Schweinfurt (, Schweinfurterisch: Schweifert , Ostfränkisch: Schwainfodd) ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Unterfranken des Freistaats Bayern. Sie besteht infolge ausgebliebener Eingemeindungen bei der bayerischen Gebietsreform nur aus der Kernstadt. Der Ballungsraum hat 124.000 Einwohner (2023)Die Einwohnerzahl der Kommunen in einem Ring von zehn Kilometer um die Stadtmitte beträgt einschließlich Schweinfurt 124.384 Einwohner (31. Dezember 2023). Den Zehn-Kilometer-Ring verwendete die Universität Würzburg als Grundlage für eine wirtschaftsgeorafische Studie: Kilian Beck: Hebesatzpolitik und Beitragsplanung/Die Wettbewerbssituation der Stadt Schweinfurt. und das Einzugsgebiet der Stadt 759.000 Einwohner (2019).Das Gesamteinzugsgebiet des Schweinfurter Einzelhandels, bezogen auf den Standort Stadtgalerie Schweinfurt, hatte 2019 nach Angabe von ECE Projektmanagement 758.974 Einwohner
Die Großindustrie- und Hafenstadt am Main ist Oberzentrum, Verwaltungssitz des Landkreises Schweinfurt, Teilstandort zweier Landesbehörden und einer Technischen Hochschule. Nach dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag Schweinfurt 2021 an fünfter Stelle in Deutschland.
Schweinfurt wurde 791 erstmals urkundlich erwähnt. Um 1000 beherrschten die Markgrafen von Schweinfurt das nordöstliche Bayern. Die Reichsstadt (seit 1254) wurde zu einem protestantischen und humanistischen Zentrum. Die von Gustav Adolf II. 1632 eingeleitete Universitätsgründung scheiterte an seinem frühen Tod. 1652 wurde in Schweinfurt – vor der Royal Society in London (1660) und der Académie des sciences in Paris (1666); – die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt gegründet, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, seit 1878 in Halle (Saale), seit 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften. 1780 begann die Industrialisierung der Stadt, in der das Tretkurbel-Fahrrad (Philipp Moritz Fischer 1853, strittig), der Fahrradfreilauf (Ernst Sachs 1889) und die Rücktrittbremse (Sachs 1903) erfunden wurden.
Schweinfurt liegt in der Mitte der EUSeit dem Brexit liegt der Mittelpunkt der EU 32 Kilometer südwestlich von Schweinfurt, in Gadheim. (Autobahn-. Logistik- und Stromnetzknoten). Die Wälzlager-Konzerne SKFWirtschaft in Mainfranken, August 2018, S. 63: SKF Standort Schweinfurt mit ca. 4100 Mitarbeitern größter Standort weltweit. und Schaeffler, der viertgrößte Automobilzulieferer der Welt ZF Friedrichshafen (u. a. Bau von E-Motoren) und Fresenius Medical Care haben hier ihre größten Werke. In neuerer Zeit gewannen Forschung und Dienstleistung an Bedeutung. Für das Milliardenprojekt KI-Gigafactory „Blue Swan“ soll noch 2026 Baurecht geschaffen werden.
Etymologie Die Herkunft des Namens Schweinfurt ist unklar. Der Name ist wie folgt belegt:
720 „Suinuurde“Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen. C. H. Beck, 1991, ISBN 3-406-35330-4. 740 „Villa Suinvurde“1 791 „Suuinfurtero marcu“2 804 „Suuinfurte“ ? „Swinfurt“Karl Treutwein: Unterfranken. S. 141. ? „Swinvordi“ 1230 „Swinfurthe“ 1254 „Swinvorde“3 ? „Sweinvort“ 1500 „Sweynfurt“Kolorierte Erstausgabe der Romwegkarte, etwa 1500. Von Erhard Etzlaub. Süden ist oben. Deutschland: Weiß. Böhmen: Ocker (Insellage), rechts davon Main mit „Sweynfurt“, südlich der Mittelgebirgsschwelle (grün): Bitte Kartenmitte vergrößern 1650 „Schweinfurth“ 1798 „Schweinfurt“Kupferstich der Schweinfurter Stadtansicht aus dem Zittauischen Tagebuch, um 1798. In:
1 Erste Erwähnung Schweinfurts 2 Erste urkundliche Erwähnung Schweinfurts 3 Erster urkundlicher Nachweis Schweinfurts als Reichsstadt und somit erster Nachweis des Stadtrechts
Geographie Lage Großraum mini|links|hochkant=0.7|Schweinfurt liegt in der Mitte der D-A-CH Region Schweinfurt besitzt eine zentrale deutsche wie europäische Lage, in der Mitte des deutschen Sprachraums (D-A-CH). Seit dem Brexit liegt der Mittelpunkt der Europäischen Union 30 Kilometer südwestlich der Stadt.
Schweinfurt ist auf Landkarten leicht lokalisierbar, am Beginn des Maindreiecks. Der Main ist hier identisch mit dem Rhein-Main-Donau-Kanal (auch Europakanal genannt), Europas wichtigster Wasserstraße, von der Nordsee zum Schwarzen Meer. Schweinfurt liegt etwa 40 Kilometer Luftlinie von Hessen, Thüringen und Baden-Württemberg entfernt und 115 km östlich des Frankfurter Flughafens.
Umgebung Schweinfurt liegt in einer für Franken typischen, geografisch wie kulturell kleinteiligen und vielfältigen Region.
mini|links|Der Norden. Schweinfurt ist das Tor zum Bäderland Bayerische Rhön mini|links|Der Osten. Schweinfurter Rhön mit NNE Brönnhof und Haßbergen
Die Stadt gehört keiner Metropolregion an, besitzt nicht den Charakter eines „Vorortes“ sondern hat eine ausgeprägte, eigene Infrastruktur, als Hauptversorgungsort eines großen Umlandes. Sie ist jedoch mit ihren Hochschul- und Forschungseinrichtungen mit der Universitätsstadt Würzburg eng vernetzt, mit der sie den gemeinsamen Wirtschaftsraum Mainfranken bildet.
Schweinfurt liegt mitten in der Kulturlandschaft Franken; 20 km nordwestlich liegt das UNESCO-Welterbe Bad Kissingen, 35 km südwestlich der UNESCO-Welterbeort Würzburg, 50 km östlich die UNESCO-Welterbestadt Bamberg und 55 km nordöstlich das Royale Coburg.
Schweinfurt liegt im Fränkischen Weinland, in geschützter Lage, südlich der Mittelgebirgsschwelle; 80 km nordöstlich liegt der internationale Wintersportort Oberhof. Schweinfurt ist das Zentrum der Region Main-Rhön. Es liegt in der Mitte Mainfrankens, einem Mikrokosmos mit eigenständigem Dialekt, der von den Mittelgebirgen und gleichnamigen Naturparks Rhön, Haßberge, Steigerwald und Spessart umgeben wird. Das Schweinfurter Land ist ein Zentrum fränkischen Brauchtums (Fränkische Tracht, Kirchweihen, Plantanz).
Stadtgebiet mini|hochkant=1.02|Östlicher Stadtrand im Jahr 1905 mit Höllental, Peterstirn, hinten Steigerwald mini|hochkant=1.02|
Zwischen der südwestlichen und nordöstlichen Hälfte des Stadtgebiets bestehen große Gegensätze. Der Südwesten liegt im Maintiefland des Schweinfurter Beckens. Hier befinden sich in kompakter Anordnung Großindustrie, Hauptbahnhof, Containerterminal, Hafen und die Ver- und Entsorgungseinrichtungen der Stadt. Im Nordosten liegen in den von Tälern durchschnittenen Ausläufern der Schweinfurter Rhön nur Wohngebiete.
Das Stadtgebiet wird von zwei Autobahnen gut und ohne Landschaftszerschneidungen erschlossen. A 70 und A 71 bilden eine Süd- und Westtangente entlang der Industriezone. Während die Wohnstadtteile im Norden und Osten ohne trennende Verkehrswege an das Wald- und Bergland anknüpfen (siehe: rechte und obere Karte, Der Osten). Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes liegt im Maintiefland, im Südwesten, auf ,Eigenmessung im BayernAtlas der höchste im Nordosten, in der Schweinfurter Rhön, auf .Angabe im BayernAtlas
Neue Zentralität Durch den Fall des Eisernen Vorhangs änderte sich die wirtschaftsgeographische Lage Schweinfurts grundlegend. Die bayerische Stadt entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen Brückenkopf und Bindeglied zwischen West- und Ostdeutschland. Die Autobahn 71 Erfurt–Schweinfurt wurde 2005 als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 16 und teuerste Autobahn Deutschlands fertiggestellt. Schweinfurt wurde zu einem Autobahnknoten in der deutschen Mitte.
Mit der Bahn ist seit 2017 Berlin durch das 10 Milliarden Euro teure Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 in weniger als dreieinhalb Stunden erreichbar. München ist ab zweieinhalb und Hamburg ab vier Stunden erreichbar. Dadurch sind Berlin und München eine Dreiviertelstunde schneller als von Frankfurt a. M. erreichbar. Das ermöglichen zwei nahegelegene Hochgeschwindigkeitsstrecken, mit Umstieg in den ICE in Bamberg bzw. Würzburg.
Alle Bundesautobahnen mit der 7 als erster Ziffer, mit Ausnahme des nördlichen Abschnitts der A 73, führen in Richtung Schweinfurt bzw. in Gegenrichtung. 5 km westlich des Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck schneidet der 50. Breitengrad (siehe oben: 50°), der der Mainlinie und A 70 entspricht, den 10. Längengrad (siehe oben: 10°), der identisch mit der Nord-Süd-Achse Europas Dänemark – Norditalien und der A 7 ist. Dies ist der einzige Konfluenzpunkt zwischen einem Haupt-Breiten- und einem Haupt-Längengrad Deutschlands (Konfluenzdenkmal).
Naturräumliche Gliederung mini|Naturräume am östlichen Stadtrand. Links des Mains Hesselbacher Waldland mit Schloss Mainberg und Weinbergen, rechts Schweinfurter Becken
Der Verdichtungsraum 309 Schweinfurt mit seiner naturfernen Prägung umfasst das Stadtgebiet, welches zum Großteil innerhalb der Haupteinheit 136 Schweinfurter Becken (zu beiden Seiten des Mains) und zu einem kleineren Teil in der nordöstlich anschließenden Haupteinheit 139 – Hesselbacher Waldland (nördlich des Mains) liegt.
Der Naturraum Hesselbacher Waldland ist identisch mit der Landschaft Schweinfurter Rhön.
Gewässer Eine Erklärung des Namens Schweinfurt leitet Suuinfurtero... (siehe: Etymologie) von seichte Furt ab.Dr. Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein, Lehrbeauftragter für bayerische Namenkunde der Ludwig-Maximilians-Universität München, in: Die Furt wird nicht an der heutigen Altstadt, sondern an der Stadtwüstung „Altstadt“ vermutet (siehe: Suuinfurtero marcu, Furt).
mini|Gewässer, heutige Situation. Main, Nebenarme und Sennfelder Seenkranz
Alle Arten von Binnengewässern sind auf dem Stadtgebiet und dem nahen Umfeld zu finden. Zwischen Innenstadt und Sennfeld liegt ein bis zu 800 Meter breiter Gewässerkomplex: Mit dem Main, der hier bis zu 170 Meter breit ist, dem Schleusenkanal und zwei (einstigen) Nebenarmen des Mains, dem Altarm Saumain und dem Altwasser Sennfelder Seenkranz.
Die Wern fließt in einem Bogen (mit breiten Flussauen) durch den Nordwesten des Stadtgebiets. Marienbach und Höllenbach fließen aus der Schweinfurter Rhön durch die Stadt und münden hier in den Main. Unzählige Bagger-, Naturseen, Teiche und Mainbuchten liegen zu beiden Seiten der südlichen Stadtgrenze, mit vielen Bademöglichkeiten (siehe: Promenaden, Strände und Wälder). Die Wasserflächen der Stadt umfassen ca. 170 ha (2021)Angaben der Stadt Schweinfurt. Die hier noch nicht enthaltenen Flächen der neu entstandenen Baggerseen wurden im BayernAtlas gemessen und hinzugerechnet (zum Vergleich: Schliersee 222 ha).
Hochwasser und Deiche mini|Hochwasser an den Mainmühlen an der Maxbrücke 1909
Mainaufwärts geben große Flussauen dem Hochwasser viel Raum zur Ausbreitung, bevor es die Stadt erreicht. Das nordmainische Schweinfurt ist deshalb hochwasserfrei, da hier zudem die niedrigsten Gebiete auf einem zehn bis 15 Meter hohen Sockel über dem Main liegen.
Die südmainischen Industriegebiete wurden durch Deiche vor Hochwasser geschützt. Über zehn Kilometer Deiche in Schweinfurt und Vororten wurden bis 2008 saniert und weiter erhöht. Die Deiche wurden im Kern mit einer 40 cm starken Betonwand versehen, die acht bis zehn Meter tief unterhalb der Wälle verankert wurde. Die Wartungswege auf der Deichkrone sind auch öffentliche Rad- und Fußwege.
Parks mini|Ringanlage am Unteren Wall,am einstigen Burgenviertel Zürch
Die Wehranlagen gehören zu den ältesten botanischen Gärten Deutschlands und ziehen sich zwei Kilometer am Main entlang. Die Altstadt ist größtenteils von Ringanlagen umgeben. Neben weiteren Parks sind auch Hauptfriedhof, Sachs-Stadion und Carus-Allee parkähnlich angelegt.
Zudem durchziehen grüne Bänder die bergige, nördliche Stadthälfte. Die Fläche der neun Kleingartenanlagen beträgt 40,5 Hektar. 25.000 Stadtbäume befinden sich an Straßen und in Parks.
Siehe auch: Schweinfurter Stadtbefestigung und Ringanlagen
Tierparks mini|Wildpark an den Eichen (seit 1966)