mini|Satellitenbild von Südkorea
Die Republik Korea (koreanisch: , Hanja: , IPA [], revidierte Romanisierung: Daehan Minguk, McCune-Reischauer: Taehan Min’guk), auf deutsch meist Südkorea genannt, ist ein demokratischer Staat in Ostasien. Sie nimmt seit der Teilung Koreas 1945 den südlichen Teil der Koreanischen Halbinsel ein. Das einzige Nachbarland ist das nördlich gelegene Nordkorea; im Westen grenzt sie an das Gelbe Meer, im Süden an das Ostchinesische Meer und im Osten an das Japanische Meer. Die Republik Korea erkennt Nordkorea nicht an. Die Verfassung stellt klar, dass ihre Souveränität über gesamt Korea reicht, einschließlich der umliegenden Inseln. Ihr kontrolliertes Territorium umfasst die südliche Hälfte der koreanischen Halbinsel und ist von etwa 3000 Inseln umgeben, darunter Jejudo, Ulleungdo und Dokdo.
Mit rund 52 Millionen Einwohnern zählt Südkorea zu den 30 bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. Etwa die Hälfte der Einwohner Südkoreas lebt im Großraum der Hauptstadt Seoul, genannt „Sudogwon“, eine der größten Metropolregionen der Welt. Über zwei Millionen Menschen leben zudem jeweils in den Städten Busan, Incheon und Daegu.
Die koreanische Halbinsel ist seit dem Altpaläolithikum von Menschen bewohnt und die ersten Siedlungen stammen aus der Jungsteinzeit. Die ersten Aufzeichnungen von Staatentümern tauchen im 7. Jhd. v. Chr. auf. Nach der Vereinigung der Drei Reiche Koreas durch Silla und Balhae wurde Korea von der Goryeo-Dynastie (918–1392) und der Joseon-Dynastie (1392–1897) regiert. Das darauffolgende Kaiserreich Korea wurde 1910 von Japan annektiert. Nach dem Ende der japanischen Besatzung und der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg wurde Korea von der Sowjetunion und den USA in zwei Besatzungszonen geteilt. 1948 gründeten sich infolge der politischen Spaltung zwei neue Staaten. Südkorea wurde zunächst von einem rechtsautoritären Regime geführt und nach einem Volksaufstand 1960 kurz zu einer parlamentarischen Demokratie. Nach einem Militärputsch 1961 gab es in Südkorea bis 1987 mehrere Militärregierungen. 1987 kam es zu landesweiten Massenprotesten und das Militärregime sah sich unter dem Druck der Demokratiebewegung gezwungen, das Land zu demokratisieren. Seit den 1990er Jahren gilt Südkorea gemäß diverser Demokratiemessungen als einer der demokratischsten Staaten Asiens, vergleichbar mit Deutschland und Österreich.
Seit dem Koreakrieg (1950–1953) ist das Verhältnis beider koreanischer Staaten stark belastet. Nordkorea begann seit den frühen 1960ern eigenständig Nuklearwaffen zu entwickeln und führte am 9. Oktober 2006 ihren ersten erfolgreichen Testversuch durch. Seitdem wurden mehrfach Versuche von Südkorea, den USA, Japan und China unternommen Nordkorea zur Entnuklearisierung zu bewegen. Derzeit sollen sich rund 50 Atomsprengköpfe im Besitz von Nordkorea befinden.
Das Nuklearwaffenprogramm von Südkorea begann in den frühen 1970er Jahren, wurde aber 1978 unter Androhung von Sanktionen durch die USA wieder aufgelöst. Seit 2006 betrat das Thema um ihre Fortsetzung wieder die politische Debatte und laut Umfragen unterstützen rund 70 Prozent der Bevölkerung die Aneignung von eigenen atomaren Abschreckungskapazitäten. Südkorea ist praktisch bereits in der Lage, eigene Atomwaffen herzustellen, hat jedoch aufgrund der voraussichtlichen diplomatischen und wirtschaftlichen Auswirkungen noch nicht den Schritt gemacht, diese zu produzieren.
Aufgrund der anhaltenden Militarisierung der koreanischen Halbinsel besitzt Südkorea eine der größten Streitkräfte der Welt. Seoul verfügt über deutlich größere, besser ausgerüstete Streitkräfte mit einer deutlich höheren militärischen Einsatzbereitschaft als seine europäischen NATO-Partner (Großbritannien, Frankreich und Deutschland), trotz einer kleineren Bevölkerung, BIP und Budgetausgaben. Nach Nordkorea verfügt Südkorea über die zweitgrößten Artilleriestreitkräfte der Welt mit rund 12.100 Artilleriegeschützen im Besitz. Im Vergleich dazu verfügt China über 9500, die USA 5000, Russland 4400, Großbritannien 570 und Frankreich über 245 Artilleriegeschütze. Das Arsenal zeichnet sich nicht nur durch die Menge an Waffensystemen aus, sondern auch durch deren Qualität. Fast 80 % der Waffen werden im Inland beschafft; dazu zählen Kampfflugzeuge, Kampfpanzer wie der K2 Black Panther, Panzerhaubitzen wie die K9 Thunder, Kriegsschiffe und U-Boote. In den letzten Jahren kamen ebenfalls Satelliten und fortschrittliche Raketentechnologie hinzu.
Mit 500.000 aktiven Soldaten verfügt Südkorea über ein größeres Militär als jedes europäische NATO-Land. Das entspricht in etwa der Personalstärke der Streitkräfte Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands zusammen.
Unter der japanischen Besatzung kam es zu keiner nennenswerten wirtschaftlichen Entwicklung und durch den Koreakrieg wurde das Land komplett zerstört. Ab 1963 kam es dann aber zu einem rapiden Wirtschaftsaufschwung und Südkorea erfuhr zwischen 1980 und 1990 den schnellsten Anstieg des durchschnittlichen pro-Kopf-BIP der Welt. Das Land wurde innerhalb weniger Jahrzehnte von einem der ärmsten Länder der Erde zu einem hochmodernen Industriestaat. Die südkoreanische Industrie beherrscht vor allem in der Produktion von Schiffen und elektronischen Produkten (wie Halbleitern, Mikrochips, Flachbildschirmen und Computern) den Weltmarkt. Südkorea ist Mitglied in mehreren internationalen Wirtschaftsorganisationen, z. B. der G20, der OECD, der APEC und von ASEAN+3.
Ausgehend von extremer Armut, mit einem Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommen von lediglich 67 US-Dollar in den frühen 1950er Jahren, ist die Republik Korea das erste und bisher einzige ehemalige Empfängerland von Entwicklungshilfe, das 2010 Mitglied des Entwicklungshilfeausschusses (DAC) der OECD wurde und damit den Übergang zu einem Geberland markierte.
Durch die Koreanische Welle hat Südkorea kulturell weltweit eine große Bedeutung und Einfluss.
Landesname Der offizielle deutsche Staatsname lautet Republik Korea; umgangssprachlich spricht man jedoch meist von Südkorea. Auf Koreanisch heißt das Land offiziell Daehan Minguk (, ; dt. „Koreanische Republik, Republik Korea“). Allgemein wird es in Südkorea in der Form Hanguk (, ) oder selten auch Daehan (, , „Korea“) genannt. Der Beiname Minguk wird ausschließlich für Südkorea verwendet und bedeutet „Republik“, wörtlich „Land des Volkes“.
Der deutsche Name Korea stammt von Goryeo, einer Abkürzung von Goguryeo.
Geographie Südkoreas Fläche beträgt 100.284 Quadratkilometer. Davon entfallen nur 290 Quadratkilometer auf Wasserflächen, da es keine größeren natürlichen Seen gibt.
Südkorea umfasst den südlichen Teil der Koreanischen Halbinsel und vorgelagerte Inseln. Nahe der Westküste und im Südosten liegt ebenes, aber fast überall mit Hügeln durchsetztes Land, das höchstens ein Drittel des Staatsgebiets ausmacht, aber die große Mehrheit der Einwohner beherbergt. Der große Rest des Landes ist gebirgig; außer auf einem schmalen Streifen an der Ostküste und in kleinen Talgründen gibt es keine Tiefebenen. Sowohl die Gebirge als auch die Hügel der Ebenen sind meist bewaldet; sie erreichen zwar selten große Höhen, haben aber oft ein steiles Relief.
Berge und Gebirgszüge mini|Seoraksan-Nationalpark mini|Krater im Hallasan auf Jeju-do
Etwa 70 % Südkoreas sind gebirgig. Höchster Berg ist der Vulkan Hallasan mit 1950 Metern auf der Insel Jeju, auf dem südkoreanischen Festland sind am höchsten der Jirisan im Süden mit 1915 Metern und der Seoraksan im Nordosten mit 1708 Metern. Südkorea wird von fünf größeren Gebirgen durchzogen, das größte ist das Taebaek-Gebirge. Es beginnt im südöstlichen Nordkorea und zieht sich dann fast die gesamte Ostküste Südkoreas entlang. Vom Taebaek zweigt der zweitgrößte, Sobaek genannte Gebirgszug in südwestlicher Richtung ab; er zieht sich durch das Zentrum des Landes. Kleiner sind das Gwangju-, das Charyeong- und das Noryang-Gebirge. Die aus Nordkorea über den Seoraksan bis zum Jirisan verlaufende Hauptwasserscheide heißt Baekdu-daegan (; ).
Flüsse Vier größere Flüsse durchziehen Südkorea. Der längste von ihnen heißt Nakdonggang und hat eine Länge von 525 Kilometern. Er entsteht aus dem Zusammenfluss zweier im Taebaek-Gebirge entspringender Quellflüsse bei der Stadt Taebaek und fließt von dort, anders als die meisten Flüsse des Landes, nach Süden und mündet bei Busan ins Ostmeer. Zweitlängster Fluss mit 497,5 Kilometern ist der Hangang, dessen Nordarm in Nordkorea entspringt. Sein Südarm entspringt ebenfalls am Berg Taebaek. Beide Han-Flüsse vereinigen sich etwa 35 Kilometer vor Seoul, bevor sie vereint die Hauptstadt mittig durchfließen und kurz danach als Grenzfluss zu Nordkorea in das Gelbe Meer münden. Weitere bedeutende Flüsse sind der Geumgang (401 Kilometer) und der Seomjingang (212 Kilometer).
Küste und Inseln Südkorea stößt an drei Seiten ans Meer: Im Osten an das Ostmeer, im Süden an die Koreastraße, im Westen an das Gelbe Meer.
Die Küstenlinie ist insgesamt 2413 Kilometer lang.
Die Küsten im Westen und Süden weisen als Ria viele Buchten und Halbinseln auf, denen rund 4400 mittelgroße und kleinere Inseln vorgelagert sind. Davon sind weniger als 500 bewohnt. An der Westküste liegt das zweitgrößte Wattenmeer der Erde mit dem Namen Saemangeum. Der buchtenarmen und vielerorts steilen Ostküste sind nur wenige und sehr kleine Inseln und Felsen vorgelagert.
Die mit Abstand größte Insel heißt Jejudo. Sie liegt rund 150 Kilometer südlich der Südwestküste des Festlands, ist 1845,6 Quadratkilometer groß und bildet mit einigen kleinen Inseln die Provinz Jeju-do.
Flora und Fauna Etwa zwei Drittel des Landes sind bewaldet. Die ursprünglichen Mischwälder mit Eichen, Ahorn, Buchen, Ulmen, Pappeln, Fichten und Espen sind an vielen Stellen einem Sekundärwald gewichen, da sehr viel Wald dem Brennholzbedarf und dem Brandrodungsfeldbau zum Opfer gefallen ist. In höheren Lagen schließt Nadelwald mit Fichten und Lärchen an. Die Pflanzenwelt Südkoreas ist beträchtlich artenreicher als die Mitteleuropas. Allein die leicht sichtbaren höheren Pflanzen sind mit etwa 3400 Arten und Unterarten in 880 Gattungen vertreten. So reicht Koreas Pflanzenpalette von alpinen Latschen und Rhododendren oberhalb der Baumgrenze im Nordgebirge bis zum subtropischen Bambus, Lorbeer und Kamelien an der warmen Südküste und auf Jejudo. mini|270x270px|Dadohaesang Nationalpark Große Raubtiere wie Tiger, Leoparden und Kragenbären waren auf der gesamten Koreanischen Halbinsel verbreitet; durch Abholzung und Wilderei sind sie seit den 1930ern und 1940ern aber praktisch aus Korea verschwunden.Saving wild Asiatic black bears in Korea. In: iucn.org, IUCN, 28. Mai 2019. (englisch) Während Tiger und Leopard ausgestorben sind, überlebte ein kleiner Restbestand von Kragenbären im Norden in der demilitarisierten ZoneJoshua Powell: South Korea is bringing back bears in a country of 52 million people. In: updates.panda.org, WWF, 24. September 2019. (englisch)Rare Asiatic Black Bear spotted in Demilitarised Zone: In: bbc.com, BBC, 10. Mai, 2019. (englisch) und im Süden im Jirisan-Nationalpark, wo die Regierung in den 1990er Jahren ein Erhaltungs- und Wiederansiedlungsprojekt begann.Yoon Ja-young: Six Asiatic black bear cubs born in Jirisan National Park this year. Korean Times, 25. Mai 2021 Weitere Raubtiere in den Wäldern sind der Luchs, die Bengalkatze, der Marderhund, das Feuerwiesel, der Fischotter und im Nordosten des Landes der Mongolische Wolf. Zu den größeren Säugetieren gehören der Langschwanzgoral, das Sibirische Moschustier, verschiedene Hirscharten und Wildschweine. An den Küsten gibt es Seehunde. Bemerkenswerte Vogelarten sind die Mandarinente, der Weißbauch-Schwarzspecht, Mandschurenkranich und Halsband-Zwergohreule.
Etwa 3,9 % der Staatsfläche Südkoreas stehen unter Naturschutz.
Naturerscheinungen