Die Cheops-Pyramide ([ˈkeːɔps]) ist die älteste und größte der drei Pyramiden von Gizeh und wird deshalb auch als „Große Pyramide“ bezeichnet. Sie ist auch die höchste Pyramide der Welt und wurde als Grabmal für den ägyptischen König (Pharao) Cheops (altägyptisch Chufu) errichtet, der während der 4. Dynastie im Alten Reich regierte (etwa 2620 bis 2580 v. Chr.siehe auch 26. Jahrhundert v. Chr. und Vergleiche Endneolithikum in Mitteleuropa). Zusammen mit den benachbarten Pyramiden der Pharaonen Chephren und Mykerinos ist sie das einzige der Sieben Weltwunder der Antike, das sich bis heute erhalten hat. Als Bauplatz wählte Cheops nicht die königliche Nekropole von Dahschur wie sein Vorgänger Snofru, sondern das Gizeh-Plateau.

Altägyptisch wurde die Pyramidenanlage Achet Chufu („Horizont des Cheops“) genannt. Ihre ursprüngliche Seitenlänge wird auf 230,33 m (440 Ellen) und die Höhe auf 146,59 m (280 Ellen) berechnet. Damit war sie rund viertausend Jahre lang das höchste Bauwerk der Welt. Die Neigung der Außenflächen (Seked) beträgt 51°50′34″ (= 22 Finger auf eine Elle). Da die Pyramide in späterer Zeit als Steinbruch diente, beträgt ihre Höhe heute noch 138,75 m. Ihre Einmessung wurde in sehr hoher Genauigkeit vorgenommen, die in den nachfolgenden Bauten nicht mehr erreicht wurde. Die Kanten ihrer Grundfläche sind genau nach den vier Haupt-Himmelsrichtungen ausgerichtet, und der Unterschied in den Längen ihrer vier Seiten beträgt weniger als ein Promille. Als Baumaterial diente hauptsächlich örtlich vorkommender Kalkstein. Für einige Kammern wurde Granit verwendet. Die Verkleidung der Pyramide bestand ursprünglich aus weißem Tura-Kalkstein, der im Mittelalter fast vollständig abgetragen wurde.

An der Nordseite befindet sich der ursprüngliche Eingang und im Innern ein Kammersystem aus drei Hauptkammern: die Felsenkammer im gewachsenen Fels, die sogenannte Königinnenkammer etwas höher im Kernmauerwerk und die sogenannte Königskammer am oberen Ende der großen Galerie mit dem Sarkophag, in welchem der König vermutlich bestattet wurde. Die Pyramide wurde offensichtlich spätestens im Mittelalter, wahrscheinlich schon zu pharaonischer Zeit geplündert. Die Funktion der einzelnen Kammersysteme in der Cheops-Pyramide ist in vielfacher Hinsicht ungeklärt. Das Raumprogramm spiegelt vermutlich religiöse Vorstellungen wider, wie die Idee des Himmelsaufstiegs des toten Königs: anfänglich zu den unvergänglichen Sternen des Nordhimmels, dann zum Lichtland, den Gefilden des Re am Himmel.

An der Ostseite der Pyramide befindet sich der Totentempel, von dem heute nur noch die Fundamente erhalten sind. Vom Aufweg und Taltempel ist fast nichts erhalten. Im anliegenden Ostfriedhof wurden die näheren Verwandten des Cheops bestattet. Dazu gehören mehrere große Mastabas vorwiegend für seine Söhne und deren Frauen sowie drei Königinnenpyramiden, deren Zuordnung zu einzelnen Königinnen und Prinzessinnen bisher nicht zweifelsfrei vorgenommen werden kann. Eine vierte, kleinere Pyramide diente als Kultpyramide für den König. Im Westen wurde ein Friedhof aus kleineren Mastabas angelegt, hauptsächlich für hohe Beamte. Im Umfeld der Cheops-Pyramide wurden sieben Bootsgruben entdeckt, zwei davon noch intakt und verschlossen. Die in 1224 Einzelteile zerlegte Barke des Königs wurde, restauriert und wieder zusammengesetzt, bis 2021 im Bootsmuseum ausgestellt und befindet sich heute im Großen Ägyptischen Museum. Die Bedeutung der Königsboote ist noch ungeklärt. Vielleicht stehen sie im Zusammenhang mit der Bestattung oder mit gewissen Jenseitsvorstellungen.

Bereits antike Historiker befassten sich mit der Cheops-Pyramide, insbesondere Herodot, der über 2.000 Jahre nach dem Bau der Pyramiden lebte, seine Informationen teilweise aus zweifelhaften Quellen bezog und aus der Sicht eines Griechen schrieb. Mit ihm nahmen bis heute andauernde Irrungen und Wirrungen über die Pyramide ihren Anfang. Ab dem 15. Jahrhundert war sie Ziel europäischer Reisender und ab dem 18. Jahrhundert von Forschungsexpeditionen. Spätestens die Untersuchungen Flinders Petries, Begründer der modernen ägyptischen Archäologie, widerlegten zahlreiche mythische Ideen. In jüngerer Zeit waren vor allem die Schächte der Königinnenkammer sowie die Hohlräume über dem Eingang und der Großen Galerie Gegenstand von Untersuchungen.

Von besonderem Interesse für die Logistik beim Bau der Cheopspyramide sind Papyrus-Fragmente, die 2013 in Wadi al-Garf entdeckt wurden. Darunter befand sich ein Logbuch eines Inspektors namens Merer, der einen Arbeitstrupp leitete, der Steine vom Steinbruch Tura für den Bau der Cheopspyramide nach Giza schiffte (Papyrus Jarf A und B). Diese Papyrus-Funde liefern erstmals ein „inneres“ Bild der Verwaltung des frühen Alten Reiches.

Die Cheops-Pyramide gehört seit 1979 zusammen mit vielen weiteren Pyramiden als Teil des Komplexes „Memphis und seine Totenstadt – die Pyramidenfelder von Gizeh bis Dahschur“ zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Forschungsgeschichte

Antike Historiker

Herodot von Halikarnassos mini|hochkant|Herodot äußerte sich als erster antiker Historiker über die ägyptischen Pyramiden.

Herodot von Halikarnassos, den Cicero als „Vater der Geschichtsschreibung“ und Erzähler „zahlloser Geschichten“ bezeichnete, verfasste im 5. Jahrhundert v. Chr. ein neun Bücher umfassendes Geschichtswerk, die sogenannten Historien. Als viel gereister Mann beschrieb er die Länder und Völker der damals bekannten Welt. Ägypten bereiste er zur Zeit der Ersten Perserherrschaft um 450 v. Chr. und schrieb darüber im zweiten Buch seiner Historien.

Dieser älteste Bericht über die Pyramiden ist aber erst mehr als 2000 Jahre nach ihrem Bau entstanden. Offensichtlich bezog Herodot sein Wissen vor allem von Beamten und Priestern niedrigen Ranges, von Ägyptern und angesiedelten Griechen aus dem Volk und von seinen Dolmetschern. Dementsprechend präsentieren sich seine Ausführungen als eine Mischung aus nachvollziehbaren Beschreibungen, persönlichen Beschreibungen, fehlerhaften Berichten und Phantasiegeschichten. So nahmen mit ihm die spekulativen Irrungen und Wirrungen über das Monument ihren Anfang.M. Haase: Eine Stätte für die Ewigkeit. … Mainz 2004, S. 125.

Herodot charakterisiert Cheops als einen tyrannischen König. Dies zeigt wohl die Sicht des Griechen, dass solche Bauten nur durch grausame Ausbeutung des Volkes zustande kommen können. Nach Herodot soll Cheops sogar so weit gegangen sein,

Auf Befehl des Cheops hätten in dreimonatigen Schichten jeweils 100.000 Arbeiter an den Bauten Frondienste verrichtet. In den ersten zehn Jahren sei eine breite Dammstraße errichtet worden, die Herodot zufolge fast ebenso beeindruckend schien wie der Bau der Pyramiden selbst, da sie etwa 1 km lang, 18 m breit und 14 m hoch und mit geglätteten Steinen belegt gewesen sei. Außerdem seien am Fuße der Pyramiden unterirdische Kammern errichtet worden, in deren einer Cheops selbst bestattet worden sei. Herodot spricht von einer Insel in einem unterirdischen See, der durch einen Nilkanal gefüllt werde.Man hielt den Bericht von dem Grab des Cheops auf einer Insel in einem unterirdischen See für reine Legende, bis Zahi Hawass 1999 bei einer Ausgrabung in einem unterirdischen Kammersystems des Gizeh-Plateaus eine der Beschreibung weitgehend entsprechende Anlage entdeckte, die er als ein symbolisches Grab des Osiris klassifizierte. Siehe (abgerufen am 5. November 2009) Jede Seite der Pyramide sei etwa 240 m lang und ebenso groß sei die Höhe. Ihr Bau habe 20 Jahre gedauert.

Herodot beschrieb auch eine Inschrift an der Außenseite der Pyramide, welche seiner Meinung nach die Menge von Rettichen, Knoblauch und Zwiebeln angab, welche die Arbeiter verzehrt hätten. Hierbei könnte es sich um einen Vermerk von Restaurierungsarbeiten handeln, die Chaemwaset, Sohn von Ramses II., durchgeführt hatte. Offenbar konnten Herodots Begleiter und Dolmetscher die Hieroglyphen nicht lesen oder gaben ihm bewusst falsche Informationen.M. Haase: Eine Stätte für die Ewigkeit. … Mainz 2004, S. 127.

Diodor von Sizilien Diodor von Sizilien besuchte Ägypten um 60 v. Chr. Er stützte sich bei seinen Beschreibungen einerseits auf die Sichtweise einiger antiker Historiker, distanzierte sich jedoch auch von Herodot, der lediglich „Wundermärchen und unterhaltende Dichtungen“ geschildert habe.Diodor, Bibliothéke historiké Buch I, 69, (online); Haase: Eine Stätte für die Ewigkeit. … Mainz 2004, S. 127. Vermutlich bezog er sein Wissen aus dem verlorengegangenen Werk des Hekataios von Abdera und von ägyptischen Priestern. Seinem Bericht zufolge gab es weder bei den ägyptischen Geschichtsschreibern noch im Volk übereinstimmendes Wissen über die Erbauer der Pyramiden. Einerseits erzählte man ihm, dass die Könige Cheops und Chephren nicht in den Pyramiden, sondern an einem geheimen Ort bestattet wurden, aus Angst vor der Rache des zum Frondienst verurteilten Volkes. Damit festigte Diodor die Verbindung zwischen Pyramidenbau und Sklaverei und die Idee von riesigen Kenotaphen. Andererseits brachte er die Pyramiden mit ganz anderen Bauherren in Verbindung. So soll der Bauherr der Cheops-Pyramide ein gewisser König Harmais gewesen sein – eine Bezeichnung, die sich vielleicht auf die „Harmachis“ genannte Sphinx beziehen könnte. Die Chephren-Pyramide sollte demnach von Amasis, einem König der 26. Dynastie, und die Mykerinos-Pyramide von Inaros I., dem Helden eines Aufstandes gegen die Perser, stammen. Diese Vorstellung entsprang offenbar zeitgenössischen Volkserzählungen, die die Pyramiden bekannten Persönlichkeiten der nahen Vergangenheit zuschrieben. Man muss aber auch in Betracht ziehen, dass in dieser Zeit die Pyramiden für erneute Bestattungen verwendet wurden.M. Haase: Eine Stätte für die Ewigkeit. … Mainz 2004, S. 127 f.

Laut Diodor befand sich die Verkleidung der Pyramide zu seiner Zeit noch in hervorragendem Zustand, wohingegen der oberste Teil der Pyramide von einer Plattform von sechs Ellen Breite (ca. 3 m) gebildet worden sei. Demzufolge wäre das Pyramidion im 1. Jahrhundert v. Chr. bereits verschwunden gewesen. Über den Bau der Pyramide hält er fest, dass sie mit Hilfe von Rampen errichtet wurde, da noch keine Hebewerkzeuge erfunden waren. Von den Rampen sei nichts übrig geblieben, da man sie nach der Fertigstellung der Pyramiden wieder abgetragen habe. Die Anzahl der Arbeiter, die für die Errichtung der Cheops-Pyramide notwendig waren, schätzte er auf 360.000 und die Bauzeit auf 20 Jahre.M. Haase: Eine Stätte für die Ewigkeit. … Mainz 2004, S. 128.

Strabon aus Amasya Strabon besuchte Ägypten um 25 v. Chr., kurz nach der Eroberung Ägyptens durch die Römer. Er hielt sie zwar noch für Begräbnisstätten von Königen, erwähnte aber nicht mehr die darin bestatteten Könige. Möglicherweise konnte er die Pyramide tatsächlich betreten. So erwähnt er in der Mitte einer Pyramidenseite einen Stein, der herausgenommen werden kann und in einen gekrümmten Gang bis zur Gruft führte. Dieser Stein wurde in der Forschung auch schon als eine Art drehbare Steintür interpretiert, vermutlich handelte es sich aber nur um einen einfachen Steinblock, der den Zugang blockierte. Die Beschreibung des gekrümmten Ganges passt jedoch wiederum am besten zum Grabräuberzugang.M. Haase: Eine Stätte für die Ewigkeit. … Mainz 2004, S. 128 f.

Plinius der Ältere Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere hielt die Pyramiden für eine Zurschaustellung von Reichtum und eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, um das Volk besser kontrollieren zu können. Plinius weist in seiner Naturalis historia auf einen 86 Ellen tiefen Schacht in der Pyramide hin, der seinen Vorstellungen zufolge dazu diente, das Nilwasser in die Pyramide zu leiten. Damit könnte er den Schacht zwischen der großen Galerie und dem absteigenden Korridor gemeint haben. Vielleicht war in der damaligen Zeit nur das obere Kammersystem zugänglich.M. Haase: Eine Stätte für die Ewigkeit. … Mainz 2004, S. 129.

Byzantinische und arabische Zeit