Unterfranken liegt im Nordwesten Bayerns im fränkischen Teil des Freistaats und ist sowohl ein Bezirk als auch ein Regierungsbezirk. Es grenzt im Süden und Westen an die Länder Baden-Württemberg (Regierungsbezirke Karlsruhe und Stuttgart) und Hessen (Regierungsbezirke Darmstadt und Kassel), im Norden an den Freistaat Thüringen und im Osten an die bayerischen Regierungsbezirke Oberfranken und Mittelfranken.

Der Name Unterfranken bezieht sich auf die relative Position am Main. Unterfranken liegt an dessen Unterlauf, Oberfranken am Oberlauf (Mittelfranken ist dagegen das restliche Franken abseits des Mains). Diese Benennung geht zurück auf die Bildung des „Mainkreises“ im Zuge der von Graf Montgelas verfassten Verfassung des Königreichs Bayern von 1808. Die Einteilung der Territorien wurde dem französischen Vorbild angeglichen und orientierte sich primär an Flussnamen. Da der Main Unterfranken durchfließt, wird die Region besonders von den Einheimischen auch als „Mainfranken“ (und „Weinfranken“ wegen des Weinbaus) bezeichnet.

Verwaltungssitz des Bezirks und gleichzeitig Sitz der Bezirksregierung ist Würzburg. Der geographische Mittelpunkt liegt auf dem Gebiet der Gemarkung Büchold.

Gliederung mini|Aschaffenburg mini|Schweinfurt mini|Würzburg Der Regierungsbezirk Unterfranken umfasst drei kreisfreie Städte und neun Landkreise:

Kreisfreie Städte Aschaffenburg Schweinfurt Würzburg

Landkreise Landkreis Aschaffenburg Landkreis Bad Kissingen Landkreis Haßberge Landkreis Kitzingen Landkreis Main-Spessart Landkreis Miltenberg Landkreis Rhön-Grabfeld Landkreis Schweinfurt Landkreis Würzburg

Anmerkungen: Der Landkreis Haßberge hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Haßberg-Kreis. Der Landkreis Main-Spessart hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Landkreis Mittelmain. Der Sitz der Kreisverwaltung befand sich in Lohr a. Main. Der Landkreis Rhön-Grabfeld hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Landkreis Bad Neustadt a. d. Saale.

Vor der Landkreisreform mini|Alte Landkreisgrenzen Die folgende Gliederung in kreisfreie Städte und Landkreise galt bis zur Kreisgebietsreform, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat:

Kreisfreie Städte Aschaffenburg Bad Kissingen Kitzingen Schweinfurt Würzburg

Landkreise Landkreis Alzenau in Unterfranken Landkreis Aschaffenburg Landkreis Bad Brückenau Landkreis Bad Kissingen Landkreis Bad Neustadt an der Saale Landkreis Ebern Landkreis Gemünden am Main Landkreis Gerolzhofen Landkreis Hammelburg Landkreis Haßfurt Landkreis Hofheim in Unterfranken Landkreis Karlstadt Landkreis Kitzingen Landkreis Königshofen im Grabfeld Landkreis Lohr am Main Landkreis Marktheidenfeld Landkreis Mellrichstadt Landkreis Miltenberg Landkreis Obernburg am Main Landkreis Ochsenfurt Landkreis Schweinfurt Landkreis Würzburg

Wirtschaft Der Bezirk Unterfranken meldete im Oktober 2016 3,1 % Arbeitslose und hat somit die geringste Arbeitslosenquote aller bayerischen Regierungsbezirke. Innerhalb von Unterfranken hat der Landkreis Main-Spessart mit 2,1 % die niedrigste Arbeitslosenquote.Arbeitslosigkeit leicht zurückgegangen, br.de vom 2. November 2016.

Die wirtschaftlichen Schwerpunkte Unterfrankens liegen heute im Großindustrie-Zentrum Schweinfurt, dem Dienstleistungs- und Handelszentrum Würzburg, in Aschaffenburg, den größeren Mittelzentren entlang des Mains, insbesondere Lohr am Main sowie in Bad Neustadt an der Saale im Norden des Regierungsbezirks.

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Unterfranken einen Index von 124 (EU-28=100) (2015).

Öffentliche Einrichtungen Das Polizeipräsidium Unterfranken sorgt zusammen mit der Bundespolizei und deren Revier in Aschaffenburg sowie der Inspektion in Würzburg für Sicherheit. Zudem existiert in Oerlenbach ein Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum.

Der Zoll unterhält die Zollämter Schweinfurt-Londonstraße, Dettelbach-Mainfrankenpark und Aschaffenburg, welche dem Hauptzollamt Schweinfurt nachgeordnet sind.

Das THW hat 15 Ortsverbände und eine Regionalstelle in Unterfranken.

Ferner gibt es 38 Kranken- und Fachkrankenhäuser.

Die Bundeswehr ist mit einer Kompanie der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSU) vertreten. Ein Karriereberatungsbüro befindet sich in Würzburg. Daneben existieren weitere Standorte in Volkach, Wildflecken, Hammelburg und Veitshöchheim.

Zudem gibt es eine Universität (Würzburg), zwei weitere Hochschulen (Aschaffenburg, Würzburg-Schweinfurt) und eine Musikhochschule.

Schutzgebiete In Unterfranken gibt es 137 Naturschutzgebiete, 37 Landschaftsschutzgebiete, 99 FFH-Gebiete, 19 EU-Vogelschutzgebiete und über 240 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgewiesene Geotope (Stand August 2016).

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in Unterfranken Liste der Landschaftsschutzgebiete in Unterfranken Liste der FFH-Gebiete in Unterfranken Liste der EU-Vogelschutzgebiete in Unterfranken Liste der Geotope in Unterfranken

Geschichte

Nach dem Übergang fränkischer, zum kleinen Teil auch kurrheinischer und oberrheinischer Gebiete an das neue Königreich Bayern entstand am 2. Februar 1817 der Untermainkreis mit Würzburg als Hauptstadt. Das ehemalige Großherzogtum Würzburg, das aus dem gleichnamigen Hochstift hervorgegangen war, stellte auch den größten Anteil am Territorium des Kreises. Seit dem 1. Januar 1838 trug der Kreis den Namen „Unterfranken und Aschaffenburg“ in Anlehnung an das Herzogtum Franken, in dessen ehemaligem Ostteil er liegt (ausgenommen Aschaffenburg und Umgebung, die im ehemaligen Westteil liegen).

Zu den Pionieren der industriellen Entwicklung Unterfrankens gehört Friedrich Koenig.Hans-Bernhard Bolza-Schünemann: Das Friedrich-Koenig-Gymnasium unter dem Patronat eines genialen Erfinders und Technikers. Auszüge aus der Festrede […] zur Einweihung des Friedrich-Koenig-Gymnasiums. In: Kurt Fauster (Hrsg.): 5 Jahre Friedrich-Koenig-Gymnasium. Würzburg 1978, S. 4–7, hier S. 7.

1866 gingen nach verlorenem Deutschen Krieg das Bezirksamt Gersfeld und der Landgerichtsbezirk Orb an Preußen verloren. Mit dem Anschluss des Freistaates Coburg an Bayern 1921 fielen einige Enklaven wie Königsberg an Unterfranken.

Die erste unterfränkische Ortsgruppe der NSDAP wurde im August 1921 in Kitzingen gegründet. Würzburg folgte erst am 6. Dezember 1922. Durch die Verordnung vom 20. Mai 1938 (GVBl. 1938, 199) mit Wirkung vom 1. Juni 1938Peter Weidisch: Würzburg im „Dritten Reich“. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 232, und S. 1280, Anm. 190. wurde der Name des Bezirks dem des räumlich identischen NSDAP-Gaues Mainfranken angeglichen und die bisherige Bezeichnung „Unterfranken und Aschaffenburg“ abgelöst. Die alte Bezeichnung „Kreis“ wurden in der NS-Zeit ebenfalls der preußischen Bezeichnung „Regierungsbezirk“ angeglichen.

Nach Ende des Dritten Reiches wurde der Name am 9. April 1946 erneut geändert (GVBl. 1946, S. 189) und der Regierungsbezirk „Unterfranken“ (ohne den Zusatz „und Aschaffenburg“) benannt. Am 14. April 1945Peter Weidisch: Würzburg im „Dritten Reich“. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 196–289 und 1271–1290; hier: S. 279. wurde die unterfränkische NSDAP offiziell aufgelöst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die thüringische Enklave Ostheim vor der Rhön zu Unterfranken.

Bevölkerungsentwicklung Im Vergleich zu 1840 stieg die Bevölkerung Unterfrankens bis Jahresende 2023 um 136,6 % von 555.778 auf 1.315.155. Erstmals bei der Volkszählung 1950 wurden mehr als eine Million Einwohner (1.038.930) festgestellt., Statistik kommunal 2024, Seite 6

Konfessionsstatistik Gemäß den statistischen Daten sank der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung von 75 % in 1987 über 61,8 % beim Zensus 2011 auf 50,7 % bei der Zählung im Jahr 2022. Die verfügbaren Zwischenwerte zum katholischen Bevölkerungsanteil für 2019 (ca. 55 %),Bischof Dr. Franz Jung zur kirchlichen Statistik 2019, abgerufen am 2. Oktober 2020. 2021 (ca. 52 %), 2024 (48,2 %), und 2025 (ca. 46 %) verdeutlichen den offensichtlichen negativen Trend.

Der Anteil der evangelisch-lutherischen Bevölkerung sank ebenfalls, von 19,9 % (1987) über 19,3 % (2011) auf 16,5 % im Jahr 2022.

Sehenswürdigkeiten Schloss Johannisburg Pompejanum Falterturm Deutsches Fastnachtmuseum Maria im Weingarten Juliusspital Alter Kranen (Würzburg) Alte Mainbrücke Würzburger Residenz Festung Marienberg Würzburger Dom Käppele (Würzburg) Schloss Mespelbrunn Kreuzberg (Rhön) Park Schönbusch Schloss Veitshöchheim Ensemble Schloss Wiesentheid Museum Georg Schäfer Regentenbau (Bad Kissingen) Burg Rothenfels am Main Papiermühle Homburg am Main Kloster Triefenstein

Unterfranken ist eines der Kerngebiete der Bildstocklandschaft Franken mit einer großen Vielzahl von Kleindenkmälern mit christlichen Motiven. Bereits seit dem Spätmittelalter entstanden die Bildstöcke entlang von Wegen. Sie sind Zeichen der Volksfrömmigkeit vergangener Jahrhunderte.

Bezirk Unterfranken Der Bezirk Unterfranken bildet gemeinsam mit den anderen bayerischen Bezirken die dritte kommunale Ebene des Bundeslandes. Die Kernaufgaben des Bezirks liegen im sozialen und kulturellen Bereich. Die Organe des Bezirks sind der Bezirkstag, der Bezirksausschuss und der Bezirkstagspräsident ( Bezirksordnung – BezO).

Wappen

Flagge Die Flagge Unterfrankens stellt eine rot-weiße Frankenfahne mit mittig angeordnetem Bezirkswappen dar.

Bezirkstag

Zusammensetzung Wahl CSU SPD FW Grüne FDP Die Linke REP NPD GDP¹ BP AfD Gesamt2023102331423 2018Bezirk Unterfranken – Die Bezirksorgane, abgerufen am 19. Dezember 2018. 10 3 3 4 1 1 2 24 2013 9 4 3 2 1 1 20 2008 10 4 3 2 1 1 21 2003 13 4 2 1 20 1998 13 7 1 1 1 23 1994 13 7 2 1 23 1990 14 6 1 1 1 23 1986 15 7 1 23 1982 15 7 1 23 1978 15 7 1 23 1974 15 7 1 23 1970 15 8 1 24 1966 14 8 1 1 24 1962 13 8 1 1 23 1958 14 6 1 2 23 1954 12 6 2 2 1 23 ¹ 1954 und 1958 GB/BHE

Bezirkstagspräsident Bezirkstagspräsident ist seit dem 27. Oktober 2023 Stefan Funk (CSU). Dieser wurde Nachfolger von Erwin Dotzel (CSU). Stellvertretender Bezirkstagspräsident ist Thomas Schiebel (Freie Wähler). Weiterer Vertreter des Bezirkstagspräsidenten ist Maria Hoßmann (CSU).

Präsidenten des Landraths 1829–1918 1829–1830Wilhelm Behr1831keine Verhandlungen 1832–1833/INikolaus Katzenberger1833/II–1834Freiherr Joseph Heinrich von Habermann1835Nikolaus Katzenberger1836Freiherr Joseph Heinrich von Habermann1837Keine Verhandlungen1838–1842Freiherr Joseph Heinrich von Habermann1843Keine Verhandlungen1844–1845Freiherr Joseph Heinrich von Habermann1846–1847Freiherr Philipp von Mauchenheim gen. Bechtolsheim1848Freiherr Johann Philipp von Groß-Trockau1849Keine Verhandlungen1850Freiherr Johann Philipp von Groß-Trockau1851keine Verhandlungen1852–1855Freiherr Hermann von Rotenhan1856–1858Adalbert von Herrlein1859–1862A. Debes1863Adalbert von Herrlein1864–1865Jakob Hopfenstätter1866–1868Ludwig Gerstner1869–1874Freiherr Max von Truchseß1875–1883Georg von Zürn1884Georg Adam Wirsing1885Friedrich von Medicus1886Georg Adam Wirsing1887–1902Friedrich von Medicus1903–1918Karl Freiherr von ThüngenPräsidenten des Kreistags 1919–1933 1919–1920Andreas Grieser1921–1933Wilhelm Matt Präsidenten des Kreistags/Bezirksverbandstags 1933–1945 1933–1945Theo Memmel (NSDAP)Präsidenten des Bezirkstags 1954 bis heute 1954–1966Hans Weiß (CSU)1966–1970Oskar Schad (CSU)1970–1994Franz Gerstner (CSU)1994–2001Raymund Schmitt (CSU)2001–2006Albrecht Graf von Ingelheim (CSU)2007–2023Erwin Dotzel (CSU)seit 2023Stefan Funk (CSU)

Aufgaben des Bezirks Unterfranken