mini|Marktplatz mit Blick zur Peter-Paul-Kirche mini|hochkant|Postmeilensäule auf dem Marktplatz Senftenberg, , ist eine Mittelstadt im Süden Brandenburgs. Sie ist die Kreisstadt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz und befindet sich an der Schwarzen Elster sowie am Senftenberger See, der einer der größten künstlich angelegten Seen Deutschlands ist. Senftenberg selbst liegt in der Niederlausitz und ist deren viertgrößte Stadt, während sich einige 2001 eingegliederte Ortsteile in der Oberlausitz befinden.
Seit dem 9. September 2016 trägt Senftenberg in den an den Senftenberger See grenzenden Ortsteilen Senftenberg-Kernstadt, Großkoschen (mit dem Gemeindeteil Kleinkoschen) und Niemtsch das Prädikat Staatlich anerkannter Erholungsort.Senftenberg ist jetzt „Staatlich anerkannter Erholungsort“. Presseinformation des Brandenburgischen Ministeriums für Wirtschaft und Energie vom 9. September 2016 Die Stadt befindet sich am Westrand des amtlichen Siedlungsgebietes der Sorben/Wenden.
Geografie Geografische Lage Senftenberg befindet sich im Süden des Bundeslands Brandenburg in der Grenzregion zu Sachsen. Während die Kernstadt, Brieske, Sedlitz sowie Groß- und Kleinkoschen zur Niederlausitz gezählt werden, befinden sich Niemtsch, Peickwitz und Hosena bereits in der Oberlausitz. In: Lausitzer Rundschau. 16. April 2011 Senftenberg liegt etwa 40 Kilometer südwestlich von Cottbus und etwa 60 Kilometer nördlich von Dresden.
mini|Ansicht des Senftenberger Sees vom Aussichtspunkt Koschener Kanal in Großkoschen Die Stadt liegt an der Schwarzen Elster und am Senftenberger See. Senftenberg bildet mit Hoyerswerda den Kern des Lausitzer Seenlandes. Dabei handelt es sich um die künftig größte künstliche Seenplatte Europas mit einer Gesamtausdehnung von Westen nach Osten von ungefähr 80 Kilometern, von Norden nach Süden (je nach Abgrenzung) zwischen 32 und 40 Kilometern.
Das Stadtgebiet ist Teil der Ruhland-Königsbrücker Heide und gehört damit zur Landschaft des Oberlausitzer Heidelands.Hellmuth Barthel. In: Lausitz. VEB Tourist Verlag, Berlin / Leipzig 1985, Abschnitt Geologischer-geormorphischer Überblick
Nachbarstädte und -gemeinden mini|hochkant=2|Umgebungskarte von Senftenberg Die Senftenberger Nachbarstädte und -gemeinden vom Nordosten ausgehend über Westen bis nach Süden gehören zum Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Die nördliche Nachbarstadt Senftenbergs ist Großräschen, jedoch getrennt durch den entstehenden Großräschener See. Im Nordosten grenzt die Gemeinde Neu-Seeland des Amts Altdöbern und im Nordwesten die Gemeinde Schipkau an. Die westliche Nachbarstadt ist Schwarzheide, im Südwesten liegen die Stadt Ruhland und das Amt Ruhland. Südlich benachbart ist die Gemeinde Hohenbocka, die ebenfalls zum Amt Ruhland gehört.
In südöstlicher und östlicher Richtung liegen bereits sächsische Städte und Gemeinden des Landkreises Bautzen, so im Osten die Gemeinde Elsterheide mit den Ortsteilen Geierswalde und Klein Partwitz und im Südosten die Stadt Lauta mit ihren Ortsteilen. Geierswalde und Klein Partwitz liegen an den nach ihnen benannten Seen, dem Geierswalder und dem Partwitzer See, die aus ehemaligen Tagebauen entstehen.
Geologie Das Senftenberger Stadtgebiet befindet sich auf einer sandbedeckten Platte auf dem Grauwackemantel des Lausitzer Granitmassivs. Diese Grauwacke tritt an manchen Stellen direkt zu Tage und bildet mit dem Koschenberg die höchste Erhebung der Elsterniederung.
Senftenberg liegt im Lausitzer Urstromtal der Schwarzen Elster, das ein Teil des Breslau-Magdeburger Urstromtales ist. Tagebautätigkeiten gestalteten seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Landschaft dieses Urstromtals und der angrenzenden Sander vollkommen um. Die ältesten Gesteine entstammen dem jungen Präkambrium und sind etwa 600 bis 700 Millionen Jahre alt. Dabei handelt es sich um metamorphe Grauwacke in 150 bis 200 Metern Tiefe. Darüber gibt es eine Schichtlücke, die das Zeitalter vom Paläozoikum bis zum Mesozoikum umfasst. Diese ist auf fehlende Sedimentation oder auf Erosion zurückzuführen. Darüber lagern tertiäre Sedimente, in denen vier Braunkohleflöze eingelagert sind. Das jüngste ist das Lausitzer Oberflöz (1. Lausitzer Flözhorizont), das bereits in den vergangenen 120 Jahren vollständig abgebaut wurde. Dieses Flöz hatte eine durchschnittliche Mächtigkeit von 22 Metern. Das Lausitzer Unterflöz (2. Lausitzer Flözhorizont) ist durch pleistozäne Erosion durch das eiszeitliche Schmelzwasser in eine Vielzahl von Feldern zerschnitten worden. Der 3. Lausitzer Flözhorizont ist in der Senftenberger Gegend nicht stark ausgeprägt; teilweise besteht er nur aus Schluff.
Der vierte und älteste Flözhorizont wird aufgrund seiner tiefen Lage nicht abgebaut. Über diesem Flözhorizont lagerten sich die Spremberger Schichten (helle Tone und grobe Sande) ab. Diese bildeten sich durch die Heraushebung und einsetzende Verwitterung des Oberlausitzer Berglandes. Das abgetragene Material wurde nach Norden in das tertiäre Meer transportiert, das die Gegend um Senftenberg bedeckte. Über den Spremberger Schichten lagern der Braunkohleschluff (3. Flözhorizont) und darüber die Briesker Schichten. Dabei handelt es sich um 30 bis 40 Meter hohe Meeressedimente (Glimmersande). Diese Schichten werden vom 2. Flözhorizont bedeckt, der durch die Raunoer Schichten abgeschlossen wird. Die Raunoer Schichten bestehen aus hellem Ton und Quarzsand und entstanden durch erneute Hebungen im weiter südlich gelegenen Oberlausitzer Bergland. Darüber lagerte das jüngste Kohleflöz, das von pleistozänen Sanden mit einer Mächtigkeit von 10 bis 15 Metern bedeckt war.Otfried Wagenbrecht, Walter Stein: Geologische Streifzüge. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffe, Leipzig, ISBN 3-342-00227-1Günter Bachmann: Die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Sauo. VEB Braunkohlekombinat SenftenbergHellmuth Barthel: Geologischer-geomorphischer Überblick. In: Lausitz. VEB Tourist Verlag, Berlin / Leipzig 1985.
Stadtgliederung mini|Lage Senftenbergs Zur Stadt Senftenberg gehören folgende Ortsteile, bewohnten Gemeindeteile und Wohnplätze (amtliche niedersorbische Namen in Klammern):Stadt Senftenberg. Serviceportal des Landes Brandenburg, abgerufen am 10. Mai 2024.Fabian Kaulfürst, Měto Nowak: Ortschaftsnamen im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden im Land Brandenburg. (PDF; 1,3 MB) Bautzen 2018, S. 20. Brieske (Brjazki) mit den Wohnplätzen Ausbau (Wutwaŕki) und Brieske Dorf (Brjazki Wjas) Großkoschen (Kóšyna) mit dem Gemeindeteil Kleinkoschen (Kóšynka) und dem Wohnplatz Wochenendhausgebiete Waldeck (Wobceŕki Kóńctyźeńskich Wjažkow pód Gólu) Hosena (Hóznja) mit dem Wohnplatz Koboldmühle (Kobołtowy Młyn) Niemtsch (Nimješk) Peickwitz (Tśikojce) mit dem Wohnplatz Hostenmühle (Hozdny Młyn) Sedlitz (Sedlišćo)
Zur Kernstadt Senftenberg gehört zudem der Wohnplatz Buchwalde (Bukojna).
Des Weiteren existiert im Gebiet der Kernstadt die Gemarkung Reppist (Rěpišćo) mit den verbliebenen Gebäuden des Ortes, Reppist wird jedoch nicht mehr im Ortsteilverzeichnis gelistet. Auch die früheren Wohnplätze Brieske Ost (Brjazki Pódzajtšo), Laugkfeld (Ług), Peickwitz Flur (Na Tśikojskich) und Siedlung (Sedlišćo) werden ebenfalls nicht mehr amtlich geführt. Mit dem Stadtgebiet verschmolzen sind die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eingemeindeten ehemaligen Vororte Buchwalde, Jüttendorf (Wjaska), Thamm (Gat) sowie Neusorge (Nowe Městko).
Geschichte Ortsname Der Name der Stadt leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort für „sanft am Berg“ ab, da die Stadt von Hügeln und Bergen, wie zum Beispiel dem Koschenberg im Südosten und den Raunoer Bergen im Norden, umgeben war; eine Namensübertragung durch die Siedler ist ebenso denkbar.Isolde Rösler: Alt-Senftenberg. Eine Bilderchronik. Herausgeber Kreismuseum Senftenberg. Geiger, Horb am Neckar 1992, ISBN 3-89264-731-3.
Eine ältere, heute aber nicht mehr als gültig angesehene Erklärung für den Namen der Stadt stellt die Ableitung von „sumpftenburg“ dar. Die Teilwörter sumpften und Burg sollten die naturräumlichen Gegebenheiten der Stadtentwicklung erklären. Die Burg, in deren Schutz sich die Stadt entwickelte, war von den Sumpfgebieten Laugk und Haag umgeben. Die Flüsse Schwarze Elster, Storchelster und Wolschinka speisten die Sümpfe, so dass Senftenberg wie eine Insel von Wasser und Sümpfen umgeben war.
Der sorbische Name Senftenbergs lautet Zły Komorow. Dafür gibt es die beiden möglichen Übersetzungen „Schlimmer Mückenort“ und „Schlimme Kammer“.Al. Duttmann: Die Deutschen Ortsnamen mit besonderer Berücksichtigung der ursprünglich wendischen in der Mittelmark und Niederlausitz. Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin 1856, S. 64 (books.google.de). Die erste Variante ist auf die naturräumliche Lage Senftenbergs in Sumpfgebieten und das damit verbundene starke Auftreten von Mücken zurückzuführen (altsorbisch komor, komar = „Mücke“).Ernst Eichler und Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Akademie-Verlag, Berlin 1975. Variante zwei leitet Komorow von Kammer (sorb. komora, komorkaide) ab und bedeutet in diesem Falle „Gerichtsstand“ oder „Gericht“.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Bereits in der Jungsteinzeit siedelten Menschen in der Gegend um Senftenberg und im Elstertal. Darauf weisen Steinwerkzeuge hin, die bei Grabungsarbeiten in der Schmiedestraße gefunden wurden.
Urnen- und Buckelurnenfunde (z. B. am Koschenberg) weisen auf eine Besiedlung während der Bronze- und frühen Eisenzeit (900 bis 500 v. Chr.) hin. Bei Tagebauarbeiten wurde im Laugk 1931 ein Ringwall mit Pfostenhäusern aus der letzten Periode der frühen Eisenzeit entdeckt. Die Siedlungsscherben sind dem Billendorfer Typ zuzuordnen. Diese Siedlung war durchgehend von ungefähr 650 Personen bewohnt. Die Grabungen am Burgwall von Senftenberg leitete Alfred Götze aus Berlin.
Mittelalter Senftenberg wurde im Zuge der deutschen Ostsiedlung gegründet. Die Siedlung Senftenberg entwickelte sich im Schutze einer Burg (heute das Schloss der Festungsanlage), die deutsche Ritter errichteten. Die Stadt lag westlich der Burganlage und war planmäßig angelegt. Sie besaß einen kreisförmigen Grundriss, die Häuser waren um den trapezförmigen Marktplatz angeordnet. Durch Senftenberg führte von West nach Ost die Via Regia Lusatiae Inferioris (Niederstraße). Da die Stadt im Norden und Osten durch Gewässer (Schwarze Elster und Storchelster) und Sümpfe (z. B. den Laugk) geschützt war, verlief die Stadtmauer südlich und westlich der Stadt mit jeweils einem Stadttor im Osten und Westen. Das Stadttor im Westen hieß Kreuztor und das im Osten Schlosstor. Die Bezeichnung des Kreuztores und der davon zum Markt führenden Kreuzstraße leiten sich von der Kapelle Zum Heiligen Kreuz ab, die unweit im Vorort Jüttendorf stand.
mini|Heinrich der Erlauchte (Darstellung auf dem Dresdner Fürstenzug)