mini|Blick von den Mühlen auf Rathenow mini|Blick auf die Hafenpromenade Rathenow ist eine amtsfreie Stadt an der Havel, etwa 70 Kilometer westlich von Berlin und Kreisstadt des Landkreises Havelland in Brandenburg. Seit dem 13. Mai 2013 führt die Mittelstadt offiziell die Zusatzbezeichnung „Stadt der Optik“. (PDF) Innenministerium Brandenburg

Geografie Rathenow liegt im Westen des Landkreises Havelland und grenzt an das Land Sachsen-Anhalt (Landkreis Stendal). Die Havel durchfließt das Stadtgebiet.

Nachbargemeinden

Stadtgliederung Laut Hauptsatzung sind neben der Kernstadt als Ortsteile ausgewiesen (eingerückt zugehörige Wohnplätze):

Weitere Wohnplätze gehören zum Gebiet der Kernstadt:Kommunalverzeichnis des Landes Brandenburg. Stadt Rathenow

Innerhalb des Stadtgebiets Rathenow liegen außerdem die Stadtteile bzw. Ortslagen Altstadt und Rathenow-Ost.

Geschichte mini|hochkant=2.15|Rathenow, 1633mini|hochkant=1.5|Rathenow, um 1800 Siedlungsanfänge und Entwicklung bis in das späte Mittelalter

mini|Burgstall des slawischen Burgwalls „Alt Rathenow“

Schon in prähistorischer Zeit wurde die Gegend um Rathenow besiedelt. Mehrere slawische Burgwälle, wie der Burgwall Stremmewiese sind nachweisbar und als Burgställe erhalten. Im Jahr 1157 wurde auf dem Gebiet der heutigen Steckelsdorfer Gemarkung am Westufer der Havel der Burgwall „Alt Rathenow“ erwähnt, der als Ursprung der Stadt gilt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Ratenowe datiert auf den 28. Dezember 1216, als der Brandenburger Bischof Siegfried II. bei seiner Amtsübernahme dem Brandenburger Domkapitel seine Archidiakonatsrechte bestätigte. Eine spätromanische Kreuzbasilika entstand 1220 als Vorgängerbau der heutigen Sankt-Marien-Andreas-Kirche auf dem Kirchberg, 1288 erhielt der Ort die Gerichtsbarkeit. Im Jahr 1295 verlieh Markgraf Otto IV. Rathenow das Stadtrecht. Von 1517 bis 1562 erfolgte der Umbau der Kirche zu einer spätgotischen Hallenkirche, 1564 erfolgt der Bau des 1945 zerstörten Rathauses. Unter dem Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt schwer zu leiden. Es wohnten 1648 nur noch 40 Menschen in der Stadt.

Die Stadt vom 17. bis ins 20. Jahrhundert

Nach dem Schwedeneinfall 1674/75 fand während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges am 15. Juni 1675 die Schlacht von Rathenow statt, die die brandenburgischen Truppen gewannen. In der Schlacht bei Fehrbellin erlitten die Schweden drei Tage später die kriegsentscheidende Niederlage.

Rathenow wird als eine der Wiegen der industriellen Optik in Deutschland bezeichnet. Johann Heinrich August Duncker entwickelte in Rathenow die erste Vielspindelschleifmaschine zur rationellen Herstellung von Brillengläsern und begründete dort 1801 die optische Industrie. Sein Sohn und später sein Enkel Emil Busch führten die Optische Industrie Anstalt erfolgreich fort und die spätere Emil Busch AG wurde eines der führenden Unternehmen für optische Erzeugnisse in Europa. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden weitere Groß-, Mittel- und Kleinstbetriebe gegründet darunter die spätere zweitgrößte Firma Nitsche & Günther. mini|Aktie über 600 Mark der Wusterwitz-Rathenower-Ziegelei AG vom 1. Juli 1873 mit Darstellung einer Ringofenziegelei. Bekannt war auch die Ziegelindustrie; ein Großteil der Ziegel für die Bauten von Schloss Sanssouci, des Holländischen Viertels in Potsdam und des Roten Rathauses in Berlin stammen aus Rathenower Produktion. Die Industrie entwickelte sich im 19. Jahrhundert durch den anhaltenden Bauboom in Berlin und Brandenburg zu einem bedeutenden Arbeitgeber der Region. Entlang der Havel von Plaue bis Havelberg entstanden über 50 Betriebe. Der Name Rathenow wurde zur Marke und wurde in Form von Ziegelstempeln auf die Ziegelerzeugnisse aufgebracht (siehe Liste Rathenower Ziegelstempel). Auf dem Rathenower Stadtgebiet gab es bereits seit dem Mittelalter eine Stadtziegelei, später entstanden weitere Ziegeleien am Havelufer. Nach 1920 wurden die meisten Ziegeleien geschlossen, da der Rohstoff langsam zur Neige ging und die Produktion dadurch unrentabel wurde. Von dem einst bedeutenden Industriezweig sind nur wenige bauliche Relikte erhalten, darunter beispielsweise eine Gebäudegruppe des ehemaligen Verblendsteinwerks C. G. Matthes & Sohn an der Herrenlanke im Süden der Stadt und die Villa Schuwardt in Nordend.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat im Jahr 1816 war Rathenow Kreisstadt des Kreises Westhavelland im Regierungsbezirk Potsdam der Provinz Brandenburg. Nachdem der erste Landrat des neuen Landkreises Waldemar von der Hagen zunächst von seinem Gut in Hohennauen aus die Verwaltung übernommen hatte, verlegte er 1824 den Landratssitz nach Rathenow. In der Berliner Straße entstand das erste Landratsamt, welches von einem Neubau, 1893–1895 von Franz Schwechten errichtet, am damaligen Kaiser-Wilhelm-Platz, heute Platz der Freiheit, abgelöst wurde. Rathenow wurde 1851 wieder Garnisonstadt, nachdem nach gewaltsamen Protesten während der Revolution von 1848 die letzte Garnison abgezogen worden war. Die in den Bürgerhäusern untergebrachten Soldaten erhielten ab 1889 ein neues Quartier in der Bahnhofstraße. Von 1889 bis 1891 wurde die Zietenhusarenkaserne mit einfach gegliederten Ziegelbauten errichtet.

Am 1. Juni 1925 schied die Stadtgemeinde Rathenow aus dem Landkreis Westhavelland aus und bildete fortan einen eigenen StadtkreisBekanntmachungen der Ministerien. In: Amtsblatt der Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, 6. Juni 1925, S. 233; online., der als Enklave mitten im Kreisgebiet lag. Die Kreisstadt für das Westhavelland blieb Rathenow mit seinem Landratsamt.

In der Zeit des Nationalsozialismus war in der Kaserne der Zietenhusaren die Polizeireitschule Rathenow untergebracht. Das Bethaus der Jüdischen Gemeinde in der Fabrikenstraße 2 wurde während des Novemberpogroms 1938 verwüstet und später von der NSV in ein Kinderheim umgewandelt. Heute befindet sich dort eine Einrichtung der Pestalozzischule für Lernbehinderte. Im Zweiten Weltkrieg errichteten die Nationalsozialisten an der Milower Landstraße das KZ-Außenlager Rathenow als Außenlager des KZ Sachsenhausen, in dem mindestens 1000 Männer (nach anderen Angaben auch Frauen) Zwangsarbeit in den Arado-Flugzeugwerken verrichten mussten. Außerdem wurden in 33 Rathenower Lagern mindestens 4975 Zwangsarbeiter und in 12 Westhavelländer Lagern mindestens 2070 Zwangsdeportierte ausgebeutet (Stand 1943/44).Zur Geschichte – Zwangsarbeit: RAA Brandenburg, Interkultur. Beiträge Nr. 17 Fremdarbeiter in der NS-Zeit, S. 20–35.Archiv Kulturzentrum Rathenow; Akte Emil Busch AG Rathenow, Berliner Str. 5; Barackenlager – Bauunterlagen, Pacht- und MietverträgeMärkische Allgemeine Zeitung – Berichte 2001–2002 von ZeitzeugenBroschüre Zwangsarbeit während der Zeit des Faschismus in Rathenow/Westhavelland von Dieter Seeger (2012) Die Emil Busch AG betrieb sechs eigene Lager mit mindestens 1600 Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern (1943/44). Alle Lager waren den Betrieben zugeordnet. Im Arbeitskommando des Kriegsgefangenenlagers STALAG IIIA (Lange Pannen) waren mehr als 166 Gefangene zur Zwangsarbeit konzentriert.

Rathenow wurde am 22. März 1944 durch amerikanische Luftangriffe getroffen, wobei mehrere Menschen getötet wurden. Am 18. April 1944 wurden durch Bombenabwurf eines US-amerikanischen Bomberverbandes rund 55 Menschen getötetLuftangriff. Am 18. April 1944, moz.de. Abgerufen am 17. September 2020. (nach anderen Angaben 60) und 2200 Bewohner obdachlos. Kurz vor Kriegsende im Mai 1945 kämpften einige versprengte deutsche Truppen gemeinsam mit dem Volkssturm unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Keitel gegen die anrückende Rote Armee, wobei etwa 70 Prozent der Stadt zerstört wurden.

Vom 3. Juni 1945 bis um den 7. Juli 1945 waren im Rathenower Stadtforst die teils verkohlten menschlichen Überreste von Adolf und Eva Hitler, der Familie Goebbels und des letzten Generalstabschefs des Heeres im Zweiten Weltkrieg, Hans Krebs, vergraben. Anschließend wurde die Leichen nach Stendal transportiert.Harald Sandner: Vom Führerbunker zur Schweinebrücke, Shaker Media, Düren 2023. ISBN 978-3-95631-949-5, S. 143–148

Nach 1945 Ein Jahr nach dem Krieg begann der Wiederaufbau der zerstörten Innenstadt. Unter Leitung von Otto Haesler wurden am heutigen Platz der Jugend erste Musterbauten errichtet. Die ehemalige Webersiedlung Neufriedrichsdorf wurde 1940 eingemeindet, 1950 wurde Rathenow der Status einer kreisfreien Stadt entzogen. Gleichzeitig wurden die Gemeinde Neue Schleuse sowie die vorgelagerte Magazininsel Teil des Stadtgebiets. Mit der Verwaltungsreform in der DDR im Jahr 1952 wurde die Stadt Verwaltungssitz des Kreises Rathenow im Bezirk Potsdam.

Ab 1948 begann der Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Altstadt. Die städtebauliche Struktur wurde bis auf die ungefähre Lage der Straßen vollständig verändert. Die Straßenprofile wurden erheblich aufgeweitet, statt der geschlossenen Straßenfronten aus vielen Einzelbauten entstanden langgestreckte Häuser und zueinander im rechten Winkel stehende Hauszeilen. Am 17. Juni 1953 begannen im Zusammenhang mit dem gegen den Machtanspruch der SED gerichteten Volksaufstand auch in Rathenow heftige Proteste. Dabei wurde der Betriebsschutzleiter des HO-Geschäfts und SED-Mitglied Wilhelm Hagedorn von aufgebrachten Demonstranten so schwer verletzt, dass er kurz darauf im Krankenhaus an einer Gehirnblutung starb.

Während der Zeit der DDR arbeiteten im VEB Rathenower Optische Werke (ROW) mehrere tausend Menschen. Ein Großteil der Länder des RGW wurde von hier aus mit Brillen und optischen Geräten beliefert. Mit der deutschen Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion im Jahr 1990 brachen diese Märkte schlagartig weg.

Im November 1989 kam es wie in anderen Städten der DDR zu Protestkundgebungen. Erste Treffen fanden in der evangelischen Lutherkirche statt. Anschließend sammelten sich zum Höhepunkt der Proteste rund 15.000 Menschen und zogen demonstrierend durch die Stadt zum Märkischen Platz. Es fanden mehrere Runde Tische mit Vertretern der Demonstrierenden sowie Vertretern der Stadt statt.

Am 6. Dezember 1993 wurde Rathenow im Rahmen der Kreisreform Kreisstadt des Landkreises Havelland. Im Zuge der Ämterreform bildeten die selbstständigen Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf sowie die Stadt Rathenow das Amt Rathenow.

Die oben genannten fünf Gemeinden wurden mit Wirkung vom 31. Dezember 2001 in die Stadt Rathenow eingegliedert und das Amt Rathenow zur gleichen Zeit aufgelöst.

Basierend auf den in der Stadt vorhandenen qualifizierten Fachkräften auf dem Gebiet der optischen Industrie eröffnete der Optikkonzern Fielmann im Jahr 2002 ein neues Produktions- und Logistikzentrum mit 600 Beschäftigten in der Stadt.

Rathenow wurde 2015 als „Kommune des Jahres“ im Land Brandenburg vom Sparkassenverband OSV für die positive Stadtentwicklung in den letzten Jahren geehrt.

Dennoch herrscht in der Stadt eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit, während eine zwei Jahrzehnte andauernde Abwanderungsbewegung, vor allem jüngerer Bewohner, in den 2010er Jahren gestoppt werden konnte. Im Plattenbaugebiet Rathenow Ost wurden mehr als 1.000 Wohnungen abgerissen und die brachliegenden Flächen zum Teil zu einem Solarpark umfunktioniert.

Eingemeindungen 1. März 1948: Gemeinde Neu Friedrichsdorf 1. Juli 1950: Gemeinde Neue Schleuse 31. Dezember 2001: Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1540 2.500 1648 40 1660 1.141 1740 3.820 1770 2.745 Jahr Einwohner 1875 9.949 1890 16.353 1910 24.891 1925 27.566 1933 28.043 1939 32.124 Jahr Einwohner 1946 27.566 1950 29.353 1964 28.961 1971 29.836 1981 32.126 1985 31.500 Jahr Einwohner 1990 30.175 1995 28.625 2000 26.639 2005 26.973 2010 25.301 2015 24.387 Jahr Einwohner 2020 24.179 2021 24.063 2022 24.736 2023 25.055 2024 25.087 2025 24.761