mini|hochkant|Der Fränkische Rechen, das Wappen Frankens mini|Das heutige Franken mini|Karte von Franken, 1642 mini|Blick über die winterliche Altstadt Nürnbergs, vorne links das Dach der Frauenkirche sowie des Alten Rathauses, mittig die Kirche St. Sebald, dahinter die Kuppel des Opernhauses, links davon St. Lorenz, die Kuppel des Hauptbahnhofs und der Frauentorturm, rechts der Weiße Turm, die Kuppel der Elisabethkirche und der Spittlertorturm sowie am Rand in Umrissen der Fernsehturm. mini|Blick von der Festung Marienberg über Würzburg mini|Links die Obere Pfarre, mittig der Dom und die Neue Residenz, rechts davon das Kloster Michelsberg sowie das Alte Rathaus in Bamberg mini|Hofer Altstadt mit der Marienkirche am Abend

Franken, volkstümlich auch Frankenland genannt, (fränkisch: Franggn (zur Aussprache vgl. hier)) ist eine Region in Deutschland, in der etwa fünf Millionen Menschen leben.Die Schätzung ergibt sich durch die Zusammenzählung der Bevölkerungszahl Mittel-, Ober- und Unterfrankens sowie der Landkreise Südthüringens und Tauberfrankens (Stand 2022: 4.946.388). Sie zeichnet sich durch kulturelle und sprachliche Eigenheiten aus und kann in etwa mit dem Gebiet gleichgesetzt werden, in dem ostfränkische Dialekte (umgangssprachlich Fränkisch) vorherrschen, wobei in Randbereichen der heutigen fränkischen Verwaltungseinheiten auch andere Dialekte wie zum Beispiel das Untermainländische gesprochen werden. Zu Franken gehören demnach im Wesentlichen die Bezirke Oberfranken, Unterfranken und Mittelfranken des Freistaats Bayern, Hohenlohe, Tauberfranken sowie die Städte und Gemeinden im Altkreis Buchen (heute Neckar-Odenwald-Kreis) und im Bauland im nordöstlichen Baden-Württemberg, weiterhin Südthüringen südlich des Rennsteigs sowie Teile Hessens, hier insbesondere der bis 1866 zu Bayern gehörende Kreis Gersfeld in der Rhön und das Territorium der zum Fränkischen Reichskreis gehörenden Grafschaft Erbach, das im Wesentlichen mit dem Odenwaldkreis identisch ist, zu welchem auch der (seit 1822 so benamte) Ort Fränkisch-Crumbach als ehemaliger Vorort der zum Fränkischen Ritterkreis zählenden Herrschaft Rodenstein gehört. Eine offiziell festgelegte räumliche Eingrenzung Frankens gibt es nicht.

Der Begriff Franken bezeichnet auch die Volksgruppe, die in dieser Region lebt. Sie ist vom germanischen Volksstamm der Franken zu unterscheiden – die Region war historisch lediglich dessen östlichstes Siedlungsgebiet. Archäologisch ist im 6. und 7. Jahrhundert eine starke Frankisierung des vorher vorwiegend alamannisch-elbgermanisch und in Oberfranken teilweise slawisch besiedelten Gebiets festzustellen.Frank Siegmund: Alemannen und Franken (Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Band 23). Walter de Gruyter Verlag, Berlin 2000, S. 355 f.So finden sich fränkische Gräber aus dieser Zeit in Nordbayern. Siehe hierzu Christian Pescheck: Das fränkische Reihengräberfeld von Kleinlangheim, Lkr. Kitzingen/Nordbayern. Philipp von Zabern, Mainz 1996. Spätestens seit dem 9. Jahrhundert als Francia Orientalis (Ostfranken) bekannt, bildete das Gebiet im Hochmittelalter den Ostteil des fränkischen Stammesherzogtums und seit 1500 den Fränkischen Reichskreis.Rudolf Endres: Der Fränkische Reichskreis. In: Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur 29, herausgegeben vom Haus der Bayerischen Geschichte, Regensburg 2003, S. 6, siehe Online-Version (PDF; 2,4 MB) Im Zuge der Neugliederung der süddeutschen Staaten durch Napoleon Bonaparte nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches wurde der größte Teil Frankens Bayern zugesprochen.Manfred Treml: Das Königreich Bayern (1806–1918). In: Politische Geschichte Bayerns, herausgegeben vom Haus der Bayerischen Geschichte als Heft 9 der Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur, 1989, S. 22–25, hier: S. 22.

Etymologie Franken (hier von lateinisch Francia orientalis, Ostfranken) ist aus der Dativ-Plural-Form von Franke, einem Angehörigen des germanischen Stamms der Franken, hervorgegangen.Eintrag Franken im Deutschen WörterbuchBoris Paraschkewow: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur. Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen. Berlin 2004, S. 107.

In der Antike und der Spätantike wurde der Stammesname mit „die Kriegerischen“ (Libanios) beziehungsweise „die Wilden “ (Isidor von Sevilla) erklärt. Ein Teil der zeitgenössischen Etymologen schließt sich hier an, so die Autoren des Etymologischen Wörterbuchs des Althochdeutschen. Demnach geht der Stammesname auf ein urgermanisches *franka- ‚kampfbegierig‘ zurück, das als Nasalinfixbildung zu urgermanisch *fraka- ‚mutig, gierig‘ gehört; verwandt sind mittelniederländisch vrac ‚gierig‘ und altnorwegischen frakkr ‚schnell, mutig‘. Die Franken waren demnach „die Kampfbegierigen“.Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Band III: fadum – fûstslag. Hrsg. von Albert L. Lloyd und Rosemarie Lühr. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 520–524.Ulrich Nonn: Die Franken. Stuttgart 2010, S. 11–14 ff.

Andere Etymologen wie die Bearbeiter des Etymologischen Wörterbuchs der deutschen Sprache und des Etymologischen Wörterbuchs des Deutschen möchten den Stammesnamen hingegen an ein germanisches Wort *frank- ‚frei‘ anschließen, das schon früh in die romanischen Sprachen entlehnt worden ist (und von dort her im 15. Jahrhundert wieder ins Deutsche gelangte, vgl. „frank und frei“). Die Franken wären demnach „die Freien“.Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold. De Gruyter, Berlin/Boston 2011; Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Bearbeitet von Wolfgang Pfeifer und anderen. Akademie, Berlin 1989; je s. v. Die Problematik an dieser Herleitung liegt darin, dass das romanische Adjektiv *frank- wohl selbst eine Ableitung von mittellateinisch Francus ‚Franke‘ ist, da die Franken in ihrer merowingischen Herrschaftsstellung als die Freien schlechthin galten.Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. München 1970, S. 1–3 (Kapitel: „Stammesbildung“).Ulrich Nonn: Die Franken. Stuttgart 2010, S. 14. Problematisch ist auch der Vorschlag, den Stammesnamen mit altenglisch franca und altisländisch frakka, frakki ‚Lanze, Spieß‘ in Verbindung zu bringen.

In althochdeutscher Zeit hatte sich Franko ‚Franke‘ jedoch von der Stammesbezeichnung gelöst und bezog sich vorwiegend auf das ganze Ostfrankenreich, aber auch auf das Westfrankenreich, und althochdeutsch frenkisk ‚fränkisch‘ bedeutete mutmaßlich ebenfalls allgemein ‚auf das Ostfrankenreich bezogen‘.Althochdeutsches Wörterbuch. Band III. Akademie, Berlin 1971–1985, Sp. 1223 (Franko) und Sp. 1245 (frenkisk). Mit der Zeit galt der geographische Name immer mehr für das Gebiet entlang des Mains, an dem der Name schließlich haften blieb.Friedrich Helmer: Bayern im Frankenreich (5.–10. Jahrhundert). In: Politische Geschichte Bayerns, herausgegeben vom Haus der Bayerischen Geschichte als Heft 9 der Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur, S. 4–6, hier: S. 4.

Geographie Räumliche Eingrenzung mini|Der Fränkische Rechen kann ein möglicher Anhaltspunkt für eine Zugehörigkeit zu Franken sein.Hier: Sakristei der Meininger Stadtkirche im Süden Thüringens, links ist der Fränkische Rechen zu sehen Franken grenzt sich, geschichtlich bedingt, mit kulturellen und vor allem sprachlichen Eigenheiten von seiner Umgebung ab, ist aber kein politisches Gebilde mit fest eingegrenztem oder definiertem Gebiet. Daher ist die Zugehörigkeit bestimmter Gebiete zu Franken strittig. Als Anhaltspunkt zur genaueren Eingrenzung Frankens können unter anderem die ehemaligen Territorien des Herzogtums Franken und des Fränkischen Reichskreises,Rudolf Endres: Der Fränkische Reichskreis. In: Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur 29, herausgegeben vom Haus der Bayerischen Geschichte, Regensburg 2003, S. 37 (Online-Version [PDF; 1,5 MB]). das Verbreitungsgebiet der Ostfränkischen Dialektgruppe, die gemeinsame Kultur und Geschichte der Region und die Verwendung des Fränkischen Rechens in Wappen, Fahnen und Siegeln dienen. Jedoch ist erst seit dem 19. Jahrhundert ein Bewusstsein in der Bevölkerung nachweisbar, sich fränkisch zu sehen, weshalb die näheren Umstände der Herausbildung einer fränkischen Identität umstritten sind. Franken besitzt viele kulturelle Eigenheiten, die aus anderen Regionen entnommen und weiterentwickelt wurden.

Folgende Gebiete werden zu Franken gezählt: Die bayerischen Regierungsbezirke Unterfranken, Oberfranken und Mittelfranken, die Gemeinde Pyrbaum im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, der nordwestliche Teil des oberbayerischen Landkreises Eichstätt (deckungsgleich mit dem Alt-Landkreis Eichstätt), die ostfränkischen Landkreise Südthüringens, Teile des Landkreises Fulda und des Odenwaldkreises in Hessen, die baden-württembergischen Regionen Tauberfranken und Hohenlohe sowie die Region um das badische Buchen.

In Einzelfällen kann die Zugehörigkeit einiger Gebiete umstritten sein, darunter fallen der dem bairischen Dialektraum zugehörige Alt-Landkreis EichstättWas ist fränkisch? Wie eine Region definiert wird; 27. April 2014, www.br.de, Bayern 2 und der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, abgerufen am 16. Februar 2008 sowie die hessischsprachigeSprachatlas der BLO, abgerufen am 1. Juli 2014. Region um Aschaffenburg, die nie dem Fränkischen Reichskreis angehörte. Die Zugehörigkeit der Stadt Heilbronn, deren Bewohner sich selbst nicht als Franken bezeichnen,Ulrich Maier (Justinus-Kerner-Gymnasium Weinsberg): Schwäbisch oder fränkisch? Mundart im Raum Heilbronn Bausteine zu einer Unterrichtseinheit. ist ebenfalls umstritten. Darüber hinaus ist eine Identifikation mit Franken in den fränkischsprachigen Gebieten der Oberpfalz, SüdthüringensOminöses Frankenbewusstsein, Süddeutsche Zeitung vom 10. Februar 2013, abgerufen am 5. Mai 2016. und Hessens bisweilen weniger stark ausgeprägt.

Zudem liegt das Bayerische Vogtland im Nordosten Oberfrankens.

Politische Gliederung

Die Region Franken ist auf die Länder Hessen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg aufgeteilt. Der nach Bevölkerung und Fläche größte Teil Frankens gehört zu Bayern und ist in die drei Regierungsbezirke und Bezirke Mittelfranken (Hauptstadt Ansbach), Oberfranken (Hauptstadt Bayreuth) und Unterfranken (Hauptstadt Würzburg) gegliedert. Der Name der Regierungsbezirke bezieht sich, ähnlich wie im Falle von Ober- und Niederbayern, auf die Lage zum Main. Entsprechend liegt Oberfranken an dessen Oberlauf, Unterfranken am Unterlauf und Mittelfranken dazwischen, wobei der Main nicht durch Mittelfranken fließt. Wo diese drei Regierungsbezirke aneinander grenzen, befindet sich der Dreifrankenstein., abgerufen am 12. Juli 2014. Kleinere Teile Frankens gehören auch den Regierungsbezirken Oberpfalz und Oberbayern an.

Die fränkischen Gebiete Baden-Württembergs sind die Landschaften Tauberfranken und Hohenlohe, die zum Regionalverband Heilbronn-Franken mit Sitz in Heilbronn gehören und dem Regierungsbezirk Stuttgart zugeordnet werden, sowie die Gegend um das badische Buchen in der Region Rhein-Neckar. Die fränkischen Teile Thüringens liegen in der Planungsregion Südwestthüringen. Fränkische Regionen im Land Hessen sind kleinere Teile des Landkreises Fulda (Regierungsbezirk Kassel) und des Odenwaldkreises (Regierungsbezirk Darmstadt), die im Grenzgebiet zu Bayern bzw. zu Thüringen liegen.

Gewässer mini|Großer Brombachsee, Blick vom Staudamm Richtung Westen