Hiroshima (, , dt. „weiträumige Insel“; im Deutschen auch Hiroschima;duden.de jap. ) ist eine Hafenstadt im Südwesten der japanischen Hauptinsel Honshū mit einigen vorgelagerten Inseln und der Verwaltungssitz der gleichnamigen Präfektur Hiroshima (Hiroshima-ken).
Weltweite Bekanntheit erlangte Hiroshima als Ziel des ersten kriegerischen Kernwaffeneinsatzes am 6. August 1945.
Geschichte Anfänge bis zur Meiji-Restauration mini|links|Die ursprünglich zwischen 1592 und 1599 erbaute Burg wurde 1945 vollkommen zerstört und 1958 neu aufgebaut
Im 13. Jahrhundert errichteten die Aki-Takeda flussaufwärts oberhalb der späteren Stadt Hiroshima (auf dem heute Takeda-yama genannten Berg im heutigen Stadtbezirk Asaminami) eine Burg, die Kanayama-Burg (Kanayama-jō), nach dem Standort im damaligen Landkreis Satō (Satō-gun, später Numata-gun) auch Satō-Kanayama-jō () genannt. Sie blieb bis ins 16. Jahrhundert die Hauptburg der Aki-Takeda, als die Mōri die Herrschaft über die Region übernahmen.Verwaltung der Stadt Hiroshima: ; englisch
Die eigentliche Stadt Hiroshima wuchs um eine Burg im Flussdelta (genannt die „Karpfenburg“) der Mōri aus dem späten 16. Jahrhundert. Die Mōri, die bis dahin weite Teile der Region Chūgoku kontrolliert hatten und zu den mächtigsten Familien der Sengoku-Zeit zählten, gehörten zu den Verlierern der Schlacht von Sekigahara und herrschten fortan von Hagi „nur“ noch über Chōshū im heutigen Yamaguchi. Unter den Tokugawa erhielten die Asano 1619 das Fürstentum Hiroshima. Die Asano bauten die Stadt aus und regierten bis zur Meiji-Restauration.
19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg mini|links|Das temporäre Reichstagsgebäude in Hiroshima 1894 mini|links|Modell von Hiroshima vor der Zerstörung am 6. August 1945
Die Stadt war vor der Meiji-Restauration Teil der Landkreise Numata (, historisch auch Nuta gelesen) und Aki der Provinz Aki – die antiken Provinzen und Landkreise hatten ihre Verwaltungsfunktion zwar seit dem Mittelalter in großen Teilen verloren, dienten aber nach wie vor als geographische Einteilung des Landes. Beide Landkreise wurden in der Restauration Teil der Präfektur (-ken) Hiroshima. In der nicht nachhaltigen, an das Melderecht geknüpften Verwaltungsgliederung der Präfekturen von 1871 bildete die Umgebung der Burg den „großen Bezirk Nr. 1“ der Präfektur Hiroshima (, Hiroshima-ken daiichi daiku). Bei der Reaktivierung und Neuordnung der Landkreise durch die Meiji-Regierung 1878 wurde an dessen Stelle der aus den Landkreisen herausgelöste „Bezirk“/Stadtkreis (-ku) Hiroshima eingerichtet. Aus diesem entstand bei der Einführung der preußisch inspirierten Gemeindeordnungen 1889 die heutige Hiroshima-shi mit damals 83.387 Einwohnern.Ishida Satoshi, :
Der Ausbau des Hafens 1889 und der Anschluss an die 1894 fertiggestellte Sanyō-Eisenbahnlinie zwischen Kōbe und Shimonoseki führten zu einem weiteren Aufschwung der Stadt.
Während des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges (1894–1895) war die Stadt Standort des kaiserlichen Hauptquartiers – und für eine Sitzungsperiode auch Tagungsort des Reichstags – und wurde in der Folgezeit zu einem militärischen Zentrum des Kaiserreichs Japan. Bis zum Zweiten Weltkrieg gewann Hiroshima zunehmend an Bedeutung und war mit 245.000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt des Landes.
US-amerikanischer Atombombenabwurf am 6. August 1945
mini|links|Modell von Hiroshima mit gekennzeichnetem Zentrum der Atombombenexplosion
Auf die Metropole wurde am Morgen des 6. August 1945 aus dem B-29 Bomber Enola Gay der USAAF die Atombombe Little Boy abgeworfen. Die Explosion in ca. 600 Meter Höhe zerstörte um 8:16 Uhr Ortszeit ungefähr 90 % der bis dahin weitgehend unbeschädigten Stadt. Insgesamt wurden 70.000 der 76.000 Häuser zerstört oder schwer beschädigt. Bei diesem ersten Einsatz einer Kernwaffe in einem Krieg wurden etwa 70.000 Personen sofort getötet. Insgesamt starben bis Ende 1945 schätzungsweise 140.000 Menschen. Die noch lebenden Opfer des Angriffs werden in Japan als „Hibakusha“ bezeichnet und leiden an den Folgen der Verstrahlung bis heute.
Vom Wiederaufbau bis heute mini|links|Friedensdenkmal im modernen Hiroshima Nach dem Wiederaufbau ab 1949 entwickelte sich Hiroshima zu einem wichtigen Industriestandort und steht heute mit über 1,1 Millionen Einwohnern auf Platz 11 der größten Städte Japans.
Da „Little Boy“ einige hundert Meter über der Stadt explodierte, wurden eventuelle Schäden durch radioaktiven Niederschlag gering gehalten; die meisten Strahlenschäden wirkten sich nur unmittelbar bei der Explosion aus. Die Strahlenbelastung ist heute nicht über dem Niveau der gewöhnlichen Hintergrundstrahlung durch natürliche Radioaktivität und somit nicht höher als in anderen Gebieten der Erde.
In den 1950ern („Große Shōwa-Gebietsreform“, Shōwa no daigappei) wurde die Stadt um mehrere Gemeinden aus den Kreisen Aki und Saeki vergrößert. 1958 überschritt die Einwohnerzahl den Vorkriegsstand und erreichte 1964 500.000. Im Wirtschaftswunder wurden weitere umfangreiche Eingemeindungen von umliegenden Gemeinden geplant, die eine großräumige Stadtplanung für die schnell wachsende Stadt ermöglichen sollten. In den 1970er Jahren wurden schließlich der gesamte Landkreis Asa sowie Teile weiterer Landkreise in mehreren Schritten eingemeindet. 1980 wurde Hiroshima von der Regierung zur Großstadt (seirei shitei toshi) ernannt und in Stadtbezirke (ku) eingeteilt. Sie war die zehnte seirei-shi im ganzen Land. Durch zwei weitere Eingemeindungen aus dem Landkreis Saeki 1985 und 2005 entstand der Stadtbezirk Saeki.
Politik und Verwaltung
mini|Die Stadtverwaltung von Hiroshima (Hiroshima-shiyakusho) in Kokutaijimachi im Bezirk Mitte Bürgermeister von Hiroshima (Hiroshima-shichō) ist seit 2011 Kazumi Matsui, ein ehemaliger Beamter des Gesundheits- und Sozialministeriums. Er wurde bei den einheitlichen Regionalwahlen 2023 mit Unterstützung von LDP und Kōmeitō mit 80 % der Stimmen gegen zwei Kandidaten für eine vierte Amtszeit wiedergewählt.
Ebenfalls bei den einheitlichen Wahlen wurde das Stadtparlament von Hiroshima (Hiroshima-shigikai) gewählt, das regulär 54 Mitglieder aus acht mit den Stadtbezirken identischen Wahlkreisen hat: zehn aus dem Bezirk Asa-Süd, neun aus dem Bezirk West, sieben aus Asa-Nord, je sechs aus den Bezirken Mitte, Ost, Süd und Saeki und vier aus dem Bezirk Aki. 2023 blieb die LDP mit 17 Sitzen stärkste Partei.
2003 war Hiroshima die erste „Großstadt per Regierungserlass“ Japans, die Ausländern die Teilnahme an kommunalen Volksabstimmungen erlaubte. Stimmberechtigt sind Ausländer über 18 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in der Stadt registriert sind. Stadt Hiroshima
Stadtgliederung mini|Die acht Stadtbezirke; im Südosten wird der Bezirk Aki durch den Landkreis Aki in zwei nicht zusammenhängende Teile geteilt und umgekehrt der Landkreis durch die Stadt in drei. mini|links|Die Bezirksverwaltung von Aki Als „Großstadt per Regierungserlass“ (seirei shitei toshi) gliedert sich die Stadt Hiroshima seit 1980 in zunächst sieben, seit 1985 acht Bezirke:
Codemit PrüfzifferNameFläche (in km²)BevölkerungBevölkerungs-dichte (Ew./km²) Vorläuferkreise/-städte/-dörfermit Eingemeindungsjahrlat. TranskriptionÜbersetzung jap. 01.10.2015Zahlen der Volkszählung 201534101-1Naka-ku(„Bezirk Mitte“) 136.6408919,06 Hiroshima-ku (1878–)/Hiroshima-shi (1889–)34102-9Higashi-ku(„Bezirk Ost“) 120.1553048,07 Hiroshima-ku (1878–)/Hiroshima-shi (1889–) Aki-gun Ushita-mura (1929) Yaga-chō (1929) Hesaka-mura (1955) Nakayama-mura (1956) Aki-chō (1974)34103-7Minami-ku(„Bezirk Süd“) 142.7285394,1 Hiroshima-ku (1878–)/Hiroshima-shi (1889–) Aki-gun Niho-mura (1929)34104-5Nishi-ku(„Bezirk West“) 190.9295361,67 Hiroshima-ku (1878–)/Hiroshima-shi (1889–) Asa-gun Misasa-chō (1929) Saeki-gun Furuta-mura (1929) Kusatsu-chō (1929) Koi-chō (1929) Inokuchi-mura (1956)34105-3Asaminami-ku(„Bezirk Asa-Süd“) 242.5122072,22 Asa-gun Numata-chō (1971) Gion-chō (1972) Yasufuruichi-chō (1973) Satō-chō (1973)34106-1Asakita-ku(„Bezirk Asa-Nord“) 145.018410,43 Asa-gun Kōyō-chō (1973) Kabe-chō (1972) Asa-chō (1971) Takata-gun Shiraki-chō (1973) 34107-0Aki-ku 79.353843,46 Aki-gun Senogawa-chō (1973) Kumanoato-mura (1974) Funakoshi-chō (1975) Yano-chō (1975)34108-8Saeki-ku 136.699606,39 Saeki-gun Itsukaichi-chō (1985) Yuki-chō (2005)34100-2Hiroshima-shi(„Stadt Hiroshima“) 1.194.0341316,93 1 Stadtkreis, Teile von 4 Landkreisen
Einwohnerentwicklung + Census-BevölkerungJahrBevölkerung20181.199.252*20151.194.03420101.173.84320051.154.39120001.126.23919951.108.88819901.085.70519851.044.1181980899.399* Bevölkerungsstand am 1. Oktober 2018
Präfekturpolitik mini|Das Gebäude des Präfekturparlaments Hiroshima im Gebäudekomplex der Präfekturverwaltung Im 64-köpfigen Präfekturparlament von Hiroshima ist die Stadt Hiroshima mit insgesamt 26 Abgeordneten vertreten. Auch dabei fungieren die Stadtbezirke als Wahlkreise und wählen jeweils zwei bis fünf Abgeordnete.Präfekturparlament Hiroshima: Wahlkreise und Mandatszahlen Bei der ebenfalls als Teil der einheitlichen Wahlen durchgeführten Präfekturparlamentswahl 2023 gab es in drei Wahlkreisen der Stadt Hiroshima (Higashi, Nishi, Saeki) keine Abstimmung.
Die Stadt Hiroshima ist seit der Gründung Sitz der Präfekturverwaltung von Hiroshima (Hiroshima-kenchō). Der Gebäudekomplex der Präfekturverwaltung befindet sich im Motomachi im Bezirk Mitte.
Nationalpolitik Bei Wahlen zum nationalen Abgeordnetenhaus erstreckt sich die Stadt seit der Wahl 2024 in die Wahlkreise 1 bis 3 der Präfektur Hiroshima. Den Wahlkreis 1 hält seit der Einführung der Einmandatswahlkreise 1996 auch nach dem Neuzuschnitt durchgehend der Liberaldemokrat Fumio Kishida. Den Wahlkreis 2 hält Hiroshi Haraguchi, ebenfalls Liberaldemokrat, den Wahlkreis 3 Tetsuo Saitō vom nationalen Koalitionspartner Kōmeitō.
In Hiroshima befinden sich einige Außenstellen von Ministerien der Zentralregierung mit Zuständigkeit für die Region Chūgoku. Auch der Gerichtsbezirk des Obergerichts Hiroshima mit Hauptsitz im Bezirk Naka umfasst ganz Chūgoku.
Die Stadt Hiroshima war die erste Gebietskörperschaft Japans, in der ein Referendum nach Artikel 95 der Verfassung von 1947 stattfand, der für Gesetze, die nur für eine bestimmte Gebietskörperschaft gelten, die Zustimmung der Wahlberechtigten fordert: Im Juli 1949 stimmten die Bürger Hiroshimas über das Hiroshima heiwa kinen toshi kensetsu-hō (, „Baugesetz für die Friedensgedenkstadt Hiroshima“) ab, das die Grundlage für die Einrichtung des Friedensdenkmals bildete. Das Gesetz fand eine klare Mehrheit unter den Bürgern und trat noch im selben Jahr in Kraft.
Verkehr Hiroshima ist seit dem 10. März 1975 an den San’yō-Shinkansen (Schnellfahrstrecke, Bahnhof Hiroshima) angeschlossen. Der Flughafen Hiroshima befindet sich seit 1993 ca. 50 km östlich der Stadt, der alte ist unter dem Namen Hiroshima-Nishi weiterhin für Regionalflüge in Betrieb. Hiroshima hat auch Anschluss an die Chugoku- und die Sanyō-Autobahn sowie die Nationalstraße 2, die das Stadtgebiet von Ost nach West durchquert. Vom Hafen bestehen zahlreiche Fährverbindungen zu den Inseln in der Seto-Inlandsee und nach Shikoku.
Hiroshima hat mit der Straßenbahn Hiroshima mit neun Linien, die sich auf die Innenstadt beschränken, das größte Straßenbahnnetz Japans. Eine Überlandlinie führt nach Miyajima-guchi, von wo eine Fährverbindung zur Insel Miyajima besteht. In den 1980er Jahren wurden zwei Straßenbahnwagen des Typs GT8 aus Dortmund gekauft, einer davon ist heute noch als Museums- und Sonderwagen mit Vollwerbung für König Pilsener im Einsatz. Sechs Busgesellschaften betreiben zahlreiche Verbindungen – vor allem in die Vororte – und die JR deckt den Eisenbahn-Regionalverkehr ab. Zwei moderne ÖPNV-Systeme gibt es auch – die Astram und die Einschienenbahn Hiroshima – allerdings tragen die Straßenbahnen, Mopeds, Motorräder, Eisenbahnen und Busse die Verkehrshauptlast.
Persönlichkeiten