Gnome (Eigenschreibweise GNOME) [] ist eine Desktop-Umgebung für Unix- und Unix-ähnliche Systeme mit einer grafischen Benutzeroberfläche und einer Sammlung von Programmen für den täglichen Gebrauch. Gnome wird unter den freien Lizenzen GPL und LGPL veröffentlicht.

Gnome ist unter anderem der Standard-Desktop von Fedora und Ubuntu, bei Ubuntu allerdings mit starken Anpassungen. Einige Komponenten von Gnome, etwa Evolution oder GStreamer, wurden nach Windows und MacOS portiert; teilweise werden diese Portierungen jedoch (wie beispielsweise im Fall von Evolution) nicht länger gepflegt.

Zielsetzung Der Gnome-Desktop soll Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit betonen; die Software soll „einfach funktionieren“. Deshalb wird vor allem auf folgende Dinge Wert gelegt: Barrierefreiheit Gnome soll von allen benutzbar sein, ganz gleich, ob der Benutzer technisch weniger versiert oder durch Behinderung eingeschränkt ist. Für viele Regierungen ist die Barrierefreiheit zwingende Voraussetzung zum Einsatz einer Software. Internationalisierung Es wird sichergestellt, dass der Desktop und die Anwendungen in vielen Sprachen vorhanden sind. Stimmiges, zusammenhängendes Oberflächendesign Gnome stellt ab der Version 2.0 (seit 2002) einen Leitfaden für die Gestaltung der Oberflächen (Human Interface Guideline) bereit. Die Benutzeroberfläche der Anwendungen soll so einfacher zu bedienen sein. Regelmäßige Veröffentlichungen Der Release-Zyklus von sechs Monaten für größere Updates ist fest eingeplant. Dies soll die Akzeptanz bei Industrieanwendern und technisch nicht versierten Nutzern erhöhen. Versionsnummern mit einer geraden Zahl nach dem ersten Punkt markieren stabile, für den Endanwender geeignete Releases, Versionsnummern mit einer ungeraden Zahl nach dem Punkt markieren Entwicklungsversionen. Support Hilfe für den Anwender, nicht nur von der Gnome-Gemeinschaft.

Ursprung des Gnome-Projektes Das Gnome-Projekt wurde 1997 von Miguel de Icaza und Federico Mena initiiert und war konzipiert als Antwort auf K Desktop Environment.Erste öffentliche Bekanntmachung des Gnome-Projekts Dieses baute von Anfang an auf dem damals nur ohne freie Software-Lizenz verfügbaren Qt auf. Weil zu dieser Zeit das Unternehmen Trolltech (der Hersteller von Qt) keinen Handlungsbedarf sah, die Lizenzierung zu ändern, riefen Mitglieder von GNU zwei neue Projekte ins Leben: „Harmony“ sollte einen Ersatz für die Qt-Bibliotheken produzieren, während das Gnome-Projekt einen Desktop erstellen sollte, der nicht auf Qt basierte und vollständig aus freier Software bestand.

Im November 1998 gab Trolltech die Lizenzierung der Qt-Bibliotheken unter der QPL bekannt, doch die Diskussion um die Kompatibilität zur GPL dauerte noch bis zum September 2000 an. Schließlich veröffentlichte Trolltech die Linux-Version der Qt-Bibliotheken auch unter der GNU GPL, womit die meisten Einwände gegen eine weitere Benutzung beseitigt waren. Dies galt jedoch nicht für die Windows-Varianten, die erst seit Juni 2005 ebenfalls unter einem dualen Lizenzsystem verfügbar sind.

Man entschied sich, für Gnome auf das im GIMP verwendete GTK (GIMP-Toolkit) zurückzugreifen, das unter der LGPL lizenziert ist und damit den ausgeführten Programmen eine wesentlich größere Auswahl an möglichen Lizenzen zulässt. GTK verwendet die Programmiersprache C anstelle von C++, welche in Qt zum Einsatz kommt. Durch die Verwendung von C versprach man sich auch eine leichtere und höhere Portabilität sowie eine verbesserte Anbindung an andere Programmiersprachen. Mittlerweile gibt es sogenannte Sprachbindungen für alle gängigen Programmiersprachen. Das Gnome-Projekt selbst bewirbt auf seinem EntwicklerportalGNOME Entwicklerportal für Anwendungsentwickler die Sprachen C, C++, Python, JavaScript, Rust und Vala.

Der Name „GNOME“ war ursprünglich ein Akronym für „GNU Network Object Model Environment“. Dieses Akronym wurde später fallengelassen und gilt heute als veraltet, trotzdem schreibt sich das Projekt noch mit Großbuchstaben.

Entwicklungsverlauf Gnome 1.x mini|Gnome 1 (März 1999)

Im März 1999 erschien die Version 1.0 von Gnome, die noch einige Fehler enthielt. Die Version 1.0.55, die im Oktober desselben Jahres veröffentlicht wurde, enthielt die notwendigen Korrekturen.

Im selben Jahr wurden auch die Firmen Eazel und HelixCode gegründet, die sich mit Programmen und Services rund um Gnome beschäftigten. Bei Eazel wurde der Dateimanager Nautilus entwickelt, bei HelixCode arbeitete man hauptsächlich an einer eigenen Gnome-Distribution und dem Personal Information Manager Ximian Evolution. Die Eazel Services, ein kommerzieller Add-on-Service zu Nautilus, erwiesen sich jedoch nicht als gewinnbringend genug, um Eazel finanziell abzusichern. Eazel konnte insgesamt elf Millionen US-Dollar einwerben und ging am 15. Mai 2001 in Insolvenz. HelixCode benannte sich später in Ximian (heutiger Name: Xamarin) um und wurde im August 2003 an Novell verkauft.

Zur Veröffentlichung der Version 1.2 (Bongo Gnome) kam es im Mai 2000 – die Version enthielt hauptsächlich Verbesserungen der Bedienbarkeit und war vollständig binärkompatibel zur Version 1.0.

Im August 2000 wurde die Gnome Foundation gegründet, der sich Firmen wie IBM, Sun Microsystems und Hewlett-Packard anschlossen, um ihre Unterstützung für Gnome zu verstärken.

Die Gnome-Version 1.4, die im April 2001 herauskam, enthielt als offizielle Versionen erstmals den Dateimanager Nautilus sowie das neue Komponenten-Framework Bonobo. Im Kinofilm „Startup“ (Originaltitel „Antitrust“) von Peter Howitt aus dem Jahr 2001 ist der Gnome-Desktop in der Version 1.4 mehrmals in Aktion zu sehen.

Gnome 2.x mini|Standard-Gnome 2.22 mini|Mit Avant Window Navigator, Widgets und Icon-Set individualisierter Gnome-2.30-Desktop

Das zugrundeliegende GTK wurde stark erweitert, zudem wurden einige Bibliotheken aus Gnome herausgelöst und in eine neue GTK+ Version integriert. Darauf basierte die im Juni 2002 veröffentlichte Gnome-Version 2.0, die zugleich auch eine Zäsur mit sich brachte: Es wurden viele Vereinfachungen durchgeführt, und eine ganze Reihe bis dahin enthaltener Konfigurationsoptionen verschwanden, da sie von den Entwicklern als unnötig empfunden wurden. Es sollten bereits beim ersten Start der Benutzeroberfläche sinnvolle Einstellungen gewählt und nicht Designfehler durch das Hinzufügen von vermeintlichen Konfigurationsoptionen kaschiert werden. Diese Entwicklung zog sich einiges an Kritik zu, doch mittlerweile ist gerade die übersichtliche Bedienbarkeit eines der Hauptcharakteristika von Gnome.

Die Gnome-Version 2.2 erschien im Februar 2003 und beinhaltete wieder eine ganze Reihe an Verbesserungen, besonders bei der Ergonomie und Benutzerführung. Mit dieser Version wurde der bis dahin verwendete Fenstermanager Sawfish durch Metacity ersetzt. Zudem wurde der Veröffentlichungs-Zyklus nun halbjährlich: Alle bis zu dem jeweiligen Zeitpunkt vollständig implementierten Erweiterungen und Verbesserungen sind dann enthalten.

Im September 2003 wurde die Gnome-Version 2.4 freigegeben. Vor allem die Nutzungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen sowie der Dateimanager Nautilus wurden bearbeitet, ebenso das Gnome-Panel und das Gnome-Kontrollzentrum. Ferner wurde Epiphany (eine Abspaltung von Galeon) als Web-Browser integriert.

Im März 2004 stand die Gnome-Version 2.6 zum Herunterladen bereit. Verbessert wurde vor allem der Dateimanager Nautilus, der neu mit einem Spatialinterface aufwartet, das heißt, jeder Ordner wird durch ein eigenes Fenster repräsentiert. Auch erfolgte mit dieser Veröffentlichung der Umstieg auf GTK 2.4, was auch einen neuen Dateidialog nach sich zog. Das Hilfesystem Yelp erfuhr auch einige Verbesserungen und wurde vor allem wesentlich beschleunigt.

Im September 2004 wurde Gnome-Version 2.8 freigegeben. Neu waren unter anderem die vollständige Integration von Evolution, die automatische Einbindung von Datenträgern sowie eine verbesserte Verwaltung von Dateitypen.

Im März 2005 erschien die Gnome-Version 2.10. Es wurden die Programme Sound Juicer (ein CD-Ripper) und Gnome Videos (ein Mediaplayer, der wahlweise auf GStreamer oder xine aufsetzen kann) integriert. Weiterhin wurden Benutzerfreundlichkeit sowie Stabilität verbessert und die Panel-Applets stark erweitert bzw. teilweise neu geschrieben.

Im September 2005 wurde die Gnome-Version 2.12 fertiggestellt. Als augenscheinlichste Neuerung brachte sie standardmäßig eine neue Theme-Engine namens Clearlooks mit, unter der Haube erfuhr das GTK+-Toolkit eine Aktualisierung auf Version 2.8, was nun den großflächigen Einsatz von Vektorgrafiken durch die Cairo-Bibliothek ermöglichte. Der bisher weitgehend vernachlässigte Browsermodus des Dateimanagers Nautilus und der Mediaplayer Totem wurden ebenso verbessert. Zudem wurde Evince als Standardbetrachter für PostScript- und PDF-Dokumente eingeführt und ersetzte damit gpdf und ggv.

Die Version 2.14.1 ist im April 2006 freigegeben worden. Neben einigen Geschwindigkeitsverbesserungen für das Terminal wurde gesteigerter Wert auf die bessere Integration der einzelnen Komponenten gelegt. Die wichtigste Neuerung stellt jedoch Ekiga dar, eine neue Version der VoIP-Software, die jetzt auch SIP-Telefonate beherrscht.

Die Version 2.16 wurde am 6. September 2006 fertiggestellt. Die wohl bedeutendste – allerdings auch stark umstrittene – Änderung ist die Aufnahme des Mono-Projekts als Bestandteil des Desktops. Weiterhin gibt es Verbesserungen für Menschen mit Behinderung (Barrierefreiheit) und die direkte Unterstützung von AIGLX durch den Fenstermanager Metacity.Veröffentlichungsnotizen von Gnome 2.16

Die Version 2.18 wurde am 15. März 2007 veröffentlicht. Sie enthält sowohl die neuen Spiele glChess und Gnome-Sudoku als auch Netzwerkunterstützung für Nibbles, Iagno und Vier gewinnt. Bestandteil des Desktops ist nun auch Seahorse, eine Anwendung zur Verwaltung von GPG- und SSH-Schlüsseln sowie der Passwörter im Gnome-Schlüsselbund. Die Benutzeroberfläche des Interface-Designers Glade wurde umstrukturiert und das Programm von Grund auf neu geschrieben, so dass nun alle benötigten Werkzeuge in einem Fenster zusammengefasst sind.Veröffentlichungsnotizen von Gnome 2.18

Mit der am 19. September 2007 veröffentlichten Version 2.20 wurde vor allem der Dateimanager Nautilus überarbeitet. Das Programm kann jetzt auf eine Desktopsuche (Beagle oder Tracker) zurückgreifen, die Exif-Daten von Bildern auslesen und per SSH auf andere PCs zugreifen. Dazu wurden diverse Konfigurationsprogramme überarbeitet oder zusammengelegt.Pro-Linux News: Gnome 2.20 freigegeben

Die Version 2.22 wurde am 12. März 2008 veröffentlicht. Neuerungen sind erweiterte Multimediafähigkeiten, verbesserte Netzwerkdateisysteme (GVFS ersetzt GnomeVFS), eingebaute Desktopeffekte (Fenster-Compositing) und zahlreiche andere kleine Verbesserungen. Als neue Programme sind Cheese (zum Aufnehmen und Bearbeiten von Fotos und Videos) und ein Betrachter für entfernte Desktops mit dabei. (englisch)

Die Version 2.24 wurde am 25. September 2008 veröffentlicht. Sie enthält den Chat-Client Empathy und Verbesserungen des Dateimanagers, der jetzt unter anderem auch Reiter und eine kompakte Listenansicht unterstützt. Neu ist außerdem die Unterstützung von Klangthemen.

Die Version 2.26 wurde am 18. März 2009 veröffentlicht.

Die Version 2.28 wurde am 23. September 2009 veröffentlicht.

Die Version 2.30 wurde am 31. März 2010 fertiggestellt.

Mit Gnome 2.32 wurde am 29. September 2010 die letzte Version der 2.x Reihe veröffentlicht.

Gnome 2 wird nun als MATE Desktop Environment weiter entwickelt.

Gnome 3.x

mini|Die Gnome-Fensterübersicht