mini|hochkant=1.5|Stadtansicht
Prenzlau (niederdeutsch Prentzlow) ist die Kreisstadt und der Verwaltungssitz des nordbrandenburgischen Landkreises Uckermark, eines der Mittelzentren in Brandenburg. Prenzlau ist Garnison der Bundeswehr und historischer Hauptort der Landschaft Uckermark. Es zählte im Mittelalter neben Berlin-Cölln, Frankfurt (Oder) und Stendal zu den vier größten Städten der Mark Brandenburg.
Herkunft und Schreibweise des Ortsnamens Der Ortsname ist slawischen Ursprungs und bedeutet „Siedlung eines Mannes namens Premyslaw“.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien, be.bra Wissenschaft Verlag, Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, S. 113. Zwischen dem 15. und zum Ende des 19. Jahrhunderts gibt es Belege sowohl für die Schreibweise Prentzlau/Prenzlau als auch für Prentzlow/Prenzlow/Prenzlo.Städtebuch Brandenburg und Berlin (2000), S. 417.
Prentzlow wird heute auch als offizielle Schreibung auf Niederdeutsch verwendet, so z. B. auf der Bahnhofsbeschilderung.
Geographie Die Stadt liegt etwa 100 km nördlich von Berlin und 50 km westlich von Stettin (Polen). In Prenzlau verlässt der Fluss Ucker den Unteruckersee (größter der zahlreichen Uckermärkischen Seen) auf dem Weg nach Norden Richtung Ostsee in das Stettiner Haff. Das Stadtgebiet grenzt im Südwesten an den Naturpark Uckermärkische Seen, und im Süden schließen sich die beiden größten Seen der Uckermark an die Stadt Prenzlau an: der Unteruckersee und der im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin liegende Oberuckersee.
Stadtgliederung mini|Der Mitteltorturm und die Marienkirche bilden gemeinsam die bekannteste Stadtansicht Prenzlaus
Zur Stadt Prenzlau gehören laut ihrer Hauptsatzung folgende Ortsteile: Alexanderhof (mit den Wohnplätzen Bündigershof und Ewaldshof)Urkundliche Ersterwähnung 1840; amtlich bestätigt 1843. Blindow1269 urkundliche Ersterwähnung in Daniel de Blingowe. Bereits 1298 als Ort Blingow nachgewiesen. Für die Jahre 1337 mit Blingowe und 1375 mit Blyngow finden sich weitere urkundliche Erwähnungen. Ab 1786 dann kontinuierlich die Schreibweise Blindow. Dauer Dedelow (mit den Wohnplätzen Ellingen und Steinfurth)Urkundlich 1320 erstmals erwähnt als in Dedelow. Güstow (mit dem Wohnplatz Mühlhof) Klinkow (mit dem Wohnplatz Basedow) Schönwerder Seelübbe (mit den Wohnplätzen Augustenfelde, Dreyershof und Magnushof)erstmals 1262 in einer Urkunde von Papst Urban IV. erwähnt, der dem Nonnenkloster Prenzlau den Jahreszins von 1 Hufe im Dorfe Seelübbe (Scelube) bestätigte. sowie die Wohnplätze Stegemannshof Wollenthin.
Die ehemals selbstständigen Gemeinden Dedelow, Klinkow, Güstow, Schönwerder, Dauer und Blindow gehören seit dem 1. November 2001 zur Stadt Prenzlau.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert mini|links|Prenzlau um 1729 mini|links|Prenzlau 1740 mini|Grundriss der Straßen Prenzlaus 1741
Archäologische Funde belegen, dass das heutige Stadtgebiet seit der jüngeren Steinzeit besiedelt wurde. Nachdem bereits ab dem 7. Jahrhundert verstärkte Siedlungstätigkeiten durch slawische Stämme zu beobachten waren, entwickelte sich das Gebiet im 10. bis 13. Jahrhundert zu einem zentralen Siedlungs- und Burgkomplex. Im 10. bis 12. Jahrhundert stand ein spätslawischer Burgwall westlich der Ucker (Röwenburg), um den im 11./12. Jahrhundert eine spätslawische Siedlung (im Bereich der heutigen Sabinenkirche) entstand, als Vorläufer der pommerschen Stadtgründung. In der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand eine weitere spätslawisch/frühdeutsche Siedlung im Bereich des späteren Franziskanerklosters.
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts riefen die Herzöge von Pommern im Rahmen des hochmittelalterlichen Landesausbaus in der Germania Slavica zahlreiche niederdeutsche Siedler in das Gebiet, die neue eigenständige Siedlungen anlegten.
Prenzlau wurde erstmals 1187 durch einen Priester Stephan in Prenzlau (Stephanus sacerdos Prinzlauiensis) als Urkundenzeuge erwähnt. Im Jahr 1188 wurde es als Prenczlau näher beschrieben als Burgort mit Markt und Krug („castrum cum foro et taberna“). Zu diesem Ort gehörten auch eine Kirche und eine der drei Münzstätten Pommerns (mit Stettin und Demmin). Prenzlau zeigte sich 1188 also als ein bedeutender Fernhandelsort mit zentralörtlicher Funktion, der 1234 von Herzog Barnim I. zur freien Stadt („civitas libera“) nach deutschem Recht, dem damals modernsten Stadtrecht, erhoben wurde. Die Stadtrechtsurkunde enthielt dabei ein Novum, das Doppelsiegel von Herzog Barnim I. Oben ein älteres und unten das Siegel aus der Ausstellungszeit. Für dieses ungewöhnliche Auftreten von zwei Siegeln des gleichen Ausstellers gibt es bislang keine Erklärung.
Der 1234 mit Stadtrecht versehene Zentralort war aus drei Siedlungskernen zusammengewachsen. Der älteste slawische Siedlungskern lag westlich der Ucker um die St.-Sabinen-Kirche. Östlich der Ucker entstand eine wohl kaufmännisch geprägte Siedlung um die Kirche St. Nicolai sowie eine eher agrarisch orientierte Siedlung um St. Jacobi.
Zum Zeitpunkt des Vertrags von Landin 1250 verfügte die Stadt Prenzlau bereits über vier Pfarrkirchen und ein Kloster (Magdalenerinnen), darunter die Marienkirche als erste ostelbische Hallenkirche. Prenzlau war mit sieben Kirchen des Hochmittelalters nach der Doppel- und Domstadt Brandenburg die mit Gotteshäusern am reichsten ausgestattete Bürgerkommune der Mark. mini|Stadtmauer
Bald nach 1234, noch vor 1250, wurde die Stadt vollständig umwehrt, vermutlich wie zu dieser Zeit üblich, mit Wall, Palisade und Graben. Alle märkischen Städte erhielten Stadtmauern aus Stein frühestens in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, z. B. Prenzlau 1287. Die Stadt bekam Wassermühlen und eine Feldmark von 300 Hufen, die flächenmäßig größte Landausstattung einer Stadt zwischen Elbe und Oder.
Ebenfalls vor 1250 entstand das Magdalenenkloster, vermutlich als Stiftung eines Mitglieds des pommerschen Herrscherhauses. Der zu dieser Zeit im Altreich beliebte Reformorden war in den 1220er Jahren entstanden, um Prostituierten, die nicht heiraten durften, die Möglichkeit zu bieten, vom Bordell ins Kloster zu flüchten. Obwohl auch Frauen aus dem Bürgertum und dem Adel in Magdalenenklöster eintraten, dürfte die Wahl dieses Ordens doch ein Hinweis auf den „großstädtischen“ Charakter Prenzlaus unter den Pommernherzögen sein.
Die unter den Pommernherzögen begründete Vorrangstellung führte dazu, dass Prenzlau seine Zugehörigkeit zur Spitzengruppe der Städte der Mark Brandenburg (mit Berlin/Cölln, Brandenburg, Frankfurt (Oder) und Stendal) nie verlor. Förderlich war vor allem die Einbeziehung in den Handelsraum der Hanse, ohne dass eine Mitgliedschaft Prenzlaus nachweisbar wäre. Prenzlau und Stendal hatten laut dem Landbuch Kaiser Karls IV. im Jahr 1377 [!] eine Landbede von jeweils 500 Mark Silber zu zahlen. Mit deutlichem Abstand folgte die Doppelstadt Brandenburg mit 300 Pfund Silber.Felix Escher: Viele Hauptstädte und eine Metropole. Das „Ranking“ brandenburgischer Städte im Mittelalter und der frühen Neuzeit (12.–18. Jahrhundert). In: Provinz und Metropole, Metropole und Provinz, hrsg. v. Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, 2009, S. 11. Die Askanier setzten die Entwicklungspolitik der Pommernherzöge erfolgreich fort.
Nach dem Aussterben der askanischen Markgrafen von Brandenburg im Jahr 1320 wechselten mehrfach die landesherrlichen Machtverhältnisse. Im 13./14. Jahrhundert erlebte Prenzlau seine Blütezeit. Die Stadt kam 1426 unter den Hohenzollern wieder unter brandenburgische Herrschaft.
Prenzlau hatte unter dem Dreißigjährigen Krieg und dessen Folgen stark zu leiden. Die gesamte Region wurde stark entvölkert und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit befand sich an einem Tiefpunkt. Vom 20. bis 22. Dezember 1632 wurde in der Marienkirche der Leichnam des schwedischen Königs Gustav II. Adolf aufgebahrt. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts stieg die Anzahl der Einwohner durch den Zuzug von Hugenotten wieder an. Diese belebten durch die Einführung neuer Produktionsmethoden viele Gewerbezweige neu. Weitere Maßnahmen wie intensive Stadtbebauung und die Ausweitung der Postwege sowie ein generelles Erstarken des Handwerks führten zu einer wirtschaftlichen Erholung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Einen erneuten Rückschlag erlitt die Stadt jedoch durch den Siebenjährigen Krieg. Prenzlau war bereits im 17. Jahrhundert zur Garnisonsstadt erklärt worden, und militärische Bauten prägten das Stadtbild immer stärker. Im Vierten Koalitionskrieg kapitulierte der preußische General Hohenlohe bei Prenzlau am 28. Oktober 1806 mit seiner 12.000 Mann starken restlichen Armee gegenüber der französischen Armee.Bernhard Poten: Handwörterbuch der Gesamten Militärwissenschaften. 5. Band: Ibrahim Pascha bis Krieg von 1859. Nachdruck des Standardwerkes zu den Militärwissenschaften von 1877. 2012, S. 348. Von 1806 bis 1812 hatte Prenzlau unter französischer Besetzung und hohen Kontributionslasten zu leiden.
Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts wanderten einige Prenzlauer nach Australien aus und gründeten dort einen neuen Ort namens Prenzlau (Queensland). Er liegt ca. 70 km westlich von Brisbane.
20. und 21. Jahrhundert mini|Den Grundrissen von Synagoge und Rabbinerhaus nachempfundene Terrassenanlage sowie Gedenktafeln
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die 1832 errichtete Synagoge der großen Jüdischen Gemeinde während des Novemberpogroms 1938 geschändet und zerstört, wie auch die beiden Jüdischen Friedhöfe. Die zerschlagenen Grabsteine des Alten jüdischen Friedhofs am Wasserturm im heutigen Stadtpark wurden als Straßenpflaster verwendet. Der Neue Jüdische Friedhof an der Puschkinstraße 60 wurde nach 1945 wieder hergerichtet. Im Zweiten Weltkrieg war Prenzlau bis Ende April 1945 unzerstört geblieben, doch dann zerstörten am 25. und 26. April mehrere sowjetische Luftangriffe der vorrückenden Roten Armee ca. 50 Prozent des Stadtkerns. Die NSDAP forderte erst am 25. April die Einwohner zur Flucht auf. Bis zum 26. April hatten die meisten Einwohner die Stadt verlassen, anschließend zogen auch die deutschen Truppen ab. In der Nacht zum 27. April 1945 besetzte die Rote Armee kampflos die Stadt und begann, während Soldaten und befreite Zwangsarbeiter plünderten, aus nicht geklärten Gründen mit dem systematischen Niederbrennen der Innenstadt. Bei Kriegsende war bei 716 von den 832 dortigen Grundstücken die Bebauung zerstört, in der Außenstadt bei 205 von 1298.Sabine Nietzold: 70 Jahre nach dem Krieg. Online unter: https://kulturtipp.trendresistent.com/files/2015/04/Prenzlau_45_2.jpg Prenzlau hatte im Zweiten Weltkrieg ca. 600 Todesopfer zu beklagen. mini|links|Der Wiederaufbau der Altstadt nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte in Einheitsbauweise.
Der Wiederaufbau des zerstörten Stadtkerns begann im Jahr 1952. In DDR-typischer Weise wurden wegen Wohnungsknappheit und geringer Wirtschaftskraft hauptsächlich Plattenbauten, die aber bei der Bevölkerung begehrt waren, errichtet.
Zunächst stand die Agrarindustrie im Mittelpunkt der Wirtschaft. Betriebe wie die Zuckerfabrik, der Milchhof, eine Getreidemühle und eine Brauerei waren wichtige Arbeitgeber. Durch die Gründung des Armaturenwerks Prenzlau (AWP) im Jahr 1967 entstanden mehr als 1000 neue Arbeitsplätze und der Betrieb wurde zum größten Arbeitgeber der Stadt.
Nach 1990 kam es im Zuge der deutschen Wiedervereinigung zu umfassenden Umbrüchen in allen Bereichen. Das Stadtbild wurde durch die Sanierung zahlreicher Gebäude und Verkehrswege verändert; einige Straßen erhielten neue Namen. Ehemalige Kasernen aus der Kaiserzeit und der Zeit des Nationalsozialismus wurden zu Verwaltungs- oder Schulgebäuden umfunktioniert. Viele Betriebe mussten schließen, andere reduzierten ihren Personalbestand erheblich.
Verwaltungsgeschichte