mini|hochkant=1.6|Leonardo da Vinci: Das Abendmahl in Mailand – Das Wandgemälde soll die zwölf Apostel zeigen: Bartholomäus, Jakobus d. J., Andreas, Judas, Petrus, Johannes, Thomas, Jakobus d. Ä., Philippus, Matthäus, Thaddäus und Simon Zelotes mini|Die zwölf Apostel von Christian Schmid (17. Jhd.) mini|Fresko „Jesus und die zwölf Apostel“ mit Christusmonogramm ☧, Domitilla-Katakomben, Rom
Ein Apostel (von ) ist im Verständnis der Tradition des Christentums jemand, der von Jesus Christus direkt mit der Verkündigung des Glaubens beauftragt wurde. Der Apostelbegriff ist innerhalb des Neuen Testaments in den Briefen des Paulus von Tarsus sowie im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte wichtig.
Biblisches Vorkommen Der Apostelbegriff ist in den Schriften des Neuen Testaments sehr ungleich vertreten. 24 Belegen in den echten Paulusbriefen und 34 Belegen im lukanischen Doppelwerk (Lukasevangelium und Apostelgeschichte) steht eine auffällige Vermeidung des Worts Apostel im Johannesevangelium gegenüber (nur ). Im Markusevangelium ist nur ein Vorkommen textlich gesichert , und von hier hat es Matthäus wohl in die Überschrift seiner Zwölferliste übernommen, ohne dass der Begriff in der matthäischen Gemeinde üblich gewesen wäre.Jörg Frey: Apostelbegriff, Apostelamt und Apostolizität Neutestamentliche Perspektiven zur Frage nach der „Apostolizität“ der Kirche. In: Theodor Schneider, Gunther Wenz (Hrsg.): Das kirchliche Amt in apostolischer Nachfolge. I. (= Dialog der Kirchen. Band 12). Freiburg/Göttingen 2004, S. 113–115.
In den Evangelien In den synoptischen Evangelien wird von einer Auswahl aus den Jüngern Jesu berichtet, die zuerst im Lukasevangelium „die zwölf Apostel“, „Zwölfboten“ oder kurz „die Zwölf“ genannt werden. Das Lukasevangelium berichtet, dass Jesus die zwölf Jünger selbst erwählte und als Apostel einsetzte (; von hier aus drang die Formulierung „die er auch Apostel nannte“ in viele Textzeugen von einJoachim Gnilka: EKK II/1, Zürich u. a. 1978, S. 139 Anm. 18: „Der Zusatz ‚die er auch Apostel nannte‘ ist zwar textlich ausgezeichnet bezeugt, aber dennoch als Einfluß von Lk 6,13 zu streichen.“). Die in den Evangelien überlieferten Namenslisten geben kein einheitliches Bild darüber ab, dass die Gesamtzahl aller Apostel auf 12 begrenzt wäre: Das Lukasevangelium entspricht dieser Aufzählung im Wesentlichen (6,13 ff). Statt Thaddäus nennt es aber „Judas, Sohn des Jakobus“ (gemeint ist vermutlich Jakobus, der Sohn des Alphäus), außerdem wird Simon (Kanaanäus) als Zelot, also „Eiferer“, bezeichnet.
Im Johannesevangelium existiert keine förmliche Liste der Apostel. Dort tritt zweimal ein Nathanael auf ( ff; 21,2), der in den anderen Evangelien nicht erscheint. Er wird zwar nicht Apostel genannt, in Joh 21,2 befindet er sich nach der Auferstehung Jesu allerdings in ihrer Gesellschaft. In der gleichen Episode in der Apostelgeschichte () wird an dessen Stelle Bartholomäus aufgeführt.
Es ist historisch umstritten, ob Jesus einen engeren leitenden Zwölferkreis auswählte. Dass Judas als „einer der Zwölf“ bezeichnet wird, deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine spätere Stilisierung des Urchristentums handelt. Die Testamente der zwölf Patriarchen und andere Dokumente weisen auf die Bedeutung der zwölf Stämme Israels auch zur Zeit Jesu hin. Diese sollten auf der Erde herrschen, wenn Gott die politische Autonomie Israels wiederherstellen würde. Sollte Jesus tatsächlich seinem Anhängerkreis eine solche Struktur gegeben haben, unterstreicht dies nach James H. Charlesworth seinen gewaltfreien politischen Anspruch, der zur Zeit des jüdischen zweiten Tempels nicht von religiösen Zielen zu trennen war.James H. Charlesworth: The Historical Jesus. An Essential Guide. Abingdon, Nashville 2008, ISBN 978-0-687-02167-3, S. 107.
Die zwölf Apostel oder zwölf Boten + Tabellarischer Vergleich der Apostellisten # Matthäusevangelium Markusevangelium Lukasevangelium Apostelgeschichte Anmerkungen 1 Simon Petrus Petrus 2 Andreas, „dessen Bruder“ Andreas (#4) Andreas, „dessen Bruder“ Andreas (#4) Bruder des Simon Petrus 3 Jakobus, der Sohn des Zebedäus Jakobus, der Sohn des Zebedäus (#2) Jakobus Jakobus Jakobus der Ältere 4 Johannes, „dessen Bruder“ Johannes, „dessen Bruder“ (#3) Johannes Johannes (#2) Wie Jakobus der Ältere ein Sohn des Zebedäus; der frühkirchlichen Überlieferung nach Verfasser des Johannesevangeliums 5 Philippus 6 Bartholomäus Bartholomäus (#7) Bartholomäus (Beiname) wahrscheinlich identisch mit Nathanael (Rufname) aus dem Johannesevangelium 7 Thomas Thomas (#8) Thomas (#6) Didymos Judas Thomas 8 Matthäus, der (ehemalige) Steuerpächter Matthäus (#7) Matthäus Der frühkirchlichen Überlieferung nach Verfasser des Matthäusevangeliums sowie mit dem im Markus- und Lukasevangelium erwähnten Levi (Mk 2,14 ; Lk 5,27) identisch 9 Jakobus, der Sohn des Alphäus Jakobus der Jüngere 10 Thaddäus Judas, „Sohn [oder auch Bruder] des Jakobus“ (#11) Judas, Sohn des Jakobus (#11) Mit Jakobus ist vermutlich der Sohn des Alphäus gemeint. Judas und Thaddäus könnten auch verschiedene Personen sein, werden aber traditionellerweise miteinander identifiziert. 11 Simon Kananäus Simon Zelotes (#10) Zelotes („Eiferer“, Mitglied einer Unabhängigkeitsbewegung): Beiname; Kananäus von קנאים, kana'im, identische Bedeutung zu Zelotes 12 Judas Iskariot Iskariot: „Mann aus Kariot“ (wahrscheinlicher) oder „Sikarier“ („Messerkämpfer“: Mitglied einer Unabhängigkeitsbewegung, weniger wahrscheinlich); Beiname
In der Apostelgeschichte Nachdem sich Judas Iskariot im Gefolge seines Verrats an Jesus umgebracht hatte, wurde kurz nach der Himmelfahrt Jesu Matthias als einer der Zwölf durch Los nachbestimmt . Der Bericht über die Auswahl vor dem Losentscheid nennt die Voraussetzungen, die ein Mitglied der apostolischen Zwölfergruppe spätestens zur Zeit der Abfassung der Apostelgeschichte aufzuweisen hatte:
Diesen Voraussetzungen entsprach die Biografie des Apostels Paulus nicht. Er hatte seine Begegnung mit Jesus Christus ja erst nach Pfingsten. Was den „geschichtlichen“ Jesus anging, war Paulus auf Informationen der anderen Apostel und Jünger sowie auf besondere Offenbarungen angewiesen. In (und öfter), nennt Paulus sich trotzdem „Apostel der Heiden“ und beschreibt damit seinen besonderen Dienstauftrag, den er nach seinen Aussagen bereits bei seiner Bekehrung erhalten hatte. In seinem Selbstzeugnis bezeichnet er die ursprünglichen zwölf Apostel als „Überapostel“, denen er allerdings in nichts nachstehe (). In der Apostelgeschichte dagegen gesteht Lukas dem Paulus den Titel „Apostel“ nur selten zu; er zählt ihn zum erweiterten Kreis der „Apostel und Ältesten“ (z. B. Apg 15 u.ö.).
Apostel in der Kunstgeschichte In bildlichen Darstellungen werden in der Regel 12 Apostel gezeigt. Bisweilen können aber auch 11 bis 14 (13) Apostel vorkommen. Elf ergeben sich durch Weglassen des „Verräters“ Judas, wobei dann der nachgewählte Matthias nicht berücksichtigt wird. Andererseits kann Paulus als 13. Apostel hinzukommen. Bei 14 Aposteln kommen, ohne Judas, eben die in der Apostelgeschichte erwähnten Paulus, Barnabas und Matthias hinzu. Wo identifizierbare Apostel dargestellt werden, wird bisweilen Paulus einbezogen, aber zur Wahrung der Zwölfzahl ein anderer Apostel, meist Judas, weggelassen.Vgl.
Weitere Anwendungen des Begriffs Apostel Hier geht es nicht um die auserwählten zwölf Apostel, sondern der Begriff „Apostel“ wird im wörtlichen Sinne verwendet – Gesandter. Wichtig für diesen unterschiedlichen Sprachgebrauch ist sicher der zeitliche Abstand zwischen den Paulusbriefen (verfasst ca. 45–60 n. Chr.) und den Listen der Evangelien und der Apostelgeschichte, die nach gängiger Meinung wohl erst 66–90 n. Chr. geschrieben wurden.
In der Apostelgeschichte (14,4 und 14) werden Barnabas und Paulus als Apostel bezeichnet. Barnabas war zuvor laut Apostelgeschichte 13,1-4 zusammen mit Paulus zu dem Werk, zu dem sie der Herr berufen hatte, auserwählt worden. In fast allen Briefanfängen (z. B. , ) und an verschiedenen weiteren Stellen bezeichnet Paulus sich selbst als Apostel. In werden Andronikus und Junia erwähnt, die „angesehene Apostel sind“, wörtlich ἐπίσημοι ἐν τοῖς ἀποστόλοις epísēmoi en toīs apostólois „Angesehene unter den Aposteln“. Der weibliche Name Junia wird dabei von manchen als Kurzform für Junianus/Junias (männlich) interpretiert. Die Übersetzung der Gute Nachricht Bibel und die Lutherbibel (2017) fassen dagegen Junia als Apostelin auf.Luther selbst hatte den Namen als den eines Mannes aufgefasst. In den Erläuterungen zur Guten Nachricht zum Stichwort Junia heißt es: In den neueren Ausgaben der Lutherrevision von 1984 steht in einer Anmerkung zur Stelle Der erste Exeget, bei dem der Name Junias auftaucht, ist Aegidius Romanus (1245–1316). Die Wiederentdeckung der Apostelin Junia geht auf eine ausführliche Untersuchung von Bernadette Brooten zurück.Eine Kurzfassung ist zugänglich unter dem Titel Junia […] hervorragend unter den Aposteln (Röm 16,7). In: Elisabeth Moltmann-Wendel (Hrsg.): Frauenbefreiung. Biblische und theologische Argumente. München 1982, S. 148–151. Paulus bezeichnet Jakobus, „des Herrn Bruder“, als Apostel (). Silvanus und Timotheus nennen sich zusammen mit Paulus „Christi Apostel“ ( im Zusammenhang mit ) In wird das „Amt des Apostels“ zusammen mit den Ämtern der Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrern als einer der grundlegenden Dienste der Kirche bezeichnet. In wird Jesus Christus selbst als der Apostel und Hohepriester unseres Bekenntnisses bezeichnet. In und in ist von „Aposteln der Gemeinden“ die Rede, welche von den Gemeinden für eine bestimmte Aufgabe ausgesandt wurden. Auch Missionare wurden zuweilen mit dem Beinamen Apostel bezeichnet. Im 8. Jahrhundert wurde der Angelsachse Bonifatius auch „Apostel der Deutschen“ genannt, im 9. Jahrhundert Kyrill und Method als „Apostel der Slawen“. Der heilige Ansgar wird auch „Apostel des Nordens“ genannt. Einige Heilige, darunter auch Nino, werden als „apostelgleich“ bezeichnet. Im 3. Jahrhundert verlieh Hippolyt von Rom Maria Magdalena die ehrenvolle Bezeichnung Apostola apostolorum („Apostelin der Apostel“), da sie den Aposteln am Ostermorgen die Botschaft vom leeren Grab gebracht hatte.
Paulus betont in seinen Briefen immer wieder, dass er – im Gegensatz zu den „Gemeindeaposteln“ und anderen Missionaren – direkt durch Christus zum Apostel berufen worden sei (vgl. und ). Ein Apostel ist für Paulus in erster Linie ein Verkünder des Evangeliums, der als glaubwürdiger Zeuge der Auferstehung Christi für dessen Wahrheit bürgt (vgl. 1. Kor 15,1 ff. und ).
Nachfolger Christi: Jünger Im Unterschied zu den Aposteln bezeichnet das Neue Testament jene Menschen, die Jesus nachfolgten, als Jünger (). Neben den ersten Jüngern, die Jesus aus den Juden heraus berief, nehmen die Evangelien Bezug auf weitere Jünger; ihre Zahl wird mit 70 bzw. 72 beziffert (). Andere Stellen lassen den Schluss auf eine noch größere Anzahl zu (z. B. und ). Im Gegensatz zu den zwölf Aposteln umfasste die Schar der Jünger nicht nur Männer, sondern zu den Jüngern wurden auch Frauen wie Maria Magdalena, Johanna Chusa und Susanna (), sowie Maria und Martha, die Schwestern des Lazarus, Lydia () und Tabita () gezählt. Nach seiner Auferstehung soll Jesus seine Jünger beauftragt haben, weitere Menschen zu Jüngern zu machen, der sogenannte Missionsbefehl ().
Siebzig Jünger
Die siebzig oder zweiundsiebzig Jünger werden nur im Lukasevangelium erwähnt. Nach Lukas wurden sie von Jesus Christus ausgewählt und in Paaren ausgesandt, um seine Botschaft zu verkünden. In der westlichen Kirche werden sie normalerweise als Jünger bezeichnet, während die orthodoxen Kirchen sie Apostel nennen.
Frühe Kirchengeschichte