Guatemala, Belize und in Nicaragua vor. Riesen-Kürbis (Cucurbita maxima ): hierher gehört auch der Hokkaidokürbis Moschus-Kürbis (Cucurbita moschata ) Cucurbita okeechobeensis : Die etwa zwei Unterarten kommen in Mexiko, im südlichen Florida und auf Hispaniola vor. Cucurbita pedatifolia : Sie kommt in den mexikanischen Bundesstaaten San Luis Potosí, Guanajuato, Hidalgo, Oaxaca, Puebla sowie Querétaro vor. Gartenkürbis (Cucurbita pepo ): hierzu zählen auch Steirischer Ölkürbis, Zucchini und Gem Squash Cucurbita radicans : Sie kommt im mexikanischen Guanajuato, Jalisco, Nayarit, Michoacán de Ocampo, México (Bundesstaat) sowie Ciudad de México vor.

Geschichte Die Sorten der domestizierten Arten werden in den warmen Gebieten weltweit kultiviert.

Die verschiedenen Arten wurden großteils unabhängig für die gleiche Verwendung domestiziert. Als Zeitpunkt wurde lange etwa 5000 v. Chr. angenommen, der nach der Domestizierung von Phaseolus (Bohnen) und Capsicum (Paprika) liegt. Neuere Funde von Samen domestizierter Kürbisse sind jedoch auf 10.000 bis 8000 v. Chr. zu datieren.Dolores R. Piperno, Karen E. Stothert: Phytolith Evidence for Early Holocene Cucurbita Domestication in Southwest Ecuador. Science, Band 299, 14. Februar 2003, S. 1054–1057. doi:10.1126/science.1080365. In der bolivianischen Moxos-Ebene wurden bereits vor über 10.000 Jahren Kürbisse angebaut.Umberto Lombardo, José Iriarte, Lautaro Hilbert, Javier Ruiz-Pérez, José M. Capriles, Heinz Veit: Early Holocene crop cultivation and landscape modification in Amazonia. In: Nature. 2020, doi:10.1038/s41586-020-2162-7. Der Garten-Kürbis wurde in Mexiko und im Süden der Vereinigten Staaten domestiziert, der Moschus-Kürbis in Zentral-Amerika und der Riesen-Kürbis in Südamerika. Der Anbau von Kürbissen zusammen mit Mais und Bohnen ist eine alte Tradition, die auch „Drei Schwestern“ oder Milpa genannt wird. Es wird angenommen, dass ursprünglich die nahrhaften Samen genutzt wurden, da diese frei von Bitterstoffen sind, während alle Wildformen bittere Früchte besitzen. Durch die Auslese nichtbitterer Formen wurde auch die Nutzung als Gemüse möglich. Schon in präkolumbischer Zeit gab es eine große Sortenvielfalt.M. Pitrat, M. Chauvet, C. Foury: Diversity, history and production of cultivated cucurbits. In: K. Abak, S. Büyükalaca: Proceedings of the First International Symposium on Cucurbits. In: Acta Horticultae. Band 492, 1999, S. 21–29. Als Zier- und Volksarzneipflanze werden Kürbisse in Europa seit dem 16. Jahrhundert kultiviert.

Nutzung mini|Zierkürbisse (Cucurbita pepo) Fünf Arten der Gattung Cucurbita werden vom Menschen kultiviert. Garten-, Riesen- und Moschus-Kürbis sind dabei die bedeutenderen; Cucurbita argyrosperma und der Feigenblatt-Kürbis haben nur regionale Bedeutung. Die fünf Arten lassen sich durch Frucht- und Blattmerkmale unterscheiden, die in den jeweiligen Artikeln angegeben sind. Vertreter anderer Gattungen der Familie Cucurbitaceae werden häufig ebenfalls als „Kürbisse“ bezeichnet und im Familien-Artikel unter Nutzung behandelt. Im Mittelalter wurde die Bezeichnung „Kürbis“ (heute meist den Gartenkürbis meinend) oft nicht scharf unterschieden von Melone und Gurke.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 202–203 (Melon).

War das Verbreitungsgebiet der Kürbisse (Cucurbita species) in präkolumbischer Zeit auf Amerika beschränkt, werden sie bereits seit dem 16. Jahrhundert weltweit in den warmen Gebieten angebaut. Vor allem zwischen Garten- und Riesen-Kürbis wird im Anbau nur bedingt unterschieden; entscheidender sind hier die Nutzungsformen: So werden Kürbisse hauptsächlich als gekochtes, gebratenes oder gebackenes Gemüse verwendet. Schon die vorkolumbische indigene Bevölkerung hatte das in Streifen geschnittene Kürbis-Fruchtfleisch roh getrocknet und auf diese Weise haltbar gemacht. In den Vereinigten Staaten wird traditionell zu bestimmten Ereignissen (z. B. Thanksgiving) Kürbiskuchen (Pumpkin Pie) gegessen. Ebenfalls häufig ist die Verwendung von Kürbissen zur Zubereitung von Kürbissuppe. mini|Handwagen mit Kürbissen

Kürbisunterlagen werden für die Gurkenveredelung benötigt. Seltener werden Sprossspitzen, Blüten und Blätter des Kürbisses als Gemüse verwendet. Die Kürbissamen werden dagegen recht häufig genutzt, geröstet als Snack oder zur Herstellung von Kürbiskernöl. Speziell zu diesem Zwecke existieren verschiedene Züchtungen wie etwa der Steirische Ölkürbis, bei dem die Verholzung der Samenschale unterbleibt Des Weiteren wurden und werden verschiedene Teile des Kürbisses in der Volksmedizin verwendet. Heute weit über das Ursprungsgebiet hinaus bekannt und verbreitet ist der Brauch, zu Halloween Kürbisse auszuhöhlen und in Laternen zu verwandeln. Es gibt sogar eine speziell zu diesem Zweck gezüchtete Sorte Jack-O’-Lantern. Ein ebenfalls verbreiteter Brauch ist die Züchtung möglichst großer Kürbisse. Der aktuelle Weltrekordkürbis wurde bei den Kürbiswiegemeisterschaften in Italien im September 2021 geehrt und wog 1226 kg. Er stammte aus der Toskana von Züchter Stefano Cutrupi. Allein zur Unterhaltung dient der Kürbisweitwurf.

Sommerkürbisse und Winterkürbisse

Sommerkürbis

Sommerkürbisse werden zum Ende des Sommers geerntet, bevor sie voll ausgereift sind, Kerne und Schale verhärten und der Stiel verholzt. Das Fruchtfleisch und die Kerne von Sommerkürbissen sind meist weich. Kerne und Schale sind essbar. Sommerkürbisse lassen sich nur einige Wochen lagern.Joseph Schlaghecken: Kürbis - Speisekürbis, Hortipedium.de. Abgerufen im November 2022

Fast alle Sommerkürbisse gehören zu den Gartenkürbissen (Cucurbita pepo) wie Zucchini und Patisson. Es gibt aber auch Gartenkürbisse, die zu den Winterkürbissen gezählt werden.

Viele Sorten wie etwa die krummhalsige Keulenzucchini (Cucurbita moschata, Sorten Trombetta, Rampicante, Zucchetta, Tromboncino) können wahlweise als Sommerkürbis bzw. Zucchini geerntet oder zu Winterkürbissen ausreifen gelassen werden und heißen dann auch Schlangenkürbis.Schlangenkürbis, Keulenzucchini. In: DerKleineGarten.de. Abgerufen im November 2022

Winterkürbis

Winterkürbisse werden ausgereift geerntet, wenn die Schale fest und hart und der Stiel leicht verholzt ist. Unbeschädigte Winterkürbisse lassen sich über Monate lagern. Winterkürbisse werden überwiegend gekocht gegessen. Die Schale der meisten Sorten ist so hart, dass sie nicht verzehrt werden kann.

Viele Sorten des Riesenkürbis gehören zu den Winterkürbissen.

Weltproduktion mini|Feld mit Steirischem Ölkürbis (Cucurbita pepo var. styriaca), Österreich. Vorbereitet für die maschinelle Ernte