mini|300px|Schloss Werneck von Balthasar Neumann mit Teich und Englischem Garten mini|300px|Heidenfeld mit Kloster Maria Hilf mini|300px|Kloster St. Ludwig mit Main-Fähre bei Wipfeld, dahinter Lindach mit seinen Obstplantagen
Der Landkreis Schweinfurt liegt in der östlichen Hälfte des bayerischen Regierungsbezirks Unterfranken und umgibt vollständig die kreisfreie Stadt Schweinfurt, die Sitz des Landratsamtes ist. Der Landkreis ist Mitglied der Regiopolregion Mainfranken.
Der Landkreis Schweinfurt besitzt ein reiches (prä)historisches Erbe, gilt als „Deutschlands Kräutergärtlein“ (Meßmer), ist drittgrößter Weinlandkreis Frankens und ein Zentrum von fränkischem Brauchtum und fränkischer Tracht (Plantanz). 2016 wurden die Sennfelder und Gochsheimer Friedensfeste von der Deutschen UNESCO-Kommission in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Der Landkreis ist, mit Ausnahme des Gebietes südlich von Schweinfurt, nahezu frei von Industrie und Großgewerbe. Am 2015 abgeschalteten Kernkraftwerk Grafenrheinfeld liegt ein national bedeutender Stromleitungsknoten. Der Landkreis Schweinfurt hat die höchste Dichte an privaten Autos Bayerns mit 658 Privat-Pkw pro 1000 Einwohnern (2022). Im Innenbereich des Kragenlandkreises liegt der Schweinfurter Speckgürtel. Im Außenbereich dominieren Land- und Forstwirtschaft, mit weithin intakter Landschaft und Ausflugsgebieten.
Geographie Lage Der Landkreis Schweinfurt liegt in der Mitte Mainfrankens, in „Bayerns Deutscher Mitte“ und im Kernraum jeweils etwa 40 km von (im Uhrzeigersinn) Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen entfernt. Das zentrale Fließgewässer ist der Main. Er kommt von Osten, ändert in Schweinfurt seine Laufrichtung nach Süden und bildet von dort an das Maindreieck.
Der höchste Berg des Landkreises ist der Laubhügel in den Haßbergen mit und der zweithöchste der Zabelstein im Steigerwald mit ; der tiefste Punkt liegt in der Nähe von Stammheim auf ca. . Die höchstgelegene Ortschaft ist Hoppachshof mit .Kapelle in Ortsmitte, Höhenlinien interpoliert im BayernAtlas Das größte stehende Gewässer Unterfrankens, der Ellertshäuser See, befindet sich im Nordosten des Landkreises.
Der Landkreis wird von Mittelgebirgen mit Naturparks und von Wäldern rautenförmig umgeben, mit der Vorrhön im Nordwesten, den Haßbergen im Nordosten, dem Steigerwald im Südosten und dem Gramschatzer Wald im Südwesten.
Nachbarkreise Die Nachbarkreise liegen alle in Bayern und mit Ausnahme des Landkreises Bamberg (Oberfranken) alle in Unterfranken.
Wichtige Orte mini|Stadtlauringen: Amtskellerei mit Fürstenbau und Schüttbau
Die einzige ehemalige Kreisstadt und zugleich einzige Stadt des Landkreises Schweinfurt ist Gerolzhofen mit 6.860 Einwohnern. Die größte Kommune des Landkreises ist der Markt Werneck mit 10.146 Einwohnern (Stand jeweils 31. Dezember 2022). Der Markt Stadtlauringen mit kleinstädtischem Gepräge um den historischen Marktplatz ist zentraler Ort für den nördlichen Landkreis.
Obwohl die meisten Vorortgemeinden um die kreisfreie Stadt Schweinfurt mehr oder nur etwas weniger Einwohner als Gerolzhofen haben, besitzen sie weder zentrale Funktionen noch urbanen Charakter.
Geologie Triassische Sedimentgesteine und quartäre Lockersedimente bilden den geologischen Untergrund des Landkreises Schweinfurt. Über den Kalksteinen, Dolomiten und Mergeln des Muschelkalks liegen die Gesteine des Unterkeupers und des Gipskeupers, die überwiegend tonig-mergelig mit wenigen Kalk- und Sandsteinlagen sind. Die Schichtstufe von Steigerwald und den Haßbergen wird aus Sandsteinkeuper gebildet.Bayerisches Geologisches Landesamt (Hrsg.): Geologische Karte von Bayern 1:500.000. 4., neubearb. Auflage. München 1996.Josef Schwarzmeier: Geologische Karte von Bayern 1:25.000 Blatt Nr. 5927 Schweinfurt mit Erläuterungen. Bayerisches Geologisches Landesamt, München 1982. Im Bereich der großen Flusstäler, insbesondere des Mains, befinden sich Schotter und Sande, die bei der Laufveränderungen während der Einschneidung im Quartär abgelagert wurden. Südöstlich des Mainbogens liegen Flugsande. In den flacheren Lagen westlich und nördlich des Mains liegt Löss.
Hydrologie Der Landkreis liegt an der Peripherie der bayerischen Schwerpunktregion Würzburg–Ansbach mit nitratbelastetem Grundwasser infolge intensiver Landwirtschaft.
Klima Typisches Kennzeichen ist der relativ geringe Niederschlag mit knapp über 600 mm pro Jahr durch die Lage des Landkreises östlich des Landrückens Rhön–Spessart, auf der Leeseite.
Das Klima ist zweigeteilt. Die Schweinfurter Rhön ist vergleichsweise sommerkühl und winterkalt. Bis in die Nachkriegsjahrzehnte fiel mitunter viel Schnee. Auch in den übrigen Bereichen des Landkreises können die Winter sehr kalt und trocken ausfallen. Aber durch die für bayerische Verhältnisse niedrige Seehöhe sind die Übergangszeiten mild und die Sommer warm bis heiß. Während in den höher gelegenen Regionen Süddeutschlands der Frühling spät einzieht und infolge der Klimaerwärmung heute relativ schnell in den Sommer übergeht, zieht das Frühjahr im Schweinfurter Becken bald ein und ist sehr ausgeprägt. Das führt zur frühen Obstblüte, vielfältiger Flora und guten klimatischen Bedingungen für Spargelanbau und Weinbau (siehe: Weinbau).
Im Kontinentalitätsgrad liegt das örtliche Klima im Übergangsbereich zwischen Seeklima und Kontinentalklima. Dieses bereits gemäßigte Kontinentalklima, im Dreiklang mit geringem Niederschlag, kalten Wintern und warmen Sommern, kommt sonst in Westdeutschland nirgends vor, ist aber in Ostdeutschland weit verbreitet. Der Spessart bildet die Klimascheide zum maritimen Klima.
Naturräumliche Gliederung Der Landkreis Schweinfurt gehört zu acht Naturräumlichen Haupteinheiten:
mini|300px|Blick vom Steigerwald (Zabelstein) über das Steigerwaldvorland und das Schweinfurter Becken zum Hesselbacher Waldland (am Horizont rechts)
der mittlere Teil des Landkreises liegt im zum Teil brettflachen Schweinfurter Becken (Haupteinheit 136), nordöstlich des Schweinfurter Beckens liegen nahezu übergangslos die welligen Wern-Lauer-Platten (135), im Nordosten liegt das Hesselbacher Waldland (139) (auch: Schweinfurter Rhön), im äußeren Nordosten liegen flachwellige südlichen Ausläufer des Grabfelds (1381), im äußersten Nordosten hat der Landkreis einen kleinen Anteil an den Haßbergen (116), der Südosten des Schweinfurter Beckens grenzt mit fließenden Übergang an das flachwellige Steigerwaldvorland (137), südöstlich des Steigerwaldvorlandes hat der Landkreis Anteil am Steigerwald (115), der Taleinschnitt des Mains ab Wipfeld nach Süden gehört bereits zum Naturraum Mittleres Maintal (133),Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952–1994. → Online-Karten: Blatt 140: Schweinfurt (Brigitte Schwenzer 1968; 43 S.), Blatt 152: Würzburg (Horst Mensching, Günter Wagner 1963; 45 S.), Blatt 153: Bamberg (Karl Albert Habbe 2004, in Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft 2003/2004. S. 55–102; 48 S.)
Mittleres Maintal (133), Wern-Lauer-Platten (135), Schweinfurter Becken (136), Steigerwaldvorland (137), Grabfeldgau (138) und Hesselbacher Waldland (139) gehören zu den Mainfränkischen Platten (Haupteinheitengruppe 13). Alle acht Haupteinheiten gehören zum Schichtstufenland beiderseits des Oberrheingrabens (Großregion 1. Ordnung 07-23), das sich vom Pariser Becken bis nach Franken hinzieht.
Landschaften Der Landkreis Schweinfurt im Kern Mainfrankens bildet einen Mikrokosmos, mit landschaftlicher Vielfalt auf kleinem Raum und zwei unterschiedlichen Klimazonen, trotz nur mäßiger Höhenunterschiede von maximal 300 Metern. Der Landkreis wird durch vier Landschaften klar strukturiert.
Schweinfurter Rhön
mini|Schweinfurter Rhön. Jeusinggrund bei Zell
Die Landschaft Schweinfurter Rhön ist identisch mit dem Naturraum Hesselbacher Waldland (bis ). Die grüne Lunge des Landkreises ist das wichtigste Naherholungsgebiet Schweinfurts (siehe: Wandern, Segeln und Golf). In den Nachkriegsjahrzehnten wurde hier auch im kleineren Maße Wintersport betrieben.
Schweinfurter Becken
Das Schweinfurter Becken ist das sommerheiße und wintermilde Tiefland im Südosten des Landkreises, das bis unter reicht. Es wird von Sonderkulturen geprägt und ist Deutschlands Kräutergärtlein (siehe: Landwirtschaft). In den Sulzheimer Gipshügeln wachsen Steppenpflanzen, die erst wieder in der Ungarischen Tiefebene vorkommen.
Steigerwaldvorland
Der Landkreis Schweinfurt hat im äußeren Südosten, zwischen Schweinfurter Becken und Steigerwald, Anteil am nördlichen Bereich des Steigerwaldvorlandes, mit dem Hauptort Gerolzhofen. Die nach dem Maintal zweitgrößte Weinregion des Landkreises, entlang des Steigerwaldtraufes, blieb weitgehend ursprünglich und ist eine der sommerheißesten und trockensten Gegenden Deutschlands (siehe: Weinbau).
Schweinfurter Gauland mini|Blick in die Kornkammer des Landkreises bei Obbach 1863
Das Schweinfurter Gauland gehört zum Naturraum Wern-Lauer-Platten. Es liegt westlich des Mains sowie um und westlich des oberen Werntals, ist ein hügeliges Ackerland und die Kornkammer des Landkreises (siehe: Landwirtschaft). Weshalb in historischer Zeit die dortigen Dörfer die reichsten Mainfrankens waren.
Geschichte Vorgeschichte Der Schweinfurter Raum mit seinen fruchtbaren Böden ist reich an vor- und frühgeschichtlichen Zeugnissen. Schwanfeld gilt als ältestes Dorf Deutschlands, auch wenn eine durchgehende Besiedlung von den ersten Funden 5500 vor Christus aus der bandkeramischen Zeit bis heute nicht nachgewiesen ist. In Dittelbrunn ist ein Fund aus der Mittelsteinzeit (um 10000 v. Chr.) belegt und in Hambach sind Funde aus der Jungsteinzeit (etwa 4000 vor Chr.), der Urnenfelderkultur (etwa 1200 v. Chr.), der Hallstattzeit (etwa 700 bis 400 v. Chr.) und der La-Tène-Zeit (etwa 450 v. Chr.) nachgewiesen (siehe Dittelbrunn, Vorgeschichte).
Frühes Mittelalter mini|Grabhaus von Zeuzleben(heute in Bad Windsheim)
Ausgrabungen aus der Merowingerzeit wurden auf dem Gräberfeld von Zeuzleben und aus ottonischen Zeit in Geldersheim an der Kirchenburg durchgeführt. Mehrere Dörfer wurden bereits im 8. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt:
Im frühen Mittelalter erstreckte sich der ostfränkische Gau Grabfeld, dessen Gaugrafen seit 819 urkundlich belegt sind, von der Rhön bis herunter in den Raum von Schweinfurt und Geldersheim.
Spätes Mittelalter mini|Reichsstadt Schweinfurt mit umliegenden Territorien bis 1802, mit Westtangente der Chaussee Würzburg-Meiningen (1796)
1437Informationsbroschüre Stadt Schweinfurt. Weka Info-Verlag, Mering 2002, S. 6. kaufte der Rat der Reichsstadt Schweinfurt vom Deutschen Orden die Ortschaften im heutigen Landkreis, Zell, Weipoltshausen, den Weiler Ottenhausen und den Hof Thomashof. 1620 kam noch das Dorf Madenhausen zur Reichsstadt (alles in dunkelgelber Fläche auf nebenstehender Karte). Die Einwohner dieser Orte waren Untertanen der Reichsstadt, besaßen jedoch in der Regel kein Bürgerrecht. Zudem lagen im heutigen Landkreis um die Reichsstadt Schweinfurt die Reichsdörfer Sennfeld und Gochsheim (hellgelb) und die Reichsritterschaften Schwebheim, Niederwerrn, Euerbach und Obbach (braun). All die genannten Territorien schlossen sich der Reformation an und wurden protestantisch.
Chaussee Würzburg–Meiningen