Bermuda ist ein britisches Überseegebiet im Atlantik, das aus den Bermudainseln besteht. Ihren Namen erhielten sie nach ihrem Entdecker, dem spanischen Seefahrer Juan de Bermúdez. Bermuda befindet sich ungefähr 1050 Kilometer ostsüdöstlich von Cape Hatteras und etwa 1500 Kilometer nördlich von Puerto Rico. Das nach ihm benannte Bermudadreieck hat hier seine Nordspitze.

Geographie mini|links|Satellitenfoto von Bermuda mini|links|Klimadiagramm von Bermuda Bermuda entstand auf einem vor etwa 30 Millionen Jahren erloschenen Vulkan; die Insel auf seiner Spitze liegt etwa 4500 m über dem Meeresgrund an der Wasseroberfläche. Unterhalb des Korallensockels findet sich daher vulkanisches Gestein. Der Korallensockel war während der Eiszeit und dem damit verbundenen Absinken des Meeresspiegels der Verwitterung ausgesetzt und weist in der Folge viele Höhlen auf, von denen nur ein geringer, über dem Wasser liegender Teil, erforscht und zugänglich ist. Erst 2019 wurde anhand der Isotopenzusammensetzung des Vulkangesteins herausgefunden, dass der Vulkan ganz unüblich vermutlich aus einer Störung der Mantelübergangszone (400 bis 650 Kilometer Tiefe) gespeist wurde.Cornell.edu:

Die Inselgruppe besteht aus etwa 360 Koralleninseln, wovon nur etwa 20 bewohnt sind. Die Insel Grand Bermuda ist mit 39,3 km² mit Abstand die größte. Im Nordwesten grenzen Somerset Island und im Nordosten Saint George’s Island an die Hauptinsel.

Die höchste Erhebung des Landes ist der Town Hill mit . Auffallend sind die starke Zergliederung der Inseln und die zahlreichen Karsthöhlen. Die Insel ist von Korallenriffen umgeben. Es sind damit die nördlichsten tropischen Korallenriffe der Erde. Es gibt nur eine Stelle im östlichen Bermuda, an der große Kreuzfahrt- oder Containerschiffe die Riffe passieren können. Da Flüsse und Seen auf den Inseln fehlen, ist Süßwasser knapp und das Niederschlagswasser wird über die Dächer in Zisternen gesammelt.

Der kürzestmögliche Luftlinien­abstand zu den Vereinigten Staaten (North Carolina) beträgt 1037 km (Cape Hatteras auf vorgelagerter Nehrung) bzw. 1067 km (Festland).

Klima, Pflanzen- und Tierwelt mini|links|alt=Großer Baum vor flachem Betonhaus|Bermuda-Wacholder Das Klima auf den Bermudainseln ist tropisch/subtropisch feuchtwarm (nach Köppen/Geiger das nördlichste feuchtheiße Tropenwaldklima). Im Januar können auch Tiefsttemperaturen von 5° C auftreten. Im September kommt es häufig zu Hurrikanen. Vegetation Charakteristisch für die subtropische Vegetation sind Gummibäume, Salbei-Arten und der endemische Bermuda-Wacholder. An manchen Abschnitten der Küste wachsen Mangrovenbäume; es handelt es sich um die nördlichsten Mangrovenwälder im Atlantik. Die eingeschleppte australische Art Casuarina equisetifolia wächst unter anderem auf Port’s IslandAlison Copeland, Putting back the pieces: examining habitat use to inform future reintroductions of the greater Bermuda land snail. Oryx 2021.

Fauna Auf den Bermudainseln hat der fast ausgestorbene Bermudasturmvogel seine Brutstätten. Der Bestand der Bermuda-Schnecke (Poecilozonites bermudensis) war im späten 20. Jahrhundert stark zurückgegangen. Die Art galt seit 1990 als ausgestorbenAlison Copeland, Putting back the pieces: examining habitat use to inform future reintroductions of the greater Bermuda land snail. Oryx 2021, bis 2014 in einer feuchten Gasse in Hamilton eine Restpopulation entdeckt wurde. 2017 wurde in Port’s Island eine weitere Restpopulation entdecktAlison Copeland, Putting back the pieces: examining habitat use to inform future reintroductions of the greater Bermuda land snail. Oryx 2021. Seit 2019 steht die Art auf der Roten ListeK. Ovaska, K, Outerbridge, M., Poecilozonites bermudensis. IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T7714. Der verbliebene Bestand war durch eingeschleppte rosenrote Wolfsschnecken (Euglandina rosea) und Plattwürmer sowie durch die fortschreitende Umweltzerstörung durch den Tourismus bedroht. 2014 wurden 166 Tiere an die Zoological Society of London geschickt. Der Zoo von Chester begann eine Zuchtaktion, und seit 2019 werden Schnecken aus diesem Programm wieder auf den Bermudas ausgesetzt, insgesamt über 100.000Patrick Barkham, Bermuda snail thought to be extinct now thrives after a decade’s effort. Guardian 7. Februar 2026. Auch Poecilozonites circumfirmatus wird inzwischen in Chester nachgezüchtetPatrick Barkham, Bermuda snail thought to be extinct now thrives after a decade’s effort. Guardian 7. Februar 2026.

Auf Bermuda gibt es mehrere Nationalparks, sowohl über als auch unter Wasser.

Bevölkerung links|mini|Demografische Entwicklung der Bermudas von 1960 bis 2017 (Zahlen in Tausend) Nach der Volkszählung 2016 waren 52 % der Bevölkerung schwarz, 31 % weiß, 9 % Mischbevölkerung, 4 % asiatisch und 4 % anderen Gruppen zugeordnet. Die Hauptstadt Hamilton hatte 2016 854 Einwohner. 70 % der Bevölkerung waren auf Bermuda geboren, 30 % waren im Ausland geboren; unter den im Ausland Geborenen war die Kategorie Azores/Portugal mit 1.643 Personen beziehungsweise rund 3 % vertreten. Englisch ist die offizielle Sprache; Portugiesisch wird zusätzlich von Teilen der Bevölkerung gesprochen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung gehört verschiedenen protestantischen Konfessionen an (etwa ein Drittel davon anglikanisch), 15 % sind katholisch.

mini|Straße in Hamilton Vom 6. bis 17. Lebensjahr besteht allgemeine Schulpflicht. Viele Familien legen einen großen Teil ihres Geldes für die Schulgebühren einer teuren Privatschulbildung ihrer Kinder an. Es gibt fünf Privatschulen und zahlreiche öffentliche Schulen. Alle Schüler tragen Schuluniformen. Das Bermuda College vermittelt eine Hochschulbildung; zu einem Universitätsstudium gehen die Studenten in die USA, Kanada oder nach England.

Viele Einwohner Bermudas üben mehrere Berufe aus. Erst seit 1961 ist es der schwarzen Mehrheit erlaubt, neben Weißen im Bus, Kino oder Restaurant zu sitzen. Jedoch ist es nach wie vor so, dass die öffentlichen Schulen fast ausschließlich von Kindern und Jugendlichen afrikanischer Herkunft besucht werden.

Im Jahr 2020 betrug die Lebenserwartung bei Geburt für die Gesamtbevölkerung 81,7 Jahre (Frauen: 84,9 Jahre/Männer: 78,5 Jahre). Das mittlere Alter der Bevölkerung betrug 2020 43,6 Jahre, es wurden 2022 1,91 Kinder pro Frau geboren. Die Rate des Bevölkerungswachstums wurde für 2022 auf 0,39 % geschätzt..

Im Jahre 2017 waren 30,9 % der Bevölkerung nicht auf Bermuda geboren.

Geschichte hochkant=2|mini|Bermuda ca. 1616 Bermuda wurde Anfang des 16. Jahrhunderts (je nach Quelle 1503 oder 1505) vom Spanier Juan de Bermúdez entdeckt, der aber wegen der gefährlichen Riffe, die die Insel umgeben, nicht an Land ging. Petrus Martyr von Anghiera veröffentlichte 1511 eine der ersten Landkarten, auf denen die Inselgruppe eingezeichnet ist. Sie trägt darauf den Namen la bermuda. Im gleichen Jahr erschienen auch spanische Karten, die die Bermudas zeigen. Spanische und portugiesische Schiffe liefen die noch unbesiedelten Bermudas an, um sich mit Trinkwasser und Fleisch zu versorgen. Die Korallenriffe, die Bermuda umgeben, und der Aberglaube, Teufel würden dort leben, hielten Seeleute meist von ihr fern. Die Schreie des Bermudasturmvogels hatten die abergläubischen Seemänner für Teufelsschreie gehalten.Experience Bermuda, archiviert vom 17. September 2008.

Die ersten Siedler waren unfreiwillig englische Kolonisten auf dem Weg nach Virginia. In einem schweren Sturm lief ihr Schiff Sea Venture am 28. Juli 1609 auf ein Riff der Bermudas. Die 150 Schiffbrüchigen konnten sich ans Land retten. Die Gruppe unter der Führung von Sir George Somers verbrachte dort zehn Monate. Aus den Trümmern der Sea Venture und aus vor Ort vorgefundenem Holz bauten sie zwei kleinere Schiffe, mit denen sie die Fahrt nach Virginia fortsetzten. Ihre Berichte über die Insel erregten in England große Aufmerksamkeit, so dass Jakob I. die Befugnisse über die Inseln 1615 an die Bermuda Company übergab. 1612 wurde von etwa 60 britischen Kolonisten Saint George’s gegründet. Eine stellvertretende Regierung wurde 1620 eingesetzt, woraufhin Bermuda selbstständige Kolonie wurde. Aus dieser Zeit leitet sich die anglo-amerikanische Bezeichnung Somers Isles für die Bermudas ab. mini|Penny Bermuda von 1793

Wegen der Abgeschiedenheit der Inseln konzentrierte sich ihre Wirtschaft zunächst auf Handel mit Salz und auf das für den Schiffbau gut geeignete Holz des Bermuda-Wacholders. Die 1790 gegründete, zentral gelegene Hafenstadt Hamilton wurde 1815 Hauptstadt.

Nach Beendigung des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und der damit einhergehenden Anerkennung der Souveränität der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1783 hatte die Royal Navy keine Marinebasen mehr zwischen Neuschottland und dem spanischen Florida. In der Folge wurde Bermuda die wichtigste Basis der britischen Flotte in der westlichen Hemisphäre, bis Großbritannien den Royal Naval Dockyard, Bermuda, 1951 auf eine kleine Versorgungsbasis (Malabar) reduzierte.

Während des Zweiten Weltkriegs erlangte Bermuda Bedeutung für die USA. 1941 errichtete die US-Armee zwei feste Truppenstützpunkte, im Gegenzug bekamen die britischen Streitkräfte überschüssige Zerstörer der US-Marine (Zerstörer-für-Stützpunkte-Abkommen). 1943 fand dort die so genannte Bermuda-Konferenz statt. 1995 wurden die US-amerikanischen, kanadischen und britischen Stützpunkte geschlossen. Schon 1957 waren auch die britischen Armee-Einheiten zurückgezogen worden, mit Ausnahme des Bermuda Volunteer Rifle Corps (BVRC) und der Bermuda Militia Artillery (BMA), die 1965 zum Bermuda Regiment verschmolzen wurden.

Bermuda entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich zu einer erfolgreichen Steueroase. Seit 1946 steht das Territorium auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung. 1968 erhielt es eine Verfassung, was das Streben eines Teils der Bürger nach Unabhängigkeit bestärkte. Doch beim Referendum am 16. August 1995 wurde dieses Begehren von einer großen Mehrheit abgelehnt: 74 % der Wähler stimmten gegen die Unabhängigkeit.

Politik Verfassung Bermuda ist ein Überseegebiet des Vereinigten Königreichs. Das politische System orientiert sich am Westminster-System. Staatsoberhaupt ist König Charles III., der durch einen von ihm ernannten Gouverneur vertreten wird.

Bermuda verfügt über ein gewähltes Abgeordnetenhaus und einen Senat (11 Mitglieder), dessen Mitglieder vom Gouverneur ernannt werden. Der Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus wird vom Gouverneur zum Premier berufen und mit der Bildung einer Regierung beauftragt. Diese Regierung (Kabinett) setzt sich aus dem Premier und den Ministern zusammen. Sie ist gegenüber dem Parlament verantwortlich. Derzeitiger Premier ist E. David Burt (Progressive Labour Party), der im Juli 2017 Michael Dunkley ablöste.

Das Gebiet ist weitgehend autonom, nur wenige Bereiche – insbesondere die Außen- und Verteidigungspolitik – werden direkt von der Regierung in London entschieden. Das 1620 gegründete Parlament von Bermuda ist das fünftälteste der Welt und das einzige, das in diesem Zeitraum ununterbrochen existiert hat.

Militär

mini|Karte der Kreuzfahrten der auf den Bermudas stationierten HMS York auf der America and West Indies Station der Royal Navy, 1936–1939 Als ehemalige königliche Festungskolonie, die einst als „Gibraltar des Westens“ und „Festung Bermuda“ bekannt war – Bermuda war bis zum Kalten Krieg der wichtigste britische Marine- und Militärstützpunkt in der westlichen Hemisphäre –, liegt die Verteidigung Bermudas als Teil des britischen souveränen Staates in der Verantwortung der britischen Regierung.