Dominica (amtlich Commonwealth Dominica) ist ein Inselstaat in den Kleinen Antillen in der östlichen Karibik. Der Staat erstreckt sich über die gleichnamige Insel und ist Mitglied des Commonwealth of Nations. Neben der Amtssprache Englisch ist Antillen-Kreolisch, von den Einwohnern Patwa (Patois) genannt, als Umgangssprache verbreitet.
Landesname In der Sprache der karibischen indigenen Bevölkerung wurde die Insel wegen ihres gebirgigen Geländeprofils Ouaitocoubouli genannt (in anderer Transkription Wai'tukubuli, deutsch „ihr Körper ist hoch“).
Die europäische Bezeichnung erhielt die Insel, weil Christoph Kolumbus sie nach dem Wochentag ihrer Entdeckung benannte, einem Sonntag (auf Latein: Dominica).
Geografie Territorium Dominica liegt auf 15°18′N 61°23′W in der östlichen Karibik. Als eine der Westindischen Inseln im östlichen Inselbogen der Kleinen Antillen gehört Dominica zu den Inseln über dem Winde.
Nach britischem Sprachgebrauch zählt Dominica zu den „Leeward Islands“, womit der nördliche Teil jener Inselgruppe gemeint ist, die im Deutschen und anderen Sprachen als Inseln über dem Winde bezeichnet wird. Da aber Dominica ungefähr in der Mitte des Inselbogens liegt, die Abgrenzung von nördlich gelegenen (englisch Leeward Islands) gegenüber weiter südlich liegenden (englisch Windward Islands) Inseln dieser Kette in etlichen Sprachräumen unterschiedlich gezogen wird und das westindische Englisch teilweise dem internationalen Sprachgebrauch folgt, wird Dominica auch als nördlichste der „Windward Islands“ angesehen.
Dominica liegt zwischen den französischen Karibikinseln zweier Übersee-Départements: Guadeloupe im Norden und Martinique im Süden. Ungefähr 250 km im Westen befindet sich die unbewohnte venezolanische Insel Aves.
Die Insel Dominica ist knapp 49 km lang und nicht mehr als 23 km breit. Ihre Landfläche von 751 km² entspricht etwa der des Stadtstaats Hamburg. Ihre maritime Ausschließliche Wirtschaftszone (umgangssprachlich auch 200-Meilen-Zone) umfasst 28.985 km², ihr Küstenmeer (12-Meilen-Zone) 659 km², ihr gesamtes Seegebiet damit 29.736 km². Damit liegt sie im weltweiten Vergleich auf Platz 124.
Eckpunkte Dominicas sind Nördlichster Punkt: unbenanntes Inselchen etwas N von Carib Point, Saint Andrew Parish Südlichster Punkt: Küste SO von Scotts Head, Saint Mark Parish Westlichster Punkt: Pointe Ronde, Saint John Parish Östlichster Punkt: Pointe à Peine, Saint David Parish Geologie und Geomorphologie
Dominica liegt mit der Inselkette der kleinen Antillen am östlichen Rand der Karibischen Platte, in der Subduktionszone, in der die Südamerikanische Platte durch die Plattentektonik unter die Karibische Platte geschoben wird. Die Subduktion führt seit Millionen von Jahren zu vulkanischer Aktivität und Erdbeben, die bis heute vorkommen (s. Erdbeben in den kleinen Antillen 1974). Wie die gesamte Inselkette ist auch Dominica durch Vulkane entstanden. Ihre Entstehung begann im Oligozän, vor ca. 26 Mio. Jahren, damit ist sie die jüngste der Antillen-Inseln. Wie die anderen Inseln ist sie der Gipfel eines Unterwasserbergs, der durch Anhäufung von Magma entstand.
Dominica hat mindestens neun potentiell aktive Vulkane, eine der weltweit höchsten Konzentrationen. In den letzten 40.000 Jahren wiesen diese Dutzende, möglicherweise Hunderte Eruptionen auf. In den letzten 350 Jahren gab es 14 von den Vulkanen ausgehende seismische Krisen mit unterirdischer Magmabewegung und Erdbeben. Eine der jüngsten seismischen Aktivitäten der Insel war ein Dampfausbruch im Valley of Desolation im Jahr 1997.
Die Oberfläche der Insel besteht fast vollständig aus pleistozänen Ablagerungen, mit der Ausnahme eines pliozänen Gebiets im Osten. Darunter findet sich vulkanischer Basalt aus dem Eozän sowie Andesit und Rhyolith, die an manchen Stellen über die Ablagerungen herausragen.
Einige der höchsten Berge der Kleinen Antillen finden sich hier, teils von vulkanischen Kratern gekennzeichnet. Die höchste Erhebung ist der Morne Diablotins mit 1447 m; er wird als zweithöchster Berg der Kleinen Antillen nur vom aktiven Vulkan Soufrière auf der benachbarten Insel Basse-Terre (eine von Guadeloupes Hauptinseln) überragt. Die zweitgrößte Erhebung ist der Morne Trois Pitons mit 1423 m. Die Landschaft ist eine der felsigsten und zerklüftetsten der Karibik. 80 % der Küste ist Steilküste.
Die Kombination aus zerklüfteter, vulkanischer Landschaft mit hohen Niederschlägen führt zu bemerkenswerten Gewässer-Verhältnissen. Auf Dominica findet sich mit dem Boiling Lake ein Kratersee, die weltweit zweitgrößte Heißwasserquelle, die von noch heute vorhandener vulkanischer Aktivität im Untergrund zeugt. Daneben finden sich auf dem wasserreichen Dominica etwa 300 Flüsse oder Bäche, Wasserfälle und etliche Seen wie der Freshwater Lake und der Kratersee Boeri Lake sowie weitere heiße Quellen.
Klima mini|hochkant=0.7|Regenwald bei den Trafalgar-Wasserfällen mini|Kaiseramazone im Botanischen Garten in Roseau auf Dominica (2004) Das Klima ist tropisch, gemäßigt durch nordöstliche Winde, mit schweren Regenfällen; Dominica ist eines der niederschlagsreichsten Länder der Welt.
Dies kann besonders in der Hurrikan-Saison zwischen Mai und November zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen. Im Weltrisikobericht 2021 ist Dominica auf Rang 4 der Länder mit dem höchsten Katastrophenrisiko weltweit.
Wirbelstürme:
Im November 1999 hinterließ der Hurrikan Lenny eine Spur der Verwüstung an der Westküste. Im August 2007 wütete der Hurrikan Dean auf der Insel und forderte mindestens zwei Todesopfer.Dominica Begins to Recover from Hurricane Dean, thedominican.net, Meldung vom 18. August 2007, abgerufen am 21. Oktober 2017. Im August 2015 kamen durch den tropischen Sturm Erika 39 Menschen ums Leben. Die materiellen Schäden infolge von Erika summierten sich auf 90 % des Bruttoinlandsproduktes des Vorjahres.Erlassjahr.de: , abgerufen am 4. Dezember 2015. In der Nacht vom 18. auf den 19. September 2017 zog der Hurrikan Maria mit seinem Auge über Dominica und hinterließ große Verwüstungen.International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies: Dominica: Hurricane Maria – Information Bulletin no. 2, 25. September 2017, abgerufen am 21. Oktober 2017 (PDF). 65 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter 34 Vermisste, die nicht gefunden werden konnten und für tot erklärt wurden. Unmittelbar nach dem verheerenden Hurrikan kam es in vielen Städten der Insel zu Plünderungen, an denen auch Polizeibeamte beteiligt waren. Die Gesamtschäden inkl. Produktionsausfällen beliefen sich auf über 1,4 Mrd. USDLabour cannot handle it alone, The Sun Dominica, Meldung vom 8. Dezember 2017, abgerufen am 19. Dezember 2017. und damit auf fast das Doppelte des Bruttoinlandsproduktes von 2016.
Flora und Fauna Dominica trägt den inoffiziellen Beinamen the nature island („die Naturinsel“) wegen ihrer üppigen und artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Es wurden 1226 Pflanzenarten beschrieben.
50 % der Insel sind von unberührtem immergrünem tropischen Regenwald bedeckt, in höheren Lagen findet sich Berg- und Nebelwald.
Es wurden 172 Vogelarten beschrieben, darunter Kolibris, Breitflügelbussard, Krabbenreiher und Zitterdrosseln. Dominicas Nationalvogel ist die Kaiseramazone, eine vom Aussterben bedrohte Papageienart, die in den Bergwäldern heimisch ist.
In der umgebenden karibischen See finden sich zahlreiche Wal-Arten, insbesondere Pottwale, die man an ruhigen Tagen beobachten kann, daneben auch Grindwale, Borneodelfine, Schlankdelfin und Tursiop-Delfine. Weniger häufig sind Cuvier-Schnabelwal, Kleiner Schwertwal, Zwergpottwal, Kleiner Pottwal, Rundkopfdelfin, Gemeiner Delfin, Buckelwal und Brydewal. Dies macht Dominica interessant für die Walbeobachtung.
Bevölkerung Demografie Dominica hatte 2022 73.000 Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,4 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 13,3 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 8,9 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,6, die der Region Lateinamerika und die Karibik betrug 1,8. Im Jahr 2023 waren 19,4 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 9,8 Prozent der Bevölkerung betrug.
mini|Bevölkerungspyramide Dominica 2022 +BevölkerungsentwicklungJahrEinwohnerzahlJahrEinwohnerzahl195051.100199070.926196060.011200069.676197071.073201071.440198075.314202072.000
Bevölkerungsstruktur Die Bevölkerung Dominicas gliedert sich in folgende Gruppen: 86,8 % Schwarze, 8,9 % Menschen gemischter afrikanisch-europäischer Abstammung, 2,9 % Kariben und 0,8 % Europäer.
Die Staatsangehörigen Dominicas werden laut StAGN als „Dominicaner“ bezeichnet, im Unterschied zu den Staatsangehörigen der flächenmäßig um ein Vielfaches größeren, nordwestlich gelegenen Dominikanischen Republik, die „Dominikaner“ genannt werden.
Kariben
Die Karibik hat von diesen Indigenen ihren Namen, die sich dort Kalinago oder Kalinagos nennen. In einem Reservat (Kalinago Territory) im Osten Dominicas lebt die größte annähernd homogene Population der Kariben weltweit. Die Zahlenangaben zu den unvermischten Indigenen dieses Reservats divergieren. Dominica Weekly nennt für das Jahr 2008 noch 1000Dominica rejects legislating intermarriage to save Carib Indians,. In: Dominica Weekly. 13. Mai 2008. unvermischte Kariben. Abweichend hiervon beziffert eine Karibin die Anzahl der unvermischten Kariben im Reservat mit nur noch rund 300. Die britische Kolonialregierung richtete 1903 das Karibenreservat ein, ihr Häuptling (chief) ist Garnet Joseph, der im Juli 2009 gewählt wurde.
1902 schrieb Henry Hesketh Bell (1864–1952), der Verwalter der Insel, an Joseph Chamberlain, den britischen Kolonialminister (Secretary of State for the Colonies), es habe sich zur Zeit der Entdeckung auf einigen Inseln um eine „milde und schüchterne Rasse“,Eine „mild and timid race“, wie er meinte. Dies und das Folgende nach Henry Hesketh Bell: Report on the Caribs of Dominica. Presented to both Houses of Parliament by command of His Majesty. October 1902. His Majesty’s Stationery Office, London 1902 (daraus ein Auszug online: Nr. 21: Brief von Henry Hesketh Bell an Joseph Chamberlain vom 29. Juli 1902). auf den kleinen Inseln um kriegerische Kariben gehandelt, wie er von französischen Historikern des 17. Jahrhunderts zu wissen glaubte. Durch ihren unbeugsamen – „heldenhaften“ – Widerstand entgingen sie, so Bell, der Sklaverei auf den anderen Inseln. Er berichtet weiter, die Kariben seien als Eroberer vom Festland gekommen und hätten die „Arrowak“ unterworfen. Die Töchter hätten von nun an die Karibensprache, die Söhne jedoch die Arouak-Sprache gesprochen. Die Einwohnerzahl war aber insgesamt gering, die als „Carbet“ bezeichneten Dörfer bestanden nie aus mehr als 30 Hütten und lagen an der Küste. Nur zur Jagd zogen die Kariben in die Berge. Sie bauten hochseetüchtige Kanus und gingen mit ihnen auf Fischfang. Dass sie auf Sklavenjagd gingen, kann wohl als gesichert gelten, doch ob die Gerüchte von Menschenfresserei eine wahre Grundlage hatten oder nur dazu dienten, die Spanier abzuschrecken, ist ungeklärt.