mini|Altstadt aus der Luft (2013) Die Rolandstadt Perleberg ist Kreisstadt des Landkreises Prignitz im Land Brandenburg.

Geografie Geografische Lage mini|Stepenitz in Perleberg Perleberg liegt in der Prignitz am Fluss Stepenitz, welcher hinter Perleberg in das Elbe-Urstromtal fließt. Die Altstadt von Perleberg liegt auf einer aus Sandablagerungen gebildeten Insel zwischen zwei Stepenitzarmen im Stepenitztal. Dieses Gelände ist fast eben und weist nur ein leichtes Gefälle vom Kirchplatz nach Süden auf. In der Pritzwalker und der Berliner Straße steigt das Gelände zum Ortsausgang hin stetig bis auf etwa 16 Meter an. Ebenfalls lassen sich Erhöhungen im Norden und Nordwesten der Stadt feststellen. Im Gegensatz dazu ist das Gelände im Westen bei der Sükower Straße eben und flach.Franz Grunick: Chronik der Kreis- und Garnisonstadt Perleberg. Verlag F. Grunick Nach., Perleberg 1939, S. 71.

Im Nordosten der Stadt befinden sich drei Erhebungen: der teilweise als Naturschutzgebiet ausgewiesene Weinberg (83 m), Reste des Golmer Berges (ehemals 83 m), welcher durch den Kiesabbau abgetragen wurde, und der Weiße Berg (80,7 m) bei Spiegelhagen.

Südlich grenzt die Stadt an die Perleberger Heide, einem etwa sieben Kilometer breiten und 56 Kilometer langen, parallel der Elbe führenden Streifen, welcher eine dünenreiche und wenig fruchtbare Talsandebene bildet, die vor allem mit Kiefernwäldern bewachsen ist. auf der Website des Bundesamtes für Naturschutz

Benachbarte Städte sind Wittenberge und Pritzwalk. Perleberg liegt fast exakt mittig zwischen den beiden Metropolen Berlin und Hamburg.

Stadtgliederung und Flächennutzung Die Stadt Perleberg unterteilt sich heute in die eigentliche Stadt auf der Gemarkung Perleberg und zwölf Ortsteile. Die Ortsteile sind ländlich geprägt. Sie bestehen aus je einem Dorf und den umliegenden Flächen. Die Ortsteile wurden der Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angegliedert.

(Stand: Einwohner 2011, Flächen 2011)

Ortsteil Einwohner Fläche in km² Kernstadt Perleberg 10.452 44,15 Dergenthin 263 17,83 Düpow 355 8,32 Gramzow 40 3,27 Groß Buchholz 129 6,32 Groß Linde 45 4,40 Lübzow 121 5,67 Quitzow 310 11,46 Rosenhagen 113 8,17 Schönfeld 112 5,29 Spiegelhagen 138 7,31 Sükow 185 9,99 Wüsten-Buchholz 107 5,65 Gesamt 12.370 137,82

Zudem existieren neun ausgewiesene Wohnplätze: Alt Gramzow und Gramzower Mühle im Ortsteil Gramzow, Lübzow Ausbau im Ortsteil Lübzow, Platenhof im Ortsteil Sükow, Kolonie im Ortsteil Wüsten-Buchholz sowie Henningshof, Neue Mühle, Perlhof und Waldsiedlung zur Kernstadt Perleberg.

(Stand: 2009)

Fläche nach Nutzungsart Fläche in Hektar Gebäude- und Freifläche 719 Betriebsfläche 45 Erholungsfläche 202 Verkehrsfläche 623 Landwirtschaftsfläche 7662 Waldfläche 4393 Wasserfläche 117 Flächen anderer Nutzung 21 Bodenfläche (gesamt)13.782 mini|Kirche St. Jacobi

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden von Perleberg sind Karstädt, Groß Pankow, Plattenburg, Amt Bad Wilsnack/Weisen, Wittenberge, Amt Lenzen-Elbtalaue.

Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter Die Geschichte der Stadt Perleberg ist eng mit der Geschichte der Prignitz verbunden. Wie entsprechende Funde belegen, gab es bereits vor 3000 Jahren eine Besiedlung der Stepenitzinsel. Später wurde auf Grund von Keramikfunden eine slawische Besiedlung nachgewiesen. Vom 2. bis zum 6. Jahrhundert kam es zu einer allmählichen und fast vollständigen Emigration der germanischsprechenden Bevölkerung aus den dortigen Siedlungsgebieten nach Westen und Südwesten. Seit der Mitte des 6. Jahrhunderts folgte sukzessiv die Einwanderung slawischsprechender Stammesgruppen aus dem Osten in das Gebiet der heutigen Prignitz. Von ihnen werden die Linonen 808 erstmals erwähnt, deren Hauptsiedlungsraum um Lenzen lag, dort war eine große Burg an dem wichtigen Flussübergang zwischen Elde- und Löcknitzmündung errichtet worden. Sie spielte in den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Franken, Slawen und Sachsen im 8. und 9. Jahrhundert eine bedeutende Rolle und wurde im 10. Jahrhundert Sitz eines der Stammesfürsten. An den Wasserläufen der Stepenitz, die in der Nähe von Meyenburg entspringt, durch die Prignitz fließt und schließlich in die Elbe mündet, wurden mit der Zeit einfache Mühlen und die damit verbundenen Wohnhäuser gebaut.

Die Nikolaisiedlung ist die älteste nachgewiesene frühmittelalterliche Stammsiedlung. Als ihre Entstehungszeit nimmt man die letzte Hälfte des 12. Jahrhunderts an. Das Straßennetz wurde besonders im Südteil der Siedlung in regelmäßiger Gitterform angelegt, bei der sich gerade Straßen rechtwinklig kreuzen. Einer der Baublöcke war der St. Nikolaikirche vorbehalten, die sich im Gebiet des heutigen St. Nikolaiplatzes befand. Insgesamt lässt sich eine elliptische Umrissform erkennen,Dieter Hoffmann-Axthelm: Perleberg im Mittelalter. Stadtentwicklung und Geschichte. Lukas Verlag, 2010, ISBN 978-3-86732-083-2, S. 17. die ein Ebenbild zu Wittenberge bildet.

Es siedelten sich, durch die gute Lage begünstigt, mehrere Betriebe (u. a. Fischereien, Wollwäschereien und Gerbereien) an und es zogen immer mehr gewerbetreibende Personen wie Kaufleute, Händler, Fleischer, Bäcker, Schuhmacher, Schneider, Maurer in diese Gegend. Durch den regen Verkehr entstanden schon damals Straßen, wie die Bäckerstraße und die Schuhstraße, sowie Plätze wie der Marktplatz, der Pferdemarkt (Schuhmarkt) und der Rosenhof.

Im Zuge der deutschen Besiedlung nach der Eroberung der ostelbischen Gebiete der späteren Mark Brandenburg wurde Perleberg unter Obhut der Familie Gans gegründet und erhielt am 29. Oktober 1239 das Salzwedeler Stadtrecht verliehen. Die älteste urkundliche Erwähnung stammt allerdings vom März 1239, als Johann Gans den Schuhmachern das Privileg erteilt. Die Verleihung des Stadtrechtes erfolgte aus gutem Grund, denn die Stadt war zu einem verhältnismäßig großen Ort herangewachsen. Dieser besaß eine Burg – die Gänseburg –, eine Kirche, mehrere Straßen und Plätze, Innungen, Gilden sowie eine in Handwerk und Handel geschäftige Bevölkerung. Das Stadtrecht wurde laut Urkunde von Salzwedel auf Vortrag zweier Männer, nämlich Gerardus de Hertesberge und Vorlevus de Perleberge sowie auch auf Ansuchen des Herrn Johannes Gans an Perleberg verliehen. Der Rat der Stadt bestand vorerst nur aus Konsuln (zehn im Jahre 1294) und später aus acht Ratsmännern und zwei Bürgermeistern, von denen jeder jeweils ein Jahr die Verwaltung innehatte. Seit jeher gab es nach Perleberg nur drei Zugänge: Im Osten das Mühlentor (später Dobberziner Torsiehe dazu die Wüstung Dobberzin (Perleberg)), im Westen das Wittenberger Tor und im Norden das Parchimer Tor. Bereits im 13. Jahrhundert wurden Silberpfennige (sog. Perleberger Hohlpfennige) mit dem Perleberger Wappen geprägt. Später, im 14. Jahrhundert, gab es dann auch die ersten Münzen. Seit dem Jahr 1316 war „vor dem Parchimer Tor“ ein Leprosorium in Perleberg nachweisbar, das St. Georg geweiht war.siehe Die Klapper, 1998, Gesellschaft für Leprakunde; abgerufen am 11. Oktober 2016

Im Jahre 1303 wurde ein Antrag zum Erwerb der Stepenitz an den Markgrafen Hermann den Langen gestellt, um der Hanse beitreten zu können. Dieser Antrag wurde, ebenso wie das Recht, die Stepenitz befahren und die Flussufer nutzen zu dürfen, genehmigt. Perleberg begann Schiffe zu bauen und seine Waren der Hanse zuzuführen.

Nach der Schlacht von Bornhöved 1227, bei der die Familie Gans die Dänen gegen die Grafen von Schwerin und die Brandenburger Markgrafen unterstützt hatte, erhielt die Grafschaft Schwerin die terra Perleberg als Eigentum. Dieses Gebiet nahm Johann Gans, der Stadtherr Perlebergs, als Lehen. Die Söhne Ottos III. erwarben 1275 die Lehnsherrlichkeit über Perleberg von den Grafen von Schwerin. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erlosch mit dem Tode Johann Gansʼ die Linie der Herren Gans zu Perleberg.

Die Stadt Perleberg fiel als erledigtes Lehen an die Markgrafen und wurde zu einer Immediatstadt.Johannes Schultze: Die Prignitz. Aus der Geschichte einer märkischen Landschaft. In: Reinhold Olesch, Walter Schlesinger, Ludwig Erich Schmitt (Hrsg.): Mitteldeutsche Forschungen. 1. Auflage. Band 8, Böhlau Verlag, Köln / Graz 1956, S. 60 f. Nach dem Aussterben der askanische Markgrafen von Brandenburg sind bis 1325 die Grafen von Schwerin als Eigentümer der Stadt nachgewiesen.Lorenz Friedrich Beck: Die Prignitzstädte Perleberg, Pritzwalk, Kyritz und Havelberg und die Hanse. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. München 2007, S. 95. Perleberg entwickelte sich nach dem Eintritt in die Hanse 1358/1359 zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum in der Region.

Seit dem Jahre 1310, stand die aufstrebende Stadt nicht mehr unter der Herrschaft der Edlen Gans zu Putlitz. Die Ratsmänner kauften den „Wall“, d. h. die Umfassungsmauern mit Wall, den drei Stadttoren und Gräben. Zur Aufrechterhaltung der Sicherheit wurde 1325 ein Bündnis zwischen Perleberg, Pritzwalk, Kyritz, Havelberg, Freyenstein und Meyenburg sowie 1387 ein Friedensabkommen mit Lübeck geschlossen. Die Gebrüder und Vettern von Karstedt verkauften im Jahre 1392 das Dorf Golm (heutzutage nur noch eine Wüstung) an den Rat zu Perleberg. Sieben Jahre später fand der Perleberger Fürstentag statt.Der Fürstentag zu Perleberg (1399) Es kamen die Herren von Braunschweig, Pommern, Meißen u. v. a. sowie die Abgeordneten des Hansebundes, um über die Beseitigung der sich häufenden Kriminalität (Plünderungen, Wegelagerungen usw.) zu beraten.Allgemeine preußische Staatsgeschichte (1760) Die nächsten Jahrzehnte waren durch viele Räubereien geprägt.

mini|Vertrag von Perleberg von 1420 Bei Konflikten nahm Perleberg auch die Vermittlerrolle an. So wurde zum Beispiel 1420 in Perleberg eine Fehde zwischen den Städten Hamburg und Lübeck und dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg beigelegt. Die Urkunde über den „Perleberger Frieden“ befindet sich noch heute im Archiv der Hansestadt Lübeck.Frieden von Perleberg 1444 forderte der Kurfürst Friedrich II. die Städte der Prignitz auf, der Kriminalität Herr zu werden. Dies brachte auch Albrecht Achilles noch einmal zum Ausdruck, als er bei seinem Aufenthalt 1471 in Perleberg Hans von Quitzow zu Stavenow, einen bekannten und gefürchteten Raubritter, dazu aufforderte, die Straftaten zu unterlassen, was jener auch versprach.

Das 15. Jahrhundert war zudem vom allmählichen wirtschaftlichen Niedergang geprägt. Dies ist zurückzuführen auf die ständigen Fehden in der Prignitz, auf die Kriegszüge der mecklenburgischen Fürsten, dem Machtverlust der Hanse zum Teil durch Verlagerung des Außenhandels nach Übersee und der fehlenden Konkurrenzfähigkeit der Stepenitz im Vergleich zur Havel.

Im Jahre 1474 verkaufte Kaspar Gans die Gänseburg an Ritter Mathias von Jagow. Fünf Jahre danach wurde in der Nähe der St. Jacobi-Kirche, die 1294 zum ersten Mal in einem Ablassbrief des Papstes Bonifatius VIII. schriftlich erwähnt wird, eine Schule errichtet. Im Jahr 1498 wurde erstmals ein Perleberger Roland erwähnt, der zu dieser Zeit aus Holz bestand. Danach gelangte die Burg an die Herren von Winterfeld.

Die St. Jacobi-Kirche erhielt in den Jahren 1517/1518 vier Glocken: die Katharinenglocke bzw. Sonntagsglocke, die Apostelglocke (1537 an Hamburg verkauft), die Schellglocke (1823 zersprungen und 1824 ersetzt) und die Marienglocke, die der Rat der Stadt bei Glockengießmeister Heinrich von Kampen aus Lübeck in Auftrag gegeben hatte.

mini|hochkant=2|Stadtansicht aus dem Jahr 1652 mini|hochkant=0.7|Ältestes Bürgerhaus der Stadt (1525), Am Markt

Reformationszeit und Dreißigjähriger Krieg