hochkant|mini|Maleachi am Portal (1139) des Doms von Verona mit Zitat aus Maleachi 3

Maleachi () bezeichnet einen biblischen Propheten und das ihm zugeschriebene Buch des jüdischen Tanach, beziehungsweise des christlichen Alten Testaments.

Stellung im Kanon Das Buch Maleachi gehört im Tanach zum Zwölfprophetenbuch, das den Abschluss der Sammlung der Nevi’im bildet.

In der Septuaginta und damit im Kanon der orthodoxen Kirchen wurde das Zwölfprophetenbuch (mit Maleachi als Abschluss) vor die „großen“ Propheten eingeordnet: Auf Maleachi folgt Jesaja, dann die Jeremia-Schriften, Ezechiel und die Daniel-Schriften.

In der westkirchlichen Tradition (Katholizismus und Protestantismus) steht das Maleachibuch dagegen an letzter Stelle der alttestamentlichen Prophetenbücher und schließt das Alte Testament ab. Bei dieser Anordnung wird das Ende des Maleachibuchs () zum Schlusswort des Alten Testaments, das zum Neuen Testament überleitet, zumal dieser Text dort mehrfach zitiert wird.Erich Zenger, Christian Frevel: Heilige Schrift der Juden und der Christen. In: Christian Frevel (Hrsg.): Einleitung in das Alte Testament. 9., aktualisierte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2016, S. 11–36, hier S. 35.

Aufbau Während das Maleachibuch in der hebräischen und altgriechischen Fassung drei Kapitel hat, unterteilt es die lateinische Vulgata in vier Kapitel. Einige christliche Bibelübersetzungen in moderne Sprachen, darunter die King James Version, übernehmen die Kapitelzählung der Vulgata, bei der Mal 3,19-24 als eigenes Kapitel abgeteilt wird.Kyung-Sik Park: Malachi (Book and Person) I. Hebrew Bible/Old Testament. Berlin/Boston 2019, Sp. 576-578, hier Sp. 577.

Kennzeichnend für das Maleachibuch ist seine dialogische Struktur; mehrere Redegänge, die als „Diskussionsworte“ oder „Disputationsworte“ bezeichnet werden, haben einen wiederkehrenden Aufbau: Nach einem Impuls (rhetorische Frage, weisheitliche Sentenz, Zusage Gottes oder Kritik) folgt, von Maleachi zitiert, der Widerspruch des Gesprächspartners. Nun widerlegt Maleachi diesen Einspruch seines vorgestellten Gegenübers, entfaltet dabei den Eingangsimpuls und gelangt zu einem Schlussvotum.Erich Zenger: Das Zwölfprophetenbuch. S. 705.

Gliederung nach Erich Zenger:Erich Zenger: Das Zwölfprophetenbuch. S. 705f. Überschrift 1. Diskussionswort: JHWHs Liebe zu Israel 2. Diskussionswort: Gegen die Nachlässigkeit der Priester im Kult und in der Auslegung der Weisung ( – ) 3. Diskussionswort: Anklage der Männer der judäischen Oberschicht wegen Verstoßung jüdischer Ehefrauen und Heirat von Ausländerinnen 4. Diskussionswort: Anklage wegen Ausbeutung der Armen ( – ) 5. Diskussionswort: Anklage wegen eines Konflikts zwischen Priestern und Laien um die Ablieferung des Zehnten 6. Diskussionswort: Ankündigung des „Tags JHWHs“, der den Gerechten Rettung bringt, den Frevlern den Untergang Zwei Epiloge: Die Wiederkunft Elijas vor dem Tag des Herrn Diese Schlussverse des Zwölfprophetenbuchs bilden eine Inklusion mit dem Anfang des Buchs Josua und rahmen somit in der Hebräischen Bibel den Kanonteil Nevi'im.Konrad Schmid: Das Maleachibuch, Göttingen 2019, S. 410f.

Verfasser und Entstehungszeit Über den Verfasser ist nichts bekannt. Der hebräische Name bedeutet (als Kurzform) „mein Bote“ oder (als Langform) „Bote JHWHs“. Als Personenname ist Maleachi auf einem Krughenkel aus dem eisenzeitlichen Arad belegt., hier S. 6f. In der Septuaginta heißt er ; dem folgt die Vulgata: Malachias. In Martin Luthers Biblia Deudsch von 1545 heißt der Prophet dagegen Maleachi.

Einen Hinweis auf die Datierung bietet der Begriff in , ein Lehnwort aus dem Akkadischen, das einen Provinzstatthalter (Gouverneur) im neuassyrischen, neubabylonischen oder persischen Reich bezeichnen kann.Gesenius. 18. Aufl. 2013, S. 1047. Vor dem Exil hatte Juda einen König. Traditionell sah die Forschung in Maleachi einen Propheten des 5. oder 4. vorchristlichen Jahrhunderts. Kessler nennt die späte Perserzeit im 4. Jahrhundert v. Chr. als Entstehungszeitraum, weil er davon ausgeht, dass dem Verfasser der Maleachi-Dichtung die Tora und die Prophetenbücher schriftlich vorlagen. In die hellenistische Zeit, ins 3. Jahrhundert v. Chr. datiert er den Schluss , der Grundbestand des Maleachibuchs sei im 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden. Der Jerusalemer Tempel ist wieder aufgebaut (515 v. Chr.); im Kult zeigen sich Nachlässigkeiten, die besser verständlich sind, wenn die Wiedereinweihung schon etwas zurückliegt., hier Sp. 712. , hier S. 7. Zu einer Entstehung im 5. Jahrhundert passen die im Buch genannten religiösen und sozialen Konflikte, etwa die Auseinandersetzung um die Mischehenproblematik .Erich Zenger: Das Zwölfprophetenbuch. S. 706.

Möglicherweise steht hinter dem Buch keine Einzelgestalt, sondern schriftgelehrte Auslegung (vgl. u. a. die Strukturanalogien zu und ). Der Name wäre dann eine Ableitung aus und und könnte programmatisch auf Sendung und Amt des Propheten bezogen sein. Das deutliche Interesse der Maleachi-Schrift an Tempel und Priesterschaft deutet auf ein Milieu in diesem Umfeld hin; die Gruppe der Leviten als Pfleger der Schriftüberlieferung ist naheliegend.

Im Targum wird der Name Maleachi mit dem Zusatz versehen: „Mein Bote (= Maleachi), dessen Name Esra ist, der Schriftgelehrte.“Kyung-Sik Park: Malachi (Book and Person) I. Hebrew Bible/Old Testament. Berlin/Boston 2019, Sp. 576-578, hier Sp. 576. Vgl.

Theologie Anders als frühere Propheten verurteilt Maleachi nicht beim Volk, den Fürsten oder dem politischen Oberhaupt, sondern bei Priestern und Leviten den ungerechten Umgang mit Geld, geistlichen Verfall und Trägheit, soziale Ungerechtigkeit sowie Mischehen mit Heiden – und das Vermischen mit heidnischen Religionen. Laut Mal. 2,8 sei der Bund mit Levi, also allen Priestern, gebrochen. Der Text von Mal 2,10-16 ist an wichtigen Stellen unsicher. Oft wird angenommen, dass die von Maleachi kritisierten Leviten in der Jugend jüdische Frauen heirateten und dann verstießen, um Ausländerinnen zu heiraten. Arndt Meinhold schlägt vor, dass Männer der Oberschicht Ehen mit nichtjüdischen Oberschicht-Frauen anstrebten, die soziale Vorteile versprachen. Weil diese Partnerinnen nicht den Status der Nebenfrau akzeptiert hätten, entließen sie ihre judäischen Frauen., hier S. 8. Hanna Liss interpretiert Mal 2,10-16 allerdings anders: „Malachi klagt zwar die Praxis an, dass (jüdische) Männer nichtjüdische Partnerinnen haben, kritisiert jedoch aufs Schärfste, dass (solche) Frauen einfach ‚verstoßen‘ werden und betrachtet solche Praxis als eine Gewalttat (chamas).“Hanna Liss: Das Buch Tere Asar (Zwölf-Prophetenbuch), Heidelberg 2019, S. 410.

Die Themen der Maleachi-Schrift lassen sich nur aus der Auslegung des ganzen Buches erkennen. Die Themen können unter den Überschriften „Segen“, „Gabe“ und „Gerechtigkeit“ zusammengefasst werden. Aus ihrem Zusammenspiel ergibt sich eine endzeitliche Perspektive. Und weil diese Gerechtigkeit gegenwärtig nicht sichtbar ist, scheinbar sogar die Gewalttäter die Oberhand haben, muss durch JHWHs Kommen zum Recht und durch den kommenden Tag die Scheidung der Gerechten von den Gottlosen vorgenommen werden.Rainer Kessler: Maleachi, Freiburg 2011, S. 86.

Wirkungsgeschichte Jüdische Leser Das Maleachibuch enthält die Kritik eines Insiders am Kult des Zweiten Tempels. Jüdische Gruppen, die ihrerseits distanziert zum Tempel standen, griffen Maleachis Kritikpunkte auf, so das Erste (Äthiopische) Henochbuch und die aus dem Jachad stammende Damaskusschrift. Maleachi bezeichnete Elija als endzeitlichen Propheten; Ben Sira nahm dieses Motiv auf (). Unter den Schriftrollen vom Toten Meer findet sich das Motiv des endzeitlichen Elija in 4QpapVision ar, einem nicht-jachadischen Text. Eine jachadische Schrift, 4QMiscellaneous Rules, zitierte in einer halachischen Diskussion. Das Motiv eines Gedenkbuchs () wurde sowohl in der Damaskusschrift als auch in 4QInstruction rezipiert.Donald Polaski: Malachi (Book and Person) II. Judaism. A. Second Temple and Hellenistic Judaism. Berlin/Boston 2019, Sp. 578-580.

In der rabbinischen Literatur wird Maleachi zusammen mit Haggai und Sacharja mehrfach als Gruppe der drei letzten Propheten bezeichnet, mit denen die Prophetie in Israel geendet habe.Beispiel: Babylonischer Talmud, Bava batra 14b. Zum Teil wird Maleachi nicht als Personenname aufgefasst und überlegt, ob etwa Mordechai oder Esra das Buch geschrieben haben könnten.Babylonischer Talmud, Megilla 15a. Folgende Motive aus dem Maleachibuch wurden häufig rezipiert:Matthew Chalmers: Malachi (Book and Person) II. Judaism. B. Rabbinic Judaism. Berlin/Boston 2019, Sp. 580-581. Das Gedenken an die Tora des Mose () wird in Diskussionen zitiert, in denen es um die Rolle geht, die die Tora im jüdischen Alltag haben sollte. In interessierte weniger das Gedenkbuch, in das die Namen der Frommen bei Gott eingetragen werden, als die Wendung „die auf seinen Namen achten.“ Dieses „achten“ ließ nach der Bedeutung der Intention im Verhältnis zur Tat fragen. Rabbi Ami interpretierte die Bibelstelle so: Wer sich vornimmt, eine Mitzwa auszuführen, dann aber durch die Umstände gehindert ist, es zu tun, der wird belohnt wie jemand, der die Mitzwa ausgeführt hat.Babylonischer Talmud, Schabbat 63a. Von Levi heißt es: „Zuverlässige Weisung kam aus seinem Mund“ . Das machte ihn zum religiösen Vorbild. Die endzeitlichen Themen vom „Tag JHWHs“ und der Wiederkunft des Elija wurden ebenfalls aufgenommen.

Für die mittelalterlichen jüdischen Gelehrten war Maleachi fraglos ein Eigenname, wenn auch bekannt war, dass das in den rabbinischen Quellen teils anders gesehen wurde. Der Vers , dem zufolge die Nichtjuden Israels Gott reine Opfer darbrachten, bereitete große Probleme, denn nach der Meinung der Gelehrten war das so nicht der Fall. Raschi meinte, dass die Nichtjuden Israels Gott immerhin als höchsten Gott anerkannten. Josef Kara, der im 11./12. Jahrhundert in Troyes lebte, verstand den Vers so: Wenn die Nichtjuden Israels Gott ein Opfer darbringen, dann ist es ein reines Opfer. Abraham ibn Esra und Elieser von Beaugency erklärten, dass die Nichtjuden Gott reine Opfer dargebracht haben würden, wenn er es ihnen befohlen hätte. Der Satz „Gedenkt der Weisung meines Knechts Mose“ () hatte, sozusagen als Schlusswort des letzten Propheten, bevor die Prophetie erlosch, große Bedeutung.Ezra Fraser: Malachi (Book and Person) II. Judaism. C. Medieval Judaism. Berlin/Boston 2019, Sp. 581-583.

Christliche Leser mini|Der Text von Mal 1,11 vor dem Altar einer römisch-katholischen Kirche (Cathedral of Saint Mary of the Immaculate Conception in Peoria, Illinois) Am Beginn des Markusevangeliums wird als Jesaja-Zitat angegeben und der bei Maleachi genannte Bote mit Johannes dem Täufer identifiziert: . weist auf ein eschatologisches Auftreten von Elija hin, das im Neuen Testament ebenfalls auf Johannes den Täufer bezogen wird: . Der Bote in wird in der christlichen Auslegung auch mit Jesus selbst identifiziert, der die Menschen von ihrer Schuld reinigen wird.

Der Vers wurde schon von Autoren der Alten Kirche auf die Eucharistie gedeutet und begründet für die römisch-katholische Theologie den Opfercharakter der Messe. Die Reformatoren wiesen dieses Textverständnis zurück und erklärten, als „Rauchopfer und reine Opfergabe“ bezeichne der Prophet Wort Gottes und Gebet (so Martin Luther) oder Gebet und Danksagung (so Johannes Calvin).

In wird ein endzeitlicher Bote angekündigt, der in den Tempel kommt und Israel läutert. Die Deutung auf Jesus Christus ist in der christlichen Exegese weit verbreitet, jedoch lassen sich zwei Auslegungstraditionen unterscheiden: Irdisches Leben des Jesus von Nazareth (Kyrill von Alexandria, Hieronymus), oder ständiges Kommen des auferstandenen Christus zu den Gläubigen (Martin Luther); Wiederkunft Christi am Ende der Zeit (Theodoret von Kyros, Johannes Calvin und andere).Brian German: Malachi (Book and Person) III. Christianity. Berlin/Boston 2019, Sp. 584-587.