mini|Marienkirche und Rathaus mini|Marktplatz

Herzberg (Elster) ist die Kreisstadt im Westen des Landkreises Elbe-Elster in Brandenburg. Herzberg (Elster) ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg. Die Stadt bildet eines der drei Mittelzentren des Landkreises.

Geografie Herzberg liegt in dem von der Schwarzen Elster gebildeten Tiefland voller Bäche und Fließe. Insbesondere nach Westen (zur Elbe) und Süden setzt sich dieses Landschaftsbild fort.

Geografische Lage Die Stadt Herzberg liegt an der Schwarzen Elster etwa 90 Kilometer südlich von Berlin an der Grenze zu Sachsen-Anhalt und Sachsen. Im Ortsteil Züllsdorf befindet sich das geografische Dreiländereck. In Herzberg treffen die B 87 und B 101 aufeinander.

Nachbargemeinden Herzberg grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend): Schönewalde, Kremitzaue, Schlieben, Uebigau-Wahrenbrück, Falkenberg/Elster, Beilrode und Annaburg.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet umfasst laut Hauptsatzung: die Kernstadt Herzberg (Elster) mit den bewohnten Gemeindeteilen Bicking, Frauenhorst, Friedrichsluga und Neunaundorf sowie die Ortsteile Arnsnesta Borken Buckau Fermerswalde Friedersdorf Gräfendorf Löhsten Mahdel Osteroda mit dem bewohnten Gemeindeteil Redlin Rahnisdorf Züllsdorf

Dazu kommen die Wohnplätze Alt Herzberg, Grochwitz, Kaxdorf, Kleinesee und Waldmühle.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden zwei ehemalige Gemeinden eingegliedert.Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995; ISBN 3-8246-0321-7. Neunaundorf folgte am 1. Januar 1960. Am 1. Januar 1974 kamen drei weitere Orte hinzu. Schließlich wurden am 31. Dezember 2001 insgesamt zehn Orte eingegliedert.

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Alt Herzberg 01.10.1938 Arnsnesta 31.12.2001 Bicking 01.01.1974 Borken 31.12.2001 Buckau 31.12.2001 Fermerswalde 31.12.2001 Frauenhorst 01.01.1974 Friedersdorf 31.12.2001 Friedrichsluga 01.01.1974 Gräfendorf 31.12.2001 Grochwitz 01.07.1950 Kaxdorf 01.07.1950 Löhsten 31.12.2001 Mahdel 31.12.2001 Neunaundorf 01.01.1960 Osteroda 31.12.2001 Rahnisdorf 31.12.2001 Redlin 22.03.1970 Eingemeindung nach Osteroda Züllsdorf 31.12.2001

Name Der Ort wurde zuerst als Hirthsbergh, dann als Hirzberg bezeichnet. Dieses leitete sich von * Hirschberg, vom Hirsch ab. Dieser ist bis heute das Wappentier der Stadt. Später wurde der Name zu Herzberg.

Geschichte mini|hochkant=1.4|Herzberg um 1650 Mittelalter Von 1239 ist die älteste Erwähnung des Ortes erhalten. Archäologische und dendrochronologische Untersuchungen lassen eine Entstehung um 1215 vermuten. Jedoch hatte man sich lange Zeit auf eine Urkunde berufen, nach der der Ort angeblich schon 1184 existiert haben soll. Eine Überprüfung der Angaben ergab, dass besagte Urkunde nicht existiert und Herzberg erst viel später eine bedeutende Rolle in der Region spielte.

Graf Friedrich II. von Brehna verfügte zunächst nur über die Schutzherrschaft über das Gebiet, später nahm er es als erledigtes Lehen in seinen Besitz. Vermutlich waren es niederländische Wasserbauern, welche Gräben und Wälle um die Stadt anlegten, um die Stadt auszubauen und zu befestigen; es handelte sich dabei um Lapine, Mühlgraben, Nord- und Südpromenade.

Nach dem Tod von Graf Otto III. (IV.) von Brehna († 1290) übertrug König Rudolf am 31. August 1290 die Grafschaft Brehna mit der Stadt Herzberg als erledigtes Lehen an die Vorgänger der Wettiner in Wittenberg, den Askanierherzog Rudolf I. Die Bürgerschaft erwirkte es, die Stadt als Kurstadt dem Fürsten zu unterstellen.

1361 erwarb die Stadt Herzberg das Privileg über den Salzmarkt. Der mittelalterliche Fernhandel von Leipzig über Torgau führte an Herzberg vorbei nach Frankfurt/Oder. 1467 erwarb die Stadt vom Kurfürsten die Gerichtsbarkeit über Hals und Hand. Die Stadt besaß Geleitsfreiheit im gesamten Kurfürstentum Sachsen, pachtete aber 1558 das „Haupt und Beigeleit“ an der Straße Leipzig–Frankfurt/Oder.

16. bis 18. Jahrhundert Schon 1522 wurde der evangelische Gottesdienst in deutscher Sprache durch Johannes Wagner eingeführt. Philipp Melanchthon verfasste 1538 eine Schulordnung für das hier ansässige Gymnasium, die im Laufe des 16. Jahrhunderts in ganz Deutschland übernommen wurde.

Herzberg gilt als eine der wenigen deutschen Städte, die während des Dreißigjährigen Krieges 1618 bis 1648 aufgrund eines umfangreichen Fluss- und Grabensystems nicht erobert werden konnte.

Ein Stadtbrand zerstörte 1757 große Teile des Ortes.

19. Jahrhundert mini|Herzberg 1899 Mit dem Wiener Kongress von 1815 kam Herzberg zu Preußen und wurde 1816 Kreisstadt des Kreises Schweinitz der Provinz Sachsen.

Weimarer Republik und NS-Zeit Die NSDAP trat 1929 zur Wahl des Herzberger Stadtparlaments noch nicht an, obwohl es eine Ortsgruppe bereits von 1924 an gab. Bürgermeister war bis 1933 Walter Sourell von der Deutschnationalen Volkspartei. Bei der Wahl zum Reichstag 1933 bekam die NSDAP 57,7 Prozent der Stimmen.Stephanie Kammer, Ulf Lehmann: Herzberg unterm Hakenkreuz. Fotos. Fakten. Dokumente. Verlag Bücherkammer, Herzberg 2019, ISBN 978-3-940635-62-4.

Deutschlandsender III 1939–1945 mini|hochkant=0.7|Deutschlandsender III um 1940 mini|Wohnhaus in der Siedlung Am Sender Herzberg war von 1939 bis 1945 Standort des Deutschlandsenders III. Die Sendeanlage verbreitete auf Langwelle 191 kHz das Programm des Deutschlandsenders. Als Antenne diente ein abgespannter selbststrahlender Sendemast, der ohne Dachkapazität 325 Meter hoch war. Er trug auf der Spitze eine 4 Meter hohe linsenförmige Dachkapazität mit 25 Metern Durchmesser, die innen begehbar war.

Da dieser Mast zudem noch auf einem 8 Meter hohen Abstimmhaus stand, besaß die gesamte Konstruktion eine Höhe von 337 Metern und war zum damaligen Zeitpunkt das zweithöchste Bauwerk der Erde. Bemerkenswert war auch, dass dieser Mast über keine Flugsicherheitsbefeuerung verfügte. Stattdessen wurde während der Nachtstunden seine Spitze von drei auf kleinen Masten montierten rotierenden Scheinwerfern angestrahlt. Bei einem Luftangriff wurde der Deutschlandsender III am 21. April 1945 stark beschädigt und damit unbrauchbar, obwohl der Mast unbeschädigt blieb. Nach Kriegsende wurden die gesamten technischen Anlagen von Truppen der Roten Armee und hinzugezogener Zivilbevölkerung demontiert. Überreste der Sendeanlage sind heute noch vorhanden. Zudem erinnert noch der Straßenname „Am Sender“ und die dort erhaltene Wohnsiedlung der Mitarbeiter an den ehemaligen Standort des Deutschlandsenders III. Wo der Mast wiederaufgebaut wurde, ist nicht bekannt. Gelegentlich wird behauptet, dass er in Raszyn wiederaufgebaut worden sei, wofür aber konkrete Belege fehlen.

Seit 1945 Mit der Neugliederung der Bezirke und Landkreise in der DDR im Jahr 1952 blieb Herzberg Kreisstadt des neu gegründeten Kreises Herzberg im Bezirk Cottbus.

1990 wurde es in das neue Bundesland Brandenburg eingegliedert, obwohl es historisch eigentlich zu Sachsen-Anhalt gehört hätte. Seit der Kreisreform 1993 ist Herzberg Kreisstadt des Landkreises Elbe-Elster.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 4 009 1890 4 465 1910 3 927 1925 3 813 1933 4 263 1939 5 217 Jahr Einwohner 1946 6 635 1950 7 415 1964 7 503 1971 8 291 1981 8 800 1985 8 851 Jahr Einwohner 1990 9 315 1995 9 041 2000 8 504 2005 10 930 2010 9 982 2015 9 067 Jahr Einwohner 2020 8 776 2021 8 711 2022 8 766 2023 8 720 2024 8 732 2025 8 753 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1990)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Elbe-Elster. (PDF) S. 18–21.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7.Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)., ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Die Zunahme der Einwohnerzahl 2005 ist auf die Eingemeindung von zehn Orten im Jahr 2001 zurückzuführen.

Politik Stadtverordnetenversammlung mini|Rathaus Die Stadtverordnetenversammlung von Herzberg besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Herzberg zählt 23,3 % 4 28,1 % 5 AfD 10,4 % 2 22,6 % 4 Ländliche WählerGruppe Kreisstadt Herzberg 42,2 % 8 21,9 % 4 CDU 9,2 % 2 14,0 % 3 SPD 8,6 % 1 7,4 % 1 Die Linke – – 2,7 % 1 Initiative Herzberg – – 2,6 % – FDP – – 0,6 % – Einzelbewerber Mario Lehmann 5,6 % 1 – – NPD 0,6 % – – – Insgesamt 100 % 18 100 % 18 Wahlbeteiligung 57,9 % 68,2 %

Bürgermeister 1994–2018: Michael Oecknigk (CDU)Michael Oecknigk kandidiert nicht zur Bürgermeisterwahl. In: Lausitzer Rundschau. 29. April 2017. seit 2018: Karsten Eule-Prütz (parteilos)

Eule-Prütz wurde in der Bürgermeisterwahl am 24. September 2017 mit 63,7 Prozent der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 24. September 2017 Er trat sein Amt am 6. Januar 2018 an. Am 28. September 2025 wurde er mit 74,6 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 28. September 2025 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen

Flagge Die Flagge der Stadt ist weiß-grün-gelb (1:1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt, das in seinem Bereich die Randstreifen teilweise überdeckt.

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift: „STADT HERZBERG (ELSTER) • LANDKREIS ELBE-ELSTER“.

Städtepartnerschaften Partnerstädte von Herzberg sind: Büdingen in Hessen Świebodzin in Polen Dixon (Illinois) in den USA Soest in Nordrhein-Westfalen

Sehenswürdigkeiten und Kultur In der Liste der Baudenkmale in Herzberg (Elster) und in der Liste der Bodendenkmale in Herzberg (Elster) stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmäler.

Bauwerke mini|Marienkirche mini|hochkant|Wunderstein mini|Altes Kurhaus St. Marienkirche mit wertvollen Deckenmalereien und restaurierter Orgel Katholische Kirche Apostolische Kirche St. Katharinenkirche Altherzberger Dorfkirche Rathaus Germania, auch „Eiserne Lady“ genannt Philipp-Melanchthon-Gymnasium Wasserturm mit Sternwarte Zeiss-Planetarium Stadtpark mit Wunderstein und Boldedenkmal Botanischer Garten und Villa Marx Park und Schloss Grochwitz Freiwillige Feuerwehr Historischer Stadtkern

Parks Botanischer Garten Tierpark Stadtpark Touristisch ist der in der Nähe liegende Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft von Interesse. Herzberg ist Ausgangspunkt und Ziel von Radwanderungen.

Regelmäßige Veranstaltungen Jedes Jahr am ersten Maiwochenende findet das „Herzberger Tierparkfest“ statt. Jeweils im September treffen sich unweit der Stadt hunderte Astronomiebegeisterte mit ihren Fernrohren zum „Herzberger Teleskoptreffen“. Seit 2011 ist der Botanische Garten am Pfingstsonntag Veranstaltungsort des Pfingstrock Open Airs, bei dem bekannte nationale und internationale Künstler auftreten.

Wirtschaft und Infrastruktur Mittelzentrum Im Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg vom 31. März 2009 wurde Herzberg mit dem Umland als eigenes Mittelzentrum festgelegt. Die beiden anderen Zentren des Landkreises sind Finsterwalde und Elsterwerda/Bad Liebenwerda in Funktionsteilung.

Verkehr mini|Bahnhof Herzberg (Elster)

Der etwa zwei Kilometer vom Zentrum entfernte Bahnhof Herzberg (Elster) (ehemals Herzberg (Elster) West) liegt an der Bahnstrecke Jüterbog–Röderau und wird zweistündlich durch die Regional-Express-Linie RE 4 Stendal–Rathenow–Berlin–Jüterbog–Falkenberg (Elster) bedient.